Literatur
DIE MARABOUT-SEITE
linie
   TEXTE GESUCHT
     Ö. von Horvāth - C. Zuckmayer u. a.
linie
Last Update: 31.05.05

 


BEGEGNUNGEN AUS DER TINTENWELT bei amazon bestellen
BEGEGNUNGEN
AUS DER TINTENWELT
bei amazon bestellen!


alle Bücher v. CARL ZUCKMAYER  bei amazon
Carl Zuckmayer bei amazon

alle Bücher v. ÖDÖN V. HORVATH  bei amazon
Ödön v. Horvàth bei amazon


BEGEGNUNGEN AUS DER TINTENWELT

       A b s c h i e d      
Ö d ö n   v o n   H o r v á t h   b e g e g n e t   C a r l   Z u c k m a y e r
   u . a .    W i e n   1 9 3 8   
von  F r a n   H e n z

Leseprobe:

Wien, 11. März 1938

Der Föhnsturm zerrt so heftig an meinem Hut, dass ich ihn mit der Hand festhalten und tief in die Stirn drücken muss. Mit der anderen Hand schlage ich den Kragen meines Mantels hoch. Ich hasse Stürme und mehr noch hasse ich Gewitter. Aber ich muss weiter, muss zu einem Treffen. Es gibt Neues zu berichten, das Ende meiner finanziellen Misere scheint in Sicht.

Der Sturm wirbelt die Flugblätter durcheinander und trägt die skandierenden Stimmen der Demonstranten davon: »Rot-Weiß-Rot bis in den Tod. Rot-Weiß-Rot bis in den Tod.«

Die von Bundeskanzler Schuschnigg initiierte Abstimmung über die Eigenständigkeit Österreichs wird ein eindeutiges Ergebnis bringen und den Braunen ein für alle mal eine Absage erteilen. Dieser Gedanke erfüllt mich mit Freude und Genugtuung. Hatten die Nazis doch alle meine Stücke mit Aufführungsverbot belegt, weder Kasimir und Karoline noch Glaube, Liebe Hoffnung oder die Geschichten aus dem Wienerwald durften im Deutschen Reich mehr aufgeführt werden.

Ich haste weiter. »Hoch Schuschnigg. Hoch Österreich«, begleitet es mich bis an mein Ziel, das Haus meiner lieben alten Freundin Berta Zuckerkandl. Bei den letzten Treffen hat sie sich zwar aus gesundheitlichen Gründen entschuldigen lassen, aber die Tradition ihrer Salons wird von allen Beteiligten weiter gepflegt.

Ich betrete den eleganten Raum und sehe, dass meine Freunde mich schon erwarten. Alexander, Franzl und Carl stehen beisammen, mein Bruder Lajos kommt mir entgegen. Die Stimmung der Demonstranten hat sich auf mich übertragen und die Worte drängen euphorisch aus mir heraus: »Kein Hitler-Gruß wagt sich mehr hervor! Wir Österreicher haben uns wieder gefunden!«

Die Gesichter meiner Freunde spiegeln nichts von meiner Begeisterung. Stattdessen graben Kummer und Sorge tiefe Falten in ihre Züge.

»Ödön«, sagt Franzl, »es gibt Gerüchte …«

...

2004 © by Fran Henz

Dieselbe Autorin hat einen weiteren interessanten Text - für die zweite Anthologie (19. Jh.) - verfasst:

   G e s p e n s t e r s o m m e r   
von  F r a n   H e n z

Weitere Texte der Autorin sowie Buchvorstellungen, Termine für Lesungen und anderes mehr finden Sie auf der HP der Autorin:

www.fran-henz.com

ZURÜBERSICHT