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     F. Kafka - M. Jesenská - M. Brod
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Last Update: 31.05.05

 

 

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BEGEGNUNGEN AUS DER TINTENWELT

F r a n k   u n d   M i l e n a
F r a n z   K a f k a   b e g e g n e t   M i l e n a   J e s e n s k á
von  K a r l a   R e i m e r t

Leseprobe:
...

Er will sie greifen, aber sie entwindet sich ihm und langt mit spitzen Fingern nach ihren Zigaretten: »Die Frauen, mit denen du zusammengekommen bist, waren gewöhnliche Frauen und haben nicht anders zu leben gewusst als eben Frauen.«
»Du meinst also, ich bin das Problem?« lächelt Franz. Milena schüttelt wild den Kopf und hantiert mit einer Zigarette und Streichhölzern herum. »Nein, nein! Ich glaube eher, dass wir alle, die ganze Welt und alle Menschen krank sind und du der einzig Gesunde und richtig Auffassende und richtig Fühlende und der einzig reine Mensch.«
Ehrlich verblüfft starrt Kafka sie an: »Ich? Mit diesem kümmerlichen Rest von Leben und nichts in der Hand als ein blutbespucktes Taschentuch und zwei angefangene Romane, die ich nie zuende schreiben werde?«
Schnell dreht sich Milena zu ihm und legt ihm den Finger auf die Lippen: »Pst! Das darfst du nicht sagen!«
»Darf ich nicht?«
»Nein, du nicht!«
»Warum?«
»Weil ...« Sie stockt, zieht an der Zigarette und sagt dann unwirsch: »Weil ich weiß, dass du dich nicht gegen das Leben wehrst!«
»Sondern?«
Milena sucht nach Worten: »Sondern ... nur gegen diese Art von Leben wehrst du dich.«
»Wie du.«
»Nein, anders. Ich bin eine Frau.«
»Ja, natürlich, aber ...«
»Aber wenn du nicht weißt, was das für ein Unterschied ist, dann weißt du gar nichts!«
Es klopft zaghaft an der Tür.
»Herein!« befiehlt K. mit harter Stimme.
Die Zimmerwirtin hat ein kleines Dienstmädchen geschickt, für den Fall, dass die beiden Herrschaften oben in ihrem Pensionszimmer vielleicht doch nicht nur Korrekturen vornehmen wollen. Das Dienstmädchen trägt ein schwarzes Kleid mit weißer Schürze. Es sieht darin unschuldiger aus als es vermutlich ist. Vor Unbehagen tritt es von einem Fuß auf den anderen. »Entschuldigung, ... Ein Herr wartet unten auf Frau Jesenska ...«
Milena springt auf: »Ernst!«
K. packt sie derb am Handgelenk: »Milena, das kann nicht dein Ernst sein!«
Milena gibt sich alle Mühe, aber sie muss schallend herauslachen. »Doch doch! Genau das!«

...

2004 © by Karla Reimert

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