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Quelle:
The Daily Nation, Kenya (Daily Nation)

Anmerkungen:
* inkl. arabischer Raum
ÜE: J.K. --> Übersetzung aus dem Englischen: Janko Kozmus ©
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CHRONIK
 
Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas*
von innen und außen
 
 
16. August 1998
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· Die MARABOUT-SEITE zitiert aus Kenia ·  
Daily Nation, Kenya
"Trotz Drangsalierens lebt Ngugis Magie weiter",
betitelt Wahome Mutahi seinen in der Rubrik Lifestyle der kenianischen Zeitung Daily Nation erschienenen Bericht über die Versuche, die Publikation des Romans Matigari des wohl berühmtesten Autors des Landes,
Ngugi wa Thiong'o, zu verhindern.
Bereits im Erscheinungsjahr 1986 wurden erste Schritte gegen die Verbreitung des Romans Matigari unternommen, erstaunliche, möchte man meinen, folgt man Wahome Mutahi blumiger Beschreibung:
"Eines Tages im Jahre 1986 marschierten zwei Männer in die Büros des Heinemann Verlagshauses. Einer von ihnen schob dem leitenden Direktor, Mr. Henry Chakava, eine Ausgabe eines jüngst publizierten Buches des Verlags hin und verlangte zu wissen: ‚Wie hoch ist seine Auflage?' Zunächst leugnete Mr. Chakava Kenntnis von dem Buch zu haben, räumte später aber ein, dass er 1500 Stück gedruckt habe. Einer der Besucher fragte: ‚Wenn wir ihnen 200.000 Sh zahlen, würden sie die noch nicht verkauften Exemplare zurückziehen?' Mr. Chakava lehnte das Angebot ab, was aber die Besucher nicht davon abhielt, ihre Kollegen zu mobilisieren, die ihnen dabei halfen, die verbleibenden 600 Exemplare zu beschlagnahmen. Mr. Chakavas Besucher waren Polizisten und das Buch war Matigari ma Njirungi von Ngugi wa Thiong'o". Der Roman, so erklärt der Autor des Artikels weiter, war gerade erschienen und in weniger als einer Woche seien 1.000 Exemplare verkauft worden. Mit der Beschlagnahme von 600 Exemplaren durch die Polizei sei das Verbot von Matigari wirksam geworden, die englische Version jedoch sei heimlich auf den Markt gekommen und dieses Mal habe die Polizei keine Exemplare beschlagnahmt.
Neun Monate später, heißt es weiter, sei das Buch trotz Chakavas gegenüber der Polizei gemachten Versprechens, Matigari nicht erneut in Gikuyu zu drucken, wieder auf dem Markt erschienen. In der Zwischenzeit war die engl. Ausgabe in Simbabwe, wo es auch dramatisiert wurde, Schullektüre."Ich sah die dramatisierte Fassung", schreibt der Autor, "letzte Woche in Harare während der Internationalen Buchmesse von Simbabwe, deren Schwerpunkt dieses Jahr bei Kenia lag". Kenia sei als erstes Schwerpunktland gewählt worden wegen seiner wachsenden und hochentwickelten Verlagsindustrie wie auch als Gastland der Panafrikanischen Kinderbuchmesse, die jedes Jahr in Nairobi abgehalten werde.
Die dramatisierte Version von Matigari sei von der Theatergruppe Alternate Savannah Arts dargeboten worden und während sie unter einigen technischen Problemen gelitten habe, "ging sie einen langen Weg, um Ngugis Kreativität und Kenias Geschichte zu feiern". Die im Buchcafé abgehaltene Diskussion des Buches in einer Runde, der der Übersetzer Wangui Goro, der Verleger Chakava und der vormalige Dozent an der University of Nairobi Kimani wa Gecao und Ngugi wa Mirie angehörten, die beiden zuletzt genannten leben im Exil, mehrte den literarischen Reichtum des Abends".
Ngugi wa Mirie habe treffend zusammengefasst, Matigari, die Hauptfigur im gleichnamigen Buch, begründete die "Geschichten" vieler afrikanischer Länder. "Der Held auf der Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit könnte jeder sein, der im Sinne Frantz Fanons die Fallstricke von der Idee der Nation wahrgenommen und bewusst zu hinterfragen begonnen hat, was nach der Unabhängigkeit falsch gegangen war. "Matigari, der nach einem langwierigen Guerillakrieg mit den Kolonialisten aus dem Busch kam, habe dem Friedensgedanken Treue geschworen, "aber die Umstände, auf die er trifft, wiederstreben dem Frieden". Es sei ein Zustand des "wenn du Frieden willst, sei auf den Krieg vorbereitet".
Es sei ein Zustand, in dem alle Bürgerhoffnungen des namenlosen Landes durch ein politisches System verdüstert würden, dass seine Frauen, Kinder, Arbeiter und Studenten missbrauche, während die Minderheit, im Bunde mit dem Auslandskapital, sich der Errungenschaften des Landes erfreute.
"Ngugis Kritiker werden Matigari schnell als ein weiteres Stück marxistischer Rhetorik des Autors fallenlassen, aber während das Buch eine Klassenanalyse der Widersprüche der Post-Unabhängigkeit vornimmt, ist es ein literarisches Juwel, insbesondere in der Originalsprache."
Es schwenke über das Panorama des post-unabhängigen Afrika, gesehen mittels der Reise eines Mannes, der zurückgekommen sei, um sein Land zu entdecken. Sein Stil sei so lebendig, dass man Matigari berühren und fühlen könne, wie er jeden Schritt auf der Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit mache. "Das physische und menschliche Terrain wird den Kenianern und anderen Afrikanern vertraut sein, weil es ihre Geschichte darstellt, nun neu gestaltet, da der Kontinent aus dem erwacht, was Professor Odhiambo auf der Buchmesse als 500jährigen Schlummer beschrieb, um eine Ära zu betreten, in der die Afrikaner die Gestalter sein werden." (Daily Nation, ÜE: J.K.)
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