| |
| |
| |
|
AFRIKA-CHRONIK |
| |
|
LANDESCHRONIKEN |
| |
|
ALGERIEN I |
| |
| |
| |
| |
| |
| |
| |
| |
| |
| |
| |
|
| .
|
| CHRONIK |
| |
| |
Zur Sozial- und Literaturgeschichte
Afrikas* |
| von
innen und außen |
| |
| ALGERIEN(Teil
I: 1808 - 2000) |
| |
| |
|
|
| ··············································································· |
| 6.
September |
1808 |
|
In Guetna bei Mascara wird Sidi el-Haddsch Abd el-Kader
Uled Mahiddinn geboren, der später als der Befreiungskämpfer
Abd el-Kader Berühmtheit erlangen wird.
In Damaskus stirbt im Alter von 74 Jahren der Befreiungskämpfer
und Verfasser von Lyrik sowie religiöser und politischer
Schriften Abd el-Kader.
|
 |
Abd
el-Kader |
|
|
| 26.
Mai |
1883 |
| 7.
Februar |
1906 |
Als erstes Kind der Dichterin und Schriftstellerin Fadhma Aït
Mansour Amrouche wird Jean El-Mouhoub Amrouche in Ighil Ali
in der Großen Kabylei in Algerien geboren. Er wird unter
seiner Namenskurzform →
Jean Amrouche als Dichter Berühmtheit
erlangen. |
| |
1913 |
Als zweites Kind der Dichterin und Schriftstellerin Fadhma Aït
Mansour Amrouche wird die künftige algerische Sängerin,
Dichterin und Schriftstellerin Marie Louise-Taos Amrouche in
Tunis geboren. Als →
Taos Amrouche wird sie v.a. als Sängerin
Anerkennung finden. |
| 8.
März |
1913 |
→
Mouloud Feraoun, späterer Schriftsteller
frz. Sprache, wird in Tizi Hibel geboren, demselben Bergdorf,
in dem auch die Dichterin Fadhma Aït Mansour Amrouche, Mutter
von Taos Amrouche und Jean Amrouche, 1882 geboren wurde. |
| 28.
Dezember |
1917 |
Der künftige Schriftsteller, Anthropologe und Linguist
→ Mouloud Mammeri
wird in Taourirt Mimoune (Ath Yenni) in der Großen Kabylei
geboren. |
| 21.
Juli |
1920 |
Im algerischen Tlemcen wird der zukünftige Schriftsteller
frz. Sprache →
Mohammed Dib geboren. |
| 5.
Juli |
1927 |
In Constantine wird der spätere Dichter und Romancier frz.
Sprache →
Malek Haddad geboren. |
| 6.
August |
1929 |
→
Kateb Yacine, späterer frankophoner
Schriftsteller, wird in Constantine in eine altehrwürdige
(→
Marabout-)Berberfamilie
hinein geboren. Gemeldet wird seine Geburt im algerischen Zighout-Youcef,
weswegen dieser Ort oft fälschlicherweise als sein Geburtsort
angegeben wird. |
| 30.
Juni |
1936 |
In
der alger. Hafenstadt Cherchell wird Fatima-Zohra Imalayène
geboren; sie wird später unter dem Pseudonym → Assia Djebar
als Schriftstellerin Berühmtheit erlangen. |
| 23.
Januar |
1938 |
Der
spätere Schriftsteller Mourad Bourboune wird in Jijel,
in der ostalgerischen Kabylei, geboren. |
| 5.
September |
1941 |
Der spätere Schriftsteller arabischer und französischer
Sprache Rachid Boudjedra wird in Aïn Beida, im ostalgerischen
Auresgebirge, in gutsituierte bürgerliche Verhältnisse
hinein geboren. |
| 20.
November |
1945 |
Der
künftige algerische Schriftsteller →
Rachid Mimouni wird
östlich von Algier, in Alma [heute: Boudouaou] geboren. |
| 29.
März |
1947 |
In der westalgerischen Hafenstadt Mostaganem wird der künftige
Lyriker und Schriftsteller Habib Tengour geboren. |
| 5.
Oktober |
1949 |
Malika Mokeddem, die spätere Schriftstellerin frz. Sprache,
wird in Kenadsa, Algerien, geboren. |
| 15.
Oktober |
1949 |
In Tenient el Had, einem Dorf in der Nähe von Oran, wird
der künftige Schriftsteller → Boualem Sansal
geboren. |
| 21.
März |
1951 |
In Oran wird Mohamed Benmebkhout, der sich später als kritischer
Journalist und Autor →
Hamid
Skif
einen Namen machen wird, geboren. |
| 13.
April |
1953 |
Als Tochter des Revolutionsführers Mohammed Chérif wird
in Constantine die künftige Schriftstellerin Ahlam (auch:
Ahlem) → Mosteghanemi
geboren. |
| 11.
Januar |
1954 |
In Oulkhou (Ighil Ibahriyen), in der Großen Kabylei wird
der spätere Journalist und Schriftsteller
→ Tahar Djaout geboren. |
| 10.
Januar |
1955 |
Zwei Monate nach dem Beginn des offenen bewaffneten Unabhängigkeitskampfes
der Nationalen Befreiungsfront (Front de Liberation Nationale,
FLN) am 1. Nov. 1954 wird → Yasmina Khadra,
späterer Offizier der algerischen Armee und Schriftsteller
frz. Sprache, unter dem Namen Mohammed Moulessehoul in
Kenadza geboren. |
| 29.
März |
1956 |
Tod des 1911 in Sidi Okba geborenen Schriftstellers und militanten
Widerstandskämpfers Ahmed Réda Houhou,
vermutlich wurde er von einer Geheimorganisation erschossen.
Houhou veröffentlichte im Jahre 1947 als erster algerischer
Schriftsteller einen Roman in arabischer Sprache. |
|
26.
Mai |
1957 |
In Paris wird beim Verlassen des Fußballstadions Colombes
Ali Chekkal, der Vizepräsident der Assemblée
algérienne, ermordet. Der Mörder, Mohamed Sadok,
wird, nachdem er dem Politiker in den Rücken geschossen
hat, von Umstehenden fast skalpiert, als diese ihn an den Haaren
auf den Boden zerren. Nachdem Ali Chekkal im Februar dafür
plädiert hatte, die "Algerienfrage" vor die UN-Vollversammlung
zu bringen, zirkulierte ein Papier der Nationalen Befreiungsfront
(FLN) mit dem Todesurteil gegen ihn. Der 27-jährige Sadok
gab der Polizei gegenüber jedoch an, er hätte keine
politischen Verbindungen, er übernehme selbst die Verantwortung
für seine Tat, er habe Ali Chekkal gewählt, weil dieser
der letzte moslemische Freund Frankreichs war.
|
DER
POKALSIEGER
Rachid Boudjedra |
Jahrzehnte
später wird dem Schriftsteller Rachid Boudjedra der authentische
Fall als Grundlage für seinen letzten in Französisch
geschriebenen Roman Le Vainqueur de coupe (Paris 1981;
dt: Der Pokalsieger. Zürich 1989) dienen. "Vor
dem Hintergrund des Fußballpokalendspiels Toulouse - Angers,
das in Form eingeblendeter Originaltexte geschildert wird -
auf der Höhe des Algerienkonfliktes spielten pikanterweise
zwei brillante algerische Spieler für Toulouse-, entwickelt
sich kaleidoskopartig die Gedankenwelt des Attentäters
und Protagonisten Mohmed Sadok. Komplex und polyperspektiv
ist auch (hier) die Erzählstruktur: Tathergang und anschließende
Gerichtsverhandlung (...) werden objektiv geschildert, gleichzeitig
ersteht jedoch in einer Innenschau des Protagonisten (...) ein
Panorama scheinbar 'erlebter' Geschichte, die in ihrer Komplexität
den subjektiven Erfahrungshorizont Mohamed Sadoks und die kollektive
Misere Algeriens in Form paradox anmutender Einzelschicksale
widerspiegelt." ** |
14.
April |
1958 |
In einem Interview, das →
Kateb Yacine für Témoignage Chrétien
[Christliches Zeugnis] gibt, äußert er: "Algerier
meiner Generation waren hin- und hergerissen zwischen dem, was
sie waren und dem, was sie lernten. Ich entdeckte, dass mich
das, was ich während des Tages lernte, von meinem familiären
Hintergrund isolierte. Ich wurde ein Eindringling, fast ein
Feind. Meine Leute nahmen die Sprache der Eroberer von meinen
Lippen wahr." - Hintergrund dieser Aussage ist die Entfremdung,
die mit dem Studium der französischen Sprache und Geschichte
einherging. Yacine verzweifelte fast daran und beklagte die
Umstände, durch die er sich dazu gezwungen sah. Insbesondere
die Entfremdung zur Mutter, die keine Französisch sprach,
sorgte ihn.· (Vgl.
Salhi,
Francophone Voices a.a.O. S. 46, ÜE:
J.K.) |
|
21.
Juli |
1960 |
Der im vergangenen Jahr wegen seines Eintretens für die
Befreiungsbewegung aus Algerien ausgewiesene Schriftsteller
frz. Sprache →
Mohammed Dib wird 40 Jahre alt. |
16.
April

Lieder
von der verlorenen Heimat
|
1962 |
Knapp einen Monat nach der Unabhängigkeit Algeriens von
Frankreich stirbt im Alter von 56 Jahren der algerische Dichter
Jean Amrouche in Paris.
In seinen Dichtungen über den Befreiungskampf schuf er
die Gestalt des ewigen Jughurta. Besonderen Verdienst erwarb
er sich bei der Erhaltung oraler Berberliteratur, die er teilweise
gemeinsam mit seiner Schwester Taos Amrouche und seiner Mutter
Fadhma Aït Mansour Amrouche übertrug. |
| |
1963 |
Eine Woche nach seinem 50. Geburtstag wird der algerische
Schriftsteller
frz. Sprache Mouloud Feraoun beim Anschlag der rechtsextremen
frz. Terrorbewegung O.A.S (Organisation de l'armée secrète)
auf das Château Royal bei Algier ermordet. -
Zu seinen bekanntesten Werken zählen die beiden preisgekrönten
Romane Le fils du pauvre (1950, Der Sohn des Armen) und
La Terre et le sang (1953, dt: Vergeltung unter Tage,
auch: Die Heimkehr des Amer-U-Kaci). |
| 28.
Oktober |
1963 |
Anderthalb Jahre nach der Unabhängigkeit Algeriens wird
die Union der algerischen Schriftsteller gegründet; Gründungsmitglieder
sind u.a. →
Malek Haddad, → Mouloud Mammeri
und Mourad Bourboune. |
| 30.
August |
1973 |
Der 1926 im algerischen Béni Saf geborene Dichter Jean Sénac
wird in Algier ermordet. Die Tat wird nie aufgeklärt werden.
|
| |
1976 |
Im Alter von 63 Jahren stirbt die algerische Sängerin,
Dichterin und Schriftstellerin Taos Amrouche im frz. Ort Saint-Michel-l'Observatoire.
Wie auch ihr Bruder Jean Amrouche hat sie sich - teilweise mit
ihm zusammen - der Übertragung algerischer oraler Literatur
gewidmet. V.a. auch als Sängerin erlangte sie Berühmtheit,
so hat sie beispielsweise 1966 beim legendären Festival
mondial des Arts nègres (Weltfestival der Negerkünste)
in Dakar gesungen. |
|
|
1978 |
Im Alter von nur 50 Jahren stirbt in Algier der Autor Malek Haddad
infolge einer Krebserkrankung.
Am Vorabend des Ausbruchs des algerischen Unabhängigkeitskampfes
(November 1954) unterbricht Haddad sein Jurastudium in Aix-en-Provence.
Zunächst pbuliziert er in Alger républicain, einem
Organ der Kommunist. Partei Algeriens, später auch in anderen
algerischen und frz. Zeitungen und Zeitschriften. Er tritt der
Nationalen Befreiungsfront (Front de Liberation Nationale, FLN)
bei, für die er ab 1961 bis Ende des Krieges als Sprecher
in die Sowjetunion und andere Länder reist. Von 1965 bis
1968 leitet er die Kulturseite der Zeitung al-Nasr in
Constantine. Er engagiert sich im kulturellen Bereich, nimmt
in Algier im Juli 1969 am Ersten Panafrikanischen Festival teil.
1974 wird er Vorsitzender der Union algerischer Schriftsteller.
Malek Haddads Werk umfasst Essays, Gedichtbände und - vier
- Romane, von letzteren sind zwei ins Deutsche übersetzt:
Le Malheur en danger, Gedichte. Paris 1956
La Dernière impression (dt: Die Brücken tanzen;
Übersetzung: Werner Schulz. Ostberlin 1961), Roman. Paris
1958
Je t’offrirai une gazelle (Ich offeriere dir eine Gazelle),
Roman. Paris 1959
L’Élève et la leçon (Der Schüler und die Lektion),
Roman. Paris 1960
Le Quai aux Fleurs ne répond plus (dt: Und ewig schweigt
der Quai aux Fleurs; Übersetzung: Thomas Bleicher.
Mainz 1990), Roman, Paris 1961
Les Zéros tournent en rond (Die Nullen drehen sich im
Kreis), Essay. Paris 1961
Écoute et je t’appelle (Höre und ich rufe Dich),
Gedichte. Paris 1961 |
| Oktober |
|
Am 16. Oktober treffen sich die Schriftsteller
→ Tahar Djaout
→ Rachid
Mimouni, →
Tahar Djaout, → Merzak Baghtache,
A. Boubakir und Djilali Khellas, von dem diese Initiative
ausgeht, um eine freie algerische Schriftstellervereinigung
zu gründen. Wie Khellas Jahre später für die
algerische Tageszeitung El Watan berichten wird,
trifft man sich im Büro des Kulturzentrums der Wilaya Algier,
dessen Vorsitzender Khellas ist. Da die Zeiten schwierig sind,
Präsident Chadli hat bereits den Ausnahmezustand verhängt,
bemüht man sich, das Vorhaben geheim zu halten, doch jemand
benachrichtigt die ausländische Presse. Das Klima von Spannungen
und Streitigkeiten lässt laut Khellas das Projekt scheitern.
- Vgl. Djilali Khellas, Rachid Mimouni, le fidèle (Rachid Mimouni,
der Treue) in El Watan v. 02.05.05. |
| |
|
Es ergeht ein Erlass zur Verpflichtung Militärangehöriger, schriftliche
Erzeugnisse vor einer Publikation einer Zensurbehörde zu unterbreiten.
Anlass für den in Französisch schreibenden Autor Mohammed
Moulessehoul, der als Offizier in der algerischen Armee dient,
nicht mehr unter eigenem Namen zu veröffentlichen.
Als letztes Buch unter seinem bürgerlichen Namen erscheint
in diesem Jahr Le privilège du phénix (Das Privileg des
Phönix'). Im kommenden Jahr wird er als Verfasser des ersten
Kommissar Llob-Krimis Commissaire Llob, später die
beiden Vornamen seiner Ehefrau als Pseudonym wählen, was
das Lesepublikum Jahre lang in dem Glauben lassen wird, bei
→
Yasmina Khadra handele
es sich um eine Autorin. |
|
27.
Januar |
1989 |
"→
Mohammed Dib wird seinen
Preis erhalten",
heißt es in der Buchbeilage der frz. Tageszeitung Le
Monde. Nach der Veröffentlichung eines Briefes von
Mohammed Dib in Le Monde des livres v. 20.01.87, in dem
dieser angibt, den ihm von der Fédération internationale
des écrivains de langue française (Internationale
Föderation der Schriftsteller französischer Sprache,
FIDELF) zugesprochenen Preis vom Juni 1988 nie erhalten zu haben,
hat Le Monde von Herrn Guy de Bosschère, dem Präsidenten
der FIDELF, folg. Klarstellung erhalten: "Obwohl ich die berechtigte
Unruhe von Mohammed Dib vollkommen verstehe, sind wir in der
Lage, ihm zu versichern, dass sie nicht gerechtfertigt ist.
Es gibt keinen Grund, in Unruhe zu geraten." Das Preisgeld des
alle zwei Jahre verliehenen Grand Prix für französischsprachige
Literatur, proklamiert auf dem 4. Kongress des FIDELF in Mans
im Juni 1988, heißt es weiter, werde ihm beim nächsten
Salon du livre in Paris übergeben werden. Es sei
im Übrigen in den Statuten festgelegt, dass zwischen seiner
Proklamation und der Übergabe des Preises mehrere Monate
liegen. Exaktes Datum und Ort dieses Ereignisses würden
zu gegebener Zeit durch die FIDELF publiziert. Selbstverständlich
würden die berechtigt Interessierten als erste benachrichtigt.
· (Le Monde, ÜF:
J.K.) |
| |
1989 |
Auf der Rückreise von einem Kolloquium in Oujda, →
Marokko, erleidet der 71jährige
Schriftsteller, Anthropologe und Linguist Mouloud Mammeri bei
Aïn Defla in Nordalgerien einen Autounfall, an dessen Folgen
er stirbt.- Zu seinen bekanntesten Werken zählen die Romane
La Colline oubliée, Paris 1952 (dt: Verlorener Hügel,
Mainz 1957) und La Traversée, Paris 1982 (dt: Die
Überfahrt, Mainz 1998).
Mourad, der Protagonist von Mammeris letztem Roman Die Überfahrt,
möchte seine algerische Heimat verlassen, da er einen Verrat
an den alten Idealen erkennen muss. Für ihn als Journalist
ist die ausgeübte Zensur unerträglich. Er macht sich
auf zu einer letzten Reportage, er schließt sich einer
Karawane der Tuareg an, die sieben Monate brauchen wird, um
die Wüste mit ihren Gefahren und Unwägbarkeiten zu
durchqueren. |
28.
Okt.
|
1989 |
Im Alter von 60 Jahren verstirbt der frankophone → algerische Schriftsteller
Kateb Yacine in Tronche bei Grenoble,
Frankreich.
Neben seinen dramatischen Werken wurde er vor allem mit seinem
1956 veröffentlichten Roman Nedjma bekannt, der
eine - hochgelobte und kunstvolle - Zustandsbeschreibung der
algerischen Gesellschaft am Vorabend der Revolution gibt. |
| 2.
Januar |
|
Erscheinen des Literaturmagazins Erriwaya.
Djilali Khellas wird Jahre später in der algerischen Zeitung
El Watan berichten, wie es dazu gekommen war: Ende des Jahres
1988 hatte er, Khellas, mit einigen Kollegen den Versuch unternommen,
eine freie Schriftstellervereinigung zu gründen. Nachdem
dieses Vorhaben gescheitert war, hatte er die Gründung
eines Literaturmagazins angeregt. Als Teilnehmer gewann er → Rachid
Mimouni, →
Tahar Djaout, A. Boubakir, → Merzak Baghtache,
A. Boubakir, M. Faci und Brahim Brahimi. Seine Mutter,
die ein Stück Land verkauft hatte, steuerte etwas Geld
bei. Das sei der schönste Ausgleich gewesen für die
misslungene Gründung einer freien Schriftstellervereinigung.
Die erste Ausgabe von Erriwaya wurde in Rom und in Kairo
gedruckt. Trotz guten Willens sei es nicht gelungen, eine zweite
Nummer folgen zu lassen. Der Chef des Gouvernements habe sich
mit der Begründung, die Herausgeber seien keine Journalisten,
geweigert, das Projekt zu unterstützen. - Vgl. Djilali
Khellas, Rachid Mimouni, le fidèle (Rachid Mimouni, der Treue)
in El Watan v. 02.05.05. |
zeit

|
los |
Arabische Sprüche und Weisheiten:
|
| 8.
Oktober |
1990 |
Von
zwanzig Journalisten wird das französisch-sprachige Wochenblatt
El Watan gegründet. Die Journalisten der politisch
unabhängigen Zeitung werden in den folgenden Jahren wiederholt
arretiert und das Erscheinen wird durch amtliche Verbote unterbunden
werden. |
| |
|
Eine Woche nach dem Anschlag vom 26. Mai durch islamische Extremisten
erliegt in seiner Heimat der algerische Journalist und Schriftsteller
Tahar Djaout im Alter von 39 Jahren seinen Verletzungen. |
| |
1993 |
Nahe seiner Wohnung in Algier wird auf Merzak Baghtache geschossen.
Der Anschlag wird beträchtliche physische und psychische
Auswirkungen auf den Journalisten und Schriftsteller haben.
- Vgl. Bericht des Sonderberichterstatters Abid Hussain an die
Kommission für Menschenrechte im Wirtschafts- und Sozialrat
der UN v. 14.12.1994 |
| |
1993 |
Der algeriische Dichter Youssef Sebti wird am agrarwissenschaftlichen
Institut in Algier, wo er unterrichtet, von Extremisten ermordet.
Wie die frz. l'Humanité einen Tag später
berichten wird, ist Sebti "der 18. Intellektuelle, Journalist
oder universitäre Algerier, der seit März vergangenen
Jahres der Gewalt bewaffneter fundamentalistischer Gruppen zum
Opfer fiel." ·
(l'Humanité,
ÜF:
J.K.) |
| |
1993 |
"Mimouni in Rage" überschreibt die frz. Tageszeitung Le
Monde ihren Bericht zum neuen Buch des → algerischen Schriftstellers
und stellt fest, dass der Autor von L'Honneur de la tribu
(dt: Die Stammesehre) angesichts des steigenden Terrors
in Algerien prompt antworte.
Anders als in vorangegangenen Werken schreibe Rachid Mimouni
heute gehetzt, "in einem Stil extremer Eile, dicht, ohne Recherche.
Denn La Malédiction (dt: Der Fluch) ist
ein Buch der Wut. Es ist bevölkert von einer Personengruppe,
die nach und nach angesichts des Anstiegs des Terrors in Algerien
eine Art Insel des Widerstands formt." (...)
·
(Le Monde, ÜF:
J.K.) |
| |
|
In der Nacht vom Sonntag auf den heutigen Montag erliegt der
algerische Dramatiker Abdelkader Alloula in einem Pariser Krankenhaus
den schweren Verletzungen eines Anschlags vom Donnerstag, den
10. März***, wie die frz. l'Humanité
am 15.3 berichten wird. Der Anschlag ist von zwei jungen Männern
verübt worden, die flüchtig sind, nachdem Abdelkader
Alloula sein Heim im Stadtzentrum von Oran verlassen hatte.
·
(l'Humanité,
ÜF:
J.K.) |
| |
|
Die
frz. Tageszeitung Le Monde berichtet vom Tod des algerischen
Schriftstellers Rachid Mimouni, der am Sonntag, den 12. Februar,
in einem Pariser Hospital, wo er wegen einer Hepatitiserkrankung
behandelt wurde, im Alter von 49 Jahren verstorben ist. "Der
Name Rachid Mimouni wird wahrscheinlich mit seinem zweiten Roman
Le Fleuve détourné (dt: Der Fluß
nahm einen anderen Lauf) verbunden bleiben, ohne Zweifel
sein literarisch weitreichendstes und politisch eindringlichstes
Werk, das ihn auch außerhalb Algeriens berühmt machte".
(...)
(Le Monde, ÜF:
J.K.) |
| |
|
Der kritische Journalist und Schriftsteller → Hamid
Skif verlässt seine Heimat, weil ihm von islamistischer
Seite nach dem Leben getrachtet wird. Deutlich wird dies, weil
ein Cousin gleichen Namens und zwei seiner Mitarbeiter den Extremisten
zum Opfer fallen. |
| |
|
|
Die ägyptische Wochenzeitung Al-Ahram meldet
den diesjährigen Gewinn der nach → Nagib Machfus
benannten Medaille für Literatur. Gestiftet wird
der Preis von der Amerikanischen Universität in
Kairo für die beste arabische Romanneuerscheinung.
Er geht in diesem Jahr an die algerische Schriftstellerin
Ahlam Mosteghanemi für ihren Roman Dhakirat
Al-Jasad (Das Gedächtnis des Leibes; engl.
Ausgabe: Chaos of the Senses) · (Al-Ahram,
ÜE:
J.K.)
|
|
|
| |
|
In ihrer Dankesrede für den Erhalt des diesjährigen
Friedenspreises des Deutschen Buchhandels setzt sich die 64-jährige
Schriftstellerin → Assia Djebar
mit
der Gewalt in ihrer Heimat auseinander, die die 90er Jahre beherrscht
hatte.
Erst nachdem der durch die Unterstützung des Militärs
im April des vergangenen Jahres an die Macht gekommene Staatspräsident
Abdelaziz Bouteflika im September 1999 das "Loi de la Concorde
Civile" ("Gesetz zur Aussöhnung der Bürger")
vorgelegt hatte, dieses in einem Referendum vom Volk bestätigt
wurde und sich die "Armée Islamique du Salut”
(AIS, "Islamische Heilsarmee"), der bewaffnete Arm
der seit 1992 verbotenen Partei "Front Islamique du Salut"
(FIS "Islamische Heilsfront"), entschied, es anzunehmen
und die Waffen niederzulegen, fand die Gewalt im Lande ein vorläufiges
Ende.
Assia Djebar sagt in ihrer Rede:
"Mitte Juni 90 (...) siegten die Fundamentalisten des FIS
tatsächlich bei den Kommunalwahlen! Mein Traum von einem
offenen, egalitären Islam, so schien es mir jetzt, war
aus meinen Worten erstanden wie eine Sandburg!" Und in
ihrer abschließenden Widmung geht sie auf die prominenten
Opfer des Bürgerkriegs ein:
"Damit der Friede bald wiederkehrt, ein Friede der Gerechtigkeit
und gegen das Vergessen, möchte ich heute diesen Friedenspreis
(...) folgenden verstorbenen algerischen Schriftstellern widmen:
dem Romanautor
→ Tahar Djaout, dem Dichter
→ Youssef Sebti und dem Dramatiker
→ Abdelkader Alloula,
die alle drei in den Jahren 93 und 94 ermordet wurden. Ich widme
ihn auch dem ersten von uns Literaten aus dem Maghreb,
→ Kateb Yacine, dem Dichter,
Romanautor und Dramatiker, der 1989 starb. (...)".
· (Vgl.
****SPIEGEL-Dokumentation v. 22.10.2000) |
| |
|
|
| .. |
. |
Anmerkungen:
*
inkl. arabischer Raum
**Irmgard Scharold:
Rachid Boudjedra, in: Kritisches Lexikon der fremdsprachigen
Gegenwartsliteratur (KLfG)
*** Dieses Datum,
der 10.03.1994 wird im frz-spr. Internet allgemein als Alloulas
Todestag angegeben.
**** Die ausschnittsweise
Übersetzung
vom SPIEGEL findet sich hier, das frz. Original
auf der Seite des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.
ÜE: J.K. --> Übersetzung aus
dem Englischen: Janko Kozmus ©
ÜF: J.K. --> Übersetzung aus
dem Französischen: Janko Kozmus © |
| .. |
. |
Quellen
|
| .. |
. |
Sach-
und Personenregister |
|
···············································································
|
|
|
|