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     H. Malorny - H. Huncke
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Last Update: 31.05.05

 


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BEGEGNUNGEN AUS DER TINTENWELT

  C h e l s e a - H o t e l ,   N e w   Y o r k  ,  1 9 9 0 e r  
von  H a r t m u t h   M a l o r n y

Leseprobe:
...

Bei der zweiten Zigarette, die ich mir anzünde, schaut er verschmitzt rüber und hält seine erste immer noch trocken zwischen den Fingern. Ich sehe mich in diesem 15 qm-Altersruhesitz um: Ein Kühlschrank, ein Schreibtisch, ein Bett, zwei Gartenstühle, eine Kommode und neben der Tür ein Sideboard, auf dem abgelegte Wäsche kleine Türme darstellt. Mittendrin thront Huncke auf einem standesgemäßen Altherrenstuhl in einer Pose des Überlebenden.
 Mir selbst ging es nicht besser, ich hatte vor vier Wochen ein Flugzeug bestiegen und mich auf Spurensuche begeben, und währenddessen einige Staatsgrenzen überschritten. Ich zeichnete einen Weg nach, den ich nur aus Büchern kannte, und der mich zum Schluss nach New York führte. »Was willst du noch wissen?« fragt er.
»Lohnt es sich in der heutigen Zeit zu leben, verglichen mit der, die du früher erlebt hast?«
»Mach keine Witze. Findest du es lohnenswert heute zu leben? Wenn ich dich in vierzig Jahren dasselbe frage, wirst du mir die 80er oder 90er Jahre als besonders toll beschreiben. Es ist der tägliche Kampf des Daseins, den man bestreiten muss. Weißt du, wenn du nicht hierbleiben willst, kannst du gehen, ich will damit sagen, die Eventualitäten stehen offen: Dort ist das Fenster, da die Tür ...«
»Mit der Möglichkeit, das Fenster zu wählen, kennst du dich ja bestens aus ...«
»Ja. Manchmal scheint die Ausweglosigkeit nur durch einen Selbstmord zu lösen zu sein, aber das sind die Umstände der persönlichen Problematik und nicht die der Zeit.«
Ich will ihn gerade fragen, wovon er überhaupt lebt, denn der Verkauf der Bücher hat ihm keinen Penny eingebracht, da schellt das Telefon.
»O.K.«, sagt er, »nur bitte nicht vor 16 Uhr, und bringt Bargeld mit, keine verdammten Schecks.«
An mich gewandt erklärt er: »Die Kerle vom BBC wollen eine Reportage über Dr. Kinsey machen, dem ich damals als Verbindungsmann für seine Recherchen gedient habe.«
Interviews und Lesungen sind seine so genannte Gehaltsaufbesserung, und wenn er sich bewegt, dann aus diesem Grund. Offiziell kriegt Huncke eine Minimalrente von der Foundation of Greatfull Dead.
»Vergiss nicht, dass ich nicht stehle und auch keine Menschen umbringe«, schmunzelt er.
...

2004 © by Hartmuth Malorny

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Der von Hartmuth Malorny porträtierte Herbert Huncke gehört der so genannten Beat-Generation an und veröffentlichte mehrere Bücher. Malorny selbst verfasste neben den Romanen Noch ein Bier, Harry?: Eine Trinkerchronik und Die schwarze Ledertasche mehrere Gedichtbände.

MALORNY: NOCH EIN BIER?: EINE TRINKERCHRONIK
Noch ein Bier, Harry?:
Eine Trinkerchronik


Hartmuth Malorny

Noch ein Bier, Harry?: Eine Trinkerchronik

NEON Verlag Thomas Tonn


Herbert Huncke

The Herbert Huncke Reader


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