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Leseprobe:
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Die
Stadt gefiel mir von Anfang an. Und meine Anna-Blume-Kollegen,
die internationalen Poeten, erinnerten mich an manchen angenehmen
Schulausflug vergangener Tage. Nur der Klassenlehrer fehlte,
oder vielleicht hieß er Kurt. Kurt Schwitters. Gesehen
habe ich die (post-)modernen Anna-Blume-Aktanten zum ersten
Mal am Sonntag, dem 4. Juni. Dem unverkennbaren lateinamerikanischen
Zauber geborener Dichtkunst und ungestümer Lebensfreude
konnte ich mich schlecht entziehen. Alicia Torres aus Venezuela,
Hector Picoli aus Argentinien, Luis Bravo aus Uruguay stürzten
allesamt gleichsam mit all ihren vielen Welten und Sinnen
auf mich zu. Ungezählt. Unzählbar. Nikki Johnson
aus Jamaika - eine Piratin der Weltliteratur - kaperte unbezwungen
Menschen und Texte. Andres Ehin aus Estland donnerte wie
ein grimmerfüllter Krieger alter Zeiten sein eigenes
Verständnis der Dinge in die lustige Gesellschaft hinein.
Salah Helal aus Ägypten
brachte Leidenschaft und Reflexion aus dem Wirbel stürmischer
Karawanen des Gemüts. Gabriel Rosenstock aus Irland
ließ im belebten Augenspiel seiner Innenwände
die Kulturlandschaft der Nation durchblicken, die so sehr
für ihre Dichtkunst beneidet wird. Joe Friggeri aus
Malta erwies sich als ein guter Witzerzähler.
»You don't look like a professor«, sagte ich
ihm später einmal vollkommen wahrheitsgemäß. »Actually
you have something almost human in your look.«
»Thank
you, my friend, I take it as a compliment«, erwiderte
der in Oxford und Mailand promovierte Maltese. Lindsey Collen
aus Mauritius
und Galsan Tschinag aus der Mongolei wurden vorerst vermisst.
Afrika sprach durch Marie Claire aus Kamerun
. Monique Ilboudo aus Burkina
Faso und Pearl Seipone aus Botswana.
Touradj Rahnema aus dem Iran teilte mir mit, er habe vorige
Nacht von einem jungen Mann geträumt, der von sich
selbst behauptete, der beste Germanist aus Rumänien
zu sein. Ob damit wohl ich gemeint war?
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2004
© by Vasile V. Poenaru
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