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Sophie
wurde aus ihren Gedanken gerissen. Sie sah, wie Karoline
nun lächelnd auf Clemens zuging. Erst jetzt fand diese Gelegenheit,
dem Geburtstagskind in Ruhe zu gratulieren. »Herzlichen
Glückwunsch, lieber Clemens, Du hast Dir einen wunderschönen
Tag ausgesucht, ich genieße die laue Sommerluft in Eurem
herrlichen Garten.« Karoline schaute hinüber zu den
blühenden Rosen und legte dann den Kopf zurück. Sie blickte
in die Baumkrone über ihnen. Eine weit ausladende Linde
mit dichtem Blattwerk spannte ihre Äste schützend wie ein
Dach über dem Kaffeetisch aus und unterstrich Karolines
Worte. Sie erfreute sich an der Natur und konnte sich kaum
vorstellen, bald wieder in ihr tristes Zimmer in Frankfurt
zurückkehren zu müssen. Nach dem Tode ihrer Mutter war sie
in einem Stift für verarmte adlige Damen aufgenommen worden,
in dem sie, seit sie siebzehn Jahre alt war, als Jüngste
unter lauter Witwen sehr zurückgezogen lebte. Zusätzlich
drückte ein Augenleiden auf ihre Stimmung und verstärkte
ihren Hang zu Depressionen. Ein reger Briefwechsel bewahrte
sie davor, geistig zu verarmen.
Karoline
setzte sich neben Sophie, die sich gleich an ihre Hausfrauenpflichten
erinnerte. »Karoline, ich habe das Gästezimmer für
Dich richten und Dein Gepäck schon hinaufbringen lassen.«
»Wir müssen uns heute unbedingt austauschen, Sophie.
Du bist ja so beschäftigt. Auf meine Briefe bekomme ich
kaum Antwort von Dir«, wandte sich Karoline an Sophie.
»Ich möchte von Dir wissen, wie Du es schaffst, so
erfolgreich zu sein.«
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2005
© by Ute Fischer
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