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CHRONIK
 
 
Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas*
von innen und außen
 
ALGERIEN(Teil II: 2001 bis heute)
.Stand: 04.05.11
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Februar
HABIB SOUAIDIA: SCHMUTZIGER KRIEG IN ALGERIEN bei amazon bestellen

In Frankreich erscheint La sale guerre (dt: Schmutziger Krieg in Algerien). Ein Buch, in dem der algerische Unterleutnant Habib Souaïdia von Massakern der algerischen Armee an der unschuldigen Dorfbevölkerung berichtet.

7. Februar
2002   Yasmina Khadra in einem Interview der englischspr. alger. Monatsschrift Interface über Terrorismus in seiner Heimat und internationalen Fundamentalismus
Auf die Frage, wie er sich am 11. September gefühlt habe, entgegnet Khadra: "Wie jeder anständige Mensch, tief geschockt. Tief." Aber dann habe er daran gedacht, aus einem Land zu kommen, "das Schlimmeres durchgemacht habe. Und nicht nur für 30 Minuten, sondern für 12 Jahre."
· (Interface, ÜE: J.K.)
Oktober
2002

Der algerische Autor Yasmina Khadra in einem Interview der Literaturbeilage der Zeit über Islamismus und das Bild des Menschen in Algerien:
Während die Kommissar Llob-Reihe mit dem Protagonisten den angepassten Durchschnittsbürger mit seiner Angst vor Vorgesetzten darstelle, entwerfe der Roman
 Wovon die Wölfe träumen das Bild des enttäuschten, (oft) jungen Menschen, der der Ideologie des Islamismus erliege.
Khadra sagt, es sei ein Glück, dass Algerien die GIA (Groupe islamique armé, gegründet 1989, gilt als die aggressivste islamistische Gruppe Algeriens) bekämpfe. "Wenn die Islamisten in Algerien Erfolg gehabt hätten, dann, das versichere ich Ihnen, könnte Europa nie mehr in Frieden leben ..." Er selbst habe - nach knapp einem Jahr im französischen Exil - keine Angst. Denn Angst sei der "Lebensraum des Terrorismus".
· (Literaturbeilage der Zeit)

zeit
los
Arabische Sprüche und Weisheiten:
27. November
2002
Mohammed Moulessehoul alias Yasmina Khadra finde für den Horror des algerischen Bürgerkriegs blumige Worte, schreibt Peter Münder in der Frankfurter Rundschau:
"Ich habe meinen ersten Mann am Mittwoch, dem 12. Januar 1994, getötet", berichte der junge Ich-Erzähler Nafa Walid. Er erschießt einen Anwalt, der verurteilte Terroristen zu lax verteidigt haben soll. Nach anfänglichen Skrupeln habe er "die nächsten Auftragsmorde fast schon reflexartig, ohne große Bedenken" ausgeführt.
"Wovon die Wölfe träumen liefert als modernes Stationendrama", so Peter Münder, "einen Einblick in die Killer-Karriere eines sensiblen Jugendlichen, dem ein verrottetes Gesellschaftssystem keine Chancen bietet. Nach vielen Demütigungen erlebt Walid bei den Fundamentalisten zum ersten Mal so etwas wie ein intaktes Selbstwertgefühl, weil diese ihn ernst nehmen ..."
Während seiner Dienstzeit als Major in der algerischen Armee hat der Autor Mohammed Moulessehoul Romane und in erster Linie Krimis (
Morituri, Doppelweiß, Herbst der Chimären) unter dem weiblichen Pseudonym Yasmina Khadra veröffentlicht. Um die für Militärs obligatorische Vorzensur zu unterlaufen, benutzte er die Vornamen seiner Frau. Inzwischen ist seine wahre Identität bekannt, der Autor lebt in Südfrankreich ..." · (Peter Münder, FR Online)
6. März

chrAbs Die Frankfurter Allgemeine Zeitung beginnt mit dem Vorabdruck des Romans Die Schwalben von Kabul von  Yasmina Khadra, "die eigentlich Mohammed Moulessehoul heißt und als Offizier in der algerischen Armee diente." (FAZ)

2. Mai
2003

chrAbs Mohammed Dib, algerischer Romancier und Dichter frz. Sprache, stirbt im Alter von 82 Jahren in seinem Haus in La Celle-Saint-Cloud, Frankreich.
Der Autor, der in verschiedenen Berufen, hauptsächlich aber als Lehrer tätig war, wurde 1959 wegen seines Engagements für die Unabhängigkeitsbewegung von der frz. Kolonialmacht aus Algerien ausgewiesen.
Als Schriftsteller erlangte Mohammed Dib internationalen Ruhm mit seiner in zahlreiche Sprachen übersetzten Algerien-Trilogie, die zwischen 1952 und 1957 erschien:
La grande maison, 1952; dt: Das große Haus, 1956
L'incendie, 1954; dt: Der Brand, 1956
Le métier à tisser, 1957; dt: Der Webstuhl, 1959
Auch Dibs letzter Roman, L' infante maure (1994) erschien in dt. Übersetzung: Die maurische Infantin (1997).

27. Mai
2003
chrAbs Wie die alger. Tageszeitung El Moudjahid meldet, hat die Jury der alger. literarischen Vereinigung Aslia (littéraires de l’Association des libraires algériens) beschlossen, "den großen Literaturpreis dem algerischen Schriftsteller Yasmina Khadra für sein Gesamtwerk zuzusprechen." Der Literaturpreis ist dotiert mit 100.000 DA [alger. Dinar]. Die Preisverleihung wird Ende Juni stattfinden. (El Moudjahid, ÜF: J.K.)
23. September
Die UNESCO gibt die Verleihung des 1998 eingerichteten Prix Sharjah für arabische Kultur an at-Tahir Wattar (auch: Tahar Ouettar) (gemeinsam mit dem frz. Pater Français Michel Lagarde) bekannt. Der Preis ist mit $ 25.000 dotiert.
Der 82-jährige** Wattar sei einer der herausragenden arabischsprachigen Journalisten und Schriftsteller, heißt es in der Begründung. Zu seinen Romanen zählen: Al Laz (Algier 1974; Das As); Al Zilzal (Beirut 19974; Das Erdbeben); Ars baghl (Beirut 1983; dt: Maultierhochzeit, 1991); Al cham`aa wa Al Dahaliz (Die Kerze und die Höhlen).
7. Februar
J. Amrouche
JEAN AMROUCHE
100. Geburtstag des algerischen Dichters Jean Amrouche, der 1962 im Alter von 56 Jahren in Paris verstarb. In seinen Dichtungen über den Befreiungskampf schuf er die Gestalt des ewigen Jughurta. Besonderer Verdienst kommt ihm zu bei der Erhaltung oraler Berberliteratur, die er teilweise gemeinsam mit seiner Schwester Taos Amrouche und seiner Mutter Fadhma Aït Mansour Amrouche übertrug.
21. März
2006

chrAbs In Paris wird Yasmina Khadra im Rahmen des 26. Pariser Buchmarktes der mit 5.000 € dotierte Literaturpreis Prix Tropiques der Agence française de développement (AFD) für seinen Roman L'attentat verliehen.

30. Juni
2006
chrAbs Die in der Hafenstadt Cherchell geborene algerische Schriftstellerin frz. Sprache  Assia Djebar wird 70 Jahre alt. Als erste arabische Schriftstellerin erhielt sie 2000 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und als erste Persönlichkeit Nordafrikas wurde sie 2005 von den 40 "Unsterblichen" in die Academie francaise gewählt.
29. März
60. Geburtstag des algerischen Lyrikers und Schriftstellers Habib Tengour.
Gegenwärtig beschäftigt sich der Soziologe Tengour mit dem Thema alternder Migranten und weilt als Stipendiat der Villa Waldberta für zwei Monate am Starnberger See. Dem deutschsprachigen Publikum ist er durch seinen im Jahre 2004 veröffentlichten Roman Der Fisch des Moses bekannt geworden, in dem es um drei junge Algerier geht, die in Afghanistan gegen die Sowjets gekämpft haben und anschließend getrennte Wege gehen, wie auch ihre Motive für den Kampf völlig unterschiedlich waren.
6. Mai
2007
chrAbs "Familie seit über einem Monat auf der Straße",
heißt es in der französischsprachigen algerischen Tageszeitung Le Quotidien d'Oran. Über einen Monat nach ihrer Ausweisung aus der Wohnung, die sie einen Tag nach der Unabhängigkeit mit ihrem inzwischen verstorbenen Vater besetzt hatte, befinde sich die Familie Bouloum immer noch auf der Straße.
mehr dazu ·
(Quotidien d'Oran, Algerie, ÜF: J.K.)
7. November
2008
chrAbs Le Prix France Télévisions für Yasmina Khadra
Der in Frankreich lebende und in Französisch schreibende algerische Autor erhält einen der wichtigsten, wenn nicht den bedeutendsten Leserpreis Frankreichs für seinen Roman Ce Que le Jour Doit a la Nuit (dt: Die Schuld des Tages an die Nacht).
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Yasmina Khadra
Die Schuld des Tages an die Nacht
Die Handlung des Romans umspannt mehrere Jahrzehnte und endet mit den letzten Kämpfen um die Unabhängigkeit Algeriens im Jahre 1962. Die Geschichte beginnt mit dem neunjährigen Younes, der von seinem verschuldeten Vater in die Obhut dessen Bruders gegeben wird. Der Junge wächst nun bei Onkel und Tante in einem kleinen Dorf bei Oran auf und wird auf den Namen Jonas christlich getauft. Mit der Zeit entwickelt er eine tiefe Freundschaft zu den Kindern der ansässigen französischen Kolonisten. Als 1954 der Konflikt zwischen den Kolonisten und den Einheimischen eskaliert, weigert sich Younes/Jonas seine Freundschaft zu den sog. Pied-noir, den Algerienfranzosen, aufzugeben, und er kämpft um seine Liebe zu Émilie.
März
Foto - Assia Djebar
Assia Djebar
Bei Sedia, einer algerischen Verlagstochter des frz. Medienriesen Hachette, erscheint die 2007 in Frankreich verlegte autobiografische Erzählung Nulle part dans la maison de mon père (dt: Nirgends im Haus meines Vaters. Ffm 2009) der in Frankreich lebenden algerischen Schriftstellerin  Assia Djebar.
18. März
2011
Wenige Tage vor seinem 60. Geburtstag, stirbt der algerische Schriftsteller Hamid Skif nach langer Krankheit. Bis zu seinem Tod lebte er mit seiner Frau und seinen vier Kindern in Hamburg, wohin sich der Exilant im Jahre 1997 rettete, da er in seiner Heimat der ständigen Bedrohung durch einen islamistischen Anschlag ausgesetzt war.
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Anmerkungen:
* inkl. arabischer Raum
** Hier scheint es sich um eine fehlerhafte Angabe zu handeln. Auf der zweisprachigen alger. Wattar-Seite (http://www.wattar.cv.dz/) findet sich als Geburtsjahr 1936.
ÜE: J.K. --> Übersetzung aus dem Englischen: Janko Kozmus ©
ÜF: J.K. --> Übersetzung aus dem Französischen: Janko Kozmus ©

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Quellen

.. . Sach- und Personenregister
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