
STEFANIE
ZWEIG:
NIRGENDWO IN AFRIKA
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CHRONIK
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0 0 3_1 . Q u a r t a l
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Zur
Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas*
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von
innen und außen
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mit
aktuellen Hinweisen zum Literaturbetrieb |
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Stand:
16.11.07
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2003 |
Januar - März |
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2003 |
Die französischsprachige, 1967 in →
Côte d'Ivoire geborene,
burkinische Autorin Angèle Bassolé-Ouédraogo wird
für ihren Gedichtband Avec tes mots mit dem von der
Regierung von Ontario gestifteten und mit (kanad.) $ 10.000
dotierten Trillium Book Award ausgezeichnet. Nach Burkina
Blues ist dies bereits die zweite Veröffentlichung der
seit 1992 in Kanada lebenden Autorin, die in einem fiktiven Dialog
selbst die Situation eines Interviews durchspielt, in dem es um
die Frage ihrer Herkunft geht. Sie stamme aus →
Burkina Faso, habe zwar ihre
Kindheit und Jugend in Côte d'Ivoire verbracht, aber ihre
Eltern seien Burkinabé, Immigranten aus dem Nachbarland,
im Übrigen sei sie Afrikanerin, die in ihrem Geburtsland
wie in Burkina nur "die Kanadierin" genannt werde. "Und
ja, ich fühle mich überall zu Hause in Afrika. Aber
auch anderswo! Ich arbeite daran, mich überall da zu Hause
zu fühlen, wo ich gerade bin. Deshalb beantworte ich von
nun an die bekannte Frage nach der Herkunft mit: 'Ich habe kein
Heimatland, die Welt ist mein Land'. Und ich träume davon mit
Susan Sontag sagen zu können (deren Zitat mir ein Freund aus Deutschland
schickte): 'Verwurzelt zu werden interessiert mich nicht. Ich
bin das, was ich bin: offen für die Welt'. (Vgl. Sans pays ! langue,
exil et self-identité diasporique, Angèle Bassolé
Ouédraogo, http://motspluriels.arts.uwa.edu.au/) |
| 1.
Januar |
2003 |
Ousmane Sembène, senegalesischer Schriftsteller frz. Sprache
und Filmemacher, wird heute 80 Jahre alt.
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| 6.
Januar |
2003 |
Anlässlich
des Erscheinens des Romans →
Allah muss nicht gerecht
sein gegen Ende des Jahres 2002 veröffentlicht
die NZZ einen Bericht über dieses Buch, dem ein
Gespräch der Autorin Irene Binal mit →
Ahmadou Kourouma zugrunde
liegt. Auf Zukunftspläne hin befragt, äußert
A.K., er habe "inzwischen schon sein nächstes Projekt in
Angriff genommen - ein Buch über Sékou Touré,
den Diktator aus →
Guinea: 'Ich möchte
dessen Verbrechen während des Kalten Krieges aufzeigen.'
Um auch diesbezüglich den Blick Europas und der Welt zu
schärfen" (NZZ)
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| 11.
Januar |
2003 |
"Schreib . . . und halt den Mund!
Von Boubacar Boris Diop
Die afrikanischen Schriftsteller - und insbesondere die frankophonen
- ergehen sich oft und ausführlich in Erläuterungen,
warum sie in einer fremden Sprache schreiben. Aus dem Pro und
Contra ist längst eine ausweglose argumentative Falle geworden
...
Hinter dem Dilemma steht freilich eine gravierende Tatsache:
Unsere eigenen Landsleute, meist mehr an die orale als die schriftliche
Kultur gewöhnt, haben weder die Mittel noch die Möglichkeit,
unsere Bücher zu kaufen und zu verstehen.
Obwohl sich die afrikanischen Schriftsteller dieses Missstandes
schmerzhaft bewusst sind, reagieren sie - abgesehen von seltensten
Ausnahmen wie etwa dem Kenianer → Ngugi wa Thiong'o
oder dem Senegalesen Cheikh Aliou Ndao - nachgerade allergisch
auf die Idee, sich einer einheimischen Sprache zu bedienen.
Demgegenüber scheint die Sprache des Kolonisators allemal
das kleinere Übel; zumindest erspart einem diese Konzession
eine Art sprachlicher Ghettoexistenz ..." (NZZ)
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| 15.
Januar |
2003 |
"Der
afrikanische Schriftsteller und das ruandische Syndrom"
Vor dem Hintergrund des Bürgerkriegs in → Côte
d'Ivoire erinnert der kamerunische Theoretiker und Schriftsteller
→ Patrice Nganang
in einem Artikel für Le Monde an den Völkermord
in →
Ruanda:
"Während Tausende von Abidjanern auf die militärische
Frage: ‚Wollt Ihr an die Front' mit nahezu narkotisierendem
Eifer antworteten, ähnlich dem, der den Sportpalast von
Berlin beim Appell von Goebbels beseelte, während das ivorische
Fernsehen uns Tausende von jungen Menschen zeigte, die sich
anstellten, um sich in die Flammen des Todes zu werfen, während
die Loyalisten und die Rebellen Schach spielten um das Leben
ihrer Landsleute, ist es sehr schwierig, nicht einen Augenblick
an Ruanda zu denken." (...) ·
(Le Monde, ÜF:
J.K.)
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| zeit |
los |
Afrikanische und arabische Sprüche und Weisheiten:
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| Februar
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2003 |
20. Geburtstag der burkinischen Schriftstellerin Suzy Henrique Nikiéma.
Bereits im Alter von dreizehn Jahren fing sie an zu schreiben
und im Jahre 2001 veröffentlichte sie bei einem Pariser Verlag
ihren ersten Roman: L'homme à la bagnole rouge (Der Mann
in dem roten Auto). Sie lebt derzeit mit ihrer Familie in ihrer
Geburtstadt Ouagadougou, → Burkina
Faso,
wo sie Jura studiert. |
| 6.
Februar |
2003 |
Im Alter von 80 Jahren stirbt in Maputo mit José Craveirinha der
wohl bedeutendste Dichter Mosambiks. Neben zahlreichen anderen
Auszeichnungen erhielt er als bislang einziger Autor seines Landes
1991 den wichtigsten Preis für portugiesischsprachige Literatur,
den Prémio Camões. Jahrzehnte lang arbeitete er für
mosambikische Publikationen und verwendete mehrere Pseudonyme:
u.a. Mário Vieira, J.C., J. Cravo, José Cravo, Jesuíno Cravo und
Abílio Cossa. |
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2003 |
In der Neuen Zürcher Zeitung schreibt
Susanne Ostwald über Gerhard Seyfrieds Kolonialroman Herero,
mit dem der Comiczeichner und Cartoonist sich als Erzähler
und Chronist des ersten deutschen Genozids vorstellt.
→
mehr dazu ·
(NZZ)
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2003 |
Der am 6. Februar im Alter von 80 Jahren verstorbene
Dichter José Craveirinha wird am 10. Februar in
Maputo in einem feierlichen Staatsbegräbnis
bestattet. "Craveirinha ist die erste Person, die in dem
nüchternen, sterngemusterten Monument von purem weißen
Marmor beerdigt wird, die nicht dem militärischen Flügel
der Befreiungsbewegung angehörte." In seiner Rede
würdigt Präsident Chissano die Verdienste des Verstorbenen,
"er habe nicht bloß Verse geschrieben, er war auch
ein Journalist und eine politische Figur, von der portugiesischen
Geheimpolizei PIDE in den 60er Jahren gefangen gehalten wegen
seiner Geheimmitgliedschaft in der Nationalen Befreiungsbewegung
→ FRELIMO".
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(AIM, Mosambik, ÜE:
J.K.) |
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2003 |
"Der UN-Beauftragte für kriegsbehinderte Kinder sagte
heute, es habe eine 'bemerkenswerte Veränderung' in Sierra
Leones Bemühungen gegeben, den Anforderungen entgegenzutreten,
denen sich die Jüngsten der Nation durch die Nachwirkungen
der Jahre des Konflikts gegenüber sehen.
'Der stärkste Eindruck meines Besuchs in →
Sierra
Leone ist die bemerkenswerte Veränderung, welche in
dem Land im Zeitraum von kaum anderthalb Jahren seit Ende des
Konflikts stattgefunden hat', sagte der Sonderbeauftragte für
Kinder und Bewaffnete Konflikte, Olara Otunnu der Presse im
UN-Hauptquartier in New York.
Entgegen früheren Besuchen in Sierre Leone würden
viele Kinder jetzt in schmucken Uniformen die Schule besuchen,
sagte Otunnu, seien insgesamt besser genährt und gekleidet.
Um zu garantieren, dass das Erreichte konsolidiert werde, dürfe
die Internationale Gemeinschaft ihre Aumerksamkeit jetzt nicht
wieder von Sierre Leone abwenden." (UN News, ÜE:
J.K.)
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung beginnt mit dem Vorabdruck
des Romans →
Die
Schwalben von Kabul von →Yasmina Khadra,
"die eigentlich Mohammed Moulessehoul heißt und als
Offizier in der algerischen Armee diente." (FAZ)
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| 12.
März |
2003 |
Die Nachrichtenagentur AngolaPress berichtet vom Besuch
einer hochrangigen Delegation, angeführt vom Gesundheitsminister
Alain Moka, in das Department von Kelle, in der Region West-Cuvette
der →
Republik
Kongo. Zweck des Besuchs sei es "die dortigen Bewohner
der Regierungsbemühungen zu versichern, das Ebola-hämorrhagische
Fieber zu besiegen, das dort vor fast einem Monat ausgebrochen
war ..." (AngolaPress, ÜE:
J.K.)
Dieselbe Agentur meldet aus Accra, →
Ghana,
der Präsident John Agyekum Kufuor habe
an die Ghanaer appelliert, den Kampf gegen die Armut im Land
ernst zu nehmen. AngolaPress zitiert aus einer Rede des
Präsidenten Kufuor zum 46. Unabhängigkeitstag: "...
unser größter Feind ist die Armut, und der Kampf
gegen die Armut beginnt mit der Aussöhnung unseres Volkes
und dem gemeinsamen Vorwärtsgehen"... Sie schreibt
weiter, Kritiker der Kufuor-Administration würden deren
Methoden zur Eindämmung der Armut beanstanden, "sie
entsprächen nicht vollständig der Linie der Ghanaischen
Strategie zur Reduzierung der Armut (GPRS), dem akzeptierten
Instrument zur Eindämmung der Armut im Lande." (AngolaPress,
ÜE:
J.K.)
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| 23.
März |
2003 |
Caroline Link erhält für ihren Film
Nirgendwo in Afrika einen
Oscar in der Kategorie bester nicht-englischsprachiger
Film. Der Film ist eine Adaption
des gleichnamigen autobiografischen Romans von Stefanie Zweig,
die das Überleben einer deutsch-jüdischen
Familie in →
Kenia
während des Holocausts nachzeichnet. |
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2003 |
Die
Allgemeine Zeitung aus
→
Namibia
meldet die Verabschiedung des Gesetzentwurfes gegen häusliche
Gewalt, die von der Frauenbewegung Women´s Action for Development
(WAD) begrüßt wird.
Nach monatelangen Streitereien und Versuchen von männlichen
Volksvertretern, den Gesetzesentwurf lächerlich zu machen,
sei die Novelle am Donnerstag von der Nationalversammlung angenommen
worden. Veronika De Klerk, die Direktorin der WAD, heißt
es in dem Artiikel weiter, spreche von einem "Triumph namibischer
Frauen" im Kampf gegen "die Versklavung durch kulturell auferzwungene
Unterdrückung"...
Die Novelle müsse nun dem Nationalrat zur Beurteilung vorgelegt
werden... (AZ,
Namibia) |
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Anmerkungen:
*
inkl. arabischer Raum
ÜE: J.K. --> Übersetzung aus
dem Englischen: Janko Kozmus ©
ÜF: J.K. --> Übersetzung aus
dem Französischen: Janko Kozmus © |
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Quellen
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Sach-
und Personenregister |
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