| |
1971-73
engagiert
sich Margaret Atwood insbesondere für nationale kulturelle
Angelegenheiten, die sie zu redaktioneller Tätigkeit im
House of Anansi Press führen. |
1971
Erneute
Hochschultätigkeit in Toronto.
Power Politics (Machtpolitik), Gedichte. Toronto.
|
1972
Surfacing (dt: Der lange Traum; Übersetzung:
Reinhild Böhnke, Düsseldorf 1979, unter dem Titel:
Strömung, Leipzig 1979, Der lange Traum,
Ffm 1981, Ffm 1990), Roman. Toronto.
Survival: A Thematic Guide to Canadian Literatur
(Überleben: Ein thematischer Führer zur kanadischen
Literatur), Hg: M. A. Toronto. |
1973
Scheidung
von James Polk, Umzug auf eine Farm bei Ontario, gemeinsam mit
dem Schriftsteller Graeme Gibson. |
1974
You Are Happy (Du bist glücklich), Gedichte. Toronto.
The Servant Girl (Das Dienstmädchen), Fernsehspiel.
|
1976
Geburt
der Tochter Jess.
Lady Oracle (dt: Lady Orakel; Übersetzung:
Werner Waldhoff, Düsseldorf 1984, Ffm 1987), Roman. Toronto
1976, New York 1977, London 1982.
Selected Poems (Ausgewählte Gedichte), Toronto.
|
1977
Days of the Rebels: 1815/1840 (Tage der Rebellen 1815/1840),
Toronto.
Dancing Girls and Other Stories (dt: Unter Glas;
Übersetzung: Helga Pfetsch, Düsseldorf 1986 Ffm 1988;
neu verlegt als Taschenbuch, Titel und Übersetzerin identische:
Berlin 2009), Erzählungen. Toronto 1977, London 1984.
Margaret Atwood wird mit dem Canadian Bookseller's Association
Award for Best Novel für Lady Oracle geehrt.
Ausgezeichnet mit dem City of Toronto Book Award für
Lady Oracle. |
1978
Two-Headed Poems (Zweiköpfige Gedichte). Toronto 1978,
1981.
Up
In The Tree (dt:
Hoch im Baum; Übersetzung: Peter Maiwald, Ffm 1994),
Kinderbuch.
Margaret Atwood wird mit dem St. Lawrence Award for Fiction
ausgezeichnet. |
1979
Life Before Man (dt: Die Unmöglichkeit der Nähe;
Übersetzung: Werner Waldhoff, Düsseldorf 1980, Berlin
1988, Ffm 1990), Roman. Toronto 1979, London 1982, New
York 1983. |
1980
Margaret Atwood kehrt nach Toronto zurück.
Vizepräsidentschaft der Writers' Union of Canada.
Anna's
Pet
(Annas Liebling), Kinderbuch.
|
|
|
1981
True Stories (dt: Wahre Geschichten. Gedichte; Übersetzung:
A. von Arz, S. Haffner, K. von Hutten, A. Jonas, B.M. Kloos,
Düsseldorf 1984, Ffm 1986), Toronto 1979, 1982,
London 1983.
Bodily Harm (dt: Verletzungen; Übersetzung:
Werner Waldhoff. Düsseldorf 1982, Mü 1984, Ffm 1990),
Toronto 1981, New York 1983, London 1983.
Snowbird (Schneevogel), Fernsehspiel. |
1982
Second Words: Selected Critical Prose (Zweite Wörter:
Ausgewählte Essays), Toronto 1982, Boston 1984. |
1983
Murder in the Dark (dt: Die Giftmischer. Horror-Trips
und Happy Ends; Übersetzung: Anna Kamp, Düsseldorf
1985, Ffm 1987), Toronto 1983, London 1984.
Bluebeard's Egg & Other Stories (dt: Der Salzgarten,
Ffm 1994), Toronto 1983, New York 1987, London 1988. |
1984
Interlunar (Mondfinsternis), Gedichte, Toronto 1984, London
1988. |
1985
The Handmaid's Tale (dt: Der Report der Magd,[2]Übersetzung:
Helga Pfetsch, Düsseldorf 1987, Ffm 1989, Leipzig 1990,
Ffm 1992), Roman. Toronto 1985, New York 1986, London 1987.
- An der Spitze des fiktiven nordamerikanischen Landes Gilead
steht eine Clique von Männern, deren Machtausübung
eindeutig faschistoide Züge trägt. Schauhinrichtungen
erinnern an stalinistische Strukturen. Die Frauen in der beschriebenen,
nahen und atomverseuchten Zukunft werden, mit Ausnahme der Gattinnen
der herrschenden Männer, zu Gebärmaschinen reduziert.
Eine dieser Frauen - Offred, Fred zugeteilt - erzählt ihre
düstere Geschichte. Bevor ihre schier auswegslose Situation
sie in die Resignation treibt, nimmt trotz strengster Kontrollmaßnahmen
eine andere Magd Kontakt zu ihr auf und nährt die Hoffnung
auf Befreiung.
Margaret Atwood wird für The Handmaid's Tale mit
dem Governor General's Award ausgezeichnet. |
1986
Heaven On Earth (Himmel auf Erden), Fernsehspiel, gemeinsam
mit Peter Pearson.
Nominierung für den Booker Prize für The
Handmaid's Tale.
Ausgezeichnet vom feminist. Ms. Magazine (Washington)
als Woman of the Year. |
1987
Selected Poems II. Poems Selected & New. Nineteen Seventy-Six
to Nineteen Eighty-Six (Ausgewählte Gedichte II. Ausgewählte
neue Gedichte. 1976 bis 1986), Ontario.
Ausgezeichnet mit dem erstmals vergebenen britischen Arthur
C. Clarke-Preis für den Roman Der Report der Magd. |
1988
Ausgezeichnet
von der Canadian Bookseller's Association als Author
of the Year. |
1989
Am
18. November
wird M.A. 50 Jahre alt.
Cat's Eye (dt: Katzenauge; Übersetzung:
Charlotte Franke, Ffm 1990), Roman. New York 1989
Nominierung für den Booker Prize für Cat's
Eye. |
1990
For The Birds (dt: Hoch oben im Baum. Ffm 1994),
Kinderbuch. |
1991
Wilderness Tips (dt: Tipps für die Wildnis.
Short Stories; Übersetzung: Charlotte Franke, Ffm 1991;
Neuauflage, gebunden, Titel und Übersetzerin identisch:
Berlin 2010), New York.
Margaret Atwood Poems 1965-1975 (Margaret Atwoods Gedichte). |
1992
Good Bones (dt: Gute Knochen), Essays. Toronto 1992. |
1994
The Robber Bride (dt: Die Räuberbraut, Ffm 1994),
Roman. New York 1993. |
1995
Morning in the Burned House, Gedichte.
Strange Things: The Malevolent North in Canadian Literature.
Essays.
Princess Prunella and the Purple Peanut (dt: Prinzessin
Prunella und die purpurne Pflaume. Hildesheim 1998). Kinderbuch. |
1996
Alias Grace (dt: alias Grace; Übersetzung: Brigitte
Walitzek), Roman.- Ein authentischer Kriminalfall aus dem Kanada
des 19. Jh's.
Deux Sollicitudes [3](Two
Solicitudes: Conversations (Zwei Besorgte: Gespräche);
Übersetzung ins Englische: Phyllis Aronoff u. Howard Scott
1998.
Nominierung für den Booker Prize für Alias
Grace. |
1998
Eating Fire; Selected Poems, 1965-1995, Gedichte. |
1999
Am
18. November
wird Margaret Atwood 60 Jahre alt. |
| 2000
The Blind Assassin (dt: Der blinde Mörder.
Berlin 2000), Roman. Der blinde Mörder ist ein
Roman im Roman. Laura, die Autorin innerhalb Atwoods Roman,
begeht kurz nach dem Ende des 2. Weltkriegs, zu Beginn des
Romans, Selbstmord, indem sie weißbehandschuht ihren
Wagen durch eine Absperrung lenkt und in den Abgrund rast.
Posthum wird sie mit ihrem Roman Der blinde Mörder
berühmt, der eine Beziehung zwischen einer wohlhabenden
Frau und einem in der linken Bewegung Engagierten erzählt,
dieser wiederum schreibt eine Science Ficition-Geschichte,
die ebenso wiedergegeben wird. Erzählt
wird das Ganze retrospektiv von Lauras Schwester Iris, die
inzwischen 82 Jahre alt ist. Doch dies ist nur eine von vielen
kunstvoll ineinander verwobenen (in der Mehrzahl Frauen-)Geschichten
der Familie Chase, die mit ihrer Fabrik eine kanadische Kleinstadt
dominierte und die mit der Wirtschaftskrise nach dem 1. Weltkrieg
unaufhaltsam dem Niedergang zusteuert.
Ausgezeichnet mit dem Booker Prize für The
Blind Assassin. |
2002
Negotiating With the Dead: A Writer on Writing.
The Blind Assassin wird für den hoch dotierten IMPAC
Dublin Literaturpreis nominiert (Shortlist). |
| 2003
Oryx and Crake (dt: Oryx
und Crake; Übersetzung: Barbara Lüdemann,
Berlin 2003), Roman. Toronto.
Nominierung für den Booker Prize für Oryx
and Crake.
Orwell
and me, Artikel, in: The Guardian v.
16.06.2003 |
2004
Nominierung (Shortlist) des Romans Oryx und Crake
für den britischen Literaturpreis Orange Prize for Fiction.
|
2005
Rude Ramsay and the Roaring Radishes (dt: Rotznase Ramsay
und die röhrenden Radieschen) Kinderbuch mit Illustrationen
von Dusan Petricic. London 2005.
The Penelopiad: The Myth of Penelope and Odysseus (dt: Die
Penelopiade; Übersetzung: Malte Friedrich. Berlin 2005).
Roman. Toronto u. Edinburgh 2005.- Die Odysee neu erzählt
aus der Sicht von Penelope, die mit Helena und den anderen berühmten
Gestalten seit Jahrtausenden im Hades wohnt. Begleitet werden
ihre Erzählungen von Einschüben des Chors der zwölf
erhängten Mägde.[4]
New beginnings. (dt: Ein neuer Anfang. Berlin 2005) Hg:
Margaret Atwood. Einleitung: Helen Fielding. Anthologie. New
York 2005.[5]
Writing with Intent: Essays, Reviews, Personal Prose: 1983-2005
(Mit Absicht/zielgerichtet schreiben: Essays, Rezensionen, Persönliche
Prosa: 1983-2005). New York 2005.
Nominierung (Shortlist)
für
den Man Booker International Prize.
Im Oktober ist M. A. zu Gast bei der Frankfurter Buchmesse,
wo sie ihr neues Buch The Penelopiad: The Myth of Penelope
and Odysseus vorstellt.[6] |
2006
The Tent (dt: Das Zelt; Übersetzung: Malte Friedrich.
Berlin 2007). New York 2006. Illustriert mit Zeichnungen der
Autorin. - Fiktionale Essays im Geiste von Good Bones
und Murder in the Dark (Die Giftmischer)[7].
Waltzing Again: New and Selected Conversations with Margaret
Atwood (Wieder Walzer tanzen: Neue und ausgewählte
Gespräche mit Margaret Atwood). Princeton 2006.
Moral Disorder (dt: Moralische Unordnung;
Malte Friedrich. Berlin 2008), Erz. 2006. - 60 Jahre Chronik
einer Familie in einzelnen Episoden, vom Toronto der Nachkriegszeit
bis in die Gegenwart[8].
|
2007
The Door. Gedichte. London 2007.
The Penelopiad – The Play, Theaterstück. London
2007. - Uraufführung: National Arts Centre / Royal Shakespeare
Company, Ottawa, Ontario, Kanada.
Nominierung (Shortlist)
für
den Man Booker International Prize.
|
2008
Im
Juni wird M.A. mit dem mit € 50.000 dotierten spanischen
Prinz-von-Asturien-Preis in der Sparte Literatur für ihr
Gesamtwerk[9]
ausgezeichnet. Der Preis wird im Herbst vom Prinzen von Asturien,
dem spanischen Thronfolger Felipe, in Oviedo überreicht
werden.
Payback: Debt and the Shadow Side of Wealth. Massey Lectures[10]
(Payback. Schulden und die Schattenseite des Wohlstands.
Übersetzung: Bettina Abarbanell, Grete Osterwald,
Sigrid Ruschmeier, Gesine Strempel und Brigitte Walitzek. Berlin
2008). Essays zur Finanz- und Bankenkrise. 2008. |
2009
The Year of the Flood (dt: Das Jahr der Flut. Berlin
2009), Roman. - Auch in dieser Negativ-Utopie steht der Wahnsinn
- gemeinhin "Zivilisation" genannt - im Mittelpunkt.
Nur zwei Menschen, die beiden Frauen Toby und Ren, scheinen
Das Jahr der Flut überlebt zu haben. Sie berichten
von ihrem Leben, dem Leben allgemein, das jetzt Vergangenheit
ist wie die "Gärtner Gottes", die Ganzkörperkondome...
und hoffen auf weitere Überlebende der Katastrophe.
Im Februar sagt Margaret Atwood, Vize-Präsidentin von PEN-International,
ihre Teilnahme an der Buchmesse Emirates Airline International
Festival of Literature (EAIFL) in Dubai ab.[11]
Am 18. November wird Margaret Atwood 70 Jahre alt.
Für ihr Lebenswerk wird Margaret Atwood mit dem mit 15.000
€ dotierten Nelly Sachs-Preis 2009 der Stadt Dortmund ausgezeichnet.
Der Preis, der seit dem Jahre 1961 vergeben wird, würdigt
den "künstlerisch herausragend gelungenen Einsatz
für Toleranz und Menschenwürde" der Autorin.
|
2011
In Other Worlds: SF and the Human Imagination (In
Anderen Welten: SF und die menschliche Fantasie), Erscheinen
für Okt. 2011 angekündigt. |
| Margaret
Atwood
lebt gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten, dem Schriftsteller
Graeme Gibson, in Toronto, Kanada. |
|
| |
| "I
am struck immediately by how tall she isn't. This giantess of
the literary world; this champion of the rights of artists and
freedom of expression. Margaret Atwood stands in the earliest
increments of the five foot mark, though her awards and the
adoration of her fans would put her up somewhere over seven
feet tall. At least." - Linda L. Richards, anlässlich
eines Interviews für January Magazine, November
2000 |
|
| |
| 0)
Einen Großteil ihrer Kindheit verbringt sie mit ihrem
Vater, dem Insektenforscher Carl Edmund Atwood, in der Wildnis.
1)
Der Begriff "Lobstick" ist stark mit der Kultur
der Cree-Indianer Kanadas verbunden. Er bezeichnet einen auffallend
hohen Kiefern- oder Fichtenbaum, der nur noch im oberen Bereich
Äste trägt und als lebendige Markierung/Ehrung für
einen Freund gilt.
2)
Spätestens mit diesem Buch, das Volker Schlöndorff
unter dem Titel Die Geschichte der Dienerin 1989 verfilmt,
wird Margaret Atwood einerseits einem breiteren Publikum bekannt
und andererseits als feministische Autorin angesehen.
3)
Erstveröffentlichung in frz. Sprache. - Victor-Lévy
Beaulieu, einer der renommiertesten Vertreter der frankokanadischen
Literatur verbringt im März 1995 eine Woche in Toronto;
Gelegenheit, sich mit der bedeutendsten Vertreterin anglokanadischer
Literatur, Margaret Atwood, über das Schreiben und nationale
Belange (ein Bereich, der M.A. neben dem feministischen sehr
am Herzen liegt) auszutauschen .
4)
Margaret Atwood selbst sagt in der Einführung zu The
Penelopiad: The Myth of Penelope and Odysseus, sie habe
sich nicht allein auf Homers Odysee gestützt. Das Material
sei ursprünglich mündlich überliefert, "ein
Mythos wird an dem einen Ort in der einen Weise erzählt
und anders an einem anderen Ort. Ich habe mich auf anderes
Material als die Odysee bezogen, besonders was Penelopes Herkunft,
ihr frühes Leben, ihre Heirat und die skandalösen
Gerüchte angeht, die über sie verbreitet wurden."
Sie habe Aufschluss geben wollen, schreibt Atwood weiter,
über die Geschichte der Penelope und ihrer 12 erhängten
Mägde. Die Geschichte wie sie in der Odysee erzählt
werde, halte einer Überprüfung nicht stand und habe
ihr - M. A. - keine Ruhe gelassen. [Lt. Homer haben sich 12
von 50 Mägden Penelopes während Odysseus' Abwesenheit
von diesem abgewendet und ihrer Herrin nicht mehr gehorcht.
Odysseus wollte sie nach seiner Heimkehr als Strafe zunächst
mit dem Schwert töten lassen, hielt sie aber dessen nicht
für würdig und ließ sie im Küchengewölbe
aufhängen. J.K.]
- Die Penelopiade, inzwischen auch in Deutsch erschienen,
steht im Rahmen eines internationalen Großprojekts,
das im Herbst 2005 lanciert wurde. Es wird von 30 internationalen
Verlagen getragen. Bisher sind fünf Bände in der
deutschen Reihe erschienen. - Siehe
zum Gesamtprojekt -->
In einer ersten Kritik des Gesamtprojekts schreibt Jürgen
Brôcan ("Die Rückkehr der Titanen", in: NZZ
v. 19.08.2006) über Atwoods Werk: "Atwood (nun)
baut die Lebensgeschichte Penelopes um eine Episode aus der
Odyssee, die in Wolfgang Schadewaldts Übertragung lakonisch
lautet: '... aufgereiht hielten diese ihre Köpfe, und Schlingen
waren um alle ihre Hälse, damit sie auf erbärmlichste Weise
stürben. Und sie zappelten mit den Füssen, ein weniges
nur, nicht gar sehr lange.' Die zwölf Mägde Penelopes, von
denen hier die Rede ist, konterkarieren bei Atwood in unterschiedlichen
literarischen Formen und Stilvarianten den Bericht Penelopes
und entlarven einmal sarkastisch, dann wieder verschmitzt
die Brutalität einer patriarchalischen Gesellschaft, die ihnen
keine Gerechtigkeit widerfahren liess."
5) Außer Herausgeberin Atwood
steuerten auch andere namhafte Schriftsteller Beiträge
zur Anthologie bei, u.a.:
J. M. Coetzee, Nick Hornby, Stephen King. Der Erlös
dieses Bandes soll über das Kanadische Rote Kreuz den
Tsunami-Opfern des Jahres 2004 zugeführt werden.
6)
Der SPIEGEL Online (v. 22.10.05) berichtet über die Veranstaltung
einer gemeinsamen Lesung v. Atwood, David Grossmann, Karen
Armstrong und Jeanette Winterson. Dies sind die ersten Autoren,
deren Bücher im Rahmen des internationalen literarischen
Großprojekts "Die Mythen" erschienen sind,
bei dem klassische Mythen neu erzählt werden. Andere
namhafte beteiligte Autoren neben den genannten sind Chinua Achebe
und Viktor
Pelewin. M. Atwood wird zu ihrem Buch folgendermaßen
zitiert: "Ich habe die Odyssee gar nicht als Mythos genommen,
sondern als das Werk eines Dichters - Homer - der sich mit
einem Stoff beschäftigt, über den ich eine andere
Meinung habe. Und wenn Sie zum Original zurückgehen,
dann beschimpfen sich die Ilias und Odyssee geradezu gegenseitig.
Wenn Achilles sich streitet, dann sagt er dem anderen ziemlich
drastisch, was für ein mieser Typ er ist."
7) Pia Reinacher,
die Rezensentin der FAZ, nennt die "Miniaturprosatexte
... witzige, bösartige, lapidare, illusionslose, tagträumerische,
aber auch schlichte Impressionen über den fatalen Lauf der
Welt". Das durch die Umschlagillustration angedeutete
Leitmotiv leuchte durch alle Geschichten: "Sprache ist
Heimat, ein bergender Zufluchtsort. Wörter bilden ein schützendes
Zelt. Die Gefahr allerdings ist allgegenwärtig. Zwei rote
Höllengeschöpfe bedrohen den fragilen Unterstand, der im Inneren
Satzfetzen und verbale Versatzstücke birgt - Evokationen von
Kälte, Eis und Wildnis".
8) "Verdeckte
Autobiografie" überschreibt Gunhild Kübler
für die NZZ am Sonntag (27.04.2008) ihre positive Kritik
des Erzählbandes Moralische Unordnung und konkretisiert
im Untertitel: "Die bedeutende kanadische Autorin Margaret
Atwood spürt in neuen Erzählungen über ein Lebensalter hinweg
einer Frau nach, die sie vielleicht selber ist. " Und
obwohl jeder die in den elf Geschichten beschriebenen Familiensituationen
kennt, lese man diese mit "viel Anteilnahme und Vergnügen".
Vielleicht liege das an der "klugen, diskreten, luftigen
Machart", mit Sicherheit aber an "Atwoods imaginativer
Kraft, ihrer Präzision, ihrem Mut zum Schrägen, ihrem Sinn
für Komik und ihrer Warmherzigkeit beim Porträtieren der Figuren".
9) Margaret
Atwood wurde für ihr "glänzendes literarisches
Werk" ausgezeichnet, das, so die Jury, "verschiedene
Genre mit Scharfsinn und Ironie erforsche und in intelligenter
Weise die klassische Tradition aufnehme, die Würde der
Frauen verteidige und Zustände sozialer Ungerechtigkeit
anprangere. M.A. hat sich in der Endauswahl gegen den Albaner
Ismail Kadaré, den Briten Ian McEwan und den Spanier
Juan Goytisolo durchgesetzt. - Vgl. El País
v. 25.06.08 (Übersetzung: J.K.)-
2001 wurde der Prinz-von-Asturien-Preis Doris
Lessing zugesprochen.
10)
Die Massey Lectures werden seit 1961 alljährlich für
eine Woche gehalten; dabei werden Inhalte von allgemeiner
Bedeutung thematisiert. Vorgänger von Margaret Atwood
waren u.a. Doris
Lessing mit Prisons We Choose To Live Inside
(Gefängnisse, die wir wählen, um in ihnen zu leben)
und der Linguist Noam Chomsky mit Necessary Illusions: Thought
Control in Democratic Societies (Notwendige Illusionen: Gedankenkontrolle
in demokratischen Gesellschaften). - Die deutsche Übersetzung
Payback. Schulden und die Schattenseite des Wohlstands
wurde von fünf Übersetzerinnen fast simultan vorgenommen,
so dass die dt. Ausgabe fast zeitgleich mit dem Original erscheinen
konnte.
11)
Hintergrund der Absage ist die Weigerung der Veranstalter,
ein Buch trotz Ankündigung zu präsentieren, dessen
Handlung in einem fiktiven Golf-Staat angesiedelt ist und
eine homosexuelle Beziehung von zwei Nebencharakteren, einem
Scheich und einem engl. Schriftsteller, darstellt. Bei dem
Buch handelt es sich um Geraldine Bedells Roman, The Gulf
Between Us. Lt. der britischen Zeitung The Independent
gab die Festival-Direktorin Isobel Abulhoul als Grund für
die Zensurmaßnahme an, der Roman könne "bestimmte
kulturelle Empfindlichkeiten beleidigen" und sie glaube,
es könne nicht den langfristigen Interessen des Festivals
dienen, dem Wunsch von Bedells Verlegern nachzugeben, dieses
Buch beim "ersten Festival dieser Art im Nahen Osten"
vorzustellen. Atwood betonte, sie habe sich auf das Festival
gefreut, aber als Vize-Präsidentin von PEN-International,
einer Vereinigung, die die Zensur von Autoren bekämpfe,
könne sie an dem diesjährigen Festival nicht teilnehmen.
Auch der brit. Guardian nimmt sich des Themas an. Er zitiert
AutorInnen, die dennoch am Festival teilnehmen wollen, u.a.
die nigerianische Erfolgsautorin Chimamanda Ngozi Adichie.
Sie habe vor mit den Veranstaltern über die Zensur-Entscheidung
zu reden. Und: "Ich habe gerade davon erfahren und ich
mache mir Sorgen. Ich verurteile aufs Schärfste die Zensur
eines belletristischen Werks; es ist ethisch verkehrt. Der
beste Weg mit Bedenken/Problemen in der Sprache umzugehen
ist mehr miteinander zu reden.". - Vgl. The Independent
v. 19.02.09 u. The Guardian v. 18.02.09
12)
Die deutsche Literaturwissenschaftlerin Reingard M. Nischik
gilt international als d i e Kennerin der kanadischen
Autorin. Ihre kritisch-wissenschaftliche Arbeit hat ihr bereits
die Auszeichnung Best Book Award der Atwood Society für
eines ihrer Bücher zu Margaret Atwood eingebracht. Engendering
Genre: The Works of Margaret Atwood ist das vierte in
dieser Reihe. Reingard M. Nischik, die bereits mehrfach Margaret
Atwood persönlich getroffen hat, betrachtet ihre Arbeit
"als einen Mini-Beitrag, der auch diesem übergeordneten
Ziel dienen soll". Das angesprochene Ziel ist die Auszeichnung
mit dem Literaturnobelpreis, den Atwood ihrer Meinung nach
längst verdient hat. - Vgl. "Diese Autorin überrascht
uns mit jedem neuen Buch, Interview v. Hildegard Nagler"
in: südkurier.de v. 6.05.2011. - Interessante Randnotiz:
Zu Reingard M. Nischik existiert ein Eintrag in der englischsprachigen
Wikipedia, nicht aber in der deutschsprachigen.
Wichtigste Quelle neben dem Internet:
Stüber, Mechthild: Margaret Atwood, in: KLfG
(Kritisches Lexikon zur fremdsprachigen Gegenwartsliteratur,
edition text+kritik) |
| |
MARGARET ATWOOD on Religion, M. A. im Gespräch,
VIDEO in engl. Sprache
Hintergrund dieses Gesprächs ist ihr Buch The Handmaid's
Tale (Der Report der Magd), der negative Entwurf
einer zukünftigen theokratischen Gesellschaft mit faschistoiden
Zügen und extremer Frauenunterdrückung. |
| Orwell
and me, Artikel,
in: The Guardian v. 16.06.2003 |
| KLfG
(Kritisches Lexikon zur fremdsprachigen Gegenwartsliteratur,
edition text+kritik) |
| |
| |
| 2004-2011
© by Janko Kozmus |
|