DIE MARABOUT-SEITE
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Chronik (1901-2016)

Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas * von innen und außen 

Tageschronik: 9. November 2000

 

· Die MARABOUT-SEITE zitiert aus Deutschlang · 
die tageszeitung


In einem Artikel von Dominic Johnson berichtet die tageszeitung aus Kamerun , wo nahe Duala ein Massengrab mit 36 Leichen entdeckt wurde. Sie titelt:

"Kamerun findet seine Verschwundenen"

Zunächst wurden 36 Leichen gefunden, dann wurde von über 100 Toten gesprochen. Anwohner äußerten gegenüber der Nachrichtenagentur AP, vor einem Monat hätten Männer in Zivil über mehrere Tage und Nächte hinweg ca. 100 Leichen vergraben. Diese lägen unter den jetzt gefundenen.

Dominic Johnson schreibt, dass diese Angaben die Vorwürfe von Kardinal Tumi bestätigen würden, der von über 500 Opfern "summarischer Hinrichtungen" gesprochen hatte. Kardinal Tumi ist "einer der respektiertesten katholischen Geistlichen Afrikas".

Verantwortlich sei lt. Tumi das "Operationelle Kommando", so die taz, eine vom Präsidenten ins Leben gerufene Sondereinheit von Polizei und Armee zum Kampf gegen Kriminalität. "Sie soll vor dem für Januar geplanten franko-afrikanischen Staatengipfel in Kamerun die explodierende Gewaltkriminalität eindämmen."

Neben Nigeria gilt Kamerun als eines der korruptesten Länder der Welt, gewaltsame Mafiaauseinandersetzungen und zweifelhafte Sicherheitsfirmen, treiben ihr Unwesen. Zahlreiche Mitglieder der Sicherheitskräfte bezeichnet Kardinal Tumi, als "Diebe, die man in den Dörfern aufsammelt, um sie in die Armee und Polizei zu integrieren".

Das "Operationelle Kommando" entspringt einer Einheit, die bereits in den Jahren 1991-91 gewaltsam in Erscheinung getreten ist: Bei der Niederschlagung der damaligen Demokratiebewegung habe sie viele Menschen getötet. Ihre Aktivierung wird in Zusammenhang gebracht mit der separatistischen Bewegung im anglophonen Südwesten Kameruns. "Der Südkamerunische Nationalkongress' (SCNC), der eine Abspaltung dieser an Nigeria angrenzenden Region fordert, beklagt jetzt in seinen Reihen zahlreiche Folteropfer und Verschwundene."

Mindestens 300 "extralegale" Hinrichtungen habe es auch im Norden Kameruns gegeben, als die Armee gegen Straßenräuber vorgegangen sei.

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Quelle:
die tageszeitung (taz)

Anmerkungen:
* inkl. arabischer Raum


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