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CHRONIK
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Zur
Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas*
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von
innen und außen
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LIBYEN
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1940 |
Im
Alter von 68 Jahren stirbt mit Sulaiman al-Barouni ein tripolitanischer
Romancier und darüber hinaus ein Symbol des antiitalienischen
Widerstands. Der Berber aus der westlibyschen Region engagierte
sich während der Zeit der italienischen Okkupation in den
Jahren 1911-1916 u.a. mit der Herausgabe einer nationalistischen
Zeitung. |
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1942 |
In Mizda, ca. 100 km südlich der Hauptstadt Tripoli gelegen,
wird der künftige Romancier und Dramatiker
→ Ahmed Ibrahim
al-Faqih
(auch: Ahmed Fagih) geboren. |
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1948 |
→
Ibrahim
al-Koni -
zukünftiger Romancier - wird bei Gadhamès in der
libyschen Wüste geboren. Er wird in der Wüstenregion
zwischen Ghat und Mursuk mit der Berbersprache Tamashag der
Tuareg aufwachsen. |
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1952 |
In
Tripoli wird der künftige Dichter und Romancier Ashur Etwebi
geboren. |
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1964 |
Der
künftige Lyriker Khaled Mattawa wird in Benghasi, der zweitgrößten
Stadt des Landes, geboren. |
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1965 |
In
Tripoli wird die künftige Dicherin Maryam Ahmed Salama
geboren. |
| November
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1970 |
In New York, wo sein Vater Jaballa Matar für die libysche
Delegation bei den Vereinten Nationen arbeitet, wird der künftige
Autor Hisham Matar geboren. Im Alter von drei Jahren wird seine
Familie nach Tripoli zurückkehren. |
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7.
April |
1977 |
In der Los Angeles Times erinnert sich der 1964 geborene libysche
Dichter Khaled Mattawa:
"... am 7. April 1977 klebten Mitglieder des Revolutionskomitees
ein Ghaddafi-Poster auf das Auto meines Vaters. Am selben Tag
haben sie - unter Ghaddafis direkter Überwachung - in Benghasi
öffentlich mehrere Dissidenten gehängt.
Am Tag der Hinrichtung bliesen Gibli-Winde von der Wüste
her, füllten die Luft mit Staub und verwandelten den Himmel
in einen rötlich-grauen Baldachin. Ich nahm gemeinsam mit
einem Freund einen Bus, um in der Innenstadt einen Film anzusehen.
Als wir uns dem Shajara Platz näherten, drehte der Bus
einfach um und brachte uns dahin zurück, woher wir gekommen
waren. Später am Abend sendete das Staatsfernsehen wiederholt
die Hinrichtungen. Ich ging in die Garage, um das Ghaddafi-Poster
vom Auto zu kratzen.". - Vgl. Los Angeles Times online
v. 2.03.2011., ÜE:
J.K. |
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2001 |
In der Nummer 426 ihres Publikationsorgans veröffentlicht
die Arabische Schriftstellervereinigung eine Liste der 100
besten arabischen Bücher des 20. Jahrhunderts; tatsächlich
sind es
jedoch 105. Darunter befinden sich Bücher zweier libyscher
Autoren:
→
Ibrahim
al-Koni:
Die Magier
Ibrahim
al-Faqih: Die Trilogie Gardens of the night, enthält:
I Shall Present You With Another City,
These Are The Borders of My Kingdom
A Tunnel Lit by A Woman. |
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2001 |
In Kairo erscheint mit Dardanin der erste Roman des
bis dahin als Lyriker in Erscheinung getretenen Autors Ashur Etwebi.
Der Roman beschreibt das alltägliche Leben in Tripoli aus
der Sicht von fünf Jungen. Von konservativer Seite wurde
der Autor kritisiert, weil er dieses Buch nicht in klassischem
Arabisch, sondern in libyschem Dialekt verfasste. |
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Juni |
2005 |
→
Ibrahim
al-Koni wird
im marokkanischen Asilah mit dem Prix Mohamed Zafzaf du
roman arabe 2005 ausgezeichnet.
Im selben Monat erhält al-Koni den mit 20.000 Franken dotierten
Großen Literaturpreis 2005 des Kantons Bern für sein
Gesamtwerk. |
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14. Juni |
2005 |
"Buchmesse von Tripolis: 350 Verlage, Schriftsteller und Dichter"
Unter diesem Titel berichtet die französischsprachige senegalesische
Tageszeitung Le Soleil unter Berufung auf die afrikan.
Presseagentur →
PANA
von der geplanten libyschen Buchmesse:
"Etwa 350 Verlage werden an der geplanten Buchmesse, vom 14.
- 24. Juni in Tripolis teilnehmen, wo sie mehr als 150.000 Titel
ausstellen werden, gaben die Organisatoren der Veranstaltung
mit dem Namen Al-Jamahiriya an."
Das Motto der Buchmesse, so deren Leiter, Mohamed Omar Baïou,
lautet: "Für den offenen humanistischen Gedanken"; er bestätigte,
dass libysche, afrikanische, arabische und internationale Verlage
bei dieser kulturellen Begegnung zugegen sein würden. Eine
große Zahl von libyschen und arabischen Schriftstellern,
Dichtern und Intellektuellen werden an den kulturellen - literarischen
und künstlerischen - die Buchmesse begleitenden Aktivitäten
teilnehmen. (...)
· (Le Soleil / PANA,
ÜF:
J.K.) |
| zeit |
los |
Arabische Sprüche und Weisheiten:
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| 7.
April
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"Senegals Intellektuelle rühmen Ghaddafis Einsatz"
Unter diesem Titel berichtet die französischsprachige
senegalesische Tageszeitung Le Soleil unter Berufung
auf die afrikanische Nachrichtenagentur →
PANA von einem
Treffen zwischen senegalesischen Intellektuellen und dem libyschen
Führer Muammar al-Ghaddafi.
Alioune
Badara Bèye, der Präsident der senegalesischen
Schrifstellervereinigung (l'Association des écrivains
du Sénégal, AES) habe am Dienstag in Dakar
den Einsatz des libyschen Führers Muammar al-Ghaddafi
auf dem Gebiet "des Fortschritts für sein Land wie für
die Verwirklichung der Einheit des afrikanischen Kontinents"
gerühmt.
In Anwesenheit des seneg. Präsidenten Abdoulaye Wade
sei Ghaddafi herzlich empfangen worden. Bèye habe von
einem "großen Tag" und vom wahren Reichtum Libyens gesprochen,
der nicht das Öl sei, "sondern die große Hoffnung,
die der Führer Muammar al-Ghaddafi gegenüber den
afrikanischen Völkern hinsichtlich der Freiheit, des
Sieges über Rückständigkeit, der Umsetzung
von Fortschritt, globaler Entwicklung und der Errichtung der
Vereinigten Staaten von Afrika geweckt" habe.
Bèye habe die herzliche Aufnahme bekräftigt, die
dem Menschen zuteil geworden sei, der "für einen einheitlichen
Pass, eine einzige Währung, ein einziges Los und ein
Afrika nur für Afrikaner" plädiert habe und der
nie erlahmende Anstrengungen unternommen habe "für die
Errichtung der Vereinigten Staaten von Afrika". · (Le Soleil,
ÜF:
J.K.) |
| 16.
Dezember |
2010 |
→
Ibrahim
al-Koni
wird in Kairo mit dem mit $ 18000 dotierten Arabischen Romanpreis
ausgezeichnet, berichtet auf seiner Webseite der in den Vereinigten
Arabischen Emiraten ansässige Nachrichtensender Al Arabiya.
Das
Preisgeld soll Tuareg-Kindern in → Mali
und Niger zugute kommen.
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I.
al-Koni |
Der
Vorsitzende der Jury, der syrische Kritiker Sobhi Hadeedi, sagte
in seiner Begründung: "Koni wurde wegen seiner Begabung
ausgewählt, der Wüste auf menschlichen, natürlichen,
spirituellen und mythologischen Level Leben einzuhauchen".
-
Vgl. Al Arabiya New Channel (www.alarabiya.net) v. 16.12.2010. |
| 3.
März |
2011 |
In England erscheint Anatomy of a Disappearance (dt:
Geschichte eines Verschwindens. München 2011),
das zweite Buch des libyschen Autors Hisham Matar. Wie schon
das Erstlingswerk Das Land der Männer trägt
auch dieser Roman autobiografische Züge. Hintergrund ist
das Verschwinden seines Vaters, der von →
Ägypten,
wohin die Familie geflohen war, nach Libyen ausgeliefert wurde,
um dann für zwei Jahrzehnte unauffindbar zu sein.
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Hisham
Matar |
Die
Onlineausgabe der FAZ lässt Hisham Matar in der Übersetzung
von Michael Bischoff am heutigen Tag zu Wort kommen:
"In den letzten Tagen hat sich etwas Grundlegendes verändert.
Ich spüre es im ganzen Körper. Ich habe nicht in den Spiegel
geschaut, aber vor meinem inneren Auge sehe ich, dass die Traurigkeit
im Blick gewichen ist. Muammar al Gaddafi, der Libyen in den
letzten 42 Jahren heimgesucht hat, ist immer noch da, doch die
Geschichte hat ihn überholt. Man kann sich Libyen unmöglich
weiterhin mit ihm vorstellen.
In den letzten 32 Jahren, seit dem Tag, als meine Familie Libyen
verließ, habe ich mich immer verstohlen umgeschaut. Ich erinnere
mich an unsere Ankunft in Heathrow nach einem Flug, auf dem
ich meinen lieben Vater immer wieder wegen seiner neuen Haarfarbe
geneckt hatte. Dort hörte ich, wie ein Mann, der in der Ankunftshalle
wartete, einem anderen zuflüsterte: 'Wie sieht dieser Jaballa
Matar eigentlich aus?' Er sprach mit einem libyschen Akzent.
(...)" |
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Anmerkungen:
*
inkl. arabischer Raum
ÜE: J.K. --> Übersetzung aus
dem Englischen: Janko Kozmus ©
ÜF: J.K. --> Übersetzung aus
dem Französischen: Janko Kozmus © |
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Quellen
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Sach-
und Personenregister |
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