1923
Am
20. November wird Nadine Gordimer in der Ortschaft Springs
in Transvaal, Südafrika
geboren; die Eltern sind jüdische Einwanderer, die
Mutter, Nan, aus England, der Vater, Isidore, aus Litauen.
1923-45 Aufgewachsen in Springs; Besuch der Tagesschule eines
Klosters.
1939 Erscheinen der ersten Kurzgeschichte[1]
in der liberalen Johannesburger Wochenzeitung The Forum.
1945 Geisteswissenschaftliches Studium an der Witwatersrand
Universität; Johannesburg.
Nadine Gordimer wird mit dem afrikaansen Schriftsteller
Uys Krige bekannt.
Erste Publikationen in der Literaturzeitschrift von Uys Krige.
1949
Erste Heirat mit einem Zahnarzt.
Face to Face. Short Stories (Von Angesicht zu Angesicht.
Kurzgeschichten). Johannesburg 1949.
1950 Beginnend mit diesem Jahr Publikationen in diversen Magazinen
in den USA, u.a. in: The New Yorker Magazine, The Yale
Review, Harper's Magazine.
1952
The Soft Voice of the Serpent and Other Stories (dt: Die
sanfte Stimme der Schlange. Ffm 1995). New York 1952; London
1953; New York 1956; New York 1962; Taschenbuchausgabe: New York
1962.
1953
The Lying Days. A Novel (dt: Entzauberung, Übersetzung:
Wolfgang von Einsiedel. Ffm 1956; Ffm 1978; Ffm 1991 Taschenbuchausgaben:
Ffm, Hamburg 1962; Ffm 1980). London 1953; New York 1953; London
1978.- Klassischer Entwicklungsroman: Die junge Protagonistin
Helen Shaw wächst in einer Grubensiedlung auf, entflieht
der Langeweile und dem Mittelmaß zunächst in die Großstadt
Johannesburg, lernt über die Bekanntschaft mit einen Sozialarbeiter
das Elend kennen und entflieht dann der "Schuld der Weißhäutigkeit"
nach Europa, weiß aber, "daß ich heimkehren werde".
1954
In zweiter Ehe heiratet Nadine Gordimer Reinhold Cassirer, der
als Jude 1935 aus Nazi-Deutschland geflohen war.
1956
Six Feet of the Country. Fifteen Short Stories (dt: Sechs
Fuß Erde. Erzählungen, Übersetzung:
Wolfgang von Einsiedel. Ffm 1959; Taschenbuchausgabe unter dem
Titel Clowns im Glück [enthält alle Erzählungen
außer Sechs Fuß Erde]. Ffm 1982). London 1956;
New York 1956.
1958
A World of Strangers (dt: Fremdling unter Fremden,
Übersetzung: Wolfgang von Einsiedel. Ffm 1962; Taschenbuchausgabe:
Ffm 1962.), Roman. London 1958; New York 1958; London 1976; Taschenbuchausgabe:
Harmondworth 1962.
1960
Friday's Footprint (dt: Freitags Fußspur. Ffm
1996), Erzählungen. London 1960; unter dem Titel Friday's
Footprints New York 1960.
1961 wird Nadine Gordimer mit dem W. H. Smith Literary Award
ausgezeichnet.
1963
Occasion For Loving (dt: Anlaß zu lieben, Übersetzung:
Margaret Carroux. Ffm 1983; Taschenbuchausgabe Ffm 1983. Taschenbuchneuausgabe
für Mitte 2010 in Berlin geplant), Roman. London 1963; New
York 1963; London 1978; Mit einer Einleitung von Paul Bailey:
London 1983.
1965
Not for Publication (dt: Nicht zur Veröffentlichung.
Ffm 1997), Erzählungen. London 1965; New York 1965.
1966
The Late Bourgeois World (dt: Die spätbürgerliche
Welt. Ffm), Roman. London 1966; New York 1966; London 1976;
Taschenbuchausgabe: Harmondworth 1982.
1967
South African Writing Today (Südafrikanische Literatur
heute), Anthologie, Hg. zusammen mit Lionel Abrahams. Harmondworth
1967.
1969
wird Nadine Gordimer mit dem Thomas Pringle Award ausgezeichnet.
The Interpreters: Theme as Communication in the African Novel
(Die Ausleger: Thema als Kommunikation im afrikanischen Roman),
Johannesburg 1969.
1970
A Guest of Honour (dt: Der Ehrengast, Übersetzung:
Klaus Hoffer. Ffm 1986; Taschenbuchausgabe: Ffm 1990; Taschenbuchneuauflage:
Berlin 2010), Roman. New York 1970; London 1971; Taschenbuchausgabe:
Harmondworth 1973.
1971
Livingstone's Companions. Stories (Livingstones Gefährten.
Kurzgeschichten). New York 1971; London 1972; Taschenbuchausgabe:
Harmondsworth 1975.
Nadine Gordimer wird mit dem James Tait Black Memorial Prize
ausgezeichnet.
1972
African Literature. The Lectures given on this theme at the University
of Cape Town's Public Summer School, February 1972 (Afrikanische
Literatur. Kapstädter Vorlesungen vom Februar 1972) Kapstadt
1972.
Nadine Gordimer wird mit dem Black Memorial Prize ausgezeichnet.
1973
The Black Interpreters. Notes on African Writing. (Die schwarzen
Ausleger. Zur afrikanischen Literatur) Johannesburg 1973.
On the Mines.Südafrika
1973.
Am 20. November wird Nadine Gordimer 50 Jahre alt.
1974
The Conservationist (dt: Der Besitzer; Übersetzung:
Victoria Wocker. Düsseldorf 1977; Berlin, DDR 1983; Ffm 1989;
Taschenbuchausgaben:Reinbek 1980; Ffm 1991), Roman. London 1974;
New York 1975; Taschenbuchausgabe: Harmondsworth 1978.
Nadine Gordimer wird mit dem Booker Prize für The
Conservationist ausgezeichnet.
1975
Selected Stories (Ausgewählte Kurzgeschichten). London
1975; New York 1976; Taschenbuchausgaben: Unter dem Titel No
Place Like (Kein Ort wie dieser) Harmondsworth 1978; unter
dem Titel Selected Stories Harmondsworth 1983.
Ausgezeichnet mit dem CNA Literary Award[2].
Ausgezeichnet mit dem französischen Literaturpreis Grand
Aigle d'Or.
1976
Some Monday For Sure (Es geschah an einem Montag) [Auswahl
aus Selected Stories]. London 1976.
1979
Burger's Daughter (Burgers Tochter. Roman; Übersetzung:
Margaret Carroux. Ffm 1981; Berlin, DDR 1989; Taschenbuchausgabe
Ffm 1982). New York 1979; London 1979; Taschenbuchausgabe: Harmondsworth
1981. Burger's Daughter wird in der zweiten Hälfte des Jahres
gebannt und 3 Monate später wieder freigegeben.
Vizepräsidentschaft des internationalen PEN-Clubs.
Erneut wird Nadine Gordimer mit dem CNA Literary Award[2]
ausgezeichnet.
1980
Ehrenmitgliedschaft der Amnerican Academy of Arts and Sciences.
A Soldier's Embrace. Stories (dt: Die
Umarmung eines Soldaten. Erzählungen, Übersetzung:
Anne Steeb). London 1980; New York 1980; Taschenbuchausgabe:
Harmondsworth 1982.
Town and Country Lovers (dt: Liebende in Stadt und Land,
in: Gutes Klima, nette Nachbarn, Übersetzung: Wolfgang
von Einsiedel, Walter Hartmann, Peter Kleinhempel. Ffm 1982),
Erzählungen. Los Angeles 1980.
What Happened to 'Burger's Daughter', or How South African Censorship
Works (Was geschah mit 'Burgers Tochter' oder Wie Zensur
in Südafrika
funktioniert).
Hgg. zusammen mit John Dugard u. Richard Smith. Emmarentia,
Südafrika 1980.
Sechs Fuß Erde, Ausgewählte Kurzgeschichten,
Übersetzung: Peter Kleinhempel. Berlin, DDR 1980.
Ehrendoktorwürde der Universität Löwen[2.1].
1981/82 The Gordimer Stories, Drehbuch zur Fernsehserie. Nadine Gordimer
schrieb für 4 von 7 Folgen das Drehbuch, basierend auf eigenen
Kurzgeschichten.
1981
July's People (dt: July's Leute, Übersetzung Margaret
Carroux. Ffm 1982; Berlin, DDR 1984; Ffm 1991; Taschenbuchausgabe:
Ffm 1985), Roman. New York 1981; London 1981. Braamfontein, Johannesburg
1981. Hgg. v. Jennie Sidney u. Ron Blatchford: Harlow, Essex 1991;
Taschenbuchausgaben: Harmondsworth 1982. München 1986.- Der
Roman steht vor dem historischen Hintergrund des Soweto-Aufstands
in den 70er Jahren, extrapoliert diesen jedoch in die nächste
Zukunft, die 80er Jahre: das ganze Land ist mittlerweile von den
Unruhen erfasst. July, der Hausdiener einer weißen südafrikanischen
Familie in Johannesburg, möchte dieser helfen, in seinem
entfernten Heimatort Zuflucht zu suchen.
Ausgezeichnet mit der Scottish Arts Council's Neil Gunn Fellowship.
Ausgezeichnet mit dem Commonwealth Award.
Ausgezeichnet mit dem Modern Language Association Award.
Erneut wird Nadine Gordimer mit dem CNA Literary Award[2]
ausgezeichnet.
1982
Six Feet of the Country (dt: Gutes Klima, nette Nachbarn,
Übersetzung: Wolfgang von Einsiedel, Walter Hartmann, Peter
Kleinhempel. Ffm 1982.), Erzählungen [nicht identisch mit
gleichnamigen Titel v. 1956]. Harmondsworth 1982.
1984
Something Out There (dt: Eine
Stadt der Toten, eine Stadt der Lebenden, Übersetzung:
Inken Bohn. Ffm 1985; Taschenbuchausgabe: Ffm 1987.), Erzählungen.
London 1984; Johannesburg/Emmarentia, S.A. 1984; Taschenbuchausgabe:
Harmondsworth 1985.
Choosing for Justice: Allan Boesak, Film, Skript und Produktion
gemeinsam mit ihrem Sohn Hugo Cassirer.
The
Tanner Lectures on Human Values. Cambridge 1985.
Ausgezeichnet mit dem Nelly-Sachs-Preis in Dortmund.
Ausgezeichnet mit dem italienischen Malaparte-Preis.
Ausgezeichnet mit dem italienischen Grinzane Cavour-Preis für
July's People.
1986
Lifetimes. Under Apartheid (Lebenszeiten. Unter der Apartheid),
mit Fotos v. David Goldblatt u. Texten v. Nadine Gordimer. London
1986.
A Correspondence Course and Other Stories. Island 1986
Reflections of South Africa: Short Stories. USA 1986
1987
A Sport of Nature (dt: Ein Spiel der Natur; Übersetzung
Eva Schönfeld. Ffm 1987; Taschenbuchausgabe: Ffm 1991), Roman.
New York 1987; London 1987; Taschenbuchausgabe: Harmondsworth
1988. Leben im Interregnum. Essays zu
Politik und Literatur; Essays und Reden der Jahre 1959-1985[2.2];
hgg v. Stephen Clingman; Übersetzung: Manfred Ohl, Hans Sartorius.
Ffm 1987.
Ausgezeichnet mit dem Orden der Officier des Ordre des Arts
et des Lettres.
Ausgezeichnet mit dem Bennett Award der USA.
1988
Nadine Gordimer sagt bei der Delmas Verhandlung, bei der 22 ANC-Mitglieder
wegen Landesverrats und Terrorismus angeklagt sind, als Zeugin
aus und hilft somit ihr Leben zu retten[3].
The Essential Gesture. Writing, Politics and Places (Die wesentliche
Geste), Essays, hgg. v. Stephan Clingman. London 1988. New York
1988; Kapstadt / Johannesburg 1988; Taschenbuchausgabe: Harmondsworth
1989.
Town and Country Lovers. Three Stories (dt: Liebende in
Stadt und Land, in: Gutes Klima, nette Nachbarn, Übersetzung:
Wolfgang von Einsiedel, Walter Hartmann, Peter Kleinhempel. Ffm
1982.); hgg u. mit Nachwort versehen v. Helmut Winter. Stuttgart
1988.
1989
Etwas da draußen. Erzählung (Something Out There),
Titelgeschichte aus dem gleichnamigen Erzählungsband; Übersetzung:
Inken Bohn. Ffm 1989.
1990
My Son's Story (dt: Die Geschichte meines Sohnes; Übersetzung:
Stefanie Schaffe-de Vries. Ffm 1991), Roman. Kapstadt 1990; Johannesburg
1990; London 1990; New York 1990; Taschenbuchausgabe: Harmondsworth
1991.
Nadine Gordimer wird mit der Ehrenmedaille Benson Medal, Royal
Society of Literature ausgezeichnet.
1991
Nadine Gordimer wird mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.
Writing and Being (dt: Schreiben und Sein, Frankfurter
Rundschau v. 14.12.91), Rede zur Verleihung des Literaturnobelpreises.
Jump! and Other Stories (dt: Die endgültige Safari.
Erzählungen; Übersetzung: Stefanie Schaffer-de Vries.
Ffm 1992). New York 1991; London 1991. Crimes of Conscience (Verbrechen des Gewissens), Erzählungen.
Oxford 1991. Three in a Bed: Fiction, Morals and Politics. USA 1991
Beitritt zum wieder zugelassenen African
National Congress (ANC)[4]
Erneut mit dem CNA Literary Award[2]
ausgezeichnet.
1992 Why Haven't You Written?: Selected Stories 1950-1972. UK
1992
In Cambridge erhält Nadine Gordimer den 14. Ehrendoktortitel.
1994
None to Accompany Me (dt: Niemand, der mit mir geht,
1995. Neuauflage: SZ-Bibliothek Band 60. München 2007), Roman.
UK 1994.
1996 Harald, Claudia, and Their Son Duncan. London 1996.
1998
The House Gun (dt: Die Hauswaffe. Berlin 2000; Taschenbuchausgabe:
Berlin 2002), Roman. - Die Sicherheit einer Familie des weißen
südafrikanischen Mittelstands wird bedroht, als der Sohn
eines Mordes verdächtigt wird.
Living in Hope and History: Notes On Our Century, Essay. London
1999. New York 2000.
Nadine Gordimer wird zur Goodwill-Sonderbotschafterin der UNDP
(United Nations Development Program) ernannt.
1999 The Wall in the Mind (dt: Berlin - Johannesburg).
Dokumentarfilm, gemeinsam mit Hugo Cassirer.
2001
Nach 47-jähriger Ehe stirbt Nadine Gordimers Ehemann Reinhold
Cassirer[5].
The Pickup (dt: Der
Mann von der Straße. Berlin 2001), Roman. London.
2002
Ausgezeichnet mit dem International Primo Levi Literary Award.
Ausgezeichnet
mit dem Commonwealth
Writers' Prize für das Beste Buch in der Region Afrika
für The
Pick Up.
2003
Loot And Other Stories (dt: Beute und andere Erzählungen.
Berlin 2003). New York 2003.
Ausgezeichnet mit dem us-amerikanischen Mary McCarthy Award.
Am 20. November wird Nadine Gordimer 80 Jahre alt.
2004
nimmt Nadine Gordimer die Autorisierung ihrer Biografie zurück[6].
Telling Tales (dt: Telling Tales. Übersetzung
aus dem Englischen: Gesine Strempel u. a. Berlin 2005). Anthologie,
herausgegeben von Nadine Gordimer - 21 weltberühmte
Autorinnen und Autoren erzählen Geschichten.[7]
Nadine Gordimer weigert sich, die von Ronald Suresh Roberts über
sie geschrieben Biografie zu autorisieren. Sowohl Bloomsbury
Publishing in London als auch Farrar, Straus and Giroux
publishers in New York ziehen sich von dem Projekt zurück.
2005
Get A Life (dt: Fang an zu leben; Übersetzung:
Malte Friedrich. Berlin 2006), Roman. London u. New York
2005.- Ort der Handlung des Romans Fang an zu leben ist
Nadine Gordimers Heimatstadt Johannesburg. Der Alltag einer Familie
in zwei Generationen, die sich einer radikalen Veränderung
ausgesetzt sieht, wird durcheinander gewirbelt. Der 35-jährige
Umweltaktivist Paul erkrankt an Schilddrüsenkrebs. Die erforderliche
Bestrahlung macht ihn zu einer radiaktiven Gefahr. Er kehrt zu
seinen Eltern, Adrian and Lyndsay's, zurück und lebt in einem
abgesonderten Teil ihres Hauses. Der weiße Umweltschützer
wird zum Aussätzigen. Während Pauls Eltern vielsagende
Karrieren opfern, steht seine Frau Benni mit ihrem Beruf im Gegensatz
zu seinem Engagement. Sie arbeitet in der Werbebranche der Freizeitindustrie,
die für Paul eine permanente Bedrohung der Umwelt bedeutet.
Pauls Zustand bessert sich, "doch die Metapher des Unberührbaren
ist immer gegenwärtig, in unausgesprochener Parallele zu
dem schwarzen, an AIDS erkrankten und von der Familie adoptierten
Findelkind, geboren nicht in einer Krippe sondern in einer öffentlichen
Toilette'" (Hazel Rochman, American Library Association).
Im Oktober
erscheint die Biografie No Cold Kitchenvon Ronald
Suresh Roberts beim südafrikanischen Verlag Ste Publishers.
Nadine Gordimer weigert sich nach wie vor, diese zu autorisieren.[8]
2006
Im Vorfeld der Londoner Buchmesse beteiligt sich Nadine Gordimer
neben J. M. Coetzee u.a.
namhaften Autoren an einem öffentlichen Protest gegen die
Organisatoren ("Reed Exhibitions") der Veranstaltung,
da diese u. a. auch Rüstungsmessen ausrichteten. Im Mai
ist Nadine Gordimer die Hauptrednerin beim öffentlichen Progammschwerpunkt
"Afrika der schwelenden Konflikte. Literatur eines geschundenen
Kontinents" im Rahmen der Tagung des 72. Internationalen
PEN Kongresses in Berlin[9].
Ende Oktober
wird die 83jährige Nobelpreisträgerin in ihrem Johannesburger
Haus überfallen und ausgeraubt. Sie bleibt unverletzt.[10]
2007
BeethovenWas
One-Sixteenth Black: And Other Stories (dt: Beethoven war
ein Sechzehntel schwarz; Übersetzung: Malte Friedrich.
Berlin 2008), Erz. London u. New York 2007.- In der Titelgeschichte
der 16 Stories fährt ein in London ansässiger Akademiker
und Nachfahr eines Diamantenschürfers nach Südafrika,
um in Kimberley die Mine seines Vorfahren zu besuchen. Dabei überlegt
er, welche der Stadtbewohner, ob schwarz oder weiß, mit
ihm verwandt sein könnten. In der Erzählung Dreaming
of the Dead wird der/die ErzählerIn von den früheren
berühmten Wegbegleitern - Edward Said und Susan Sontag -
heimgesucht.[11]
Anfang Dezember erscheint in zahlreichen Tageszeitungen in Afrika
und Europa eine von Nadine Gordimer und anderen prominenten Autoren
unterzeichneter offener Brief, in dem es heißt: "In
einigen Tagen werden sich Staatschefs aus Afrika und Europa in
Portugal treffen, um Angelegenheiten zu besprechen, die die beiden
Kontinente verbinden, deren Geschichten, ob gut oder schlecht,
seit Jahrhunderten verwoben sind. Dies stellt eine historische
Gelegenheit dar, eine neue Ära einzuläuten, die sich auf gemeinsame
Werte gründet, und eine ehrlich Freundschaft zu beginnen, in der
man einander unterstützt und voneinander lernt. Dieses aber wird
unmöglich, wenn das Gipfeltreffen davor zurückscheut, zwei der
schlimmsten humanitären Krisen dieser Welt zu thematisieren: Simbabwe
und Darfur. Trotz der gemeinsamen Verantwortung Europas und Afrikas,
solche Krisen anzugehen, steht keine von beiden auf der Tagesordnung.
Es wurde keine Zeit für die formelle oder informelle Diskussion
dieser Themen eingeplant. Was kann man zu dieser politischen Feigheit
sagen? ...". Ausgezeichnet mit dem italienischen Premio
Grinzane Cavour 2007 [12].
2008
Nadine Gordimer wird mit ihrem Roman The Conservationist[13]
für The Best of the Booker nominiert.
20.
Nov. 2011
Anlässlich ihres 88. Geburtstags nimmt Nadine Gordimer Stellung
zu dem kurz vor der Verabschiedung stehenden neuen Informationsgesetz
("secrecy bill"), das ihrer Ansicht nach die Pressefreiheit
in Südafrika entscheidend behindern würde14.
Nadine Gordimer lebt in Johannesburg in Südafrika.
"Die
Schritte auf der Treppe lassen ein Kind vermuten. Aber es ist
Nadine Gordimer, die Literaturnobelpreisträgerin des Jahres 1991,
der 'Geigerzähler der Apartheid', wie ein Rezensent schrieb oder
ein anderer jüngst 'Frau Grass in Afrika'. Sie trägt eine Lederjacke,
die Augen klar. Eine Erscheinung." - Andrea Seibel, in: "Lassen
wir sie's versuchen" Die Welt v. 26.08.06.
"Gordimer
sits down unsmilingly, refusing a drink. With her elegant pink
and white scarf, black silk top, and black trousers over tiny
doll-like legs, she gives an odd double impression of age and
youth. She is 80 this year, and at first glance looks it, but
her razor-sharp mind and the beauty of her face, with its dark
monkey eyes and lovely bones, seem to belong to someone much younger."-
Marianne Macdonald anlässlich eines Gesprächs für
den brit. Telegraph im Juni 2003.
1)
Schon Jahre früher hat sie erste Kindergeschichten verfasst.
Diese erste Veröffentlichung entstand im Alter von 15 Jahren.
In einem Interview sagt sie später: "To see this story
in print – and they didn't know it had been written by a 15-year-old
girl – there's never been a moment like it. I don't think even
the Nobel Prize was as thrilling." (Marianne Macdonald im Telegraph
vom 04.06.2001).
2) Wichtigster Literaturpreis Südafrikas.
2.1) Nach anderen
Angaben 1981. Dies ist die erste Ehrendoktorwürde von insgesamt
mehr als einem Dutzend, darunter Harvard und Yale, New York
sowie die Ben Gurion-Universität.
2.2) "Der
Schriftsteller kann als Schriftsteller nichts anderes tun, als
unbeirrt die Wahrheit zu schreiben, wie er sie sieht."
Dieser Leitsatz der Autorin stammt aus dem in dem Band enthaltenen
Essay Die Freiheit des Schriftstellers. "Die Wahrheit
zu schreiben" bedeutete für Nadine Gordimer immer,
die Politik der Rassentrennung, der Apartheid, anzuprangern.
3) Nach anderen
Angaben - beispielsweise Nobelprize.org - 1986. Gordimer sagte
vor Gericht: The accused "were in fact leaders of the African
people who had an important role to play in establishing a democratic
South Africa" (Sunday Times, ZA, 15.08.2004). Vielleicht
der wichtigste Moment in Gordimers lebenslanger Parteinahme
für den ANC.
4) Nadine Gordimer
hatte auch während des Verbots des ANC die Politik
seines radikalen Flügels befürwortet. Als aber Parteimitglieder
ihr zu den Wahlen 1994 antrugen, sich für den ANC
aufstellen zu lassen, lehnte sie ab..
5) Von Marianne
Macdonald auf den Verlust angesprochen sagt sie zunächst:
"Ich möchte nicht darüber sprechen", fügt
aber später mit sanfter Stimme hinzu, "Eine wundervolle
Ehe".
7) Der Erlös
des von der Nobelpreisträgerin herausgegebenen Buches dient
der HIV/AIDS-Prävention. Die Autoren sind u.a.: Margaret
Atwood, Woody Allen, Nadine Gordimer, Günter Grass, Gabriel
García Márquez, Arthur Miller, Amos Oz, José Saramago,
Ingo Schulze, Susan Sontag, John Updike, Christa Wolf. In einem
Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung v. 18.06.05
sagt Nadine Gordimer: "Das Buch ist ein Bestseller, der
einzige den ich je hatte. In den USA und Kanada wurden sofort
50000 Exemplare verkauft, in England startete es mit 20000,
und jetzt ist Telling Tales auch in Deutschland erhältlich.
Also kommt langsam eine Menge Geld zusammen, das alles an die
Treatment Action Campaign, die TAC, geht, eine sehr zuverlässige,
sehr aktive Organisation im Kampf gegen Aids im südlichen
Afrika. Obwohl das Buch erst vor ein paar Monaten erschienen
ist, sind bereits 100000 Exemplare weltweit verkauft worden."
8) Nadine Gordimer
hatte dem in Trinidad und Tobago geborenen und seit 1994 in
Südafrika lebenden, knapp Vierzigjährigen Ronald Suresh
Roberts für das Biografie-Projekt ihre persönlichen
Archive zur Verfügung gestellt unter der Bedingung, vor
der Veröffentlichung das Manuskript durchsehen und kritisieren
(? to review) zu können. Der Veröffentlichung, die
zuvor sowohl von Bloomsbury Publishing in London als
auch von Farrar, Straus and Giroux publishers in New
York verweigert wurde, folgt eine heiß diskutierte Auseinandersetzung
in der südafrikanischen und internationalen Presse. Wesentliche
Streitpunkte sind die Art und Weise der Charakterisierung einer
Affäre, die Gordimer in den frühen 50er-Jahren gehabt
hatte, eine nach Gordimers Ansicht "geschmacklose"
Beschreibung des langsamen Zerfalls und des Todes ihres zweiten
Ehemanns Reinhold Cassirer und Gordimers Weigerung, den israelisch-palästinensischen
Konflikt mit der Apartheid in Südafrika gleichzusetzen.
Ende des Jahres 2006 ist in der New York Times eine zusammenfassende
Darstellung des Streits zu lesen, zu der Nadine Gordimer keine
Stellung nehmen wollte. - Vgl. RACHEL DONADIO, Nadine Gordimer
and the Hazards of Biography, in: The New York Times v. 31.12.2006.
9) "In
einer bis zur biblischen Schöpfungsgeschichte ausholenden
Rede legte die Nobelpreisträgerin Nadine Gordimer
den Finger auf die Wunden des an den Spätfolgen von Sklaverei
und Kolonialismus, an den Ausbeutungsmechanismen der Globalisierung
blutenden Kontinents. (...) Die Disziplin, mit der sie täglich
ihren Platz als Vizepräsidentin in der Vollversammlung
einnahm, verdient Respekt. Ihr literarisches und öffentliches
Leben steht so sehr für PEN, dass sie als zurückhaltender,
sehr nobler Star den ganzen Kongress überstrahlte. Die
afrikanischen Autoren legten an dem Abend im B[erliner]E[nsemble]
Zeugnis von der sprachlichen und thematischen Vielfalt der dortigen
Literaturen ab, die häufig nur in den Werken zu uns kommt,
die in den ehemaligen Kolonialsprachen geschrieben sind. Durch
den Abend führte Patrice
Nganang aus Kamerun auf Englisch..."- Hochrangig
besetzt. Der 72. Internationale PEN Kongress hat seine Arbeit
beendet, Harald Loch, in NEUES DEUTSCHLAND v. 30.05.06 (Die
hochrangige Besetzung, von der im Titel des Artikels die Rede
ist, meint die Ergänzung des PEN-Präsidiums durch
Toni Morrison und J.M.
Coetzee.)
11) Gordimer
würde in diesen Geschichten immer wieder, heißt es
in Publishers Weekly zu den Erzählungen, "die
Vergangenheiten der schwachen, mit Fehlern behafteten Charaktere
mit großen Katastrophen wie den Holocaust oder die Apartheid
ausstatten und aufzeigen, dass deren Entscheidungen wenig mehr
waren als Flügelschläge gegen die Geschichte. Die
Resultate sind erschreckend, manchmal beißend lustig und
oft schön".
12) Gemeinsam
mit der Übersetzerin Renata Pisu für ihre Übersetzungen
chinesischer Literatur.
13)
Zum 40-jährigen Jubiläum des Booker Prize werden
die besten ausgezeichneten Bücher für den Best
of Booker nominiert. The Conservationist gewann den
Preis 1974. Mit J.
M. Coetzee ist auch der zweite südafrikanische
Nobelpreisträger und Booker Prize-Gewinner nominiert.
Sein Buch Disgrace
gewann diesen Preis 1999.
14)
Vgl. "Gordimer slates secrecy bill as blow against freedom",
in The Herald Online v. 21.112011 und "Trauerflor für
Südafrikas Pressefreiheit", in WELT ONLINE v. 21.11.2011.
- Zwei Tage später wird das Informationsgesetzt trotz landesweiter
Proteste verabschiedet.
Wichtigste Quellen:
"A writer's life: Nadine Gordimer", Marianne Macdonald,
in: Telegraph vom 04.06.2001
Käthner, Ingo: Nadine Gordimer, in: KLfG
(Kritisches Lexikon zur fremdsprachigen Gegenwartsliteratur,
edition text+kritik)
It's a blackboard
bungle, Artikel v. Mike Nicol in der südafrikan.
Sunday Times v. 22.04.2001 über Südafrikas drohender
Zensur, von der sogar Bücher von Nadine Gordimer und JM Coetzee
betroffen sein könnten (in dt. Übersetzung in der Afrika-Chronik
der Marabout-Seite).