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   BEGEGNUNGEN 8.-18.JH.
     Bischof Arbeo - Bischof Virgil
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Last Update: 17.09.05

Leseprobe:

    F r e u n d e   i m   B a d e    
von  P e t r a   B u c h w a l d

Bischof Arbeo trifft Bischof Virgil anlässlich der Versammlung der Bischöfe Baierns im Jahr 770.

»Virgil? Glaubt auch ihr, dass ich Leben und Leiden des heiligen Emmeran nur geschrieben habe, um dem Herzog zu schaden?« Für Sekunden schloss Virgil seine Augen fester. »Oh Arbeo«, stöhnte er. »Ich bin ein alter Mann. Dieses Treffen hat mich müde gemacht. Fünf Bischöfe, dreizehn Äbte, das bedeutet tagelange Diskussionen. Gönnt mir doch dieses Dampfbad«. Angestrengt atmete er durch den Nebel von warmer Luft. Der belebende Duft nach Fichtennadel, durchmischt mit Kampfer und Thymian, wurde zerstört durch den beißenden Geruch schweißnasser Haut. Das Sitzbrett knarrte unter Arbeos Gewicht.

»Herzog Tassilo ist verletzt. Im einundzwanzigsten Jahr seiner Herrschaft habt ihr noch mit ihm zusammen und im besten Einvernehmen das Kloster Innichen gegründet, um den slawischen Heiden das Christentum zu verkünden. Und nun, im zweiundzwanzigsten Jahr stößt ihr ihn mit der Nase darauf, dass seine Familie einen Bischof ermordet hat. Einen Bischof!« Nun hob er die Wimpern und sah in die um Verständnis bettelnden Augen Arbeos. Diese Augen, sie waren scheinbar nicht gealtert, seit er vor einem Vierteljahrhundert ihn, den Boten Pippins, in Baiern willkommen geheißen hatte. Das Feuer der Begeisterung entzündete sich in Arbeos Blick. Es schien, als würde ein harter dunkelbrauner Holzscheit zu einem hellen Haselnusszweig. Wo er ansonsten starr wie eine Statue lauschte, erzeugte die Leidenschaft nun knappe, kraftvolle Gesten.

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2004 © by Petra Buchwald

 

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