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Die Familie Smith empfängt sie zunächst ebenso höflich wie
befremdet, doch man kommt sich zunehmend näher. Sie glaubt,
in den Augen der Mutter nach einiger Zeit so etwas wie Sympathie
zu lesen, die Schwestern verlieren in gleichem Maße an Distanziertheit,
und an ihrem Verleger, dem Sohn des Hauses, kann Charlotte
nur mehr sympathische Züge finden, nachdem er ihr hier als
Privatmann und nicht so sehr geschäftlich gegenübertritt.
In dieser Umgebung wird es ihr leicht, andere literarische
Größen sehen zu wollen, und so trifft Smith Vorbereitungen
für eine Begegnung zwischen William Makepeace Thackeray,
dem gefeierten Autor von Jahrmarkt der Eitelkeit, und
der berühmten Autorin von Jane Eyre. Es mag ihm ein wenig
mulmig gewesen sein vor diesem Gipfeltreffen, denn die Charaktere
der beiden waren durchaus nicht geeignet, sich zu einem
harmonischen Ganzen fügen zu lassen.
Da
war Thackeray, geboren in Kalkutta, seit dem sechsten Lebensjahr
in England erzogen, danach Cambridgestudent und unermüdlicher
Reisender: Frankreich hatte er gesehen, Italien und Deutschland,
in Weimar war er gar Goethe begegnet. Nach Hause zurückgekehrt
verjubelte er das Vermögen seines verstorbenen Vaters und
versuchte sich danach mit Leidenschaft als Schriftsteller.
1849 war er gerade achtunddreißig Jahre alt, schon breitschädelig,
mit dem weiten, herabgezogenen Mund, der langen, wenn auch
gezähmten Mähne, und der etwas plattgedrückten breiten Nase.
Er trat als ein lärmender, sehr selbstbewusster Mensch auf,
der sich mit fröhlicher Unbekümmertheit durch das Leben
bewegte, spöttisch durch die winzigen Brillengläser spitzte
und großzügig seinen Witz in den Salons versprühte.
Charlotte
dagegen, die Winzige, die Scheue, die Kurzsichtige, hat
fast ihr ganzes Leben in der Heide- und Moorlandschaft um
Haworth verbracht ...
2005
© by Christina Diehl
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