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CHRONIK
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1996
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Zur
Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas*
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von
innen und außen
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mit
aktuellen Hinweisen zum Literaturbetrieb |
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Stand:
12.10.11
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| 2.
Januar |
1996 |
Im
Alter von 72 Jahren stirbt die ghanaische
Dramatikerin
Efua Theodora Sutherland, geborene Morgue.
Nach Abschluss der Schulbildung in ihrer Heimat studierte sie
in Cambridge und London und kehrte 1951 nach
→ Ghana
zurück, wo sie sich dem experimentellen Theater zuwandte.
Sie gründete Theatergruppen und Schreibwerkstätten und
schrieb zahlreiche Stücke. In den 80er Jahren arbeitete sie
als Beraterin für Jerry Rawlings, den neuen Präsidenten,
der sich an die Macht geputscht hatte, um der Korruption im Lande
Einhalt zu gebieten und leitete verschiedene sozialistische Reformen
ein. |
3.
März |
1996 |
In
der New York Times stellt Penelope Lively den Briefroman
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| J.
Nozipo Maraire
Zenzele. A Letter... |
Zenzele.
A Letter for My Daughter der 1966 im rhodesischen Salisbury
[heute:Harare/ → Simbabwe]
geborenen J. Nozipo Maraire vor. In dem in New York
veröffentlichten Roman schreibt eine simbabwische Mutter
an ihre Tochter Zenzele, die in Harvard studiert. Sie erzählt
ihr Leben und berichtet von den Umwälzungen der letzten 30
Jahre in Simbabwe und imgrunde vom gesamten Kontinent Afrika.
Unter anderem erzählt die Mutter ihrer Tochter von deren
Vater, einem politisch aktiven Anwalt und erinnert Zenzele, die
Simbabwe nur als freies Land erlebt hat, an die vergangene Ära,
einem dem Wesen nach traumatischen Erbe, das auch Verpflichtungen
mit sich bringe. - Vgl. Tales Out of Africa by Penelope
Lively, in: The New York Times v. 3.03.1996. |
| 27.
März |
1996 |
Aus
Anlass des - 1963 eingeführten - Welttheatertages der UNESCO
richtet der syrische Dramatiker Saadallah Wannous als erster
arabischer Autor die Grußadresse an die Weltheatergemeinde.
In seiner Rede spricht er von einem "umfassenden Dialog
zwischen Einzelpersonen sowie zwischen Nationen." Das Theater
könne der Ausgangsort für einen solchen Dialog sein.
Als "Pionier des modernen arabischen Theaters" übernahm
er selbst "die Verteidigung des Theaters gegen die entwürdigenden
Kräfte, die die moderne Kultur bedrohen". "Theater",
sagte er, "ist nicht nur Ausdruck der Zivilgesellschaft,
sondern auch eine notwendige Bedingung für ihre Errichtung
und ihren Wachstum", weil es kein wahres Theater außerhalb
der Zivilgesellschaft gebe so wie es keine Zivilgesellschaft
gebe bei Abwesenheit von Demokratie und dem Respekt der Individualrechte.
(Vgl. Sa'dallah Wannous: A Life in Theater v. Manal A. Swairjo,
in: Al Jadid, Vol. 2, No. 8, Juni 1996, ÜE:
J.K.)
Die
tageszeitung berichtet aus
→
Kenia,
die dortige Regierung übe Zensur im Druckbereich über
vielerlei Gesetze aus ...
"Für ein Land von Kenias Ruf ist das zwar keine besonders
lange Liste. Aber man muß bedenken, daß in den letzten
zehn Jahren systematisch versucht wurde, Kreativität zu
ersticken. Viele Schriftsteller haben nach Verhaftungen und
Verfolgungen das Land verlassen, unter anderen →
Ngugi wa Thiong'o, Abdilatif
Abdalla, Ali Mazrui, Alamin Mazrui, Maina wa Kinyatti, Micere
Mugo, Kimani Gecau, →
Ngugi wa Mirii und Atieno Odhiambo."
(Henry M. Chakava,·
taz) |
| 10.
April |
1996 |
Die Berliner Zeitung berichtet von wachsendem Druck auf
Nigerias Regime. Während die Regierung die demokratische
Fassade aufgibt, indem sie eigene Truppen ein Hotel in der nigerianischen
Stadt Port Harcourt abriegeln lässt, so dass Vertretern der
Bewegung für das Überleben des Ogoni-Volkes, die mit
einer Menschenrechtsdelegation der UNO sprechen wollten, der Zutritt
verweigert ist, formiert sich der Widerstand nach der Hinrichtung
von Ken Saro-Wiwa und 8 anderen Oppositionellen neu:
13 demokratische Oppositionsgruppen Nigerias haben auf Parallel-Tagungen
in Johannesburg und Oslo beschlossen, die "Vereinigte Demokratische
Front Nigerias" (UDFN) als Dachorganisation zu gründen, Motor
dieses Beschlusses ist der nigerian. Nobelpreisträger → Wole
Soyinka, den die Berliner Zeitung mit folgenden Worten
zitiert: "Wir haben keine Zeit mehr (...) Jeden Tag werden Regimegegner
ins Gefängnis geworfen, werden Landsleute gefoltert, wird
→ Nigeria
von den korrupten Herrschern ruiniert." Soyinka befürchtet,
dass weitere inhaftierte Ogoni-Führer vor ein Sondertribunal
gestellt und hingerichtet werden könnten und ermahnt die
Welt endlich einzugreifen.·
(Berliner Zeitung) |
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23. April |
1996 |
"Welttag
des Buches und des Urheberrechts" (seit 1995, als die →
UNESCO
diesen Tag - Todestag von Cervantes und von Shakespeare - dazu
erklärte. |
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1996 |
Im Alter von 74 Jahren stirbt in seiner Geburtstadt Haifa der
palästinensische Schriftsteller
Emil Habibi.
Seit den 1940er Jahren gehörte Habibi der KP an und war von
1953 bis 1972 als einer ihrer Führer Mitglied des israelischen
Parlaments, der Knesset. Ein Leben lang trat er für die Koexistenz
und den Ausgleich zwischen Juden und Arabern ein. Sowohl von den
Palästinensern als auch von Israel wurde er als Autor geehrt:
1990 erhielt er den Al Quds Prize der PLO und 1992 den
Israelischen Literaturpreis (gemeinsam mit Avot Yeshurun).
Der 1972 erschienene Schelmenroman Al-Mutasha'el (dt: Der
Peptimist. Basel 1992) ragt innerhalb seines Werks wie auch
der arabischen Literatur insgesamt weit heraus. In der ägypt.
Al Ahram wurde die Satire als "Vorbote des magischen
Realismus" in der arabischen Literatur bezeichnet. Der Peptimist,
der Protagonist Said, steht für die absurde Situation, in
der sich Habibis palästinensischen Landsleute befinden, fremd
im eigenen Land.
Weitere Titel:
Das Tal der Dschinnen (Basel 1993; Originaltitel: I_h.t¯iya)
Dämonenkind (Basel 1998, Originaltitel: Sar¯ay¯a Bint
al-·G¯ul) |
| 16.
Juni
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1996 |
20. Jahrestag des Soweto-Aufstandes in →
Südafrika.
Die Schüler- und Studentenproteste in der Township Soweto
(South-West-Town), einem Vorort von Johannesburg, richteten
sich gegen die Absicht des Apartheidregimes, in den höheren
Klassen in Afrikaans anstatt - wie gehabt - in Englisch unterrichten
zu lassen. Der Aufstand wurde zum Symbol für den Kampf
gegen die Apartheid schlechthin.
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| 23.
Juni |
1996 |
Der in →
Syriens
Hauptstadt Damaskus geborene →Rafik Schami
wird 50 Jahre alt. Er schreibt in dt. Sprache. Zu seinen bekanntesten
Büchern zählt der Roman Erzähler der Nacht. |
| 26.
Juni |
1996 |
Die im Norden von →
Ghana
geborene Schriftstellerin engl. Sprache →Amma Darko
wird 40 Jahre alt. Ihren Erfolg als Autorin verdankt sie in erster
Linie ihrem deutschen Publikum. Ihren Erstling, den Migrations-Roman
Der verkaufte Traum (1991) hat sie mit Erfolg zunächst
in Deutschland veröffentlicht, wo sie in den 80er Jahren
als Asylbewerberin lebte. |
| 30.
Juni |
1996 |
Die
→ algerische
Schriftstellerin frz. Sprache →
Assia
Djebar wird
60 Jahre alt. |
| zeit |
los |
Arabische und afrikanische Sprüche und Weisheiten:
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| 15.
Juli |
1996 |
Driss Chraibi, der in Mazagan - heute Al-Jadida -, in → Marokko
geborene marokk. Schriftsteller frz. Sprache wird 70 Jahre alt.
- Internationale Anerkennung erlangte Chraibi mit seinem 1954
erschienenen ersten Roman Le passé simple. In Deutschland
wurde er mit dem originellen Roman Die Zivilisation, Mutter!
bekannt und erreichte große Popularität mit der Figur
des Inspektor Ali, dem Protagonisten einer Krimiserie. |
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August |
1996 |
Männer von Ansehen …
Mit diesem Titel überschreibt das Autorenteam Akwete Sande,
Patrick Mwanza und Angels Mtukulo aus →
Malawi
seinen Kurzbericht für die kritische Zeitung New Internationalist.
Präsident Bakili Muluzi von Malawi habe seinen Ruf aufs Spiel
gesetzt, heißt es in dem Artikel, der sich auf die Nachrichtenagentur
Gemini News Service bezieht, als er sein Portrait auf einen
Geldschein drucken ließ. Muluzi hatte den Personenkult um den
abgesetzten "Präsident(en) auf Lebenszeit" Hastings Kamuzu Banda
verurteilt, der andere historische Persönlichkeiten in den Hintergrund
drängte und die Leute glauben machte, "Banda sei der Anfang und
das Ende der Geschichte des Landes". Das Kabinett habe nun beschlossen,
Portraits von Banknoten zu verbannen, weil man davon ausgehe,
dass viele von den geschätzten 7.7 Mio. Analphabeten im Lande
glauben könnten, Banda sei immer noch an der Macht. Kritiker behaupteten,
Muluzi sei in die Fallen des Amtes geraten und das Malawische
Parlament habe beschlossen, dass die zukünftige Währung nicht
mehr das Angesicht von lebenden Führern tragen werde. ·
(New
Internationalist,
ÜE:
J.K.) |
| 15.
August |
1996 |
Lépold Sédar Senghor, senegalesischer Politiker,
Philosoph und Schriftsteller wird 90 Jahre alt. |
| 22.
August |
1996 |
Die taz meldet sich aus London, wo der Literaturnobelpreisträger
→ Wole
Soyinka sich im BBC-Fersehen zu Angriffen nigerian. Geheimdienstler
äußerte. Er selbst sei bereits zum Ziel der nigerianischen
Militärdiktatur geworden. "Er
fürchte sich besonders vor Säureangriffen ins Gesicht.
In → Nigeria
werde dies häufig getan, um Oppositionelle zum Schweigen
zu bringen. Ein früherer Agent bestätigte vor der Kamera,
daß das Militär Mitglieder der Demokratiebewegung im
Ausland verfolge. Die nigerianische Botschaft wies die Vorwürfe
zurück." ·
(taz) |
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1996 |
Im
Alter von 63 Jahren verstirbt die politische Aktivistin und Schriftstellerin
Latifa al-Zayyat. In diesem Jahr wurden ihr zwei große literarische
Ehrungen zuteil: Sie wurde für ihren Roman The Open Door
mit der Nagib Machfus-Medaille ausgezeichnet und wenige Monate
vor ihrem Tod mit dem ägyptischen Staatspreis für Literatur. |
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1996 |
Der Exstaatschef von Nigeria würde einen guten UN-Generalsekretär
abgeben, stellt Marion Gräfin Dönhoff in der Zeit
respektvoll fest:
"Was für ein Wahnsinn: Da gibt es kaum eine Handvoll
wirklicher Staatsmänner in Afrika, aber unter dem Militärdiktator
von Nigeria wird der neben Nelson Mandela wichtigste Mann zu fünfzehn
Jahren Haft verurteilt. Olusegun Obasanjo - 'Das Gewissen der
Nation', unermütlicher Streiter gegen Korruption und für
Gerechtigkeit und Demokratie, wurde auf dem Flugplatz von Lagos
verhaftet, als er im vorigen Jahr vom Weltsozialgipfel in Kopenhagen
zurückkam. Er wurde in einem Geheimprozeß wegen eines
angeblichen Putschversuches verurteilt; der Hauptzeuge war schwer
gefoltert worden..."
Und fast ins Schwärmen für den Exstaatschef von → Nigeria
gerät Marion Gräfin Dönhoff, wenn sie sagt, wie
schön es wäre, "wenn er als Nachfolger von Butros-Ghali
Generalsekretär der UN würde: ein Mann, dem es gelungen
ist, ohne Gewalt ein Militärregime in eine zivile Regierung
zu verwandeln, der Mitglied vieler internationaler Kommissionen
war, dem mehrere Ehrendoktorwürden verliehen wurden und den
die Friedrich-Ebert-Stiftung mit dem Menschenrechtspreis 1996
auszeichnete. " ·
(Zeit) |
| 2.
Oktober |
1996 |
In einem Artikel von Ortrun Egelkraut berichtet die Berliner
Zeitung von Wole Soyinkas Theaterstück The Beatification
of Aerea Boy (Die Seligsprechung des Area-Jungen),
das am heutigen Tag im Berliner Podewil Deutschlandpremiere habe.
→ Wole
Soyinka verbinde in dem Stück, "traditionelle Mythen
mit modernen Stilmitteln, hinterfragt kritisch alte und neue Götter,
soziale und politische Konflikte". (...)
Mit einem Hinweis auf Wole Soyinkas politisches Engagement schließt
der Bericht: Wole Soyinka versuche "unermüdlich"
die westliche Welt zu Sanktionen gegen das Militärregime
in seiner Heimat Nigeria zu bewegen. ·
(Berliner
Zeitung) |
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1996 |
"Zensiert in →
Palästina"
Unter diesem Titel veröffentlicht THE NEW YORK REVIEW OF
BOOKS einen Aufruf von zahlreichen namhaften
Schriftstellern an Jassir Arafat, das Verbot der Bücher
des palästinensischen Essayisten und Kritikers Edward W.
Said zurückzunehmen.
→ mehr dazu ·
(THE
NEW YORK REVIEW OF BOOKS, ÜE:
J.K.) |
| 5.
Dezember |
1996 |
→ Lewis
Nkosi, südafrikan. Journalist und Schriftsteller engl.
Sprache, wird
60 Jahre alt. |
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1996 |
Die
südafrikanische Wochenzeitung Mail & Guardian
startete gegen Ende des Jahres unter südafrikanischen Autoren
eine Umfrage nach ihrem persönlichen Buch des Jahres 1996.
→ Nadine
Gordimer beispielsweise wählt → Nagib Machfus'
Echoes of an Autobiography ...
→ mehr
dazu ·
(Mail
& Guardian, Südafrika,
ÜE:
J.K.) |
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Anmerkungen:
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inkl. arabischer Raum
ÜE: J.K. --> Übersetzung aus
dem Englischen: Janko Kozmus ©
ÜF: J.K. --> Übersetzung aus
dem Französischen: Janko Kozmus © |
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Quellen:
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Sach-
und Personenregister |
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