DIE MARABOUT-SEITE
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Chronik (1901-2016)

Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas * von innen und außen 

Jahreschroniken: 1961-1970

Stand: 12.02.11

 

Juli
1961
In Ibadan wird von einer Gruppe von Schriftstellern und anderen Künstlern der Mbari Club** gegründet. Neben den einheimischen Schriftstellern und Lyrikern Wole Soyinka, John Pepper Clark und Christopher Okigbo sowie dem Designer und Architekt Demas Nwoko, dem Maler Uche Okeke gehört Ulli Beier, der Herausgeber des Literaturmagazins Black Orpheus zu den Gründungsmitgliedern. Der südafrikanische Schriftsteller Ezekiel Mphahlele, der als ANC-Mitglied 1957 nach Nigeria emigrierte, ist der erste Präsident des Clubs.
11. Dezember
1961
Der  ägypt. Schriftsteller  Nagib Machfus wird 50 Jahre alt. - Das Geburtstagsfest wird in den Redaktionsräumen der ägypt. Zeitung Al-Ahram abgehalten.
Zugegen sind u. a. der als Erneuerer der ägypt. Literatur im 20. Jh. geltende Tawfiq Al-Hakim sowie - für das Geburtstagskind überraschend - die legendäre ägypt. Sängerin Umm Kulthum.
· (Al-Ahram Weekly, ÜE: J.K.)
25. Dezember
1961
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ABDOULAYE SADJI
NINI (in frz. Sprache)
In seiner unweit von Dakar gelegenen Geburtsstadt Rufisque verstirbt der senegalesische Romancier, Novellist und Essayist Abdoulaye Sadji. Einen seiner ersten Texte veröffentlichte der 1910 als Sohn eines Marabouts geborene Sadji im Gründungsheft von Présence Africaine. Bekannt geworden ist der Pionier der → Négritude vor allem durch seine Essays und die beiden Romane Maimouna (Paris 1953) und Nini, La Mulâtresse du Sénégal (Nini, Die Mulattin von Senegal. Paris 1954).
30. Januar
1962
Im Alter von nur 31 Jahren stirbt m Nordwesten  Angolas, in der Ortschaft Cambambe, die Dichterin portugiesischer Sprache Alda Lara - vollständiger Name: Alda Ferreira Pires Barreto de Lara Albuquerque.
Der Veröffentlichung ihrer Werke - die überwiegend posthum geschah - nahm sich ihr Eheman an, der Dichter Orlando Albuquerque:
Poemas (1966, Gedichte); Tempo da Chuva (1973, Zeit des Regens); Poesia (1979); Poemas (1984, Gesammelte Gedichte).
16. April
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Lieder von der verlorenen Heimat
1962
Knapp einen Monat nach der Unabhängigkeit  Algeriens von Frankreich stirbt im Alter von 56 Jahren der algerische Dichter Jean Amrouche in Paris.
J. Amrouche
JEAN AMROUCHE
In seinen Dichtungen über den Befreiungskampf schuf er die Gestalt des ewigen Jughurta. Besonderer Verdienst kommt ihm zu bei der Erhaltung oraler Berberliteratur, die er teilweise gemeinsam mit seiner Schwester Taos Amrouche und seiner Mutter Fadhma Aït Mansour Amrouche übertrug.
Juni
1962
Bei African Writers Series (AWS) erscheint das autiobiografische Werk Zambia Shall Be Free von Kenneth Kaunda, einem der führenden Kämpfer gegen die britische Kolonialmacht im Südlichen Afrika.
Gut zwei Jahre später - am 24. Oktober 1964 - wird Kaunda die erste Präsidentschaft (bis 1991) des unabhängig gewordenen  Sambia antreten.
11. - 17. Juni
1962
Am Makarere University College in Kampala, Uganda, findet die erste African Writers Conference (auch: African Literature Conference) statt. Maßgeblicher Organisator ist der südafrikanische Redakteur und Autor Ezekiel Mphahlele, der bereits seit Jahren im Exil lebt. Neben ihm waren u.a. anwesend  Chinua Achebe, Wole Soyinka, der ugandische Schriftsteller und Begründer des Transition Magazine Rajat Neogy, der kenianische Schriftsteller James Ngugi, der später unter dem Namen Ngugi wa Thiong'o Berühmtheit erlangen wird und  Lewis Nkosi, noch nicht als Autor, sondern als Berichterstatter.
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A Walk in the Night
ALEX LA GUMA
Bei dieser Konferenz wird dem südafrikanischen Autor Alex La Guma der literarische Durchbruch gelingen. Seine Novelle A Walk in the Night wird von den Teilnehmern stürmisch gefeiert. Neben den ernsten Diskussionsthemen rund um die Situation des afrikanischen Schriftstellers und seinem kolonialen Erbe überrascht das Treffen mit einem Eklat: Wole Soyinka versucht, zum Leidwesen der frankophonen Beobachter, Senghors literarisch-politisch-philosophischen Ansatz der Négritude ins Lächerliche zu ziehen, indem er den ironischen Begriff der Tigritude prägt, ein Tiger laufe ja auch nicht herum und verkünde seine Tigritude, er springt. - Lewis Nkosi wird Wochen später (am 8. August) im britischen Guardian über diese denkwürdige Veranstaltung berichten, wo er von "literary cut-throats" reden wird, bezogen vor allem auf die "bissige Konkurrenz", die vor allem unter den jungen Teilnehmern vorherrschend gewesen sei.
22. Juni
1962
Im Alter von 53 Jahren stirbt der tansanische Schriftsteller Shaaban Robert. Er gilt als der bedeutendste suahelisprachige Autor Ostafrikas und als Begründer der tansanischen Nationalliteratur.
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AUTOBIOGRAPHIE
in frz. Sprache
Werke (Bibliogr. nach Jahn a.a.O):
  Maisha yangu (Mein Leben). Prosa u. Lyrik. Edinburg 1949
  Pambo la lugha (Schönheit der Sprache). Lyrik. Johannesburg 1947
  Kusadikika nchi iliyo angani. (Glauben an das Sonnenland). Erzählung. London 1951
  Adili na nduguze. (Adili und seine Brüder). Erzählung. London 1952
  Marudi mema (Gute Ratschläge). Lyrik. London 1952
  Maisha ya Siti binti Saad, nwimbaji wa Unguja (Das Leben der Siti binti Saad, der Sängerin von Sansibar). Biographie. Arusha 1958 (Supplement to the East African Swahili commitee journal, no. 28/1, January 1958)
  Kufikirika (Erdichtungen in Prosa) - Erzählungen Manuskript
  Mashairi mengine (Weitere Gedichte) - Lyrikmanuskript
  Utenzi wa vita vya uhuru (Versgeschichte des Standhaltens im Kampf um die Freiheit) - Lyrikmanuskript
  Utubora (Menschenwert) - Romanmanuskript
27. September
1962
Im Zentrum von Kairo wird der künftige Schrftsteller Khaled al-Khamissi geboren; sein Großvater ist der Dichter und Schriftsteller Moufid El Choubachi.
28. Dezember
1962
ln der in der Landesmitte gelegenen Provinz Zambézia von  Mosambik wird der spätere Dichter Armando Artur geboren.
8. Februar
1963
Bei einem gemeinsamen Putsch von Baath-Partei und Offizieren im Irak wird der bisherige Machthaber Abd Al Karim Qasim erschossen, sein Gegenspieler Abd As-Sallam Aref setzt sich an die Spitze des Militärregimes.
Der spätere Schriftsteller
Najem Wali  ist gerade sieben Jahre alt. Jahrzehnte später wird er sich in einem Interview daran erinnern, dass dieser Putsch sich auch in Basra, wo er mit seiner Familie lebte, bemerkbar machte und eine fatale Auswirkung auf deren Geschichte besaß: Seine häufig erkrankte Mutter war zu diesem Zeitpunkt wegen einer wiederholten Operation im Krankenhaus. Nach dem Putsch musste sie dieses verlassen, um den vielen Verwundeten Platz zu machen. Als nächstes musste der junge Najem mit ansehen, wie die Ärztin, die seine Mutter bereits einmal operiert hatte und die er wie eine Heilige verehrte als Gefangene in das neben dem eigenen liegende Haus gebracht wurde. Das ehemalige Haus des Vorstehers des Viertels war in ein Frauengefängnis umgewandelt worden. Nachts seien die Frauen abtransportiert und außerhalb der Stadt gefoltert worden. "Wenn sie spät nachts zurück gebracht wurden, habe ich sie gesehen. Ich habe durch das Fenster geschaut, denn ich konnte nicht schlafen". Über die Dächer habe Najem von seiner Mutter zubereitete Sandwiches zu den Frauen gebracht. - Vgl. Najem Wali im Gespräch mit Armin Kratzert, br-online v. 9.01.2006
März
1963
Zehn Jahre nach seiner Publikation beschreibt der guineische Romancier Camara Laye in einem Seminar für Afrikanische Literatur im senegalesischen Dakar die Entstehung seines ersten Buches L'Enfant noir (Das schwarze Kind).
Fast zufällig sei das Werk entstanden, weder eine kreative Mission noch ein polemisches Interesse standen dahinter, sondern nur die Absicht, die Ermüdung zu verbannen, seinen Spleen als armer Expatriierter in Paris loszuwerden, indem er seine Nostalgie besiedelte mit der noch scharfen Erinnerung an sein Land und sein Volk.· (Vgl. African Literature in French, ÜE: J.K.)
15. März
1963
Eine Woche nach seinem 50. Geburtstag wird der  algerische Schriftsteller frz. Sprache Mouloud Feraoun beim Anschlag der rechtsextremen frz. Terrorbewegung O.A.S (Organisation de l'armée secrète) auf das Château Royal bei Algier ermordet. -
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VERGELTUNG
UNTER TAGE

Zu seinen bekanntesten Werken zählen die beiden preisgekrönten Romane Le fils du pauvre (1950, Der Sohn des Armen) und La Terre et le sang (1953, dt: Vergeltung unter Tage, auch: Die Heimkehr des Amer-U-Kaci).
10. August
1963
Der spätere Schriftsteller Moses Isegawa wird im ugandischen Kawempe geboren.
28. Oktober
1963
Anderthalb Jahre nach der Unabhängigkeit Algeriens wird die Union der algerischen Schriftsteller gegründet; Gründungsmitglieder sind u.a. Malek Haddad,  Mouloud Mammeri und Mourad Bourboune.
9. Dezember
1963
Im Alter von ungefähr 60 Jahren stirbt mit Daniel Olorunfemi Fagunwa der Begründer des Romans in der Sprache der Yoruba. Fünf Jahre später wird Wole Soyinka, der diesen Autor schon als Schüler bewunderte, sein Werk Ogboju Ode Ninu Igbo Irunmale*** frei ins Englische übersetzen: The Forest of a Thousand Daemons: A Hunter's Saga (Der Wald der tausend Dämonen: Eine Jägersaga).
31. Mai
1964
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A Life Full of Holes
In der New York Times erscheint die Besprechung des Romans A Life Full of Holes [dt: Ein Leben voller Fallgruben. Nördlingen 1985] von Driss ben Hamed Charchadi [auch: Larbi Laryachi]. Aufgenommen in arabischem Dialekt und übersetzt von Paul Bowles. 310 S. New York: Grove Press. $5. Überschrieben ist die Rezension mit dem Titel:
In Allahs Obhut
Der Autor dieses Buches, Driss ben Hamed Charchadi, beginnt der Rezensent Haskel Frankel, sei ein analphabetischer Diener in Tanger,
 Marokko. Trotz seiner Qualifikation für den "Preis des unwahrscheinlichsten Romanciers aller Zeiten," fährt er ironisch fort, habe er, dank  Paul Bowles' Kassettenrecorder, den ersten Roman "geschrieben", der je in Maghrebinisch, einem arabischen Dialekt in Nordafrika, produziert wurde.
Die Geschichte des Ahmed ("der sich vielleicht als Charhadi selbst herausstellen würde, wären nur genügend Fakten über den Autor für einen Vergleich erhältlich") beginne mit dessen Erlebnissen im Überlebskampf als Achtjähriger. In der Folge verweist Frankel auf die Einfachheit des Erzählstils. Doch dauere es nicht lange und der Leser passe sich der "salzlosen Prosadiät" an und werde sich der "poetischen Einfachheit" bewusst, die sich "durch Sanftheit schlängele". "Charhadi (oder ist es Bowles?) schweift nie vom Hauptthema der Erzählung ab, Ahmeds täglichen Überlebenskampf." Nach einer Reflexion über den fiction/nonfiction-Gehalt dieses Buches, sagt Frankel abschließend, die Charhadi-Bowles-Zusammenarbeit möge auf den ersten Blick als Kunstgriff erscheinen, sei aber weit davon entfernt, der "Roman" beanspruche weit mehr Platz im Buchregal als so viele konventionelle Produkte lokaler Literaturarbeiter.
· (NYT, ÜE: J.K.
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19. September
1964
 Yvonne Vera, die spätere englischspr. Schriftstellerin, wird in Bulawayo, Rhodesien [heutiges Simbabwe], geboren.
24. Dezember
1964
Im Alter von nur 38 Jahren stirbt der irakische Dichter Badr Shakir al-Sayyab.
In seinen sieben Gedichtsammlungen hat er sich neben seinen Landsleuten Nazik al-Malai’ka und
 Abdul Wahab al-Bayati als Neuerer der arabischen Versform bewiesen.
 
1965
Der Grand Prix littéraire de l'Afrique noire geht in diesem Jahr an  Mali; ausgezeichnet wird Seydou Badian (Kouyaté) für Les Dirigeants africains face à leurs peuples (Die afrikanischen Führer im Angesicht ihrer Völker).
 
1965
In Soubré, Côte d'Ivoire, wird die spätere Schriftstellerin  Fatou Keita geboren.
7. Juli
1965
In Soweto, im Stadtteil Orlando, wird der spätere südafrikanische Rapper und Dichter Lesego Rampolokeng geboren.
1. August
1965
In Hoima, im Osten Ugandas, wird die künftige Schriftstellerin Goretti Kyomuhendo geboren.
27. November
1965
Als Tochter eines irakischen Vaters und einer schottischen Mutter wird die künftige Schriftstellerin Betool Khedairi in Bagdad geboren.
Anfang
1966
In Rabat, Marokko, erscheint die erste Nummer der frz.-sprachigen avangardistischen Vierteljahresschrift Souffles (Atemzüge).
Herausgegeben wird sie von dem Lyriker Abdellatif Laâbi. Neben seinen Gedichten stehen mehrere andere der Autoren Hamid El Houadri, Mohammed Fatha,
Mohammed Khaïr-Eddine und El Mostafa Nissaboury. Außerdem beinhaltet die erste Nummer Auszüge einer Korrespondenz zwischen El Mostafa Nissaboury und Mohammed Khaïr-Eddine sowie einen vom Herausgeber verfassten Prolog.
 
1966
In Beirut erscheint das Buch Mawsim al-Hijra ila al-Shamal (dt: Zeit der Nordwanderung. Basel 1998) des Sudanesen Tayyib Salih (Tajjib Salich) .-
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Zeit der Nordwanderung

  In dem kleinen sudanesischen Dorf, in das sich Mustafa Said, der Protagonist des Romans, zurückzieht, ahnt zunächst niemand von seiner vorangegangenen Odyssee. In betrunkenem Zustand verrät er sich fast und der Ich-Erzähler, ein junger Mann, der gerade sein Studium in England beendet hat, beginnt ihn zu hinterfragen. Um Schlimmerem vorzubeugen, erzählt Mustafa Said diesem seine Geschichte, von der Wanderung in den Norden, seinen wissenschaftlichen Erfolgen in Europa und bei dessen Frauen, die er mit orientalischer Schlitzohrigkeit zu gewinnen versteht, nur um sie wieder zu verlieren. - Zeit der Nordwanderung wird zukünftig den Stellenwert eines Klassikers der Begegnung, realistischer ausgedrückt: des Aufeinanderprallens von afrikanischer Tradition mit der westlichen Moderne einnehmen.
 
1966
Der Roman No Easy Task (Keine leichte Aufgabe) des 1926 geborenen Schriftstellers und Journalisten Aubrey Kachingwe aus  Malawi erscheint; das Buch beschreibt den Kampf um Unabhängigkeit in dem fiktiven afrikanischen Land Kwacha, erzählt wird aus der Sicht des Journalisten Jo Jozenzi.
1.- 24. April
1966
Auf Initiative des senegalesischen Präsidenten Léopold Sédar Senghor findet in Dakar das erste Festival mondial des Arts nègres (Weltfestival der Negerkünste) statt. Unter den Teilnehmern befinden sich Duke Ellington, André Malraux, Joséphine Baker, Alioune Diop, Ousmane Sembène, Katherine Dunham, Langston Hughes, Aimé Césaire sowie Taos Amrouche.
April
1966
Schon die zweite Nummer der frz.-sprachigen, marokkanischen Vierteljahresschrift Souffles (Atemzüge) geht über den beabsichtigten lyrischen Rahmen des Herausgebers Abdellatif Laâbi hinaus.
Neben Gedichten von El Mostafa Nissaboury, Hamid el Houadri und Abdelkébir Khatibi finden sich Prosatexte von
 Mohammed Khaïr-Eddine und Ahmed Bouânani, Besprechungen und Analysen von Mohammed Jabir, Bernard Jakobiak und Abdellah Stouky, der vom ersten "Weltfestival der Negerkünste" - "le festival mondial des arts nègres ou les nostalgiques de la négritude (Das Weltfestival der Negerkünste oder die Nostalgie der Négritude)" in Dakar,  Senegal, berichtet. Daneben stehen Dossiers zum marokkanischen Film. Insgesamt wird der Ton kritischer, die Rede ist unter anderen von einer "Dekolonisation der Geschichte".
29. Juli
1966
In Rose Hill,  Mauritius, wird die künftige, in Kreol und Französisch schreibende Schriftstellerin Shenaz Patel geboren.
zeit

los
Afrikanische und arabische Sprüche und Weisheiten:

13. Dezember
1966
Im Kairoer Stadtviertel Helwan al-Hammamat wird der künftige ägyptische Filmer und Autor Mustafa Zikri geboren.
Januar
1967
In der ersten Nummer der südafrikanischen Monatsschrift Sechaba, herausgegeben vom ANC, findet sich unter vielen Artikeln, die die Situation im Lande wie auch in der Region Südliches Afrika kritisch und aus Sicht des Kampfes gegen das System der Apartheid beschreiben, eine Grußadresse von Indira Ghandi und auf einer der letzten Seiten, der Zitate-Seite, folg. kleiner, sehr interessanter Artikel:
"Die Jugendpolizei"
 Südafrika besitze ungefähr 10.000 Jugendpolizisten, heißt es da, weiße Jungs im Alter zwischen zwölf und achtzehn Jahren, die der "Polizei bei ihrer Arbeit aktiv helfen". "Geformt in Zellen mit dramatischen Namen wie ‚The Lion Gang' und ‚The Midnight Leopards', haben die Jugendlichen die Macht zu verhaften. 1966 verbrachten vier Jugendpolizisten ihre Ferien damit, durchschnittlich 15 Afrikaner täglich zu verhaften, hauptsächlich wegen Pass- und Steuerverstößen." Diese Jugendzellen, gebildet seien sie auf der Basis vergleichbar der berüchtigten Hitlerjugend, seien von dem Boys-Magazin PATRYS eingeladen worden, das vom Verlagshaus "Voortrekkerpers" herausgegeben werde, dem bis zu seinem Tod Hendrik Verwoerd vorstand. · (Sechaba, ÜE: J.K.)
März.
1967
Die zukünftige in Afrikaans schreibende namibische Schriftstellerin Anoeschka von Meck wird in Mariental geboren.
5. Juni
1967
Am ersten Tag des sog. Sechstagekriegs zwischen Israel auf der einen und  Syrien,  Ägypten und Jordanien auf der anderen Seite wird der palästinensische Dichter Samih Al Qassem gemeinsam mit anderen Genossen verhaftet und im Mount Carmel Gefängnis von Haifa inhaftiert. Erst hier wird er Mitglied der KP Israels, hatte allerdings schon seit ca. zwei Jahren mit der Partei sympathisiert und Pressearbeit geleistet. (Vgl. Roger Hardy: Palestinian Writers in Israel, in: Boston Review, Dez. 1982)
5. - 10 Juni
1967
In den ersten Tagen der Wirren des sog. Sechstagekriegs verlässt der künftige Schriftsteller Farouk Wadi im Alter von 18 Jahren seine Heimat, die Zwillingsstädte Ramallah/al-Bireh in der Westbank, um nach dem Wunsch seiner Eltern in Kairo sein Abitur zu absolvieren. Erst 30 Jahre später wird er seine Heimat wiedersehen.
- Am Ende des Krieges wird Israel den Gazastreifen, den Sinai, die syrischen Golanhöhen und die Westbank kontrollieren.
26. Juni
1967
In Madagaskars Hauptstadt Antananarivo wird der spätere Schriftsteller frz. Sprache Jean-Luc Raharimanana geboren.
5. Juli
1967
In der Luapula Provinz, Sambia, wird der spätere Dichter und Romanautor Malama Katulwende als erstes von acht Kindern geboren.
August
1967
Gemeinsam mit zwei Freunden trifft Gamal al-Ghitani im Kairoer Café al Fishawi auf Nagib Machfus. Die Drei reden über das, was passiert war und was noch passieren könnte, plötzlich macht Machfus eine Bemerkung. Sie sehen zu ihm, er sagt:
"Ich werde euch meine Meinung sagen, und ich weiß, sie könnte euch verstören." Sie lauschen noch hingebungsvoller. Er sagt:
"Wenn wir nicht das Potenzial haben, Israel militärisch zu begegnen, müssen wir versuchen, ein Mittel zu finden, ein Abkommen zu Wege zu bringen".- Gamal al-Ghitani, zitiert nach seinem Buch The Mahfouz-Dialogs in der engl. Übersetzung v. Humphrey Davis.
September
1967
Im Alter von 35 Jahren fällt Christopher Ifekandu Okigbo, Major der Armee Biafras, die sich im Krieg mit den nigerianischen Truppen befindet. Diese starteten am 6. Juli ihren ersten Angriff gegen Biafra, das in Person des Militärgouverneurs Chukwuemeka Odumegwu, Angehöriger der Igbo, am 30. Mai seine Unabhängigkeit von Nigeria erklärt hatte. Voraus gegangen waren Pogrome von moslemischen Volksgruppen im Norden Nigerias an christlichen Igbos, die zur Abwanderung dieser in den Osten, wo hauptsächlich christianisierte Igbos leben, führten.
Bis zum Kriegsausbruch betrieb Okigbo gemeinsam mit  Chinua Achebe einen Verlag und publizierte unter dem Namen Christopher Okigbo - viel beachtete - Gedichte u.a. in dem von Ulli Beier herausgegebenen Literaturmagazin Black Orpheus. Als Buchveröffentlichungen erschienen zu seinen Lebzeiten: Lebzeiten: Heavensgate (Himmelstor). Ibadan 1962
Limits (Grenzen). Ibadan 1964
Silences (Stillen, 1965)
13. Oktober
1967
In Kafanchan, im Norden  Nigerias, wird der spätere Schriftsteller Biyi Bandele-Thomas geboren.
18. Oktober
1967
Eugénio de Paula Tavares

100. Geburtstag des im Alter von 62 Jahren 1930 auf der kapverdischen Insel Brava verstorbenen Dichters Eugénio Tavares.

Der vollständige Name des in klassischem Portugiesisch und - als einer der ersten überhaupt - in Kreol (der Ilha da Brava) Schreibenden lautet:
Eugénio de Paula Tavares.
Zu seinen Werken zählen Amor Que Salva (Die Liebe die rettet) und O Mal de Amor (Das Böse der Liebe).
Eugénio Tavares machte sich auch als Komponist der typischen kapverdischen Klagelieder, der Mornas, einen Namen. Seine Lieder wurden nach seinem Tod gesammelt und als Morna: Cantigas Crioulas (Morna: Kreolische Lieder) publiziert.

12. März
1968
Mit diesem Tag endet die anderthalb Jahrhunderte währende Abhängigkeit von  Mauritius von Großbritannien.
Eines der Gedichte des 1933 in Mauritius' Hauptstadt Port Louis geborenen Dichters und Schriftstellers Jean George Prosper dient als Textvorlage für die Nationalhymne des Inselstaats.
20. Juni
1968
Die spätere Schriftstellerin  Miral al-Tahawi wird in der Provinz Sharqiya als Tochter ägyptischer Beduinen geboren.
Herbst
1968
Der erste senegalesische Präsident Léopold Sédar Senghor wird mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.****
16. Mai
1969
In Kokologho,  Burkina Faso, verstirbt knapp 60-jährig der um 1909 in Bwan geborene Schriftsteller und Politiker Nazi Boni.
Ab 1931 arbeitete Boni als Lehrer. Zehn Jahre später wurde er Direktor der Grundschule in Treichville, doch bald als kritischer Geist von der Kolonialmacht zum ersten Mal, und von da an immer wieder, versetzt. Aktive politische Arbeit in der länderübergreifenden, panafrikanisch ausgerichteten Bewegung Rassemblement démocratique africain (RDA). Als Deputierter für Obervolta wurde Boni 1948 ins französische Parlament in Paris gewählt und 1957 erhielt er den Vorsitz des neugeschaffenen Parlaments von Obervolta, musste diesen allerdings wegen politischer Meinungsverschiedenheiten mit dem damaligen Premierminister Daniel Ouezzin Coulibaly wieder abgeben. 1964 schrieb er mit Crépuscule des temps anciens (Abenddämmerung der Alten Zeiten, 1964) den ersten Roman seines Landes. Weitere Werke:
Chronique du Bwamu (1962)
Fondements traditionnels et modernes des pouvoirs en Afrique (Grundlagen traditioneller und moderner Mächte in Afrika, 1969) Histoire synthétique de l'Afrique résistante (1971).
25. Mai
1969
Im   Sudan wird durch einen Staatsstreich des linksgerichteten Oberst Dschafar An Numeiri die zweite Amtszeit des Premiers  Muhammad Ahmad Mahdschub (auch Mahgoub), der neben seiner Tätigkeit als Politiker auch als Lyriker Bekanntheit erlangte, beendet.
27. Oktober
1969
In   Ugandas Hauptstadt Kampala wird der spätere kath. Priester und sudanesische Erzähler John Oryem geboren.
17. Juni
1970
Als einziger Sohn eines Polizisten wird in Mostaganem, einem Ort an der westlichen Mittelmeerküste Algeriens, der künftige Schriftsteller Kamel Daoud geboren.
22.-23. Juni
1970
Endgültiger Beschluss des Ständigen Büros Afro-Asiatischer Schriftsteller: Es werden ausgezeichnet mit dem
Lotus-Preis für Afro-Asiatische Literatur
- im Jahr 1969:
    (1) Mahmoud Darwish (Lyriker, Besetztes Palästina)
    (2) Alex La Guma (Afrikan. Schriftsteller, Südafrika)
    (3) To Huy (Romancier, Vietnam)
- im Jahr 1970:
    (1) Frau Zulfia (Lyrikerin, Sowjetunion)
    (2) Bachchan (Lyriker, Indien)
    (3) Agostinho Neto (Führer und Lyriker, Angola)
- Dokumentiert in: Lotus, Ausgabe 8, April 1971.
21. Juli
1970
Der bei Paris lebende  alger. Schriftsteller Mohammed Dib wird 50 Jahre alt.
18. August
1970
In der syrischen Mittelmeerstadt Jableh wird die künftige Journalistin und Schriftstellerin Samar Yazbek geboren. 
28. (22.?) August
1970

30. Geburtstag des in Bandiagary, in der Dogon-Region von Französisch-Sudan [heute: Mali] in eine einflussreiche Familie hineingeborenen Schriftstellers frz. Sprache Yambo Ouologuem. Sein Vater war Landbesitzer und Schulinspektor.

1968 veröffentlicht er den Roman Le Devoir de violence (dt: Das Gebot der Gewalt, 1969), der im selben Jahr mit dem renommierten Prix Renaudot ausgezeichnet wurde.

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Anmerkungen:
* inkl. arabischer Raum
** Mbari ist ein Wort aus der Sprache der Igbo (Ibo) und bedeutet Kreation/Schöpfung/Gestaltung; es bezieht sich auf die traditionellen, bemalten Lehmhäuser in dem Gebiet, die periodisch erneuert werden mussten.
***  Daniel Fagunwas Werk
Ogboju Ode Ninu Igbo Irunmale (engl.The Forest of a Thousand Daemons: A Hunter's Saga) wird Jahrzehnte später von der Jury des internationalen Buchfestivals in Harare/Simbabwe zu einem der 100 besten afrikanischen Bücher des 20. Jahrhunderts gewählt:
Nach einem Vorschlag von Professor Ali Mazrui wurde im Jahr 2000 begonnen, auf internationaler Basis eine Liste zu erstellen. Aus ca. 1700 Titeln wurde eine Shortlist von ca. 500 erarbeitet. Schließlich wurden aus der veröffentlichten Liste im Februar 2002 unter dem Vorsitz des südafrikanischen Autors und Literaturwissenschaftlers Njabulo S. Ndebele die besten Bücher ausgewählt, die nun als die 100 besten Werke afrikanischer Literatur des 20. Jh.s gelten.

**** Schon im Vorfeld dieser Auszeichnung hatte es Proteste gegen diese Entscheidung gegeben. Einer der Wortführer der Kritik, die in dem Vorwurf gipfelte, Senghor sei ein "afrikanischer Ideologe des Kolonialismus und Neokolonialismus", war der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS). Einige SDS-Mitglieder wurden wegen "Rädelsführerschaft" zu Haftstrafen verurteilt, ebenso wie der franz. Studentenführer Daniel Cohn-Bendit. Er übersprang bei der Demonstration eine Polizeiabsperrung, wurde festgenommen und in einem Eilverfahren zu 8 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Später wurde die Strafe auf 2 Monate Haft auf Bewährung reduziert.
ÜE: J.K. --> Übersetzung aus dem Englischen: Janko Kozmus ©
ÜF: J.K. --> Übersetzung aus dem Französischen: Janko Kozmus ©

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Quellen:

.. .  Sach- und Personenregister
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