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Wolfram
ließ den schweren Vorhang zur Seite gleiten, der das
winzige Fenster seiner Kammer bedeckte und ihn vor der eisigen
Kälte und dem schneidenden Wind schützte. Er starrte hinaus,
bis seine Augen brannten. Immer wieder musste er mit dem
Ärmel darüber wischen, weil sie vor Tränen überliefen. Dicker
Raureif überzog die kahlen Bäume, deren knorrige Äste sich
wie dünne Arme in die Luft streckten. Still und verlassen
lag der Burghof da. Niemand wollte sich bei solch einer
Kälte draußen aufhalten. Nur eine einzige Magd überquerte
schleichend den Hof, um Wasser für die Küche zu holen. Ihre
Hände waren so feuerrot, dass Wolfram beinahe fühlen konnte,
wie sehr sie schmerzen mussten. Plötzlich kam Bewegung in
die Stille, Hufgetrappel ertönte und die Magd sah erschrocken
auf. Als die Reiterschar im Hof erschien, eilte sie hastig
davon. Wolfram atmete befreit auf. Der Herr von Eisenach,
Landgraf Hermann von Thüringen war zurück. Geschwind schnappte
er sich seinen mit Eichhörnchenfell gefütterten Mantel,
ein Geschenk des Grafen, und eilte nach unten. Auf der Treppe
stieß er beinahe mit seiner Herrin zusammen, die in Begleitung
ihrer Zofe ihrem Gemahl entgegeneilte. Wolfram verbeugte
sich galant, aber die Gräfin würdigte ihn keines Blickes,
ließ sich nicht einmal zu einem huldvollen Kopfnicken herab.
Zu oft hatte er sie wohl in den letzten Wochen zurückgewiesen
und damit wie es schien den Anspruch auf ihre Zuneigung
verwirkt.
Die
Erde des Burghofes war gefroren und die Pfützen vereist,
so dass der Weg zu einer Schlitterpartie wurde. Als Wolfram
schließlich seinen Herrn erreicht hatte, waren die Reisenden
bereits abgesessen. Hermann von Thüringen begrüßte seine
Frau höflich aber ohne erkennbare Herzenswärme. Die Gleichgültigkeit
der Eheleute beruhte auf Gegenseitigkeit, was aber nicht
bedeutete, dass der Graf einen Fehltritt seiner Gemahlin
gut geheißen hätte.
»Wolfram!« rief er freudig aus, als er seinen
Dichter erblickte.
»Willkommen Daheim, Mein Herr!«, erwiderte Wolfram
lächelnd und verbeugte sich.
»Seht nur, wen ich zu unserer Erbauung und sicher
auch zu Eurer Freude mitgebracht habe!«
Herman von Thüringen deutete auf einen eleganten, recht
bunt gekleideten Mann mit blonden Locken. Wolfram schätzte,
dass er ungefähr so alt sein mochte, wie er selbst, auch
wenn er fand, dass er durch die auffällige Kleidung jugendlicher
aussah. Neugierig betrachte er den Fremden, sein prächtiges
Pferd und den Stoffsack, den er in der Rechten trug. Wolfram
spürte ein winziges, kaum wahrnehmbares Lächeln um seinen
Mund spielen. Ein neues Opfer für die Landgräfin, ging es
ihm durch den Kopf und als er zu seiner Herrin sah, erkannte
er das lüsterne Aufleuchten in ihren Augen und fand sich
bestätigt. Dankbar und ein wenig mitleidig sah er den Fremden
an und grüßte mit einem eleganten Kopfnicken.
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2004
© by Katia Fox
Dieselbe
Autorin hat einen weiteren interessanten Text für die
zweite Anthologie (19. Jh.) verfasst:
S
e i d e n b r o k a t u n d C h
a m p a g n e r f r a p p é
von K a t i a F o x
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