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Am Genfer See, Juni 1816
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Für die Nächte, in denen Byron in meinen Armen Schwäche
zeigt, lässt er mich an den Tagen reichlich zahlen. Sein
Spott über mein Manuskript dringt in jede meiner Poren und
frisst sich in mein Herz. Er kritisiert nicht, er vernichtet.
Und natürlich bereitet es ihm noch mehr Freude, mich in Gegenwart
seiner illustren Freunde bloßzustellen, die ebenfalls hier
am Genfer See Zuflucht gefunden haben. Percy Shelley, ein
Poet, den er im Gegensatz zu mir als ebenbürtig sieht. Doch
nicht nur die Literatur verbindet sie. Auch Shelley hat
England verlassen müssen, da er sich nicht um gesellschaftliche
Regeln schert und ein ehebrecherisches Verhältnis mit der
kleinen Mary Godwin unterhält, das ihr Vater nicht goutierte.
Gemeinsam
mit Marys Schwester Claire sind die beiden regelmäßig Gast
in Diodati. Claire verschlingt Byron mit den Augen und macht
ihm eindeutige Avancen, auf die er - Widerwillen heuchelnd
- eingeht. Ich bin sicher, sie kennen sich von früher. Meine
Ahnung bestätigt sich, als ich Claire an drei Tagen hintereinander
durch die Tür ihres Zimmer erbrechen höre und sie wenig
später meinen Rat als Arzt zu morgendlicher Übelkeit erbittet.
Byron
hingegen scheint ahnungslos. Sein Interesse gilt Mary. Zu
sehen, wie er sie hofiert und sie gemeinsam mit Percy ermutigt,
ihre lächerlichen Schreibversuche fortzusetzen, erweckt
in mir jene Art von Übelkeit, für die es kein Gegenmittel
gibt.
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2005
© by Fran Henz
Dieselbe Autorin hat einen weiteren interessanten Text - für
die erste Anthologie (20. Jh.) - verfasst:
A
b s c h i e d
von F r a n H e n z
Weitere
Texte der Autorin sowie Buchvorstellungen, Termine für
Lesungen und anderes mehr finden Sie auf der HP der Autorin:
www.fran-henz.com
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