Literatur
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Die Penelopiade
Taschenbuch
Das Jahr der Flut - Audio CD

 

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MARGARET ATWOOD - Fortsetzung: 1971 - 2010
(
zum Anfang des Portraits)
1971-73
engagiert sich Margaret Atwood insbesondere für nationale kulturelle Angelegenheiten, die sie zu redaktioneller Tätigkeit im House of Anansi Press führen.
1971
Erneute Hochschultätigkeit in Toronto.
Bibliografische Angabe Power Politics (Machtpolitik), Gedichte. Toronto.
1972
Bibliografische Angabe Surfacing (dt: Der lange Traum; Übersetzung: Reinhild Böhnke, Düsseldorf 1979, unter dem Titel: Strömung, Leipzig 1979, Der lange Traum, Ffm 1981, Ffm 1990), Roman. Toronto.
Bibliografische Angabe Survival: A Thematic Guide to Canadian Literatur (Überleben: Ein thematischer Führer zur kanadischen Literatur), Hg: M. A. Toronto.
1973
Scheidung von James Polk, Umzug auf eine Farm bei Ontario, gemeinsam mit dem Schriftsteller Graeme Gibson.
1974
Bibliografische Angabe You Are Happy (Du bist glücklich), Gedichte. Toronto.
Bibliografische Angabe The Servant Girl (Das Dienstmädchen), Fernsehspiel.
1976
Geburt der Tochter Jess.
Bibliografische Angabe Lady Oracle (dt: Lady Orakel; Übersetzung: Werner Waldhoff, Düsseldorf 1984, Ffm 1987), Roman. Toronto 1976, New York 1977, London 1982.
Bibliografische Angabe Selected Poems (Ausgewählte Gedichte), Toronto.
1977
Bibliografische Angabe Days of the Rebels: 1815/1840 (Tage der Rebellen 1815/1840), Toronto.
Bibliografische Angabe Dancing Girls and Other Stories (dt: Unter Glas; Übersetzung: Helga Pfetsch, Düsseldorf 1986 Ffm 1988; neu verlegt als Taschenbuch, Titel und Übersetzerin identische: Berlin 2009), Erzählungen. Toronto 1977, London 1984.
Absatz Margaret Atwood wird mit dem Canadian Bookseller's Association Award for Best Novel für Lady Oracle geehrt.
Absatz Ausgezeichnet mit dem City of Toronto Book Award für Lady Oracle.
1978
  Bibliografische Angabe Two-Headed Poems (Zweiköpfige Gedichte). Toronto 1978, 1981.
Bibliografische Angabe Up In The Tree (dt: Hoch im Baum; Übersetzung: Peter Maiwald, Ffm 1994), Kinderbuch.
Absatz Margaret Atwood wird mit dem St. Lawrence Award for Fiction ausgezeichnet.
1979
  Bibliografische Angabe Life Before Man (dt: Die Unmöglichkeit der Nähe; Übersetzung: Werner Waldhoff, Düsseldorf 1980, Berlin 1988, Ffm 1990), Roman. Toronto 1979, London 1982, New York 1983.
1980
Margaret Atwood kehrt nach Toronto zurück.
Absatz Vizepräsidentschaft der Writers' Union of Canada.
Bibliografische Angabe
Anna's Pet (Annas Liebling), Kinderbuch.
1981
  Bibliografische Angabe True Stories (dt: Wahre Geschichten. Gedichte; Übersetzung: A. von Arz, S. Haffner, K. von Hutten, A. Jonas, B.M. Kloos, Düsseldorf 1984, Ffm 1986), Toronto 1979, 1982, London 1983.
Bibliografische Angabe Bodily Harm (dt: Verletzungen; Übersetzung: Werner Waldhoff. Düsseldorf 1982, Mü 1984, Ffm 1990), Toronto 1981, New York 1983, London 1983.

Bibliografische Angabe Snowbird (Schneevogel), Fernsehspiel.
1982
Bibliografische Angabe Second Words: Selected Critical Prose (Zweite Wörter: Ausgewählte Essays), Toronto 1982, Boston 1984.
1983
Bibliografische Angabe Murder in the Dark (dt: Die Giftmischer. Horror-Trips und Happy Ends; Übersetzung: Anna Kamp, Düsseldorf 1985, Ffm 1987), Toronto 1983, London 1984.
Bibliografische Angabe Bluebeard's Egg & Other Stories (dt: Der Salzgarten, Ffm 1994), Toronto 1983, New York 1987, London 1988.
1984
Bibliografische Angabe Interlunar (Mondfinsternis), Gedichte, Toronto 1984, London 1988.
1985
Bibliografische Angabe The Handmaid's Tale (dt: Der Report der Magd,[2]Übersetzung: Helga Pfetsch, Düsseldorf 1987, Ffm 1989, Leipzig 1990, Ffm 1992), Roman. Toronto 1985, New York 1986, London 1987. - An der Spitze des fiktiven nordamerikanischen Landes Gilead steht eine Clique von Männern, deren Machtausübung eindeutig faschistoide Züge trägt. Schauhinrichtungen erinnern an stalinistische Strukturen. Die Frauen in der beschriebenen, nahen und atomverseuchten Zukunft werden, mit Ausnahme der Gattinnen der herrschenden Männer, zu Gebärmaschinen reduziert. Eine dieser Frauen - Offred, Fred zugeteilt - erzählt ihre düstere Geschichte. Bevor ihre schier auswegslose Situation sie in die Resignation treibt, nimmt trotz strengster Kontrollmaßnahmen eine andere Magd Kontakt zu ihr auf und nährt die Hoffnung auf Befreiung.
Absatz Margaret Atwood wird für The Handmaid's Tale mit dem Governor General's Award ausgezeichnet.
1986
Bibliografische Angabe Heaven On Earth (Himmel auf Erden), Fernsehspiel, gemeinsam mit Peter Pearson.
Absatz Nominierung für den Booker Prize für The Handmaid's Tale.
Absatz Ausgezeichnet vom feminist. Ms. Magazine (Washington) als Woman of the Year.
1987
Bibliografische Angabe Selected Poems II. Poems Selected & New. Nineteen Seventy-Six to Nineteen Eighty-Six (Ausgewählte Gedichte II. Ausgewählte neue Gedichte. 1976 bis 1986), Ontario.
Absatz Ausgezeichnet mit dem erstmals vergebenen britischen Arthur C. Clarke-Preis für den Roman Der Report der Magd.
1988
Ausgezeichnet von der Canadian Bookseller's Association als Author of the Year.
1989
Am 18. November wird M.A. 50 Jahre alt.
Bibliografische Angabe Cat's Eye (dt: Katzenauge; Übersetzung: Charlotte Franke, Ffm 1990), Roman. New York 1989
Absatz Nominierung für den Booker Prize für Cat's Eye.
1990
Bibliografische Angabe For The Birds (dt: Hoch oben im Baum. Ffm 1994), Kinderbuch.
1991
Bibliografische Angabe Wilderness Tips (dt: Tipps für die Wildnis. Short Stories; Übersetzung: Charlotte Franke, Ffm 1991; Neuauflage, gebunden, Titel und Übersetzerin identisch: Berlin 2010), New York.
Bibliografische Angabe Margaret Atwood Poems 1965-1975 (Margaret Atwoods Gedichte).
1992
Bibliografische Angabe Good Bones (dt: Gute Knochen), Essays. Toronto 1992.
1994
Bibliografische Angabe The Robber Bride (dt: Die Räuberbraut, Ffm 1994), Roman. New York 1993.
1995
Bibliografische Angabe Morning in the Burned House, Gedichte.
Bibliografische Angabe Strange Things: The Malevolent North in Canadian Literature. Essays.
Bibliografische Angabe Princess Prunella and the Purple Peanut (dt: Prinzessin Prunella und die purpurne Pflaume. Hildesheim 1998). Kinderbuch.
1996
Bibliografische Angabe Alias Grace (dt: alias Grace; Übersetzung: Brigitte Walitzek), Roman.- Ein authentischer Kriminalfall aus dem Kanada des 19. Jh's.
Bibliografische Angabe Deux Sollicitudes [3](Two Solicitudes: Conversations (Zwei Besorgte: Gespräche); Übersetzung ins Englische: Phyllis Aronoff u. Howard Scott 1998.
Absatz Nominierung für den Booker Prize für Alias Grace.
1998
Bibliografische Angabe Eating Fire; Selected Poems, 1965-1995, Gedichte.
1999
Am 18. November wird Margaret Atwood 60 Jahre alt.

2000
Bibliografische Angabe The Blind Assassin (dt: Der blinde Mörder. Berlin 2000), Roman. Der blinde Mörder ist ein Roman im Roman. Laura, die Autorin innerhalb Atwoods Roman, begeht kurz nach dem Ende des 2. Weltkriegs, zu Beginn des Romans, Selbstmord, indem sie weißbehandschuht ihren Wagen durch eine Absperrung lenkt und in den Abgrund rast. Posthum wird sie mit ihrem Roman Der blinde Mörder berühmt, der eine Beziehung zwischen einer wohlhabenden Frau und einem in der linken Bewegung Engagierten erzählt, dieser wiederum schreibt eine Science Ficition-Geschichte, die ebenso wiedergegeben wird.
Erzählt wird das Ganze retrospektiv von Lauras Schwester Iris, die inzwischen 82 Jahre alt ist. Doch dies ist nur eine von vielen kunstvoll ineinander verwobenen (in der Mehrzahl Frauen-)Geschichten der Familie Chase, die mit ihrer Fabrik eine kanadische Kleinstadt dominierte und die mit der Wirtschaftskrise nach dem 1. Weltkrieg unaufhaltsam dem Niedergang zusteuert.
Absatz Ausgezeichnet mit dem Booker Prize für The Blind Assassin.

2002
Bibliografische Angabe Negotiating With the Dead: A Writer on Writing.
Absatz The Blind Assassin wird für den hoch dotierten IMPAC Dublin Literaturpreis nominiert (Shortlist).

2003
Bibliografische Angabe Oryx and Crake (dt: Oryx und Crake; Übersetzung: Barbara Lüdemann, Berlin 2003), Roman. Toronto.
Absatz Nominierung für den Booker Prize für Oryx and Crake.
Bibliografische Angabe Orwell and me, Artikel, in: The Guardian v. 16.06.2003

2004
Nominierung (Shortlist) des Romans Oryx und Crake für den britischen Literaturpreis Orange Prize for Fiction.
2005
Bibliografische Angabe Rude Ramsay and the Roaring Radishes (dt: Rotznase Ramsay und die röhrenden Radieschen) Kinderbuch mit Illustrationen von Dusan Petricic. London 2005.
Bibliografische Angabe The Penelopiad: The Myth of Penelope and Odysseus (dt: Die Penelopiade; Übersetzung: Malte Friedrich. Berlin 2005). Roman. Toronto u. Edinburgh 2005.- Die Odysee neu erzählt aus der Sicht von Penelope, die mit Helena und den anderen berühmten Gestalten seit Jahrtausenden im Hades wohnt. Begleitet werden ihre Erzählungen von Einschüben des Chors der zwölf erhängten Mägde.[4]
Bibliografische Angabe New beginnings. (dt: Ein neuer Anfang. Berlin 2005) Hg: Margaret Atwood. Einleitung: Helen Fielding. Anthologie. New York 2005.[5]
Bibliografische Angabe Writing with Intent: Essays, Reviews, Personal Prose: 1983-2005 (Mit Absicht/zielgerichtet schreiben: Essays, Rezensionen, Persönliche Prosa: 1983-2005). New York 2005.
Absatz Nominierung (Shortlist) für den Man Booker International Prize.
Absatz Im Oktober ist M. A. zu Gast bei der Frankfurter Buchmesse, wo sie ihr neues Buch The Penelopiad: The Myth of Penelope and Odysseus vorstellt.[6]
2006
Bibliografische Angabe The Tent (dt: Das Zelt; Übersetzung: Malte Friedrich. Berlin 2007). New York 2006. Illustriert mit Zeichnungen der Autorin. - Fiktionale Essays im Geiste von Good Bones und Murder in the Dark (Die Giftmischer)[7].
Bibliografische Angabe Waltzing Again: New and Selected Conversations with Margaret Atwood (Wieder Walzer tanzen: Neue und ausgewählte Gespräche mit Margaret Atwood). Princeton 2006.
Bibliografische Angabe Moral Disorder (dt: Moralische Unordnung; Malte Friedrich. Berlin 2008), Erz. 2006. - 60 Jahre Chronik einer Familie in einzelnen Episoden, vom Toronto der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart[8].
2007
Bibliografische Angabe The Door. Gedichte. London 2007.
Bibliografische Angabe The Penelopiad – The Play, Theaterstück. London 2007. - Uraufführung: National Arts Centre / Royal Shakespeare Company, Ottawa, Ontario, Kanada.
Absatz Nominierung (Shortlist) für den Man Booker International Prize.
2008
Im Juni wird M.A. mit dem mit € 50.000 dotierten spanischen Prinz-von-Asturien-Preis in der Sparte Literatur für ihr Gesamtwerk[9]  ausgezeichnet. Der Preis wird im Herbst vom Prinzen von Asturien, dem spanischen Thronfolger Felipe, in Oviedo überreicht werden.
Bibliografische Angabe Payback: Debt and the Shadow Side of Wealth. Massey Lectures[10] (Payback. Schulden und die Schattenseite des Wohlstands. Übersetzung: Bettina Abarbanell, Grete Osterwald, Sigrid Ruschmeier, Gesine Strempel und Brigitte Walitzek. Berlin 2008). Essays zur Finanz- und Bankenkrise. 2008.
2009
Bibliografische Angabe The Year of the Flood (dt: Das Jahr der Flut. Berlin 2009), Roman. - Auch in dieser Negativ-Utopie steht der Wahnsinn - gemeinhin "Zivilisation" genannt - im Mittelpunkt. Nur zwei Menschen, die beiden Frauen Toby und Ren, scheinen Das Jahr der Flut überlebt zu haben. Sie berichten von ihrem Leben, dem Leben allgemein, das jetzt Vergangenheit ist wie die "Gärtner Gottes", die Ganzkörperkondome... und hoffen auf weitere Überlebende der Katastrophe.
Absatz Im Februar sagt Margaret Atwood, Vize-Präsidentin von PEN-International, ihre Teilnahme an der Buchmesse Emirates Airline International Festival of Literature (EAIFL) in Dubai ab.[11]
   
Absatz Am 18. November wird Margaret Atwood 70 Jahre alt.
Absatz Für ihr Lebenswerk wird Margaret Atwood mit dem mit 15.000 € dotierten Nelly Sachs-Preis 2009 der Stadt Dortmund ausgezeichnet. Der Preis, der seit dem Jahre 1961 vergeben wird, würdigt den "künstlerisch herausragend gelungenen Einsatz für Toleranz und Menschenwürde" der Autorin.
2011
Bibliografische Angabe In Other Worlds: SF and the Human Imagination (In Anderen Welten: SF und die menschliche Fantasie), Erscheinen für Okt. 2011 angekündigt
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Margaret Atwood lebt gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten, dem Schriftsteller Graeme Gibson, in Toronto, Kanada.
STIMME(N):
"I am struck immediately by how tall she isn't. This giantess of the literary world; this champion of the rights of artists and freedom of expression. Margaret Atwood stands in the earliest increments of the five foot mark, though her awards and the adoration of her fans would put her up somewhere over seven feet tall. At least." - Linda L. Richards, anlässlich eines Interviews für January Magazine, November 2000
ANMERKUNGEN:

0) Einen Großteil ihrer Kindheit verbringt sie mit ihrem Vater, dem Insektenforscher Carl Edmund Atwood, in der Wildnis.

1) Der Begriff "Lobstick" ist stark mit der Kultur der Cree-Indianer Kanadas verbunden. Er bezeichnet einen auffallend hohen Kiefern- oder Fichtenbaum, der nur noch im oberen Bereich Äste trägt und als lebendige Markierung/Ehrung für einen Freund gilt.

2) Spätestens mit diesem Buch, das Volker Schlöndorff unter dem Titel Die Geschichte der Dienerin 1989 verfilmt, wird Margaret Atwood einerseits einem breiteren Publikum bekannt und andererseits als feministische Autorin angesehen.

3) Erstveröffentlichung in frz. Sprache. - Victor-Lévy Beaulieu, einer der renommiertesten Vertreter der frankokanadischen Literatur verbringt im März 1995 eine Woche in Toronto; Gelegenheit, sich mit der bedeutendsten Vertreterin anglokanadischer Literatur, Margaret Atwood, über das Schreiben und nationale Belange (ein Bereich, der M.A. neben dem feministischen sehr am Herzen liegt) auszutauschen .

4) Margaret Atwood selbst sagt in der Einführung zu The Penelopiad: The Myth of Penelope and Odysseus, sie habe sich nicht allein auf Homers Odysee gestützt. Das Material sei ursprünglich mündlich überliefert, "ein Mythos wird an dem einen Ort in der einen Weise erzählt und anders an einem anderen Ort. Ich habe mich auf anderes Material als die Odysee bezogen, besonders was Penelopes Herkunft, ihr frühes Leben, ihre Heirat und die skandalösen Gerüchte angeht, die über sie verbreitet wurden." Sie habe Aufschluss geben wollen, schreibt Atwood weiter, über die Geschichte der Penelope und ihrer 12 erhängten Mägde. Die Geschichte wie sie in der Odysee erzählt werde, halte einer Überprüfung nicht stand und habe ihr - M. A. - keine Ruhe gelassen. [Lt. Homer haben sich 12 von 50 Mägden Penelopes während Odysseus' Abwesenheit von diesem abgewendet und ihrer Herrin nicht mehr gehorcht. Odysseus wollte sie nach seiner Heimkehr als Strafe zunächst mit dem Schwert töten lassen, hielt sie aber dessen nicht für würdig und ließ sie im Küchengewölbe aufhängen. J.K.]
- Die Penelopiade, inzwischen auch in Deutsch erschienen, steht im Rahmen eines internationalen Großprojekts, das im Herbst 2005 lanciert wurde. Es wird von 30 internationalen Verlagen getragen. Bisher sind fünf Bände in der deutschen Reihe erschienen. - Siehe zum Gesamtprojekt -->
In einer ersten Kritik des Gesamtprojekts schreibt Jürgen Brôcan ("Die Rückkehr der Titanen", in: NZZ v. 19.08.2006) über Atwoods Werk: "Atwood (nun) baut die Lebensgeschichte Penelopes um eine Episode aus der Odyssee, die in Wolfgang Schadewaldts Übertragung lakonisch lautet: '... aufgereiht hielten diese ihre Köpfe, und Schlingen waren um alle ihre Hälse, damit sie auf erbärmlichste Weise stürben. Und sie zappelten mit den Füssen, ein weniges nur, nicht gar sehr lange.' Die zwölf Mägde Penelopes, von denen hier die Rede ist, konterkarieren bei Atwood in unterschiedlichen literarischen Formen und Stilvarianten den Bericht Penelopes und entlarven einmal sarkastisch, dann wieder verschmitzt die Brutalität einer patriarchalischen Gesellschaft, die ihnen keine Gerechtigkeit widerfahren liess."

5) Außer Herausgeberin Atwood steuerten auch andere namhafte Schriftsteller Beiträge zur Anthologie bei, u.a.: J. M. Coetzee, Nick Hornby, Stephen King. Der Erlös dieses Bandes soll über das Kanadische Rote Kreuz den Tsunami-Opfern des Jahres 2004 zugeführt werden.

6) Der SPIEGEL Online (v. 22.10.05) berichtet über die Veranstaltung einer gemeinsamen Lesung v. Atwood, David Grossmann, Karen Armstrong und Jeanette Winterson. Dies sind die ersten Autoren, deren Bücher im Rahmen des internationalen literarischen Großprojekts "Die Mythen" erschienen sind, bei dem klassische Mythen neu erzählt werden. Andere namhafte beteiligte Autoren neben den genannten sind Chinua Achebe und Viktor Pelewin. M. Atwood wird zu ihrem Buch folgendermaßen zitiert: "Ich habe die Odyssee gar nicht als Mythos genommen, sondern als das Werk eines Dichters - Homer - der sich mit einem Stoff beschäftigt, über den ich eine andere Meinung habe. Und wenn Sie zum Original zurückgehen, dann beschimpfen sich die Ilias und Odyssee geradezu gegenseitig. Wenn Achilles sich streitet, dann sagt er dem anderen ziemlich drastisch, was für ein mieser Typ er ist."

7) Pia Reinacher, die Rezensentin der FAZ, nennt die "Miniaturprosatexte ... witzige, bösartige, lapidare, illusionslose, tagträumerische, aber auch schlichte Impressionen über den fatalen Lauf der Welt". Das durch die Umschlagillustration angedeutete Leitmotiv leuchte durch alle Geschichten: "Sprache ist Heimat, ein bergender Zufluchtsort. Wörter bilden ein schützendes Zelt. Die Gefahr allerdings ist allgegenwärtig. Zwei rote Höllengeschöpfe bedrohen den fragilen Unterstand, der im Inneren Satzfetzen und verbale Versatzstücke birgt - Evokationen von Kälte, Eis und Wildnis".

8) "Verdeckte Autobiografie" überschreibt Gunhild Kübler für die NZZ am Sonntag (27.04.2008) ihre positive Kritik des Erzählbandes Moralische Unordnung und konkretisiert im Untertitel: "Die bedeutende kanadische Autorin Margaret Atwood spürt in neuen Erzählungen über ein Lebensalter hinweg einer Frau nach, die sie vielleicht selber ist. " Und obwohl jeder die in den elf Geschichten beschriebenen Familiensituationen kennt, lese man diese mit "viel Anteilnahme und Vergnügen". Vielleicht liege das an der "klugen, diskreten, luftigen Machart", mit Sicherheit aber an "Atwoods imaginativer Kraft, ihrer Präzision, ihrem Mut zum Schrägen, ihrem Sinn für Komik und ihrer Warmherzigkeit beim Porträtieren der Figuren".

9) Margaret Atwood wurde für ihr "glänzendes literarisches Werk" ausgezeichnet, das, so die Jury, "verschiedene Genre mit Scharfsinn und Ironie erforsche und in intelligenter Weise die klassische Tradition aufnehme, die Würde der Frauen verteidige und Zustände sozialer Ungerechtigkeit anprangere. M.A. hat sich in der Endauswahl gegen den Albaner Ismail Kadaré, den Briten Ian McEwan und den Spanier Juan Goytisolo durchgesetzt. - Vgl. El País v. 25.06.08 (Übersetzung: J.K.)- 2001 wurde der Prinz-von-Asturien-Preis Doris Lessing zugesprochen.

10) Die Massey Lectures werden seit 1961 alljährlich für eine Woche gehalten; dabei werden Inhalte von allgemeiner Bedeutung thematisiert. Vorgänger von Margaret Atwood waren u.a. Doris Lessing mit Prisons We Choose To Live Inside (Gefängnisse, die wir wählen, um in ihnen zu leben) und der Linguist Noam Chomsky mit Necessary Illusions: Thought Control in Democratic Societies (Notwendige Illusionen: Gedankenkontrolle in demokratischen Gesellschaften). - Die deutsche Übersetzung Payback. Schulden und die Schattenseite des Wohlstands wurde von fünf Übersetzerinnen fast simultan vorgenommen, so dass die dt. Ausgabe fast zeitgleich mit dem Original erscheinen konnte.

11) Hintergrund der Absage ist die Weigerung der Veranstalter, ein Buch trotz Ankündigung zu präsentieren, dessen Handlung in einem fiktiven Golf-Staat angesiedelt ist und eine homosexuelle Beziehung von zwei Nebencharakteren, einem Scheich und einem engl. Schriftsteller, darstellt. Bei dem Buch handelt es sich um Geraldine Bedells Roman, The Gulf Between Us. Lt. der britischen Zeitung The Independent gab die Festival-Direktorin Isobel Abulhoul als Grund für die Zensurmaßnahme an, der Roman könne "bestimmte kulturelle Empfindlichkeiten beleidigen" und sie glaube, es könne nicht den langfristigen Interessen des Festivals dienen, dem Wunsch von Bedells Verlegern nachzugeben, dieses Buch beim "ersten Festival dieser Art im Nahen Osten" vorzustellen. Atwood betonte, sie habe sich auf das Festival gefreut, aber als Vize-Präsidentin von PEN-International, einer Vereinigung, die die Zensur von Autoren bekämpfe, könne sie an dem diesjährigen Festival nicht teilnehmen. Auch der brit. Guardian nimmt sich des Themas an. Er zitiert AutorInnen, die dennoch am Festival teilnehmen wollen, u.a. die nigerianische Erfolgsautorin Chimamanda Ngozi Adichie. Sie habe vor mit den Veranstaltern über die Zensur-Entscheidung zu reden. Und: "Ich habe gerade davon erfahren und ich mache mir Sorgen. Ich verurteile aufs Schärfste die Zensur eines belletristischen Werks; es ist ethisch verkehrt. Der beste Weg mit Bedenken/Problemen in der Sprache umzugehen ist mehr miteinander zu reden.". - Vgl. The Independent v. 19.02.09 u. The Guardian v. 18.02.09

12) Die deutsche Literaturwissenschaftlerin Reingard M. Nischik gilt international als d i e  Kennerin der kanadischen Autorin. Ihre kritisch-wissenschaftliche Arbeit hat ihr bereits die Auszeichnung Best Book Award der Atwood Society für eines ihrer Bücher zu Margaret Atwood eingebracht. Engendering Genre: The Works of Margaret Atwood ist das vierte in dieser Reihe. Reingard M. Nischik, die bereits mehrfach Margaret Atwood persönlich getroffen hat, betrachtet ihre Arbeit "als einen Mini-Beitrag, der auch diesem übergeordneten Ziel dienen soll". Das angesprochene Ziel ist die Auszeichnung mit dem Literaturnobelpreis, den Atwood ihrer Meinung nach längst verdient hat. - Vgl. "Diese Autorin überrascht uns mit jedem neuen Buch, Interview v. Hildegard Nagler" in: südkurier.de v. 6.05.2011. - Interessante Randnotiz: Zu Reingard M. Nischik existiert ein Eintrag in der englischsprachigen Wikipedia, nicht aber in der deutschsprachigen.

Wichtigste Quelle neben dem Internet:
Stüber, Mechthild: Margaret Atwood, in: KLfG (Kritisches Lexikon zur fremdsprachigen Gegenwartsliteratur, edition text+kritik)

LINKS:
MARGARET ATWOOD on Religion, M. A. im Gespräch, VIDEO in engl. Sprache
Hintergrund dieses Gesprächs ist ihr Buch The Handmaid's Tale (Der Report der Magd), der negative Entwurf einer zukünftigen theokratischen Gesellschaft mit faschistoiden Zügen und extremer Frauenunterdrückung.
Orwell and me, Artikel, in: The Guardian v. 16.06.2003
KLfG (Kritisches Lexikon zur fremdsprachigen Gegenwartsliteratur, edition text+kritik)
REZENSION(EN):
2004-2011  © by Janko Kozmus