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TAHAR BEN JELLOUN
( * 1944)
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TAHAR BEN JELLOUN (*1944)

1944
Am 1. Dezember wird Tahar Ben Jelloun in Fes, Marokko, geboren.

1940er
Besuch einer Koranschule.

1950er
Besuch einer zweisprachigen (marokk.-frz.) Grundschule in Fes.

1955
Umzug der Familie nach Tanger, weiterhin Besuch der Grundschule.

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Beschreibung siehe unten
1956
Eintritt ins Gymnasium Ibn Al Khatibr, vorwiegend französischspr. Unterricht. Nach Abschluss Wechsel ins französischspr. Gymnasium Regnault.
1963
Erfolgreicher Abiturabschluss.
1960er
Studium der Philosophie an der Universität in Rabat.
1965
nimmt Tahar Ben Jelloun an der Studentenrevolte teil.
Juli 1966
Unfreiwillige Unterbrechung des Studiums: Wegen des Verdachts, die Demonstrationen vom März 1965 organisiert zu haben, wird Tahar Ben Jelloun, gemeinsam mit 94 anderen Studenten, in militärische Straflager zwangsversetzt, zunächst nach El Hajeb, dann nach Ahermemou, im Osten Marokkos.
Januar 1968
Entlassung aus dem Militärlager, Wiederaufnahme des Studiums.
Oktober
Absatz Beginn der Tätigkeit als Philosophielehrer am Gymnasium Charif Idrissi in Tétouan.
Bibliografische Angabe L'Aube des dalles, erste Veröffentlichung eines Gedichts (das er heimlich in einem der Militärcamps verfasst hatte) im Magazin Souffles.
1970
wird Tahar Ben Jelloun nach Casablanca, ans dortige Gymnasium Mohamed V., versetzt.
1971
verlässt Tahar Ben Jelloun seine Heimat Marokko und geht nach Frankreich[1].
Bibliografische Angabe Hommes sous linceul de silence (Menschen unter einem Leichentuch des Schweigens), Gedichte. Casablanca.
1972
Bibliografische Angabe Cicatrices du soleil (dt: Narben der Sonne), Gedichte. Paris.
Bibliografische Angabe Technique d'un viol (Die Technik einer Vergewaltigung), erste Veröffentlichung in Le Monde des Livres. Eine Polemik gegen Paul Bowles [2].
1973
Bibliografische Angabe Harrouda (dt: Harrouda, Übersetzung: Horst Lothar Theweleit. Berlin, DDR 1985. Berlin 1990. Reinbek 1993.), Roman. Paris
Bibliografische Angabe La Réclusion solitaire (Einzelhaft), Roman. Paris.
1974
Bibliografische Angabe Grains de peau. Asilah ... mémoire d'enfance (Körner der Haut. Asilah ... Kindheitserinnerungen), Gedicht. Casablanca.
Absatz Tahar Ben Jelloun arbeitet an einer Reportage über die Pilgerfahrt nach Mekka für Le Monde, die als dreiteilige Serie im Januar des folg. Jahres erscheint.
1976
Bibliografische Angabe Les amandiers sont morts de leurs blessures (dt: Die Mandelbäume sind verblutet. Übersetzung: Helmut T. Heinrich. Mainz 1996 u. Berlin, Weimar 1979) Gedichte. Paris.- Gedichte und Kurzprosa zu den Schwerpunktthemen Liebe und Tod.
Bibliografische Angabe La Mémoire future. Anthologie de la nouvelle poésie du Maroc (Das zukünftige Gedächtnis. Anthologie der neuen marokkanischen Poesie). Paris.
Bibliografische Angabe Chronique d’une Solitude (Chronik einer Einsamkeit), Theaterstück.
Absatz
Tahar Ben Jelloun wird mit dem Prix de l'amitié Franco-Arabe ausgezeichnet.
1977
Bibliografische Angabe La Plus Haute des solitudes (dt: Die tiefste der Einsamkeiten, Übersetzung: Dorothe Schnyder. Basel/Frankfurt/M 1986. Reinbek 1989.), Sozialpsychiatrische Studie. Paris.
1978
Bibliografische Angabe Moha le fou, Moha le sage (dt: Der Gedächtnisbaum, Übersetzung: Christiane Kayser, Berlin 1989. Reinbek 1992), Roman. Paris.
Absatz Ausgezeichnet mit dem Prix de Bibliothécaires de France et de Radio Monte-Carlo 1978 für Moha le Fou, Moha le Sage.

1979
Bibliografische Angabe Die Mandelbäume sind verblutet. Narben der Sonne. Die Rede des Kamels. (Les amandiers sont morts de leurs blessures. Cicatrices du soleil. Le discours du chameau.). Übersetzung: Helmut T. Heinrich. Berlin, DDR. Mainz 1996.

Absatz Tahar Ben Jelloun interviewt Jean Genet für Le Monde (9.11) anlässlich einer im Parlament eingebrachten Gesetzesvorlage, die die Rechte von Immigranten beschneiden sollte.

1980
Bibliografische Angabe A l'insu du souvenir (Im Unwissen der Erinnerung), Gedichte. Paris.
1981
Bibliografische Angabe La Prière de l'absent (dt: Das Gebet für den Abwesenden, Übersetzung: Horst Lothar Theweleit. Berlin 1990. Zürich 1996), Roman. Paris.
1982
Bibliografische Angabe Haut Atlas. L'exil de pieress (Hoher Atlas. Exil der Steine). Mit Fotos v. Philippe Lafond. Paris.
1983
Bibliografische Angabe L'Ecrivain public (dt: Der öffentliche Schreiber, Übersetzung: Horst Lothar Theweleit. Berlin DDR 1987. Zürich 1995.), Roman. Paris.
Absatz Ausgezeichnet als Chevalier des Arts et des Lettres.
1984
Bibliografische Angabe La Fiancée de l'eau (Die Braut des Wassers), Theaterstück.
Bibliografische Angabe Entretien avec M. Said Hammadi, ouvrier algérie (Gespräch mit Monsieur Said Hammadi, algerischer Arbeiter), Theaterstück.
Bibliografische Angabe Hospitalité francaise (Französische Gastfreundschaft), Essay. Paris. - Ein Bericht über den Rassismus im Frankreich der Jahre 1980 bis 1990 und die Entwicklung des antirassistischen Kampfes.
1985
Bibliografische Angabe L'Enfant de sable (dt: Sohn ihres Vaters, Übersetzung: Christiane Kayser. Berlin 1986. Reinbek 1989
), Roman. Paris. - Die Protagonisten Zahra, die von ihrem Vater wie ein Sohn erzogen wurde, bricht mit der Familie und macht sich auf die Suche nach ihrer Weiblichkeit.
1987
Bibliografische Angabe La Nuit sacrée (dt: Die Nacht der Unschuld, Übersetzung: Eva Moldenhauer. Berlin 1988. Reinbek 1991), Roman. Paris.
Absatz Für La Nuit sacrée wird Tahar Ben Jelloun der Prix Goncourt verliehen.
1988
wird Tahar Ben Jelloun mit dem Ritterorden der frz. Ehrenlegion geehrt:
Chevalier de la Legion d'Honneur
.
1990
Bibliografische Angabe Jour de silence à Tanger (dt: Tag der Stille in Tanger, Übersetzung: Uli Aumüller. Reinbek 1991), Kurzroman. Paris.
1991
Bibliografische Angabe La remontée des cendres (Das Wideraufsteigen der Gefallenen), Frz.-arabische Gedichte. Paris.
Bibliografische Angabe Les yeux baissés (dt: Mit gesenktem Blick, Übersetzung: Uli Aumüller. Reinbek 1992. Reinbek 1994), Roman. Paris.
Absatz Ausgezeichnet mit dem Prix Hémisphéres für Les yeux baissés.
Bibliografische Angabe AIberto Giacometti & Tahab Ben Jelloun, Bildband. Texte: Ben Jelloun. Paris.
1992
Bibliografische Angabe L'Ange aveugle (dt: Der blinde Engel, Übersetzung: Christiane Kayser. Reinbek 1994), Erzählungen[3]. Paris.
1994
Bibliografische Angabe L'Homme rompu[4] (dt: Der korrumpierte Mann, Übersetzung: Christiane Kayser. Reinbek 1995, Reinbek 1996), Roman. Paris.
Bibliografische Angabe La Soudure fraternelle (Die brüderliche Naht), Autobiographische Texte. Paris.
Absatz Ausgezeichnet mit dem Prix Méditerraneée für L'Homme rompu und La Soudure fraternelle.
Absatz Ausgezeichnet von der Fondation Noureddine-Aba mit dem Grand Prix littéraire du Maghreb.
1995
Bibliografische Angabe Le premier amour est toujours le dernier (dt: Die erste Liebe ist immer die letzte, Übersetzung: Christiane Kayser. Reinbek 1997. Berlin 2002), Erzählungen. Paris.
Bibliografische Angabe Poésie complète (Sämtliche Gedichte). Paris.
Bibliografische Angabe Rachid, l'enfant de la télé, Jugendroman.
1996
Bibliografische Angabe Les Raisins de la galère (dt: Die Früchte der Wut[5]; Übersetzung: Christiane Kayser. Berlin 2007; Studienausgaben: Les Raisins de la galère. Lernmaterialien, Leipzig 1999 u. Lektüreschlüssel, Leipzig 2006), Roman. Paris. - Die Wut, von der im Titel die Rede ist, bezieht sich auf die Protagonistin, die mit ihrer Familie, im Vorort Resteville lebend, stellvertretend für die Beurs steht, wie die (nord-)afrikanischen Einwanderer in Frankreich genannt werden. Nadia und ihre Schwester, die einem Jungen namens Kader zur Frau gegeben wird, sind einer doppelten Unterdrückung ausgesetzt. Einmal der "ganz normalen" Ausgrenzung im Gastland, zum anderen der Unterdrückung in der eigenen Familie. Nadia muss sich vor dieser rechtfertigen, da sie nicht bereit ist, das traditionelle Kopftuch zu tragen und ihre Schwester wird einer anderen Demütigung unterzogen: Nach der Hochzeitsnacht wird das Bettlaken nach den Spuren ihrer vorehelichen Jungfernschaft geprüft; die Blutflecken lassen den jungen Bräutigam vor Stolz anschwellen.
Bibliografische Angabe L'être et le néant (Das Sein und das Nichts), Erzählung, in: Le temps des clans (S. 62-69). Paris.
Bibliografische Angabe L'imaginaire dan les sociétés maghrébines (Das Imaginäre in den maghrebinischen Gesellschaften), Essay, in: Maria Angels Roque (Hg.): Les cultures du Maghreb (S. 133-146). Paris.
Bibliografische Angabe Voyage au Maroc de Tahar Ben Jelloun. Mémoire d'en face (dt: Reise ins Land des Tahar Ben Jelloun. Erinnerungen an daheim). Fernsehfilm. Drehbuch: Tahar Ben Jelloun. Regie: Guy Saguez. Frankreich/Deutschland 1996.

1997
Bibliografische Angabe Le Racisme expliqué à ma fille (dt: Papa, was ist ein Fremder? Berlin 1999), Essay. Paris.
Bibliografische Angabe
La Nuit de l'erreur (dt: Zina oder Die Nacht des Irrtums. Reinbek 1999), Roman. Paris.
Absatz Längerer Ägyptenaufenthalt.

1999
Bibliografische Angabe L'Auberge des pauvres (dt: Labyrinth der Gefühle, Berlin 2001), Roman. Paris.

2000
Juror bei der Biennale, dem Filmfestival von Venedig.
2001
Bibliografische Angabe Cette aveuglante absence de lumière (dt: Das Schweigen des Lichts, Berlin 2001), Roman. - Beschrieben werden die Zustände in dem - inzwischen geschlossenen - marokkanischen Gefangenenlager Tazmamart. Dem Roman liegt eine wahre Geschichte zugrunde [6].
Bibliografische Angabe Autopsie d'un mensonge (Autopsie einer Lüge), Dokumentarfilm, Regie: Jacques Tarnero, mit Tahar Ben Jelloun, Christophe Bourseiller, Jean-Yves Camus.
2002
Bibliografische Angabe L'Islam expliqué aux enfants (dt: Papa, was ist der Islam?. Berlin 2002), Essay.
Bibliografische Angabe Die Schule der Armen, Kinderbuch mit Illustrationen v. Charley Case.- Über Kinderarbeit in einem kleinen afrikanischen Dorf.
2003
Bibliografische Angabe Amours sorcières (Hexenlieben), Paris. - 20 Erzählungen von der Liebe, in ihrer körperlichen, der leidenschaftlichen und der verräterischen Form
.

2004
Bibliografische Angabe Le dernier ami (dt: Der letzte Freund, Übersetzung: Christiane Kayser, Berlin 2004), Kurzroman.- Die Geschichte einer lebenslangen Freundschaft. Als einer der Freunde an Krebs erkrankt, verschweigt er dies dem anderen, um ihn damit nicht zu belasten. Beide erzählen ihre Version der Geschichte. Vom dramatischen Ende berichtet ihr gemeinsamer Freund Ramon.
Absatz Im Juni erhält Tahar Ben Jelloun den mit 100 000 EURO dotierten irischen Literaturpreis IMPAC für Das Schweigen des Lichts.
Bibliografische Angabe La belle au bois dormant (dt: Dornröschen, Übersetzung: Christiane Kaiser. Berlin 2005). Märchen.[7]
Bibliografische Angabe Die Araber in Frankfurt: Zirkus! Zirkus![8], Artikel in der ZEIT v. 02.09.04, Übersetzung aus dem Französischen von Christiane Kayser.

2005
Bibliografische Angabe Papa, woher kommt der Hass?
[9] Kinderbuch mit Illustrationen v. Charley Case. Aus dem Französischen v. Christiane Kayser. Berlin 2005. - Gespräch des Autors Tahar Ben Jelloun mit seiner Tochter.
2006
Bibliografische Angabe Partir (dt: Verlassen; Übersetzung: Christiane Kayser, Berlin 2006), Roman. Paris 2006. - Vor dem Hintergrund illegaler Einwanderung nach Europa wird die Geschichte des marokkanischen Protagonisten Azel, der nach Barcelona ins Exil geht, erzählt.
 [10]
Absatz Beim Kulturfesival "Lazio zwischen Europa und dem Mediterranum" wird Ben Jelloun mit dem Spezialpreis Dialog für seine Leistungen im Dialog mit dem Islam ausgezeichnet
AbsatzAusgezeichnet mit dem Premio Roma in der Sektion bester ausländischer Roman für Mia madre, la mia bambina (Meine Mutter, mein Kind).
2008
Bibliografische Angabe Sur ma mère (Yemma - Meine Mutter, mein Kind; Übersetzung: Christiane Kayser. Berlin 2007
 [11]) "... das bewegende Zeugnis der Liebe eines Sohnes, der das unaufhaltsame geistige Verlöschen seiner Mutter bis zu ihrem Tod begleitet. Und eine stille Erinnerung daran, dass ungeachtet aller Forschungsbemühungen um die Alzheimer-Krankheit eines der wichtigsten 'Heilmittel' bereits zur Verfügung steht: menschliche Nähe.." (Verlagstext)
2009
Bibliografische Angabe Au pays[12] (dt: Zurückkehren; Übersetzung: Christiane Kayser. Berlin 2010), Roman. Paris 2009.- Der Roman erzählt die Geschichte von Mohamed, der als junger Mann von Marokko nach Frankreich eingewandert ist. Nach Jahrzehnten Arbeit geht er in Rente, aber was soll er mit der neuen Freiheit, der vielen Zeit anfangen? Er entschließt sich, nach Marokko zurückzugehen, um dort ein Haus zu bauen. Ein großes Haus will er bauen, in dem jedes seiner fünf Kinder sein eigenes Zimmer hat. Sie werden ihm nachfolgen und mit ihm und ihrer Mutter in diesem Haus leben. Er wird sie an der Schwelle des Hauses in einem alten Lehnstuhl erwarten und sie werden nicht kommen. Er wird daran zerbrechen.
Bibliografische Angabe Marabouts, Maroc, Fotobuch, Text v. Tahar Ben Jelloun.
2010
Bibliografische Angabe Lettre à Delacroix (Brief an Delacroix)[13]. Paris 2010.
Bibliografische Angabe Jean Genet, menteur sublime (Jean Genet, erhabener Lügner). Paris 2010. - Bericht über die Treffen von Ben Jelloun mit Jean Genet über 12 Jahre hinweg.
Bibliografische Angabe Beckett et Genet, un thé à Tanger (Beckett und Genet, ein Tee in Tanger), Theaterstück. Paris 2010.
2011
Am 28. Januar erscheint in Le Monde der Artikel:
Bibliografische Angabe
Un printemps en hiver - Ben Jelloun spricht vom Rosten der Diktaturen aus dem Innern heraus. Es genüge ein Funke, um sie zum Fallen zu bringen, wie eine mit der Zeit bröckelig gewordene Kette. Ben Jelloun spannt einen weiten Bogen, wenn er ausgehend vom Sturz Bokassas im Kongo und von Duvalier in Haiti auf die aktuellen Ereignisse in Tunesien zu sprechen kommt.
Bibliografische Angabe
L'étincelle (wörtlich: Der Funke; dt: Arabischer Frühling; Übersetzung: Christiane Kayser. Berlin 2011); Essay zum aktuellen Umbruch in der arabischen Welt. Paris 2011.
Bibliografische Angabe
Par le feu[14] (Durch das Feuer; Text enthalten in: Arabischer Frühling). Paris 2011 - Poetischer Text zur Selbstverbrennung des Tunesiers Mohamed Bouazizi, die von vielen politischen Beobachtern als der Funke angesehen wird, der den Arabischen Frühling ausgelöst hat.
Absatz Ausgezeichnet mit dem mit 25.000 € dotierten Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis der Stadt Osnabrück.

Absatz Am 8. September hält Tahar Ben Jelloun die Eröffnungsrede zum Literaturfestival in Berlin, die sich mit dem Arabischen Frühling auseinandersetzt.
Tahar Ben Jelloun ist verheiratet und Vater von vier Kindern. Er lebt und arbeitet in Paris und verweilt für jeweils mehrere Monate im Jahr in seiner Heimat Marokko.
STIMME(N):

"Gerade hat Tahar Ben Jelloun die Schwelle übertreten: Er ist von gewaltiger Statur und stellt einen grünen Filzhut zur Schau. Ohne zu zögern kommt er auf meinen Tisch zu und setzt sich. Der Blick ist durchdringend, der Händedruck fest und das Lächeln, hinter einem kurzen weißen Bart versteckt, gutmütig." - Prune Antoine, Paris, 28.01.2006 (anlässlich eines Interviews im Pariser Café de Flore), Übersetzung: Markus Quetsch, cafebabel.com.

ANMERKUNGEN:

1) Tahar Ben Jelloun selbst gibt als Grund, seine Heimat zu verlassen, die Verfügung des Innenministeriums an, im selben Jahr den Philosophieunterricht an Gymnasien zu arabisieren. Da er dafür nicht ausgebildet gewesen sei, habe er sich dazu entschlossen. Am 11.9.71 sei er in Paris angekommen, habe in einem Studentenwohnheim Aufnahme gefunden und durch eine karikative Organisation 500 Franc monatliche Unterstützung erhalten.

2) Tahar Ben Jelloun spricht sich gegen die von Paul Bowles (der schon seit den den 40er Jahren in Tahar Ben Jelloun zweiter Heimatstadt Tanger lebt) protokollierte und veröffentlichte mündlich überlieferte Literatur des Landes aus. Sein Angriff gegen Bowles gipfelt in dem Verdacht, dieser würde die unter dem Namen Mohammed Mrabet veröffentlichten Geschichten selbst schreiben, da der Analphabet Mrabet nicht in der Lage sein könne, solche Literatur zu verfassen.
- Dies ist der erste Artikel v. Tahar Ben Jelloun den er in der angesehenen Tageszeitung Le Monde veröffentlicht, es folgen Dutzende von anderen bis in die Gegenwart hinein. Er kommentiert Neuerscheinungen aus der arabischen Buchwelt und wird zu einem Literaturpapst für arab. Literatur - vergleichbar mit Reich-Ranicki hierzulande - hochstilisiert. Seine Artikel werden in vielen europäischen Tageszeitungen u. Periodika, wie auch in der ZEIT übernommen. Zudem äußert er sich zu verschiedenen kulturellen u. politischen Ereignissen, die den islamischen Kulturraum betreffen. Zuletzt wurde er beispielsweise im Spiegel (13/2004) über den Anschlag v. 11.3.2004 in Spanien befragt.

3) Grundlage der Erzählungen ist eine zwei Monate währende Reise des Autors zusammen mit seinem italienischen Übersetzer Egi Volterrani durch den Süden Italiens auf den Spuren der Mafia und der Camorra in Neapel und in Kalabrien. Gespräche mit den Menschen auf der Straße, Prozeßakten und die Lektüre regionaler Zeitungen verdichteten sich zu diesen 15 Erzählungen.

4) Tahar Ben Jelloun selbst äußerte sich anlässlich der Verleihung des Prix Méditerranée für den Roman L'Homme rompu folgendermaßen: "Das ist ein Roman in der Form einer Chronik, der von Mousard, einem armen und intergren Mann handelt, der schließlich akzeptieren wird, in die Sippschaft derjenigen einzutreten, die zu den ‚Umschlägen' greifen. Das ist das konkrete und reale Leben und beinhaltet dieses Mal sehr wenig an Lyrik und Traum". Vgl. "Le prix Méditerranée mérite bien son nom", in: l'Humanité v. 15.04.94

5) Erst jetzt - 2007 - erscheint die dt. Übersetzung, Das Original Les Raisins de la galère erschien bereits 1996, eine Studienausgabe in Französisch mit Erklärungen der schwierigsten Vokabeln gab Reclam 1999 heraus.

6) 1971 nach dem gescheiterten Militärputsch gegen König Hassan II wurden die beteiligten Offiziere 18 Jahre lang im Wüstenlager Tazmamart eingekerkert. Unter den 28 Überlebenden nach Schließung des Lagers war auch Aziz Binebine. Dessen Bruder, der Schriftsteller Mahi Binebine, hat diese Geschichte dem befreundeten T.BJ. erzählt, der sie als Grundlage für diesen Roman verwendete. Obwohl Mahi Binebine den Roman für gelungen hielt, ist die Freundschaft zwischen den beiden infolge der Kontroverse um das Buch zerbrochen.
Zudem wurde Tahar Ben Jelloun von Überlebenden vorgeworfen, er habe, als das Lager noch existierte, zu den Verhältnissen geschwiegen. Einer derjenigen, der diesen Vorwurf erhob, Ahmed Marzouki, ebenfalls Überlebender des Lagers  Tazmamart, veröffentlichte selbst ein Buch zu diesem Thema: Tazmamart cellule 10 (Tazmamart Zelle 10). (Vgl. Le Monde v. 05.01.2001 u. 11.01.2001)

7) Eines der bekanntesten Märchen v. Tahar Ben Jelloun "orientalisch" erzählt.

8) Schwerpunktthema der diesjährigen Frankfurter Buchmesse ist die arabische Welt - 5 Länder, Algerien,  Marokko, der Irak, Kuwait und Libyen, haben ihre Teilnahme aus unterschiedlichen Gründen abgesagt -. Die arabische Welt als Ganzes stelle ein Problem dar, so Ben Jelloun, denn die "arabische Welt existiert gar nicht, zumindest nicht als homogenes Ganzes". Unterschiedliche politische Systeme und kulturelle Vielfalt haben die Einheit der arabischen Völker in der Vergangenheit verhindert. Auch im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse behinderten Konflikte zwischen den arabischen Ländern, "die hinter den Kulissen brodeln", ein einheitliches Auftreten. Viele Länder würden nur ihre sog. "Hofdichter" zur Buchmesse entsenden. Ben Jelloun fordert deshalb: "Die Messe sollte den zahlreichen Exilierten einen Platz einräumen." (...) (Vgl. DIE ZEIT v. 02.09.2004)

9) Das Buch Papa, woher kommt der Hass? ist eine Fortführung des ersten Gesprächs des Autors mit seiner Tochter, erschienen als Le Racisme expliqué à ma fille (1997, dt: Papa, was ist ein Fremder? 1999), in dem er mit ihr über Rassismus spricht. Das neue Buch berücksichtigt die veränderte Lage nach den Anschlägen v. 11.09.2001 in New York. Es scheint auf eine Initiative des Rowohlt Verlags zurückzugehen, zumindest ist weder auf der offiziellen (frz.) Tahar Ben Jelloun-Seite noch bei amazon.fr ein Original zu entdecken. Dafür spricht auch die Tatsache, dass in dem Buch im Zusammenhang mit der Frage der Integration der zweiten Generation der Einwanderer viel von Berliner Verhältnissen die Rede ist, wo "Bürger nicht deutscher Herkunft besser integriert" seien als in Frankreich, wie die Rezensentin der Berliner Morgenpost (v. 11.11.2005) Bettina Göcmener schreibt. - Apropos Berliner Morgenpost, sie hält sich strikt an die alte Rechtschreibung; selbst der Buchtitel Papa, woher kommt der Hass? wird umgewandelt: Papa, woher kommt der Haß?

10) "In 40 kleinen Kapiteln", schreibt Romain Leick in der SPIEGEL-Rezension, "hat Ben Jelloun ein nüchternes und genaues Mosaik der Verlassenheit zusammengefügt. ... das Exil, erträumt als paradiesischer Ort der Befreiung, ist lediglich das Spiegelbild des heimischen Gefängnisses, aus dem Azel floh".

11) Dieses Buch erschien zunächst in der dt. Übersetzung (und auch in italienischer Übersetzung), dann erst im frz. Original.

12) Dieses Buch ist die Fortsetzung des 1977 erschienenen Essays La plus haute des solitudes (Die tiefste der Einsamkeiten) als Roman.

13) Das Buch Lettre à Delacroix ist in der Form eines Briefs an den französischen Maler verfasst. Dieser war im Jahre 1832 nach Marokko gereist und hatte auf seiner Reise zahlreiche Skizzen angefertigt. Ben Jelloun teilt dem Franzosen mit, was dieser auf seiner Reise nicht gesehen und wie sich das Land inzwischen verändert hat .

14) Der Text Par le feu ist vor der Veröffentlichung im französischen Original bereits in deutscher (in: Arabischer Frühling), italienischer, dänischer und spanischer Übersetzung erschienen.

Wichtigste Quelle im Internet: Die offizielle Tahar Ben Jelloun-Seite.

Wichtigste Quelle neben dem Internet (wie in den Anmerkungen angegeben):
Roland Spiller: Tahar Ben Jelloun, in: KLfG (Kritisches Lexikon zur fremdsprachigen Gegenwartsliteratur, edition text+kritik)

LINKS:
Die offizielle Tahar Ben Jelloun-Seite (in frz. Sprache).
Interview v. Martina Meister in der Frankfurter Rundschau v. 24.10.2001.
KLfG (Kritisches Lexikon zur fremdsprachigen Gegenwartsliteratur, edition text+kritik)
Tahar Ben Jelloun in der Afrika-Chronik der Marabout-Seite:
2004-2011 © by Janko Kozmus
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