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Emma
Lazarus war als Gast Ralph Waldo Emersons, ihres literarischen
Mentors, nach Concord gekommen. Die Emersons hatten ihr
zu Ehren ein Abendessen gegeben, bei dem sie William Ellery
Channing kennen lernte. Beim Abendessen unterhielt Channing
den ganzen Tisch mit seinen Geschichten. Emma amüsierte
sich über sein dandyhaftes Benehmen und seine lebhafte Art
zu erzählen. Er scherzte den ganzen Abend mit Emma, er umgarnte
sie wie ihre Verehrer in New York, obwohl er zweiunddreißig
Jahre älter war als sie. Er hätte ihr Vater sein können.
Ihr Vater. - Ein Vater. Emma dachte an den alten Moses Lazarus,
der auf eigene Kosten ihren ersten Gedichtband heraus brachte,
als sie siebzehn war, der ihr Schreiben immer unterstützt
hatte. Sie dachte an ihren Vater - mit seiner Brille, seinem
Backenbart und seiner Weste, die immer ein bisschen über
dem Bauch spannte. Ihr Vater mit seinem wachen Verstand,
mit dem Geschäftssinn, mit dem er den Zuckerhandel der Familie
führte, obwohl seine Neigung eher den schönen Künsten galt.
Sie dachte an ihren Vater, dessen Ebenbild sie war. Sie
dachte an Moses, ihren Vater, und all die anderen Väter,
die sie hatte. Emerson, Henry James und die anderen älteren
Herren, die sich von Emma angezogen fühlten, die ihre Lyrik
schätzten und sie förderten. All diese Vaterfiguren - und
jetzt Channing.
»Ich
würde gerne einmal ihre Gedichte lesen«, sagte Emma
zu Channing.
Er
lächelte. »Ich bin mündlich besser. - Das hat Henry
immer an mir kritisiert. Ich bin zu undiszipliniert, zu
ungeduldig, zu ungenau, um ein richtig großer Dichter zu
werden. Aber Sie, Sie haben das Zeug dazu. Sie werden einmal
groß: Emma Lazarus - die Prophetin ihrer Generation.«
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2005
© by Vera Hohleiter
Dieselbe
Autorin hat einen weiteren interessanten Text verfasst -
für das 20. Jh.:
V
o m R o m a n i s c h e n C a f
é i n s E x i l
von V e r a H o h l e i t e r
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