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     N. Hikmet - P. Neruda
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Last Update: 31.05.05


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BEGEGNUNGEN AUS DER TINTENWELT

B e g i n n   e i n e r   F r e u n d s c h a f t
N ā z i m   H i k m e t   b e g e g n e t   P a b l o   N e r u d a
    O s t - B e r l i n ,  1 9 5 1    
von  S a b i n e   A d at e p e

Leseprobe:

...

Endlich war der Redakteur zufrieden. Nun wurde der Dichter zum Intendanten beordert. Händeschütteln, große Worte von Ehre und unverbrüchlicher Freundschaft und die Einladung, eine Serie von Sendungen zu übernehmen. Als Mann spontaner Entschlüsse - solange sie seinen Prinzipien entsprachen - krempelte Hikmet sogleich die Ärmel hoch, um an Ort und Stelle über Einzelheiten zu verhandeln. Doch, erfahren im Umgang mit ihren bürokratischen Vorgesetzten, drängte die Dolmetscherin freundlich aber bestimmt zum Aufbruch. Noch an der Tür übermittelte sie dem Dichter Grüße von Neruda, der sein Pflichtprogramm bei Rundfunk und Parteikadern bereits absolviert hatte. Hikmet hatte seinen Gruß an die Teilnehmer des Festivals vom Vortage gehört und war hingerissen von dem Pathos dieser Friedensbotschaft, auch wenn er kein Wort verstanden und sich nur grobe Züge hatte übersetzen lassen.
Seine Miene hellte sich auf. Leicht irritiert von dem doch etwas abrupten Ende des Gesprächs mit dem Intendanten, mochte er sich den Kopf an einem solch schönen Tag nicht über launige Bürokraten zerbrechen. »Wo hast du ihn gesehen, Genossin?« fragte er die Dolmetscherin. Statt zu antworten, lächelte sie spitzbübisch: »Er erwartet Sie. Wir fahren Sie gleich hin!«

Von Weitem schon erkannte er ihn. Die unvermeidliche Schirmmütze, ein leichter Pullover über dem Hemd trotz der Augustwärme und im Mundwinkel die Pfeife. Die großen, klugen Augen auf zwei junge Mädchen gerichtet, die ihm am Tisch gegenübersaßen und aufgeregt auf ihn einsprachen. Ein leichtes Schmunzeln um den Mund. Als Hikmet heran war, erhob sich der Chilene und umarmte ihn freudig: »Merhaba, kardas!«
Hikmet lachte: »Du lernst noch Türkisch, bevor ich einen Satz auf Spanisch zustande bringe, hermano querido!« Schon hatte jemand einen Stuhl herangezogen und die Freunde hatten keine Augen und Ohren mehr für all die jugendlichen Bewunderer rings umher. Hikmet beglückwünschte den großen Chilenen zu der gelungenen Rundfunkansprache.
»Exil, mein Freund«, erwiderte Neruda bedächtig lächelnd, »ist wie ein neues Gefühl für Heimat.«
»Heimat als Exil, warum nicht?« stimmte Hikmet zu. »Vielleicht ein schaler Geschmack auf der Zunge, wenn man zulange auf diesem Wort herumkaut. Doch ohne den dumpfen, den fauligen Gestank der Kerker. Aber«, unterbrach er sich mit einem Lachen, »lass uns nicht vom Exil reden. Wes täglich Brot es ist, der redet doch viel lieber von der Heimat. Das Land, seine Menschen, seine Bäume, seine Wasser...«
»Der Bosporus lässt dich nicht los. So geht es uns allen, die wir das Meer kennen. Wenn ich an Valparaiso denke...«
»Fallen dir zuerst die Frauen ein!« lachte Hikmet.

...

2003 © by Sabine Adatepe

Dieselbe Autorin hat einen weiteren interessanten Text verfasst - für das 19. Jh.:

   I d e a l   u n d   R e a l i t é   
von  S a b i n e   A d a t e p e

Besuchen Sie die Autorin auch auf ihrer Website:
www.sabineadatepe.com

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