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TAHAR
BEN
JELLOUN
(
* 1944) |
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TAHAR
BEN JELLOUN (*1944) |
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| 1944
Am 1. Dezember wird Tahar Ben Jelloun in Fes, Marokko,
geboren.
1940er
Besuch einer Koranschule.
1950er
Besuch einer zweisprachigen (marokk.-frz.) Grundschule
in Fes.
1955
Umzug der Familie nach Tanger, weiterhin Besuch der
Grundschule. |
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1956
Eintritt ins Gymnasium Ibn Al Khatibr, vorwiegend französischspr.
Unterricht. Nach Abschluss Wechsel ins französischspr. Gymnasium
Regnault. |
1963
Erfolgreicher Abiturabschluss. |
1960er
Studium der Philosophie an der Universität in Rabat. |
1965
nimmt Tahar Ben Jelloun an der Studentenrevolte teil. |
Juli
1966
Unfreiwillige Unterbrechung des Studiums: Wegen des Verdachts,
die Demonstrationen vom März 1965 organisiert zu haben, wird
Tahar Ben Jelloun, gemeinsam mit 94 anderen Studenten, in militärische
Straflager zwangsversetzt, zunächst nach El Hajeb, dann nach
Ahermemou, im Osten Marokkos. |
Januar
1968
Entlassung aus dem Militärlager, Wiederaufnahme des
Studiums.
Oktober
Beginn der Tätigkeit als Philosophielehrer am Gymnasium Charif
Idrissi in Tétouan.
L'Aube
des dalles, erste Veröffentlichung eines Gedichts (das
er heimlich in einem der Militärcamps verfasst hatte) im
Magazin Souffles. |
1970
wird Tahar Ben Jelloun nach Casablanca, ans dortige Gymnasium
Mohamed V., versetzt. |
1971
verlässt Tahar Ben Jelloun seine Heimat Marokko und geht
nach Frankreich[1].
Hommes
sous linceul de silence (Menschen unter einem Leichentuch
des Schweigens), Gedichte. Casablanca. |
1972
Cicatrices du soleil (dt: Narben der Sonne), Gedichte.
Paris.
Technique
d'un viol (Die Technik einer Vergewaltigung), erste Veröffentlichung
in Le Monde des Livres. Eine Polemik gegen Paul
Bowles [2]. |
1973
Harrouda (dt: Harrouda, Übersetzung: Horst Lothar
Theweleit. Berlin, DDR 1985. Berlin 1990. Reinbek 1993.), Roman.
Paris
La
Réclusion solitaire (Einzelhaft), Roman. Paris. |
1974
Grains de peau. Asilah ... mémoire d'enfance (Körner
der Haut. Asilah ... Kindheitserinnerungen), Gedicht. Casablanca.
Tahar
Ben Jelloun arbeitet an einer Reportage über die Pilgerfahrt
nach Mekka für Le Monde, die als dreiteilige Serie
im Januar des folg. Jahres erscheint. |
1976
Les amandiers sont morts de leurs blessures (dt: Die Mandelbäume
sind verblutet. Übersetzung: Helmut T. Heinrich. Mainz
1996 u. Berlin, Weimar 1979) Gedichte. Paris.- Gedichte und Kurzprosa
zu den Schwerpunktthemen Liebe und Tod.
La
Mémoire future. Anthologie de la nouvelle poésie
du Maroc (Das zukünftige Gedächtnis. Anthologie
der neuen marokkanischen Poesie). Paris.
Chronique
d’une Solitude (Chronik einer Einsamkeit), Theaterstück.
Tahar Ben Jelloun wird mit dem Prix de l'amitié Franco-Arabe
ausgezeichnet. |
1977
La Plus Haute des solitudes (dt: Die tiefste der Einsamkeiten,
Übersetzung: Dorothe Schnyder. Basel/Frankfurt/M 1986. Reinbek
1989.), Sozialpsychiatrische Studie. Paris. |
1978
Moha le fou, Moha le sage (dt: Der
Gedächtnisbaum, Übersetzung: Christiane
Kayser, Berlin 1989. Reinbek 1992), Roman. Paris.
Ausgezeichnet mit dem Prix de Bibliothécaires de France
et de Radio Monte-Carlo 1978 für Moha le Fou, Moha
le Sage. |
| 1979
Die Mandelbäume sind verblutet. Narben der Sonne.
Die Rede des Kamels. (Les amandiers sont morts de leurs
blessures. Cicatrices du soleil. Le discours du chameau.).
Übersetzung: Helmut T. Heinrich. Berlin, DDR. Mainz 1996.
Tahar
Ben Jelloun interviewt Jean Genet für Le Monde (9.11)
anlässlich einer im Parlament eingebrachten Gesetzesvorlage,
die die Rechte von Immigranten beschneiden sollte. |
1980
A l'insu du souvenir (Im Unwissen der Erinnerung), Gedichte.
Paris. |
1981
La Prière de l'absent (dt: Das Gebet für den
Abwesenden, Übersetzung: Horst Lothar Theweleit. Berlin
1990. Zürich 1996), Roman. Paris. |
1982
Haut Atlas. L'exil de pieress (Hoher Atlas. Exil der Steine).
Mit Fotos v. Philippe Lafond. Paris. |
1983
L'Ecrivain public (dt: Der öffentliche Schreiber,
Übersetzung: Horst Lothar Theweleit. Berlin DDR 1987.
Zürich 1995.), Roman. Paris.
Ausgezeichnet
als Chevalier des Arts et des Lettres. |
1984
La Fiancée de l'eau (Die Braut des Wassers), Theaterstück.
Entretien
avec M. Said Hammadi, ouvrier algérie (Gespräch
mit Monsieur Said Hammadi, algerischer Arbeiter), Theaterstück.
Hospitalité
francaise (Französische Gastfreundschaft), Essay. Paris.
- Ein Bericht über den Rassismus im Frankreich der Jahre
1980 bis 1990 und die Entwicklung des antirassistischen Kampfes. |
1985
L'Enfant de sable (dt: Sohn ihres Vaters, Übersetzung:
Christiane Kayser. Berlin 1986. Reinbek 1989),
Roman. Paris. - Die Protagonisten Zahra, die von ihrem Vater wie
ein Sohn erzogen wurde, bricht mit der Familie und macht sich
auf die Suche nach ihrer Weiblichkeit. |
1987
La Nuit sacrée (dt: Die Nacht der Unschuld,
Übersetzung: Eva Moldenhauer. Berlin 1988. Reinbek 1991),
Roman. Paris.
Für La Nuit sacrée wird Tahar Ben Jelloun der
Prix Goncourt verliehen. |
wird Tahar Ben Jelloun mit dem Ritterorden der frz. Ehrenlegion
geehrt:
Chevalier de la Legion d'Honneur. |
1990
Jour de silence à Tanger (dt: Tag der Stille in Tanger,
Übersetzung: Uli Aumüller. Reinbek 1991), Kurzroman.
Paris. |
1991
La remontée des cendres (Das Wideraufsteigen der Gefallenen),
Frz.-arabische Gedichte. Paris.
Les
yeux baissés (dt: Mit gesenktem Blick, Übersetzung:
Uli Aumüller. Reinbek 1992. Reinbek 1994), Roman. Paris.
Ausgezeichnet mit dem Prix Hémisphéres für
Les yeux baissés.
AIberto
Giacometti & Tahab Ben Jelloun, Bildband. Texte: Ben Jelloun.
Paris. |
1992
L'Ange aveugle (dt: Der blinde Engel, Übersetzung:
Christiane Kayser. Reinbek 1994), Erzählungen[3].
Paris. |
1994
L'Homme rompu[4]
(dt: Der korrumpierte Mann, Übersetzung: Christiane
Kayser. Reinbek 1995, Reinbek 1996), Roman. Paris.
La
Soudure fraternelle (Die brüderliche Naht), Autobiographische
Texte. Paris.
Ausgezeichnet mit dem Prix Méditerraneée
für L'Homme rompu und La Soudure fraternelle.
Ausgezeichnet von der Fondation Noureddine-Aba mit dem
Grand Prix littéraire du Maghreb. |
1995
Le premier amour est toujours le dernier (dt: Die erste
Liebe ist immer die letzte, Übersetzung: Christiane Kayser.
Reinbek 1997. Berlin 2002), Erzählungen. Paris.
Poésie
complète (Sämtliche Gedichte). Paris.
Rachid,
l'enfant de la télé, Jugendroman. |
1996
Les Raisins de la galère (dt: Die Früchte der
Wut[5];
Übersetzung: Christiane Kayser. Berlin 2007; Studienausgaben:
Les Raisins de la galère. Lernmaterialien,
Leipzig 1999 u. Lektüreschlüssel,
Leipzig 2006), Roman. Paris. - Die Wut, von der im Titel die Rede
ist, bezieht sich auf die Protagonistin, die mit ihrer Familie,
im Vorort Resteville lebend, stellvertretend für die Beurs
steht, wie die (nord-)afrikanischen Einwanderer in Frankreich
genannt werden. Nadia und ihre Schwester, die einem Jungen namens
Kader zur Frau gegeben wird, sind einer doppelten Unterdrückung
ausgesetzt. Einmal der "ganz normalen" Ausgrenzung im
Gastland, zum anderen der Unterdrückung in der eigenen Familie.
Nadia muss sich vor dieser rechtfertigen, da sie nicht bereit
ist, das traditionelle Kopftuch zu tragen und ihre Schwester wird
einer anderen Demütigung unterzogen: Nach der Hochzeitsnacht
wird das Bettlaken nach den Spuren ihrer vorehelichen Jungfernschaft
geprüft; die Blutflecken lassen den jungen Bräutigam
vor Stolz anschwellen.
L'être
et le néant (Das Sein und das Nichts), Erzählung,
in: Le temps des clans (S. 62-69). Paris.
L'imaginaire
dan les sociétés maghrébines (Das Imaginäre
in den maghrebinischen Gesellschaften), Essay, in: Maria Angels
Roque (Hg.): Les cultures du Maghreb (S. 133-146). Paris.
Voyage
au Maroc de Tahar Ben Jelloun. Mémoire d'en face (dt:
Reise ins Land des Tahar Ben Jelloun. Erinnerungen an daheim).
Fernsehfilm. Drehbuch: Tahar Ben Jelloun. Regie: Guy Saguez. Frankreich/Deutschland
1996. |
| 1997
Le Racisme expliqué à ma fille
(dt: Papa, was ist ein Fremder? Berlin 1999), Essay.
Paris.
La
Nuit de l'erreur (dt: Zina oder Die Nacht des Irrtums.
Reinbek 1999), Roman. Paris.
Längerer
Ägyptenaufenthalt. |
| 1999
L'Auberge
des pauvres (dt: Labyrinth der Gefühle, Berlin
2001), Roman. Paris. |
2000
Juror bei der Biennale, dem Filmfestival von Venedig. |
2001
Cette aveuglante absence de lumière (dt: Das Schweigen
des Lichts, Berlin 2001), Roman. - Beschrieben werden die
Zustände in dem - inzwischen geschlossenen - marokkanischen
Gefangenenlager Tazmamart. Dem Roman liegt eine wahre Geschichte
zugrunde [6].
Autopsie
d'un mensonge (Autopsie einer Lüge), Dokumentarfilm,
Regie: Jacques Tarnero, mit Tahar Ben Jelloun, Christophe Bourseiller,
Jean-Yves Camus. |
2002
L'Islam expliqué aux enfants (dt: Papa, was ist
der Islam?. Berlin 2002), Essay.
Die
Schule der Armen, Kinderbuch mit Illustrationen v. Charley
Case.- Über Kinderarbeit in einem kleinen afrikanischen Dorf. |
2003
Amours sorcières (Hexenlieben), Paris. - 20 Erzählungen
von der Liebe, in ihrer körperlichen, der leidenschaftlichen
und der verräterischen Form. |
| 2004
Le dernier ami (dt: Der letzte Freund, Übersetzung:
Christiane Kayser, Berlin 2004), Kurzroman.- Die Geschichte
einer lebenslangen Freundschaft. Als einer der Freunde an Krebs
erkrankt, verschweigt er dies dem anderen, um ihn damit nicht
zu belasten. Beide erzählen ihre Version der Geschichte.
Vom dramatischen Ende berichtet ihr gemeinsamer Freund Ramon.
Im
Juni erhält Tahar Ben Jelloun den mit 100 000 EURO
dotierten irischen Literaturpreis IMPAC für Das Schweigen
des Lichts.
La belle au bois dormant
(dt: Dornröschen, Übersetzung: Christiane Kaiser.
Berlin 2005). Märchen.[7]
Die
Araber in Frankfurt: Zirkus! Zirkus![8],
Artikel in der ZEIT v. 02.09.04, Übersetzung
aus dem Französischen von Christiane Kayser. |
2005
Papa, woher kommt der Hass?[9]
Kinderbuch mit Illustrationen v. Charley Case. Aus dem Französischen
v. Christiane Kayser. Berlin 2005. - Gespräch des Autors
Tahar Ben Jelloun mit seiner Tochter. |
2006
Partir (dt: Verlassen; Übersetzung: Christiane
Kayser, Berlin 2006), Roman. Paris 2006. - Vor dem Hintergrund
illegaler Einwanderung nach Europa wird die Geschichte des marokkanischen
Protagonisten Azel, der nach Barcelona ins Exil geht, erzählt. [10]
Beim Kulturfesival "Lazio zwischen Europa und dem Mediterranum"
wird Ben Jelloun mit dem Spezialpreis Dialog für
seine Leistungen im Dialog mit dem Islam ausgezeichnet
Ausgezeichnet
mit dem Premio Roma in der Sektion bester ausländischer
Roman für Mia madre, la mia bambina (Meine Mutter,
mein Kind). |
2008
Sur ma mère (Yemma - Meine Mutter, mein Kind; Übersetzung:
Christiane Kayser. Berlin 2007 [11])
— "... das bewegende Zeugnis der Liebe eines Sohnes,
der das unaufhaltsame geistige Verlöschen seiner Mutter bis zu
ihrem Tod begleitet. Und eine stille Erinnerung daran, dass ungeachtet
aller Forschungsbemühungen um die Alzheimer-Krankheit eines der
wichtigsten 'Heilmittel' bereits zur Verfügung steht: menschliche
Nähe.." (Verlagstext) |
2009
Au pays[12]
(dt: Zurückkehren; Übersetzung: Christiane
Kayser. Berlin 2010), Roman. Paris 2009.- Der Roman erzählt
die Geschichte von Mohamed, der als junger Mann von Marokko nach
Frankreich eingewandert ist. Nach Jahrzehnten Arbeit geht er in
Rente, aber was soll er mit der neuen Freiheit, der vielen Zeit
anfangen? Er entschließt sich, nach Marokko zurückzugehen,
um dort ein Haus zu bauen. Ein großes Haus will er bauen,
in dem jedes seiner fünf Kinder sein eigenes Zimmer hat.
Sie werden ihm nachfolgen und mit ihm und ihrer Mutter in diesem
Haus leben. Er wird sie an der Schwelle des Hauses in einem alten
Lehnstuhl erwarten und sie werden nicht kommen. Er wird daran
zerbrechen.
Marabouts, Maroc, Fotobuch, Text v. Tahar Ben Jelloun.
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2010
Lettre
à Delacroix (Brief an Delacroix)[13].
Paris 2010.
Jean Genet, menteur sublime (Jean Genet, erhabener Lügner).
Paris 2010. - Bericht über die Treffen von Ben Jelloun mit
Jean Genet über 12 Jahre hinweg.
Beckett et Genet, un thé à Tanger (Beckett
und Genet, ein Tee in Tanger), Theaterstück. Paris 2010. |
2011
Am 28. Januar erscheint in Le Monde der Artikel:
Un
printemps en hiver - Ben Jelloun spricht vom Rosten der Diktaturen
aus dem Innern heraus. Es genüge ein Funke, um sie zum Fallen
zu bringen, wie eine mit der Zeit bröckelig gewordene Kette.
Ben Jelloun spannt einen weiten Bogen, wenn er ausgehend vom Sturz
Bokassas im Kongo und von Duvalier in Haiti auf die aktuellen
Ereignisse in Tunesien
zu sprechen kommt.
L'étincelle
(wörtlich: Der Funke; dt: Arabischer Frühling;
Übersetzung: Christiane Kayser. Berlin 2011); Essay zum aktuellen
Umbruch in der arabischen Welt. Paris 2011.
Par
le feu[14]
(Durch das Feuer; Text enthalten in: Arabischer Frühling).
Paris 2011 - Poetischer Text zur Selbstverbrennung des Tunesiers
Mohamed Bouazizi, die von vielen politischen Beobachtern als der
Funke angesehen wird, der den Arabischen Frühling ausgelöst
hat.
Ausgezeichnet mit dem mit 25.000 € dotierten Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis
der Stadt Osnabrück.
Am 8. September hält Tahar Ben Jelloun die Eröffnungsrede
zum Literaturfestival in Berlin, die sich mit dem Arabischen Frühling
auseinandersetzt. |
| Tahar
Ben Jelloun ist verheiratet und Vater von vier Kindern. Er lebt
und arbeitet in Paris und verweilt für jeweils mehrere Monate
im Jahr in seiner Heimat Marokko. |
| |
| "Gerade
hat Tahar Ben Jelloun die Schwelle übertreten: Er ist von
gewaltiger Statur und stellt einen grünen Filzhut zur Schau.
Ohne zu zögern kommt er auf meinen Tisch zu und setzt sich.
Der Blick ist durchdringend, der Händedruck fest und das
Lächeln, hinter einem kurzen weißen Bart versteckt,
gutmütig." - Prune Antoine, Paris, 28.01.2006 (anlässlich
eines Interviews im Pariser Café de Flore), Übersetzung:
Markus Quetsch, cafebabel.com. |
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| 1)
Tahar Ben Jelloun selbst gibt als Grund, seine Heimat zu verlassen,
die Verfügung des Innenministeriums an, im selben Jahr
den Philosophieunterricht an Gymnasien zu arabisieren. Da er
dafür nicht ausgebildet gewesen sei, habe er sich dazu
entschlossen. Am 11.9.71 sei er in Paris angekommen, habe in
einem Studentenwohnheim Aufnahme gefunden und durch eine karikative
Organisation 500 Franc monatliche Unterstützung erhalten.
2) Tahar Ben
Jelloun spricht sich gegen die von Paul Bowles (der schon seit
den den 40er Jahren in Tahar Ben Jelloun zweiter Heimatstadt
Tanger lebt) protokollierte und veröffentlichte mündlich
überlieferte Literatur des Landes aus. Sein Angriff gegen
Bowles gipfelt in dem Verdacht, dieser würde die unter
dem Namen Mohammed Mrabet veröffentlichten Geschichten
selbst schreiben, da der Analphabet Mrabet nicht in der Lage
sein könne, solche Literatur zu verfassen.
- Dies ist der erste Artikel v. Tahar Ben Jelloun den er in
der angesehenen Tageszeitung Le Monde veröffentlicht,
es folgen Dutzende von anderen bis in die Gegenwart hinein.
Er kommentiert Neuerscheinungen aus der arabischen Buchwelt
und wird zu einem Literaturpapst für arab. Literatur -
vergleichbar mit Reich-Ranicki hierzulande - hochstilisiert.
Seine Artikel werden in vielen europäischen Tageszeitungen
u. Periodika, wie auch in der ZEIT übernommen. Zudem
äußert er sich zu verschiedenen kulturellen u. politischen
Ereignissen, die den islamischen Kulturraum betreffen. Zuletzt
wurde er beispielsweise im Spiegel (13/2004) über
den Anschlag v. 11.3.2004 in Spanien befragt.
3) Grundlage
der Erzählungen ist eine zwei Monate währende Reise
des Autors zusammen mit seinem italienischen Übersetzer
Egi Volterrani durch den Süden Italiens auf den Spuren
der Mafia und der Camorra in Neapel und in Kalabrien. Gespräche
mit den Menschen auf der Straße, Prozeßakten und
die Lektüre regionaler Zeitungen verdichteten sich zu diesen
15 Erzählungen.
4) Tahar Ben
Jelloun selbst äußerte sich anlässlich der Verleihung
des Prix Méditerranée für den Roman L'Homme
rompu folgendermaßen: "Das ist ein Roman in
der Form einer Chronik, der von Mousard, einem armen und intergren
Mann handelt, der schließlich akzeptieren wird, in die
Sippschaft derjenigen einzutreten, die zu den ‚Umschlägen'
greifen. Das ist das konkrete und reale Leben und beinhaltet
dieses Mal sehr wenig an Lyrik und Traum". Vgl. "Le prix
Méditerranée mérite bien son nom",
in: l'Humanité v. 15.04.94
5) Erst jetzt
- 2007 - erscheint die dt. Übersetzung, Das Original Les
Raisins de la galère erschien bereits 1996, eine
Studienausgabe in Französisch mit Erklärungen der
schwierigsten Vokabeln gab Reclam 1999 heraus.
6) 1971 nach
dem gescheiterten Militärputsch gegen König Hassan
II wurden die beteiligten Offiziere 18 Jahre lang im Wüstenlager
Tazmamart eingekerkert. Unter den 28 Überlebenden nach
Schließung des Lagers war auch Aziz Binebine. Dessen Bruder,
der Schriftsteller Mahi Binebine, hat diese Geschichte dem befreundeten
T.BJ. erzählt, der sie als Grundlage für diesen Roman
verwendete. Obwohl Mahi Binebine den Roman für gelungen
hielt, ist die Freundschaft zwischen den beiden infolge der
Kontroverse um das Buch zerbrochen.
Zudem wurde Tahar Ben Jelloun von Überlebenden vorgeworfen,
er habe, als das Lager noch existierte, zu den Verhältnissen
geschwiegen. Einer derjenigen, der diesen Vorwurf erhob, Ahmed
Marzouki, ebenfalls Überlebender des Lagers Tazmamart,
veröffentlichte selbst ein Buch zu diesem Thema: Tazmamart
cellule 10 (Tazmamart Zelle 10). (Vgl. Le Monde v.
05.01.2001 u. 11.01.2001)
7) Eines der
bekanntesten Märchen v. Tahar Ben Jelloun "orientalisch"
erzählt.
8) Schwerpunktthema
der diesjährigen Frankfurter Buchmesse ist die arabische
Welt - 5 Länder, Algerien, Marokko,
der Irak,
Kuwait und Libyen,
haben ihre Teilnahme aus unterschiedlichen Gründen abgesagt
-. Die arabische Welt als Ganzes stelle ein Problem dar, so
Ben Jelloun, denn die "arabische Welt existiert gar nicht,
zumindest nicht als homogenes Ganzes". Unterschiedliche
politische Systeme und kulturelle Vielfalt haben die Einheit
der arabischen Völker in der Vergangenheit verhindert.
Auch im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse behinderten Konflikte
zwischen den arabischen Ländern, "die hinter den Kulissen
brodeln", ein einheitliches Auftreten. Viele Länder
würden nur ihre sog. "Hofdichter" zur Buchmesse
entsenden. Ben Jelloun fordert deshalb: "Die Messe sollte
den zahlreichen Exilierten einen Platz einräumen."
(...) (Vgl. DIE ZEIT v. 02.09.2004)
9) Das Buch
Papa, woher kommt der Hass? ist eine Fortführung
des ersten Gesprächs des Autors mit seiner Tochter, erschienen
als Le Racisme expliqué à ma fille (1997,
dt: Papa, was ist ein Fremder? 1999), in dem er mit ihr
über Rassismus spricht. Das neue Buch berücksichtigt
die veränderte Lage nach den Anschlägen v. 11.09.2001
in New York. Es scheint auf eine Initiative des Rowohlt Verlags
zurückzugehen, zumindest ist weder auf der offiziellen
(frz.) Tahar Ben Jelloun-Seite noch bei amazon.fr ein
Original zu entdecken. Dafür spricht auch die Tatsache,
dass in dem Buch im Zusammenhang mit der Frage der Integration
der zweiten Generation der Einwanderer viel von Berliner Verhältnissen
die Rede ist, wo "Bürger nicht deutscher Herkunft
besser integriert" seien als in Frankreich, wie die Rezensentin
der Berliner Morgenpost (v. 11.11.2005) Bettina Göcmener
schreibt. - Apropos Berliner Morgenpost, sie hält
sich strikt an die alte Rechtschreibung; selbst der Buchtitel
Papa, woher kommt der Hass? wird umgewandelt: Papa,
woher kommt der Haß?
10) "In
40 kleinen Kapiteln", schreibt Romain Leick in der SPIEGEL-Rezension,
"hat Ben Jelloun ein nüchternes und genaues Mosaik
der Verlassenheit zusammengefügt. ... das Exil, erträumt
als paradiesischer Ort der Befreiung, ist lediglich das Spiegelbild
des heimischen Gefängnisses, aus dem Azel floh".
11) Dieses Buch
erschien zunächst in der dt. Übersetzung (und auch
in italienischer Übersetzung), dann erst im frz. Original.
12)
Dieses Buch ist die Fortsetzung des 1977 erschienenen Essays
La plus haute des solitudes (Die
tiefste der Einsamkeiten) als Roman.
13)
Das Buch Lettre à Delacroix ist in der Form
eines Briefs an den französischen Maler verfasst. Dieser
war im Jahre 1832 nach Marokko gereist und hatte auf seiner
Reise zahlreiche Skizzen angefertigt. Ben Jelloun teilt dem
Franzosen mit, was dieser auf seiner Reise nicht gesehen und
wie sich das Land inzwischen verändert hat .
14)
Der Text Par le feu ist vor der Veröffentlichung
im französischen Original bereits in deutscher (in: Arabischer
Frühling), italienischer, dänischer und spanischer
Übersetzung erschienen.
Wichtigste Quelle im Internet: Die offizielle Tahar
Ben Jelloun-Seite.
Wichtigste Quelle neben dem Internet (wie in den Anmerkungen
angegeben):
Roland Spiller: Tahar Ben Jelloun, in: KLfG
(Kritisches Lexikon zur fremdsprachigen Gegenwartsliteratur,
edition text+kritik) |
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Die
offizielle Tahar Ben Jelloun-Seite (in frz. Sprache).
|
| Interview
v. Martina Meister in der Frankfurter Rundschau v. 24.10.2001. |
|
KLfG
(Kritisches Lexikon zur fremdsprachigen Gegenwartsliteratur, edition
text+kritik) |
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| 2004-2011
© by Janko Kozmus |
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Moha der Verrückte, Moha der Weise (zu:
Der
Gedächtnisbaum) |
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Mohammed Khaïr-Eddine, Marokko |
Alaa al Aswani, Ägypten |
|
Assia Djebar, Algerien
|
Tarek Eltayeb, Sudan |
Gamal al-Ghitani, Ägypten |
|
Khalil Gibran, Libanon
|
Yasmina Khadra, Algerien |
Sahar Khalifa, Palästina |
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Abbas Khider, Irak/Deutschland
|
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Elias Khoury, Libanon
|
|
Ibrahim al-Koni, Libyen
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Amin Maalouf, Libanon
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Nagib Machfus, Ägypten
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Alia Mamduch, Irak
|
|
Rafik Schami, Syrien/Deutschland
|
|
Nawal El Saadawi, Ägypten
|
|
Miral al-Tahawi, Ägypten
|
Boualem Sansal, Algerien |
Hamid Skif, Algerien |
Ahdaf Soueif, Ägypten |
Najem Wali, Irak |
|
Mustafa Zikri, Ägypten
|
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