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Es war am Vortag von Pfingsten im Jahr 1816. In Wiepersdorf,
auf dem märkischen Landgut des Hauses von Arnim erblühte
der Mai. Alles im Garten erstrahlte im Licht: Goldstern
und Ginster und wogender Flieder, und hinter den Rosen erstreckten
sich Felder im frischen, leuchtenden Grün bis an den schattigen
Waldrand.
Droben
im Gutshaus bellte der Spitz und erschallte das helle Lachen
der Kleinen, während draußen auf der Terrasse Clemens mit
seiner Schwester Bettina scherzte. Unterdessen suchte sich
Achim bei seinem Freund Wilhelm Gehör zu verschaffen - dieser
jedoch hatte allerhand Mühe, den zappelnden Jüngsten der
Arnims im Griff zu behalten, bis die Kinderfrau kam und
ihm das vor Vergnügen jauchzende Kind - »Hoppla, Herr
Grimm!« - aus dem Arm nahm.
Auf
einmal begann Margarethe, die Köchin des Hauses, laut zu
klagen und rief aus dem Fenster der Küche: »Oh Hilfe,
mir stehen die Haare zu Berge! Ich bin wohl mit einem Dutzend
Händen am Werk, dabei fehlt mir noch eine Hand zum Rühren
des Teigs für unseren Märkischen Napfkuchen.«
»Frau
Grethel, ich komme!« rief Clemens zurück und schwang
sich in einem Satz von der Bank: »Ich komme, ich eile
und fliege zu Ihnen und rühre den Teig. Wozu ist denn meine
Dichterhand da?«
»Sie,
Herr Brentano, wollen mir helfen?« tönte die Köchin:
»Mir scheint, Ihre Hand ist vielmehr zum Rühren poetischer
Worte bestimmt.«
»Nicht
nur, meine Liebe! Sie werden sehen, in der Hand eines Dichters
gerät gar der Kuchen zum schönsten Gedicht.«
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2004
© by Andreas Erdmann
Derselbe
Autor hat weitere interessante Texte verfasst - für
das 19. Jh.:
S
p r a c h m u s i k
von A n d r e a s E r d m a n n
und
für die erste Anthologie (20. Jh.)
E
i n e H i m m e l f a h r t
von A n d r e a s E r d m a n n
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