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Bischof
Arbeo trifft Bischof Virgil anlässlich der Versammlung der
Bischöfe Baierns im Jahr 770.
»Virgil? Glaubt auch ihr, dass ich Leben und Leiden
des heiligen Emmeran nur geschrieben habe, um dem Herzog
zu schaden?« Für Sekunden schloss Virgil seine Augen
fester. »Oh Arbeo«, stöhnte er. »Ich bin
ein alter Mann. Dieses Treffen hat mich müde gemacht. Fünf
Bischöfe, dreizehn Äbte, das bedeutet tagelange Diskussionen.
Gönnt mir doch dieses Dampfbad«. Angestrengt atmete
er durch den Nebel von warmer Luft. Der belebende Duft nach
Fichtennadel, durchmischt mit Kampfer und Thymian, wurde
zerstört durch den beißenden Geruch schweißnasser Haut.
Das Sitzbrett knarrte unter Arbeos Gewicht.
»Herzog
Tassilo ist verletzt. Im einundzwanzigsten Jahr seiner Herrschaft
habt ihr noch mit ihm zusammen und im besten Einvernehmen
das Kloster Innichen gegründet, um den slawischen Heiden
das Christentum zu verkünden. Und nun, im zweiundzwanzigsten
Jahr stößt ihr ihn mit der Nase darauf, dass seine Familie
einen Bischof ermordet hat. Einen Bischof!« Nun hob
er die Wimpern und sah in die um Verständnis bettelnden
Augen Arbeos. Diese Augen, sie waren scheinbar nicht gealtert,
seit er vor einem Vierteljahrhundert ihn, den Boten Pippins,
in Baiern willkommen geheißen hatte. Das Feuer der Begeisterung
entzündete sich in Arbeos Blick. Es schien, als würde ein
harter dunkelbrauner Holzscheit zu einem hellen Haselnusszweig.
Wo er ansonsten starr wie eine Statue lauschte, erzeugte
die Leidenschaft nun knappe, kraftvolle Gesten.
...
2004
© by Petra Buchwald
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