DIE MARABOUT-SEITE
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Foto: Kamel Daoud
KAMEL DAOUD
(*1970)
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Literarisches Portrait: Kamel Daoud

DAS BESONDERE BUCH
Cover: DAOUD: MEURSAULT
DER FALL MEURSAULT
Roman
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1970
Am 17. Juni wird Kamel Daoud im algerischen Mostaganem geboren.
Kamels Mutter entstammt einer wohlhabenden Familie aus Mesra, sein Vater, ein Polizist, ist der Einzige in der Familie, der lesen kann und es Kamel beibringen wird, der als einziger von sechs Geschwistern studieren wird.
[1]

1970er und 80er
In der Schule wird Kamel ein einziges Narrativ ("a single story") nahegebracht: eine Schwarz-Weiß-Geschichte von unfehlbaren Mudschaheddin, die böse französische Siedler bekämpfen.[2]

1983
Im Alter von dreizehn Jahren hat Kamel ein einschneidendes Leseerlebnis. Aus seiner Lektüre sticht ein Werk besonders hervor: La Revivification des sciences de la religion (Die Wiederbelebung der Religionswissenschaften) von Abu Hamid al-Ghazali, einem persisch-islamischen Denker des elften und zwölften Jahrhunderts.
In dieser Zeit entstand der Wunsch, Schriftsteller zu werden oder aber Imam.[3]


1980er
In der Ära nach Präsident Boumediene wird durch seinen Nachfolger Chadli Bendjedid in Algerien der Boden für den Islamismus bereitet. Kamel Daoud, "ein junger islamischer Mystiker", lässt sich von seinem Geografielehrer für die Mitgliedschaft in einer islamistischen Zelle anwerben.[5]

1988
Nach seinem 18. Geburtstag distanziert sich Kamel Daoud wieder vom islamistischen Umfeld.[5]

1994
Nach dem Studium wird Daoud als Redakteur beim frz-sprachigen algerischen Journal Quotidien d'Oran tätig.

2002
Bibliografische Angabe Raina raïkoum, in Le Quotidien d’Oran veröffentlichte Artikel. Oran 2002.

2003
Bibliografische Angabe La Fable du nain (Die Fabel vom Zwerg), Erzählung. Oran 2003.

Cover: horen 267
die horen - 267
Zeitgenössische Literatur
aus Frankreich
Cover: DAOUD - ZABOR
Zabor ou Les Psaumes
frz. Original

2008
Bibliografische Angabe La Préface du Nègre (Das Vorwort des Negers), Erzählungen. Algier 2008.
Bibliografische Angabe L'Arabe et le Vaste Pays de ô... (dt: Auszug aus der titelgebenden Erzählung Arabisch und das weite Land von O. in: Den gegenwärtigen Zustand der Dinge festhalten. Zeitgenössische Literatur aus Frankreich. die horen. Göttingen 2017, S. 85–91), Erzählungen. Algier 2008.
Absatz Scheidung von der ersten Ehefrau, nachdem diese zusehends religiöser wird und beginnt, den Hidschab (Schleier) zu tragen.[4]
Absatz Ausgezeichnet mit dem Prix Mohammed Dib für den Erzählband L'Arabe et le Vaste Pays de ô.

2013
Bibliografische Angabe Meursault, contre-enquête (dt: Der Fall Meursault - eine Gegendarstellung; Übersetzung: Claus Josten. Köln 2016), Roman. Algier 2013 u. Paris 2014

2014
Ausgezeichnet mit dem Prix François-Mauriac de la région Aquitaine für Meursault, contre-enquête.
Absatz Ausgezeichnet mit dem Prix des cinq continents de la Francophonie für Meursault, contre-enquête.
Absatz Der Roman Meursault, contre-enquête wird in die Endausscheidung für den Prix Goncourt aufgenommen.

2015
Der Roman Meursault, contre-enquête wird mit dem Prix Goncourt du premier roman (für den ersten Roman) ausgezeichnet.

2016
Bibliografische Angabe Cologne, lieu de fantasmes (Köln, Ort der Fantasmen), Artikel in Le Monde vom 31.01.2016.
Bibliografische Angabe La misère sexuelle du monde arabe und The Sexual Misery of the Arab World (Das sexuelle Elend der arabischen Welt), zweisprachiger Artikel in: New York Times vom 12.02.2016.[6]

Cover: DAOUD - MES INDEPENDANCES
MES INDÉPENDANCES
frz. Original
2017
Bibliografische Angabe Mes Indépendances - Chroniques 2010-2016. Paris 2017.
Bibliografische Angabe Zabor ou Les Psaumes, Roman. Paris 2017.

2018
Ausgezeichnet mit dem Prix Méditerranée für den Roman Zabor ou Les Psaumes.

Kamel Daoud lebt mit seiner Familie in Oran.

 

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STIMME(N):
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"When I first visited Daoud at his apartment in a gated community on the outskirts of Oran, he was in his pajamas, watching television with his 12-year-old son. He was multitasking as he rattled off his latest news, typing out emails, checking his Facebook account, taking calls. He hardly looked up from his screen, and I feared that we would never get to talk. It would be easier, he said, if I stayed with him." - Adam Shatz, in: Stranger still.
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ANMERKUNGEN:
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1) Vgl. fr.wikipedia.org und Adam Shatz: Stranger still.

2)
Zuhause wird Kamel Daoud jedoch eine andere Geschichte erzählt: vom veramten Franzosen, vom katholischen Priester, der die Familie in Mangelzeiten ernährte, von frz. Soldaten, die lieber desertierten als zu foltern oder zu töten. - Vgl. Adam Shatz: Stranger still.

3)
Adam Shatz zitiert Kamel Daoud in seinem Artikel Stranger still mit den Worten: "Der Koran reichte mir nicht mehr. Er war nur das sichtbare Gesicht eines verborgenen Textes."
Und in Bezug auf den Berufswunsch sagt Daoud: "Es war ein Widerspruch, aber ich habe es nicht als solchen erfahren." - Übersetzung aus dem Englischen: J.K.


4)
Vgl. Adam Shatz: Stranger still.

5)
Vgl. Adam Shatz: Stranger still.

6) Insbesondere die hier - beispielhaft - angeführten Artikel des Jahres 2016 führten dazu, dass Kamel Daoud, der wegen seiner islamkritischen Töne im eigenen Land stark kritisiert wird, nun auch im Westen von linksintellektueller Seite scharf angegriffen wird.
In seinen Artikeln bedauert Daoud einerseits die rechtsextreme Sicht im Westen, die alle Einwanderer als potenzielle Vergewaltiger behandele, auf der anderen Seite richtet sich der größere Teil seiner Wut gegen die "naive" politische Linke, die die kulturelle Kluft, die die arabisch-muslimische Welt von Europa trennt, aus seiner Sicht bewusst ignoriert. Wesentlicher Teil dieser Kluft ist Daouds Meinung nach die unterdrückte Stellung der Frau in der islamischen Welt.
Der Berliner Tagesspiegel fasst Meinung und Gegenmeinung von und zu Daoud zusammen und berichtet von dessen Entschluss, sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen: "Silvester in Köln - Kamel Daoud will schweigen". Höhepunkt der Kritik aus dem westlichen Lager, so wird darin berichtet, seien drei Kernfehler in Daouds Analyse, die 19 prominente französische Intellektuelle, an Daoud gerichtet, aufzeigten:
Erstens entspreche es religiösem Essentialismus, wenn Daoud mit dem Begriff 'Land Allahs' einen geographischen Raum von Marokko bis Indonesien konstruiere. Zweitens übersehe er bei seinem westlichen, freiheitlichen Frauenbild die Ungleichheit der Frau im Westen und drittens psychologisiere er männliche muslimische Täter, ohne individuell, sozial, politisch und wirtschaftlich zu differenzieren.
Der Artikel endet mit dem Hinweis, Daoud habe sich mit einem Offenen Brief gegen besagte Vorwürfe gewehrt, worin er sein Dilemma beschrieben habe: "Als Kritiker maghrebinischer Theokratie gebe er Hass auf Muslimen Vorschub. Seine Konsequenz daraus: Schweigen." Dieses beziehe sich allerdings nicht auf seine literarische Produktion [wie unschwer obiger Werkauflistung zu entnehmen ist].
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Quellen:
fr.wikipedia.org
Adam Shatz: Stranger still, in: New York Times vom 5. April 2015

Fabian Federl, Silvester in Köln - Kamel Daoud will schweigen, Tagesspiegel vom 26.02.2016
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LINKS:
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Adam Shatz: Stranger still, in: New York Times vom 5. April 2015
Kamel Daoud: Das sexuelle Elend der arabischen Welt; Übersetzung eines Artikels, der zunächst in Le Mond und New York Times (The Sexual Misery of the Arab World) erschien
Silvester in Köln - Kamel Daoud will schweigen von Fabian Federl, Tagesspiegel vom 26.02.2016
"Saudi Arabia, an ISIS That Has Made It" - Kamel Daoud in der 'Opinion'-Kolumne der New York Times vom 20. Nov. 2015, in Englische übertragen von John Cullen.
2018 © by Janko Kozmus
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REZENSION(EN)
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Der verkleidete Tod (zu: Der Fall Meursault)
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Literarische Portraits von Autoren aus dem arabischen Raum auf der Marabout-Seite
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Arabische Themen in der Afrika-Chronik der Marabout-Seite
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