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CHRONIK
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1988
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Zur
Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas*
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von
innen und außen
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mit
aktuellen Hinweisen zum Literaturbetrieb |
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Stand:
28.11.07
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5.
Januar
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1988
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Der
→ kenianische
Schriftsteller →
Ngugi wa Thiong'o
wird 50 Jahre alt. |
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27.
Januar
29. Januar
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1988
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In Bamako stirbt der malische Schriftsteller Massa Makan Diabaté.
Zwei Tage später berichtet die frz. Tageszeitung Le Monde
darüber. Massa Makan Diabaté sei am Mittwoch im Alter
von 50 Jahren verstorben. Er habe in → Guinea
und in Paris studiert, bevor er sich dem Schreiben und der Veröffentlichung
von Werken gewidmet habe, die der Tradition der Malinké verpflichtet
sind.
Etwa ein Dutzend seiner Bücher sind in Frankreich veröffentlicht
worden und noch erhältlich. Das letzte, L'Assemblée
des djinns (Die Versammlung der Dschinnen), ist 1985 erschienen.
(...)
· (Le Monde, ÜF:
J.K.) |
29.
Februar
(Ende 1988?**)
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1988
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In
Beirut verstirbt knapp hundertjährig der → libanesische Schriftsteller,
Dramatiker, Essayist und Biograf Michail Nuaima.
Nuaima lebte in den Jahren 1911-32 in den USA. Zwei Jahre später
erschien seine → Khalil
Gibran-Biografie; sein berühmter Landsmann lebte ja bekanntermaßen
ebenfalls (seit seiner Kindheit) in den USA, in New York. Als Nuaimas
eigentliches Verdienst aber gilt die Schaffung der Grundlagen einer
sich am europäischen Vorbild orientierenden arabischen Literaturkritik. |
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6.
März
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1988
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Der 1922 geborene Historiker, Pädagoge und englisch schreibende
Autor Stanlake J. W. T. Samkange stirbt in seiner Heimat → Simbabwe.
In den 60er Jahren wanderte er enttäuscht von der Politik in
seiner Heimat in die USA aus, wo er studierte und später Afrikanische
Geschichte lehrte, aber auch eine PR-Firma gründete. 1978,
zwei Jahre vor der Unabhängigkeit Rhodesiens, kehrte Samkange
in seine Heimat zurück. Neben wissenschaftlichen Werken verfasste
er zahlreiche historische Romane:
On Trial for My Country (Vor Gericht für mein Land) 1966
The Mourned One (Der/Die Trauernde) 1968
Year of the Uprising (Jahr des Volksaufstands) 1978
Among Them Yanks (Unter diesen Yankees) 1985
On Trial for That UDI (Vor Gericht für diese Unilaterale Unabhängigkeitserklärung);
1986 |
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1988
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| Tchicaya
U-Tam'si
Gedichte frz. /deutsch |
In
Bazancourt bei Paris stirbt der in Französisch schreibende
Dichter und Schriftsteller Gérald-Félix Tchicaya U-Tam'si aus
der → Republik
Kongo.
Sein Leben ist geprägt vom Exil und der Teilung seiner Heimat.
Geboren 1931 in M'Piti, in Französisch-Kongo [heute: Republik
Kongo], in dessen zweitgrößter Stadt Point-Noire er
auch seine Kindheit verbringt. 1946 nimmt der Vater den Fünfzehnjährigen
mit nach Paris, wohin er als erster schwarzer Abgeordneter des
Mittelkongo (Moyen Kongo), nun französisches Überseeterritorium,
berufen ist.
Tchicaya U-Tam'si schlägt sich mit Gelegenheitsarbeiten durch,
wird schließlich Journalist. 1960, dem Jahr als sowohl Französisch-,
als auch Belgisch-Kongo unabhängig werden, geht er als Berichterstatter
in den Kongo zurück, nicht aber in die Republik Kongo, wo
er geboren ist, sondern nach Kinshasa, dem ehemaligen Leopoldville,
der Hauptstadt von Belgisch-Kongo und der jetzigen Demokratischen
Republik Kongo, wo er drei Monate lang für die Tageszeitung
Le Congo arbeitet.
Er unterhält enge Kontakte zu Patrice Lumumba, dem Panafrikanisten
und ersten Ministerpräsidenten der unabhängig gewordenen
Demokratischen Republik Kongo. Nach dessen Ermordung, nur wenige
Monate später, kehrt er nach Paris zurück, um fortan
im Dienst der
→
UNESCO zu stehen.
- Vgl. Moore,
Twelve African Writers, a.a.O.
1955 wird sein erstes Buch veröffentlicht, die Gedichtsammlung
Le Mauvais Sang (Paris 1955; dt: Böses Blut,
Aachen 1993), dessen Titel nicht zufällig einem Gedicht von
Arthur Rimbaud aus Une saison en enfer (Ein/e Aufenthalt/Zeit
in der Hölle) entlehnt ist***.
Von seinen vier Romanen liegt der historische Roman Les Méduses
(1982; dt: Das Geheimnis der Medusen. Ostberlin 1986) in
dt. Übersetzung vor. Weitere Romane:
Les Cancrelats (1980, Die Kakerlaken)
Les Phalènes (1984, Die Spanner)
Ces fruits si doux de l'arbre à pain (1987, Die so zarten
Früchte des Brotbaumes) |
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zeit
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los
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Afrikanische und arabische Sprüche und Weisheiten:
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14.
Oktober
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1988
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Datiert mit "Stockholm, 13. Oktober", meldet die Frankfurter
Allgemeine Zeitung auf der ersten Seite von der Wahl des Nobelpreises
für Literatur, die auf den Ägypter → Nagib Machfus
gefallen ist. "Er ist der erste mit dem Nobelpreis ausgezeichnete
Schriftsteller mit der Muttersprache Arabisch." Sein Werk, fährt
der Bericht fort, umfasse 40 Romane und Novellensammlungen. Machfus
habe, zitiert die Tageszeitung die Begründung des Komitees,
"durch nuancenreiche Werke von bald scharfsinniger Wirklichkeitsnähe,
bald suggestiver Vieldeutigkeit eine arabische Romankunst von
allgemeinmenschlicher Gültigkeit geprägt". Der Preis
ist mit umgerechnet knapp 725.000 DM dotiert. · (FAZ) |
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Oktober
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1988
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Am 16. Oktober treffen sich die Schriftsteller
→ Tahar Djaout
→ Rachid
Mimouni, →
Tahar Djaout, → Merzak Baghtache,
A. Boubakir und Djilali Khellas, von dem diese Initiative ausgeht,
um eine freie algerische Schriftstellervereinigung zu gründen.
Wie Khellas Jahre später für die algerische Tageszeitung
El Watan berichten wird, trifft man sich im Büro
des Kulturzentrums der Wilaya Algier, dessen Vorsitzender Khellas
ist. Da die Zeiten schwierig sind, Präsident Chadli hat bereits
den Ausnahmezustand verhängt, bemüht man sich, das Vorhaben
geheim zu halten, doch jemand benachrichtigt die ausländische
Presse. Das Klima von Spannungen und Streitigkeiten lässt laut
Khellas das Projekt scheitern. - Vgl. Djilali Khellas, Rachid Mimouni,
le fidèle (Rachid Mimouni, der Treue) in El Watan v. 02.05.05. |
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1988
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Nach sechseinhalb Jahren Haft unter dem repressiven Regime von Daniel
arap Moi wird der kenianische Historiker und Autor Maina wa Kinyatti
freigelassen.
Er wird → Kenia
verlassen und sich zunächst in New York niederlassen. (Vgl.
PEN, American Center) |
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14.
November
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1988
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Proklamation des Palästinensischen Staates in Algier. Als einer
der Mitverfasser zeichnet in seiner Funktion als Mitglied des Palästinensischen
Nationalrats (1987 bis 1993) der Dichter
→ Mahmoud Darwish. |
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1988 |
In der frz. Tageszeitung Le Monde geht der marokkanische
Schriftsteller → Tahar Ben Jelloun
auf den ägyptischen Romancier → Nagib Machfus
ein, auf den die Wahl für den diesjährigen Literaturnobelpreis
gefallen ist. Er schreibt, der ihm zugesprochene Nobelpreis habe
Nagib Machfus nicht verändert. Er habe seine Gewohnheiten sogar
gefestigt und seine Bescheidenheit verstärkt. "Machfus ist
einfach geblieben, er fährt fort, ein geregeltes Leben zu führen
und die Treue zu seinen Freunden ist ihm absolut wichtig. Er frequentiert
dasselbe Café, schreibt zu denselben Stunden, nimmt sich
die Zeit, stehenzubleiben und die Leute seines Viertels zu grüßen,
die ihm sicher als Vorlage gedient haben für seine Romanfiguren.
"Und", so Ben Jelloun, "der → ägyptische
Schriftsteller wird nicht in Stockholm sein, um seinen Nobelpreis
in Empfang zu nehmen. Am 10. Dezember wird er mit seinen Freunden
im Café sein." (...)
· (Le Monde, ÜF:
J.K.) |
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Dezember
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1988
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ln →
Mosambik
wird der spätere Dichter →
Eusébio Sanjane geboren. |
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Anmerkungen:
*
inkl. arabischer Raum
** unterschiedliche Quellenangaben:
Im Internet kursiert als Todesdatum der 29. Februar 1988. Der
BROCKHAUS (19. Auflage, 1991) spricht vom Ende desselben Jahres.
*** Der Afrikanist
Gerald Moore teilt afrikanische Dichtung in zwei Hauptgruppen
ein, die - stark verkürzt dargestellt - besagt, dass zur
einen jene Dichter zählen, die durch verbale oder musikalische
Events zum rhythmischen Ausdruck gefunden haben und zur anderen
jene, die mittels ihrer Bildung mit der europäischen Dichtung
vertraut wurden und über diesen (Um-)Weg zur Lyrik fanden.
Unzweifelhaft zählt Tchicaya U-Tam'si zur letzteren. Vgl.
Tchicaya U-Tam'si. The Uprooted Tree (Der entwurzelte Baum),
in: Moore,
Twelve African Writers a.a.O.
ÜE: J.K. --> Übersetzung aus
dem Englischen: Janko Kozmus ©
ÜF: J.K. --> Übersetzung aus
dem Französischen: Janko Kozmus ©
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Quellen:
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Sach-
und Personenregister |
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