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| 1936
Am 30. Juni wird Assia Djebar als Fatma-Zohra Imalayen
in der algerischen Hafenstadt Cherchell geboren.
1940er
Besuch der Kornschule sowie der französischen Grundschule,
an der ihr Vater unterrichtet.
1946-52
Besuch des Gymnasiums in Blida.
1955
Fatma-Zohra Imalayen abbsolviert erfolgreich die Aufnahmeprüfung
für die Eliteschule in Sèvres, einem Pariser
Vorort, und wird als erste Algerierin aufgenommen. |
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1956
Beteiligung am Streik algerischer Studenten in Paris aus Solidarität
mit dem 1954 begonnenen Freiheitskampf ihrer Heimat. Während
dieser Zeit Arbeit am Manuskript von La Soif, das sie innerhalb
von 2 Monaten beendet. |
1957
Erste Veröffentlichung eines Romans unter dem Pseudonym Assia
Djebar [*]:
La Soif (dt: Die Zweifelnden. Übersetzung: Rudolf
Kimmig, München 1993 u. unter dem Titel Durst, Zürich
2001, mit einem Nachwort v. Clarisse Zimra), Roman. Paris. - Im
Mittelpunkt des Romans steht die 20-jährige Nadia. Die Ich-Erzählerin
ist die Tochter eines Algeriers und einer Französin; sie
beschreibt genüßlich - neu in der alger. Literatur
- körperliche Freuden. |
1958
Les Impatients (dt: Die Ungeduldigen. Übersetzung:
Wilhelm Maria Lüsberg. Bern, Stuttgart, Wien 1959, Bern,
München Wien 1991 u. Zürich 2000), Roman, Paris. - Wieder
steht mit Dalila eine Frau im Mittelpunkt, deren psychologische
u. körperliche Befindlichkeit v. der Autorin einfühlsam
u. vielschichtig beschrieben wird.
Heirat
mit dem im Widerstand kämpfenden Ahmed Ould-Rouïs alias Walid
Garn; gemeinsam ins Exil nach Tunis, wo sie ihr Studium beendet
und als Journalistin arbeitet. |
1959
Berufung als Assistentin für Geschichte an die Universität
von Rabat in Marokko. |
1962
Les Enfants du nouveau monde (Die Kinder der Neuen Welt),
Roman, Paris 1962 u. 1978.
Verleihung
des Literaturpreises von L'Algérienne für La
Soif (dt: Die Zweifelnden u. Durst).
Mit
der algerischen Unabhängigkeit Rückkehr nach Algier;
Lehrtätigkeit in nordafrikanischer Geschichte an der Universität
sowie publizistische Arbeit bei Zeitschriften u. Rundfunk. |
1965
lässt sich Assia Djebar mit ihren beiden adoptierten Kindern
in Paris nieder[0]. |
1967
Les Alouettes naïves (Die naiven Lerchen), Roman. Paris 1967,
1978 u. 1997. |
1969
Poèmes pour l'Algérie heureuse (Gedichte für
ein glückliches → Algerien).
Algier.
Rouge
l'aube (Rote Morgendämmerung), Drama, zusammen mit Walid
Garn. Algier. Uraufführung in arabischer Übersetzung
und szenischer Adaption v. Walid Garn beim 1. Panafrikanischem
Kulturfestival im Juli. |
1973
Regiearbeit in der eigenen Adaption von Tom Eyens Theaterstück
über Marilyn Monroe: The White Whore and the Bit Player.
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1974
Rückkehr nach Algier; Lehrtätigkeit an der Universität
in Theaterwissenschaften. |
1975
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1977
Beginn der Arbeit als Filmregiesseurin. |
1978
La Nouba des femmes du Mont Chenoua (Die Nouba der Frauen
vom Berg Chenoua), Buch und Regie: Assia Djebar. Algerien. |
1979
Assia Djebar wird für den Film La Nouba des femmes du
Mont Chenoua mit dem Preis der Internationalen Kritik bei
der Biennale in Venedig ausgezeichnet. |
1980
Femmes d'Alger dans leur appartement (dt: Die Frauen von
Algier. Übersetzung: Alexandra von Reinhardt, Nachwort
v. Clarisse Zimra MÜnchen 1994; Zürich 1999), Erzählungen.
Paris 1980 u. 1995. - Der Titel dieser Erzählungssammlung
der Jahre 1958-78 ist dem gleichnamigen Bild des frz. Malers Delacroix
entlehnt, der in den 30er Jahren des 19. Jh's. eine Reise nach
→ Algerien
unternahm und nach vielen Skizzen das berühmt gewordene Bild
malte. Assia Djebar bezieht sich nicht nur im Titel, sondern
auch in einem beigefügten Essay - Verbotener Blick, abgerissener
Ton - darauf.
Heirat
mit dem algerischen Dichter Malek Alloula. |
1982
La Zerda et les chants de l'oubli (Zerda und die Gesänge
des Vergessens), Buch und Regie: Assia Djebar. Algerien. |
1983
Sonderpreis
der Berlinale für den besten historischen Film La Zerda
et les chants de l'oubli. |
1985
L'Amour, la fantasia (dt: Fantasia. Übersetzung:
Inge M. Artl, Zürich 1990 u. Zürich 1993), Roman. Paris
1985, 1995 u. 2001. Algerische Tetralogie, 1. Teil [1].
- "Die Kindheit einer Frau verschmilzt mit dem Bericht des
ersten Algerischen Krieges (1830-1871), verbindet sich dann mit
den der jüngsten Vergangenheit entrissenen Erinnerungen von
Landfrauen und Witwen, die mit Scham und Demut vom Befreiungskrieg
erzählen." (Tahar
Ben Jelloun, Le Monde des Livres, Mai 1985) |
1986
Am 30. Juni wird Assia Djebar 50 Jahre alt. |
1987
L'Ombre sultane (dt: Die Schattenkönigin. Übersetzung
u. Nachwort: Inge M. Artl Zürich 1988, Zürich 1991.),
Roman. Paris. Algerische Tetralogie, 2. Teil. |
1989
LiBeraturpreis des Ökumenischen Zentrums Frankfurt für
Die Schattenkönigin. |
1990
Jurorin beim Neustadt-Literaturpreis der University of Oklahoma.
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1991
Loin de Médine. Filles d'Ismaël (dt: Fern von Medina.
Übersetzung: Hans Thill Zürich 1994 u. Zürich 1997),
Roman. Paris 1991 u. 1995. Algerische Tetralogie, 3. Teil.
- Im Jahre 632 ist der Prophet Mohammed in Medina gestorben. Assia
Djebar berichtet von dieser Zeit, den Anfängen des Islam,
vom Propheten und seinen verschiedenen Frauen, allesamt starke
Persönlichkeiten. |
1993
Chronique d'un été algérien. Ici et là-bas.
(Chronik eines algerischen Sommers. Hier und da.), Foto- u. Textbuch.
Fotografien v. H. de Wurstenberger, J. Vink, C. Doury & P. Zachmann,
Text: Assia Djebar, S. 11-36. Paris 1993. |
1995
Vaste est la prison (dt: Weit ist mein Gefängnis.
Übersetzung: Hans Thill, Zürich 1997; Zürich 2001),
Roman. Paris. Algerische Tetralogie, 4 Teil.
Maurice-Maeterlinck-Preis für Vaste est la prison.
Assia Djebar wird die Ehrendoktorwürde der Universität
Wien verliehen. |
1996
Am
30. Juni wird Assia Djebar 60 Jahre alt.
Le
Blanc de l'Algérie (dt: Weißes Algerien.
Übersetzung: Hans Thill, Zürich 1996 u. Zürich
2000), Roman. Paris. - Auseinandersetzung mit dem Tod vieler Intellektueller,
die in den algerischen Unruhen seit 1990 ermordet worden sind,
damit auch erstmalige direkte Einmischung ins politische Geschehen
ihrer Heimat; aber auch Gedenken an früher verstorbene alger.
Schriftsteller. Dem Weißen Algerien - Weiß als Farbe
des Schweigens und des Todes - wird die Erinnerung entgegengesetzt.
Neustadt-Literaturpreis
der University of Oklahoma [2]
für das Gesamtwerk. |
1997
Oran, langue morte (dt: Oran - Algerische Nacht. Übersetzung:
Beate Thill, Zürich 2001), Roman. Paris.
Les Nuits de Strasbourg (dt: Nächte in Straßburg.
Übersetzung: Beate Thill, Zürich 1999), Roman. Arles.-
Die Kunsthistorikerin Thelja verbringt neun Nächte mit ihrem
wesentlich älteren Geliebten in Straßburg. Gleichzeitig
schreibt sie über ein verlorenes Manuskript der Äbtissin
Herrad von Straßburg. Die sinnliche Beschreibung der Liebesnächte
steht neben kunstvoll eingewobenen Geschichten zahlreicher anderer
Paare, die sich finden und trennen.
Verleihung des us-amerikanischen Fonlon-Nichols Award[3]
für das Gesamtwerk.
Marguerite-Yourcenar-Preis für Oran, langue morte.
Beginn der Professur für französische und frankophone
Studien an der Louisiana State University. |
1998
Literaturpreis
der Stadt Palmi für das Gesamtwerk.
La fievre dans la ville (dt: Das Fieber in der Stadt;
aus Oran - Algerische Nacht; Übersetzung: Beate
Thill), Hörspiel, HR[3a]
1998
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1999
Ces Voix qui m'assiègent ... en marge de ma francophonie
(Diese Stimmen, die mich belagern ... am Rande meiner Frankophonie),
Essays. Paris.
Verleihung
der Medaille der Frankophonie der Académie Française (Médaille
de Vermeil de la francophonie).
Beginn
der Mitgliedschaft in der Königlichen Belgischen Akademie
für französische Sprache und Literatur. |
2000
wird Assia Djebar der Friedenspreises des Deutschen Buchhandels[4]
für das Gesamtwerk verliehen. |
2001
Wechsel von der Louisiana State University an die New
York University, wo Assia Djebar eine Professur innehat.
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2002
La femme sans sépulture (dt: Frau
ohne Begräbnis, Übersetzung: Beate Thill, Zürich
2003), Roman. - Spurensuche und Gedächtnisarbeit; verschiedene
Frauen verknüpfen Bruchstücke ihrer Erinnerung an ihre
Mutter und Freundin, die algerischen Freiheitsheldin Zoulikha,
zu einem beeindruckenden Bild.
Friedenspreis des deutschen Buchhandels 2000. Ansprachen aus Anlass
der Verleihung. Ffm 2002. |
2003
La Disparition de la langue française (dt: Das verlorene
Wort, Übersetzung: Beate Thill, Zürich 2004; Taschenbuchausgabe:
Zürich 2006), Roman. - Im Mittelpunkt steht ein Mann, der
nach zwanzig Jahren in Frankreich kurz vor den folgenschweren
Wahlen[5]
im Jahr 1991 in seine algerische Heimat zurückkehrt. Berkane
zieht sich auf's Land zurück, besinnt sich, schreibt einen
Roman und führt Tagebuch. Doch erst nach einem amorösen
Abenteuer sieht er seine Kindheitserinnerungen heraufsteigen und
mit ihnen die Sprache seiner Mutter, und das Französische
verschwindet.
Au théâtre, au cinéma, au féminin, gemeinsam
mit Ariane Mnouchkine, Daniel Mesguich, Mireille Calle-Gruber,
Hélène Cixous. Paris 2003. |
2004
Beim zehnten Literaturfestival Dedica[6]
in Italien wird Assia Djebar für ihr Gesamtwerk und für
"ihren Kampf für die Meinungsfreiheit der islamischen
Frau sowie gegen religiösen Fanatismus" geehrt. |
2005
Im Juni wird Assia Djebar als erste Persönlichkeit Nordafrikas
von den 40 "Unsterblichen" in die Academie francaise
gewählt.
Im selben Monat wird ihr die Ehrendoktorwürde des Fachbereichs
Sprach- und Literaturwissenschaft der Universität Osnabrück
verliehen.
In Italien wird Assia Djebar der Internationale Literaturpries
Pablo Neruda verliehen. Die Auszeichnung ehrt das Gesamtwerk und
das Engagement für die Verteidigung der Freiheit, der Demokratie
und der Frauenrechte. |
2007
Nulle part dans la maison de mon père (dt: Nirgendwo im
Haus meines Vaters. Ffm 2009), Autobiografische Erzählung.
Paris 2007. - Fatima steht mit ihren Aufzeichnungen aus den Jahren
1936 und 1953 im Mittelpunkt dieses Werks. Hin- und hergerissen
zwischen einer modernen, selbstbewussten, westlich orientierten
Mutter und einem traditionell arabisch denkenden, kontrollierenden
Vater strebt sie unausweichlich dem scheinbar einzigen Ausweg
aus ihren Zwängen zu.
Am
1.-2. Juni findet an der Berliner Akademie der Künste eine
Diskussion zum Thema „Perspektive Europa“ statt, an der u.a. Assia
Djebar teilnimmt.
[7] |
2009
Im September ist Assia Djebar zu Gast beim 9. internationalen
literaturfestival berlin; vorgestellt wird ihr autobiografisches
Werk Nirgends im Haus meines Vaters (Nulle part dans
la maison de mon père). |
2011
Am 30. Juni wird Assia Djebar 75 Jahre alt. |
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Assia Djebar lebt in New York und Paris. |