1969
Aus pol. Gründen verlässt Tierno Saïdou Diallo sein
unter Sékou Touré diktatorisch regiertes Land. Zufuß
flüchtet er ins Nachbarland Senegal,
nach Dakar. Danach begibt er sich nach Côte
d'Ivoire, wo er ein Studium aufnehmen wird.
1973
Ankunft in Frankreich, wo er in Lyon Biochemie studiert und anschließend
promovieren wird.
1970er
Tierno Saïdou Diallo alias Tierno Monénembo erhält
die frz. Staatsangehörigkeit und wird nach seiner Promotion
Assistent an der Medizinischen Fakultät von Saint-Étienne.
Als Student engagiert sich M. politisch; er wird Mitglied in der
linken Fédération des étudiants d’Afrique
noire en France (FEANF).
1979
Im Zuge einer Kooperation der Medizinischen Fakultät von
Saint-Étienne nimmt der Wissenschaftliche Assistent Monénembo
eine Lehrtätigkeit in Marokko,
später in Algerien
auf.
Les crapauds-brousse[1].
Roman. Erstveröffentlichung unter dem Namen Tierno Monénembo.
1980er
Nach seiner Rückkehr aus Nordafrika erhält Tierno Monénembo
eine Anstellung in der Normandie, an der Universität von
Caen.
1986
Les Écailles du ciel (Die Schuppen des Himmels), Roman.
Paris 1986.
1987
Ausgezeichnet mit dem Les Ecailles du ciel (Großer
Literaturpreis Schwarzafrikas) für Les Ecailles du ciel.
1991
Un rêve utile (Ein nützlicher Traum), Roman. Paris
1991. Im Mittelpunkt des Romans steht ein guineanischer Student,
der inmitten anderer Immigranten in einem Lyoner Armenviertel
von seinem Leben erzählt.
1993
Un attiéké pour Elgass (dt: Zahltag in Abidjan.
Wuppertal 1996), Roman. Paris 1993. Bei einem Abschiedfest in
der ivorischen Hauptstadt spielen Exil-Studenten das Wahrheitsspiel,
das enthüllt, das niemand der ist, der er zu sein scheint.
1997
Cinéma (dt: Cinema. Wuppertal 1999), Roman.
Paris 1997. - Die Romanhandlung findet Ende der 50er-Jahre in
Guinea statt, als das Land um seine Unabhängigkeit ringt.
Erzähler ist der jugendliche Binguel, der die Nähe zu
einem älteren Kriminellen namens Benté sucht, einem
passionierten Kinogänger. Die Handlung setzt zwei Jahre vor
der Unabhängigkeit ein, um einige Tage danach zu enden.
2000
L'Aîné des orphelins[3](engl.:
The Oldest Orphan. Nebraska 2004), Paris 2000. - Erzähler
ist der Jugendliche Faustin, der nach dem Genozid in Ruanda
im Todestrakt im Gefängnis sitzt. Die Geschichte, die er
fast leidenschaftslos, ja zynisch erzählt wechselt zwischen
seinem Dasein im Gefängnis und seinem ziellosen Herumstreifen
im Lande nachdem seine Eltern und fast all seine Verwandten umgebracht
worden waren sowie seinen Eskapaden als "glorreicher"
Ganove in Ruandas Hauptstadt Kigali.
Tierno Monénembo wird mit dem Prix Tropiques für L'Aîné
des orphelins ausgezeichnet.
2001/2002
Dreimonatiger Stipendienaufenthalt - als writer in residence in
Aarau - in der Schweiz.[4]
2006 La Tribu des gonzesses : théâtre, Theaterstück.
Paris 2006. - Schicksalhaftes Treffen von acht Frauen im Exil.
2007
Am 21. Juli wird Thierno Saïdou Diallo alias Tierno Monénembo
60 Jahre alt.
2008
Le roi de Kahel (Der König von Kahel). Roman. Paris 2008.-
Biografischer Roman über den Lyoneser Bürger Aimé-Victor
Olivier, der im ausgehenden 19. Jh. König im Gebiet des heutigen
Guinea
wurde.
Ausgezeichnet mit dem Prix RENAUDOT[6]
für Le roi de Kahel.
2009 Dadis Camara, ce criminel ![7]
(Dadis Camara, dieser Kriminelle!), Artikel in der nigerischen
Zeitung Le Republicain Niger vom 08.10.2009 v. Tierno
Monénembo.
1)
Der Roman erschien im gleichen Jahr wie La Vie et demie, des Kongolesen
Sony Labou Tansi. "Die beiden Bücher sind wahrhaftige
Anklagen gegen die Diktatur, die Feigheit, die Korruption, bewaffnet
mit Humor, Komik, Ironie und mit Lachsalven", schreibt der
Kritiker Tirthankar Chanda.- Vgl. Tierno
Monénembo, in: Jeune Afrique.
2)Pelourinho
ist
das historische Viertel von Salvador de Bahia, der älstesten
Stadt Brasiliens. Ein viermonatiges Stipendium hatte Monénembo
einen Aufenthalt im Lande und hauptsächlich in dieser Stadt
finanziert, was ihm die Möglichkeit gab, den afrikanischen
Wurzeln in Brasilien nachzugehen. Dieser Wunsch sei schon als
Kind entstanden, berichtet die Neue Zürcher Zeitung.
Damals habe der Autor Afroamerikaner erlebt, die ihren afrikanischen
Spuren folgten. Er wollte einmal den umgekehrten Weg gehen. -
In dem Roman Pelourinho sollte "das afrikanisch
geprägte Alltagsleben in Salvador, die verschiedenen Ebenen
der lateinamerikanisch-afrikanischen Beziehungen, die mythologisch-religiöse
Dimension ... sichtbar werden. Überdies sollte sich die Sinnlichkeit
der afrikanischen Präsenz in Pelourinho, dem historischen
Viertel Salvadors, auf die Lesenden übertragen. Mit seiner
komplexen Erzählstruktur wird der Roman diesen Ansprüchen
bestens gerecht", lobt der ungenannte Autor in der Schweizer
Zeitung.- Vgl. Auf der Suche nach einer afrikanischen Moderne,
in: NZZ Online vom 9.02.2002.
3)
Der Roman entstand in Folge eines Projekts, das im französischen
Lille von den Verantwortlichen des Festivals Fest'Afrique bereits
1998 initiiert worden war. Gemeinsam mit Monénembo
waren zehn Autoren eingeladen: Boubacar Boris Diop (Senegal),
Nocky Djedanoum (Tschad), Monique Ilboudo (Burkina
Faso), Koulsy Lamko (Tschad), Véronique
Tadjo(Elfenbeinküste),
Jean-Marie Vianney Rurangwa (Ruanda),Abdourahman
A. Waberi (Dschibuti). Der einzige anglophone Teilnehmer
des Projekts war der kenianische Autor Meja Mwangi.
Sein Beitrag ist der Roman The Big Chiefs.
4) Vgl. Auf
der Suche nach einer afrikanischen Moderne, in: NZZ Online
vom 9.02.2002.
6)
Einer der renommiertesten Literaturpreise Frankreichs. Gegenwärtig
ist auch der frz. Nobelpreisträger Jean-Marie
Gustave Le Clézio Mitglied der Jury.
7)
Anlass für diesen Artikel sind Unruhen in der guineischen
Hauptstadt Conakry gegen die Miliärregierung, die von dieser
blutig niedergeschlagen worden waren. Nach dem Tode von Präsident
Lansana Conte im Dez. 2008 hatte das Militär unter der Führung
von Moussa Dadis Camera die Verfassung außer Kraft gesetzt
und die Führung übernommen.
Quellen: MICRO-OUVERT - «Les assurrances de Lansana Conté
étaient plus séduisantes que celles de Moussa Dadis,
in: Le Quotidien (Senegal) v. 10.02.2009.- Interview anlässlich
der Auszeichnung mit dem Prix Renaudot v. 2008. Auf
der Suche nach einer afrikanischen Moderne,
in: NZZ Online vom 9.02.2002. Tierno Monénembo, in: Jeune
Afrique v. 13.12.2008.