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Quelle:
Al-Ahram,
ägypt. Wochenzeitung in arab. u. engl. Sprache (Al-Ahram)
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Anmerkungen:
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inkl. arabischer Raum
ÜE: J.K. --> Übersetzung aus dem
Englischen: Janko Kozmus © |
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CHRONIK
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Zur Sozial-
und Literaturgeschichte Afrikas*
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von
innen und außen
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| · Die
MARABOUT-SEITE zitiert aus Ägypten · |
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| Unter
dem Titel "Phantomkameraden" geht Mohamed El-Assyouti
in der englischsprachigen Al-Ahram Weekly aus Kairo
detailliert auf die Zusammenarbeit des Regisseurs Osama
Fawzi und des Drehbuchautors → Mustafa
Zikri ein. |
| Beraubt
der üblichen kommerziellen Attraktionen - Präsenz
von Superstars, Songs, Situationskomik, erzwungenen sexuellen
Anspielungen und einschüchternden Ansprachen -, schreibt
Mohamed El-Assyouti, sei Gannat Al-Shayatin (Paradies
gefallener Engel) wahrscheinlich die bestgeplante Produktion
des Ägyptischen Kinos seit Jahrzehnten. Regisseur
Osama Fawzi und Drehbuchautor Mustafa Zikri glaubten,
dass ihre gemeinsame Arbeit an zwei Filmen - sie haben
schon an dem Film Afarit Al-Asfalt (Asphaltdämonen)
zusammen gearbeitet - von einem gemeinsamen Geist zeuge.
In beiderlei Hinsicht - Konzeption wie Ausführung
-, sei die spätere Zusammenarbeit im Vergleich zur
vorherigen ein Fortschritt. "Es ist eine Herausforderung
für uns in dieser Gesellschaft und in dieser verwesenden
Filmindustrie einen Film mit dem Thema Tod zu machen,
mit einem Leichnam als Protagonisten und einem Minimum
an Anstand, was die ästhetische und die Produktionsqualität
angeht", behaupteten sie. |
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QUELLEN:
Die Figur des Protagonisten stamme, wie El-Assyouti berichtet,
aus einer unvollendeten Geschichte von Zikri, während
die drei Tramps aus seinem Roman Ma Ya'rifahu Amin (Was
Amin weiß) herrühre. Des weiteren ziehe Zikri
den Roman Der Mann, der starb von Jorge Amado heran, um
den Hauptplot zu konstruieren. Zikris Drehbucharbeit sei
immer präzise und berücksichtige die Unzulänglichkeiten
der lokalen Filmindustrie, konstatiert El-Assyouti, während
Osamas Regie äußerst gewissenhaft sei "in der
Produktion einer deutlich abgehobenen, scharfen, dichten
und schnell visualisierten Sprache". |
| THEMATIK
UND ÄSTHETISCHE ANNÄHERUNG: Fawzi erinnere sich,
heißt es weiter, dass der Film seinen Ursprung in
ihrer Absicht habe, das Problem der Todesvorstellung anzugehen
sowie die Heuchelei und den abergläubischen Respekt
und der mit diesem verbundenen Ehrfurcht. |
| Laut
Zikri bestehe die Schönheit nicht darin, die Barriere
zwischen Leben und Tod zu transzendieren, sondern im zeitweiligen
Verweilen an dieser. "Was ich an Amados Roman mochte,
ist, dass er es anders als in Schumachers Flatliners (1990)
und mehr als in Bergmans [in The Seventh Seal (1957),
Cries and Whispers (1972), und Fanny and Alexander (1983)]
wagte kontemplativ zu verweilen, das Weiterschreiten jenseits
der Schwelle des Todes unterlasse." |
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Obwohl
es viele literarische Exkursionen ins Leben nach dem Tod,
inkl. Homer, Vergil, Dante und Chaucer gebe, führt
El-Assyouti Zikris Anschauung weiter aus, "legte Amado
solche Leitung ab, ein Ausschluss, der seinen Roman als
filmisches Rohmaterial qualifizierte, weil er die Unbeholfenheit
und die Plumpheit der Visualisierung solchen unbekannten
Territoriums für die Lebenden verweigere". Bilder,
die versuchen das Problem jeglicher posthumer Realität
anzugehen, tendierten lt. Zikri dazu, abergläubisch
und nicht imaginär zu sein, nicht allein wegen der
Produktionsgrenzen, die es in den meisten Filmindustrien
gebe, sondern auch wegen der "unabänderlichen rätselhaften
Natur des Subjekts". |
| Zikri
finde es leichter ein Drehbuch ohne Vorlage zu schreiben,
weil die Existenz einer literarischen Quelle eine große
Zahl von fundamentalen Entscheidungen beschränke.
Daraus resultiere als Konsequenz, dass er nicht übermäßig
auf den Plot des Romans vertraute, dessen Ende er zu optimistisch
und zu idealistisch fand. Gannat Al-Shayatins Protagonist
unterscheide sich sehr von jenem Amados. Das erste Kapital
überschauend, so El-Assyoutis Urteil, habe sich Zikri
entschieden, den Beginn in jener Minute zu wählen,
als der Protagonist stirbt. Was davor komme, argumentiert
Zikri, wäre von geringen dramatischen Wert für
einen Film, der versucht ein sogar dramatischen Level
zu etablieren und durchzuhalten, indem er die Präsenz
des Todes als Fakt beibehält, physisch verkörpert
durch den Leichnam, der auf beiden Charakteren und auf
dem Zuschauer für die ganzen 80 Minuten lastet. |
| "Ich
denke, das ist ein geeigneter Weg zu zeigen, wie unterschiedlich
die Menschen auf den Tod blicken, über ihn rätseln
oder angesichts seiner Gegenwart aufgeben. Filmzeit ist
sehr kostbar, ich möchte keinen Tiefpunkt haben,
eine Entwicklung und einen Höhepunkt", füge
Zikri hinzu. |
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Natürlicher
Instinkt sei Fawzi als Antrieb für die Charaktere
von Afarit Al-Asfalt und Gannat Al-Shayatin lieber als
eine sozial ausgeprägte Funktionalität. Instinkt
und mit ihm verbundene Schwäche sei eine Seite des
Naturalismus, die Fawzi möge, er erkläre jedoch,
dass der Zusammenprall von Bourgeoisie und Tramps niemals
als Illustration einer sozioökonomischen Perspektive
beabsichtigt war, er sei nicht als Selbstzweck oder als
ein Hauptanliegen des Films eingeführt worden, sondern
war eine Konsequenz der Dramatisierung von zwei unterschiedlichen,
jeweils exklusiven Gesellschaften. |
| Zikri
nehme Zuflucht, heißt es in dem Artikel weiter,
zu Instinkt als eine inhärente Determinante von Charakter,
wie es den ökonomisch aufgezwängten gegenübergestellt
sei, den genetischen Determinismus berücksichtigend,
welcher irgendwie mit dem Schicksal verbunden sei, der
jedoch den fotografischen Realismus ausschließe.
Zikri ziehe irgendeiner reduktionistischen psychoanalytischen
und materialistischen Lesart der Realität das Transreale
vor, das Übertriebene und Ironische, eine Präferenz,
die innerhalb seines kinematischen Stils immer im Vordergrund
stehe. |
| Was
für Zikri so angsteinflößend am Tod sei,
sei die Existenz einer anderen Zeit. "Es gibt einen Schlüssel
- etwas zeitbezogenes und unbekanntes - der jedes Rätsel
lösen kann, der aber für uns verloren ist. Das
wesentliche künstlerische Problem ist zeitbezogen:
du verschwendest dein Leben, indem du etwas produzierst,
das zeitgebunden ist und das einen unendlich kleinen Minutenplatz
in einem ewigen Zeitband besetzt. Wie sinnlos!" |
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Zikri glaubt, dass es genau diese Qualität der Vergeblichkeit
- sowie deren logischer Schlüsse - ist, die die Zweideutigkeit
von so vielen Aspekten eines Kunstwerks untermauere, dessen
Lösung sich jenseits des Künstlers selbst befinde.
Das Dilemma des Künstlers sei, dass er eine transzendentale
Bedeutung nicht ausdrücken könne, ohne Zuflucht
zu Werkzeugen zu nehmen, die unweigerlich in ein etabliertes
Interpretationsschema einzuordnen seien. |
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Fawzi
gestehe, dass es einen Grad an Abstraktion im Skript gibt,
die sich in die visuelle Sprache des Films hinein erstreckt,
doch dank der Gegenwart vieler realistischer Elemente
laufe der Film nicht Gefahr in einem abstrakten Gebilde
zu münden. |
| "Meine
ästhetische Annäherung, mein Stil ergibt sich
mit jedem einzelnen Film", behaupte Fawzi. Gemäß
den unterschiedlichen Charakteristiken eines jeden Films,
die die Produktion umgebenden Bedingungen und ihrer eigenen
Interaktion mit all diesen Faktoren, ergebe sich ein bestimmter
Stil. Er habe keine vorbestimmte Herangehensweise, eine
Methode, die er während seiner Karriere zu benutzen
beabsichtige, weil die Zeit und wechselnde Bedingungen
fortwährend zu dem letztendlichen Produkt beitrügen.
Er beginne mit einem anständigen Drehbuch und seinem
Thema und dies konstituiere die Hauptfaktoren, die den
Stil bedingten; auf der anderen Seite habe er keine Neigungen
zu verschiedenen Techniken, Formen und Genres. Ein Minimum
von Produktionsstandards sollte natürlich zugängig
sein. |
| In
Paradies gefallener Engel bestand Fawzi darauf, alle Elemente
und Details zu kontrollieren; eine ruhige nächtliche
Umgebung herrsche vor, zu keiner Zeit sei auch nur ein
einziges menschliches oder tierisches externes Element
sicht- oder hörbar - nicht einmal in den Straßenszenen
- außer es sei bereits Teil der bestehenden Vision.
Fawzi vermutete, "dass es notwendig war die Welt von Paradies
gefallener Engel einzuschnüren, um mit dieser sehr
eigentümlichen Geschichte fertig zu werden, um die
vollständige künstlerische Kontrolle zu behalten,
aber dennoch führte ich gelegentlich Bezüge
zu tatsächlichen Menschen und Plätzen ein. Um
die Besonderheit des Universums von Paradies gefallener
Engel zu betonen, musste ich ihn mit der Alltagswelt in
einer subtilen Art und Weise kontrastieren." |
| Doch
während das ägyptische Publikum viele Elemente,
Bestandteile seiner eigenen Kultur, erkennen wird, sei
auch die Bemerkung Marco Müllers, des Vorsitzenden
des Locarno Film Festivals, wo der Film 1999 gezeigt wurde,
der Film könne von einem beliebigen Punkt der Welt
stammen, weit davon entfernt, ungültig zu sein. Die
Konzentration auf formale Aspekte trage sicherlich dazu
bei, Müllers Bemerkung zu bestätigen. |
| DURCHFÜHRUNG:
"Hätten wir die Gelegenheit gehabt, den gesamten
Film in einem Studio zu drehen, hätte ich nicht einen
Moment gezögert", erklärt Fawzi. |
| Doch
nur 30 Prozent des Drehens fanden im Studio Galal statt.
Der Rest des Gesamtmaterials beinhalte Außenaufnahmen
mit all den sie begleitenden Risiken. |
| Aus
Kostengründen habe das Team auf die Eskorte von Sicherheitskräften
bei Außenaufnahmen verzichtet. Der zweimonatige
Aufschub, um nachts auf der 6th October Bridge drehen
zu können war vergebens. Der Dreh musste abgebrochen
werden, weil eine Straßengang Crew und Schauspieler
mit Steinen und Flaschen attackiert habe. (...) |
| [Der
zweite - für die Marabout-Seite weniger relevante
- Teil des Artikels von Mohamed El-Assyouti befasst sich
im Wesentlichen mit Detailfragen der Technik der filmischen
Umsetzung des Themas durch den Regisseur.] ·
(Al-Ahram,
ÜE:
J.K.) |
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