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Leseprobe:
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»Einen guten Tag, Alexej Maximowitsch Peschkow. Der
Herr
Graf weilt in den oberen Räumen. Wenn ihr mir bitte folgen
möchtet.« begrüßte ihn ein hochnäsiger Diener in einer
Livree, die einem Rokokopagen alle Ehre gemacht hätte.
Eine sarkastische Bemerkung lag Gorki auf der Zunge, jedoch
schwieg er.
So folgte er dem Diener schweigend die Treppe hinauf. Doch
bereits auf halber Strecke kam ihm sein Gastgeber, gekleidet
wie ein russischer Bauer, entgegen:
»Seid gegrüßt, Gorki. Keine Angst vor der Geheimpolizei?
Nach den Vorkommnissen in Kasan hat man euch doch verboten,
nach Jalta zu kommen.«
»Auch euch einen guten Tag. Nun, Lew Tolstoj, die
Ochrana verfolgt und beschattet mich. Aber wie ihr seht,
nur mit mäßigem Erfolg. Ich nehme an, sie wissen nicht so
ganz genau, wie sie mich einschätzen sollen. Ich glaube,
ein wenig Unfähigkeit kommt auch noch dazu.« antwortete
Gorki mit einem süffisanten Lächeln auf den Lippen.
»Unterschätzt die Ochrana nicht. Ihr Arm reicht weit
und ihre Kerker sind dunkel.«
»Zar Nikolaus ist nicht Alexander.«
»Eben drum. Bedenkt Gorki, unser Zar ist schwach,
da kann sich so manche Entwicklung verselbstständigen.«
»Gefährliche Worte aus eurem Mund, Tolstoj.«
»Moskau ist weit weg und ich weiß, dass auch ihr solche
Gedanken hegt.«
»Man unterstellt mir solche Gedanken, dass ich sie
hege, kann mir niemand beweisen.«
...
2004
© by Thomas Dunzweiler
Derselbe
Autor hat einen weiteren interessanten Text für die
zweite Anthologie (19. Jh.) verfasst:
R
e n z e n s G e h e i m n i s
von T h o m a s D u n z w e i l e r
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