DIE MARABOUT-SEITE
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Chronik (1901-2018)

Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas * von innen und außen 

Jahreschroniken: 2001

Stand: 12.06.18

 

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7. Januar
2001
Nach fast zwei Jahrzehnten endet in Ghana die Präsidentschaft des Jerry Rawlings und mit ihm die Amtszeit des Dichters, Schriftstellers und Diplomaten Kofi Awoonor als Präsidialadjudant, die er seit 1992 innehatte.
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28. Januar
2001
Der tunesische Politiker und Autor Mahmoud Messaadi wird 90 Jahre alt.
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Februar
HABIB SOUAIDIA: SCHMUTZIGER KRIEG IN ALGERIEN bei amazon bestellen
2001
In Frankreich erscheint La sale guerre
(dt: Schmutziger Krieg in Algerien; Vorwort: Ferdinando Imposimato. Zürich 2001), ein Buch. in dem der algerische Unterleutnant Habib Souaļdia von Massakern der algerischen Armee an der unschuldigen Dorfbevölkerung berichtet.
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4. März
2001

100. Geburtstag des madagassischen Dichters Jean-Joseph Rabearivelo.
Rabearivelo nahm sich im Alter von 36 Jahren selbst das Leben nahm.
Das Werk des Poeten französischer Sprache umfasste mehrere Gedichtbände. Zunächst orientierte sich Rabearivelo noch an frz. Vorbildern, vornehmlich an Charles Baudelaire, später entwickelte er seinen individuellen Stil.
 

Jean-Joseph Rabearivelo

Werke:
La Coupe de Cendre (1924, Die Schale Asche)
Sylves (1927)
Volume (1928)
Enfants d'Orphée (1931, Waisenkinder)
Presque-Songes (1934, Fast-Träume)
Traduit de la Nuit (1935, Übersetzung der Nacht)
Imaitsoanala (1935)
Chants pour Abéone (1936, Lied für Abéone)

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30. März
2001
Tod des 1921 im Distrikt Nyeri geborenen kenianischen Schriftstellers Gakaara wa Wanjau.
Während der antikolonialen Mau-Mau-Aufstände (1952-1960) war er acht Jahre lang inhaftiert. Während dieser Zeit schrieb er Lieder und Schauspiele, eine Ethnographie zu Kikuyu-Klans und gab eine Zeitung heraus. Darüber hinaus engagierte er sich im Bildungskomitee der Lageranstalt. Seine Haftzeit reflektierte er in dem Werk Mau mau author in detention (Mau Mau-Autor in Haft. Aus dem Kikuyu ins Englische übersetzt von Paul Ngigi Njoroge. Nairobi 1988) Er engagierte sich sehr für die Verbreitung der Kikuyu-Sprache und schrieb Lehrbücher für Grundschulen, in die er Kurzgeschichten und Volksmärchen seines Volkes aufnahm.
Gakaara wa Wanjau wurde in Karatina bestattet.
Weitere Werke:
Tūrwīmbo na tūmathako twa twana (Kikuyu Kinderlieder und -spiele). Karatina/Kenya 1968
Nyimbo cia ihiī (Kikuyu Jugendtänze). Karatina/Kenya 1971
Quellen:
Caroline Elkins: Britain's Gulag: The Brutal End of Empire in Kenya. London 2005
Derek R . Peterson: The Intellectual Lives of Detainees. Journal of African History. Cambridge University Press 2008
Pugliese, Cristiana. Author, Publisher and Gikuyu Nationalist: The Life and Writings of Gakaara wa Wanjau. Bayreuth 1995 The Library of Congress, Online Catalog
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17. April
2001
Ein Schiff voller Kinder soll "verkauft" werden.
Anfang des Jahres wurde die internationale Presse auf einen unglaublichen Vorfall aufmerksam. Ein Schiff, hieß es, sei auf dem Weg von Benin nach Gabun, an Bord seien Kinder mittelloser Familien einer Stadt im Süden von Benin. Die Kinder sollen an wohlhabende Familien "verkauft" werden, hieß es weiter. Es entstand ein unglaublicher Hype um diese Meldung, die Rede war von "Sklavenhandel", sodass das Schiff, die "Etireno", umkehren musste.
  Am 17. April landet die Etireno an der Küste von Benin.
  Am nächsten Tag wird Radio France Internationale (RFI) online über die Ankunft der Etireno berichten: An Bord seien gar keine Kinder gewesen, sondern 250 illegale Einwanderer. Die Etireno sei womöglich mit einem anderen Schiff verwechselt worden. Andere Quellen werden den Fakt der illegalen Einwanderer bestätigen.
  Doch die ursprüngliche Meldung wird Schriftsteller/Innen aus der Region inspirieren, gemeinsam ein Buch zu verfassen, dass sich des Themas "Verkauf von Kindern" annimmt.
cover: COUAO-ZOTTI: LA PETITE FILLE DES EAUX
LA PETITE FILLE DES EAUX
frz. Originalausgabe

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  Ein Roman wird entstehen, verfasst von folgenden zehn Autoren: Agnès Adjaho, Gisèle Hountondji, Gniré Dafia, Hodonou Eglosseh, Anita Mariano, Mireille Ahondoukpe, Venance Mahougnon Sinsin, Mahougnon Kakpo, Adélaïde Fassinou und Florent Couao-Zotti, der die Koordination innehat. Und fünf Jahre nachdem die Meldung durch die Medien geisterte, wird das Werk erscheinen:
  La petite fille des eaux (Das kleine Mädchen der Gewässer). Bertoua/Kamerun 2006:
  Das kleine Mädchen, von dem im Titel die Rede ist, heißt Sitè und ist noch keine zehn Jahre alt. Es lebt in einer Stadt an der Küste von Benin. Sités Vater, der infolge einer Krankheit die Familie nicht mehr ernähren kann, willigt ein, seine Tochter in die Stadt zu schicken, als Dienstmädchen zu einer Familie. Doch dort hat es das Mädchen mit einer grausamen Frau zu tun, von der sie geschlagen wird. Den Klauen dieser Frau entkommen, landet sie bei einer Tante. Nur um vom Schicksal noch härter getroffen zu werden. Die unter Geldnot leidende Tante verschachert das Mädchen. Nachdem ihm Schlaftabletten eingeflößt worden sind, findet es sich an Bord eines Schiffes namens Etireno wieder. Neben Sitè sind viele andere Kinder an Bord, die als Sklaven in Gabun verkauft werden sollen.
  Quellen:
– Radio France Internationale (RFI) vom 18.04.2001
www.e-litterature.net
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18. April
2001
Die Süddeutsche Zeitung bezeichnet Afrika als den
  "Kontinent der verkauften Kinder".
Bittere Armut und hoher Geburtenüberschuss seien die Ursachen für die moderne Sklaverei in Afrika
"... Gleichgültig ob in Ruanda,
Kenia,   Sierra Leone, Kongo, Sudan oder Elfenbeinküste – Afrika ist der Kontinent der Kinder; mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist nach Angaben der Vereinten Nationen inzwischen jünger als 18 Jahre."
Nur vor diesem Hintergrund sei zu verstehen, heißt es in dem Artikel der SZ weiter, dass sich zwar der Rest der Welt über die weit verbreitete Kindersklaverei in Afrika aufrege, aber weder die Regierungen noch die Menschen auf dem Kontinent sich dafür richtig interessierten.
"... die einzigen, die am Kinderreichtum Afrikas verdienen, sind die Menschenhändler und die Käufer der Sklaven.
... In Westafrika werden die Minderjährigen vor allem aus → Mali, Benin oder Togo in Länder wie  Nigeria oder die → 
Elfenbeinküste gebracht, um dort auf den Kakao- oder Kaffeefeldern zu arbeiten. Nach Angaben der UN- Kinderhilfsorganisation Unicef sollen 1999 circa 15000 Kinder allein aus Mali in die Elfenbeinküste verschleppt worden sein, um dort als Sklaven auf den Plantagen zu schuften.
... auch wenn in vielen afrikanischen Ländern Kinderhandel und Kindersklaverei gesetzlich verboten sind, fehlen den meisten Regierungen schlicht die Möglichkeiten, den Missbrauch der Minderjährigen zu bekämpfen." · (SZ)
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22. April
.2001
In einem Artikel in der Sunday Times geht der südafrikanische Autor und Journalist  Mike Nicol der Frage nach, wie weit ein regionales Schulbuchverbot von einem allgemeinen Bücherverbot entfernt sei. mehr dazu · (SundayTimes SA, ÜEK: J.K.)
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23. April
2001
Welttag des Buches
  Der 23. April ist der Todestag von Cervates und Shakespeare. Die
 UNESCO machte diesen Tag im Jahre 1995 zum Welttag des Buches. Aus diesem Anlass veranstaltete das Berliner Haus der Kulturen eine Lesung von  Wole Soyinka, der aus seinem gerade ins Deutsche übersetzten Buch Die Last des Erinnerns las. Die Berliner Zeitung gibt einen atmosphärischen Bericht:
"(Aber) bevor Soyinka zu lesen beginnt, erzählt er von seinem letzten Besuch in Berlin. Damals, im Jahr 1990, trat er zusammen mit Heiner Müller ebenfalls im Haus der Kulturen auf. Müller habe mit seiner Flasche Whisky auf dem Podium gesessen, er selbst mit einem Glas Rotwein. Ein solches Glas steht auch am Sonnabend vor ihm. Und als Soyinka es zum ersten Mal erhebt, tut er es nicht, um daraus zu trinken, sondern um einen Schluck Wein auf den Boden zu gießen. 'Das ist für Heiner Müller', sagt er. 'So grüßen wir diejenigen, die zu den Vorfahren gegangen sind.'" · (Berliner Zeitung)
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27. April
2001
Unter dem Titel "Verlegerikone stirbt",
berichtet die englischsprachige Tageszeitung Daily Nation vom Tod "einer der größten Namen in der Geschichte der Buchverleger Kenias".
Roger Houghton sei am Montag in London im Alter von 71 Jahren einer Herzattacke erlegen.
"Houghton war", heißt es in der Kurzmeldung weiter, "für mehr als ein Jahrzehnt - in den 60er und 70er Jahren - der Leiter des Nairobi-Büros von Oxford University Press" gewesen.
Er sei an der Ausbildung von Buchverlegern wie John Nagenda und John Ruganda aus
Uganda und Jonathan Kariara aus   Kenia beteiligt gewesen.
Sein soziales Umfeld habe Personen wie Elimo Njau aus
 Tansania, Okot p'Bitek und Eli Kyeyune aus Uganda und aus Kenia  Ngugi wa Thiong'o sowie Philip Ochieng umfasst.
Houghton sei mit einer Kenianerin verheiratet gewesen, die in den 70er Jahren verstorben sei.
Roger Houghtons
Leichnam werde am morgigen Tag kremiert. · (Daily Nation)
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26. Mai
2001.

"Entfernt solche Scheusale aus unserem Schulsystem"
fordert Kenias Daily Nation in einem Bericht über Prügelstrafe in den einheimischen Schulen ...

 
mehr dazu · (Daily Nation)

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28. Mai
2001
cover: PHILOMBE: DER WEISSE ZAUBERER VON ZINGALI
DAS REGENKIND
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Das kamerunische Multitalent Francis Bebey stirbt infolge einer Herzattacke in seiner Geburtsstadt Douala.
Zu den bedeutendsten Werken des Prosaautors, der sich auch als Dichter und Musiker einen Naman machte, zählen der mit dem Grand Prix de la Littérature Africaine ausgezeichnete Roman Le Fils d'Agatha Moudio (dt: Der Sohn der Agatha Moudi) sowie der Roman L'enfant-pluie (dt: Das Regenkind), für den er den Prix Saint-Exupéry erhielt.
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2. Juni
2001
Die Tageszeitung Fraternité Matin (Côte d'Ivoire) berichtet über den einheimischen Schriftsteller frz. Sprache   Ahmadou Kourouma, den
 "Elefantenjäger, ausgezeichnet von seinem Land":
Von allen Schriftstellern
 Côte d'Ivoires sei er der am häufigsten ausgezeichnete. "Von den zahlreichen lit. Produktionen, nennen wir Les Soleils des indépendants, das 3 Preise erhielt, Monnź, outrages et défis (3 Preise), En attendant le vote des bźtes sauvages [dt. Titel : Die Nächte des großen Jägers, J.K] (3 Preise) und Allah n'est pas obligé le tout dernier (dt:
Allah muss nicht gerecht zu sein), das 5 Preise erhielt. Dieser beredten Liste des Preisträgers sind zahlreiche Besprechungen und diverse Publikationen beigefügt. Hinzu kommen viele Schriften, die sich mit seinem Werk und seiner Person auseinandersetzen." Die Tageszeitung schreibt weiter, Präsident Laurent Gbagbo sehe in dem begabten Elefantenjäger den verdientesten Preisträger Côte d'Ivoires und seiner Bewohner im Bereich der Literatur. "Er hat den rechtmäßigen Titel eines Kommandeurs des l'Ordre national. Der Bericht schließt mit der Feststellung, dies sei eine von vielen Medaillen wie die der französischen Ehrenlegion oder einer Auszeichnung des Benin, das den "Kandidat des Tages" bereits in der Vergangenheit geehrt habe. (FM, ÜFK: J.K.)
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22. Juni
2001
Anoeschka van Meck gewinnt M-Net-Preisausschreiben,
heißt es in einer Online-Meldung der deutschsprachigen namibischen Allgemeinen Zeitung (AZ).
"
Ein zebragemusterter Mini knattert mit plattem Reifen in die Straßen von Rehoboth. Heraus steigen ein schwarzer Mann..."
Mit dieser Eingangsszene eines Drehbuchs für den Kurzfilm Rehoboth Pasta wird die Meldung stimmungsvoll eingeleitet.

mehr dazu · (AZ, Namibia)
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zeit
los
Afrikanische und arabische Sprüche und Weisheiten:

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15. Juli
2001
Driss Chraibi, marokkanischer Schriftsteller frz. Sprache, wird 75 Jahre alt.
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3. August
2001
Die südafrikanische Wochenzeitung Mail & Guardian gibt mit dem Nigerianer Helon Habila den diesjährigen Gewinner des Caine Literaturpreises für Afrikanische Literatur bekannt.
mehr dazu ·
(Mail & Guardian, Südafrika, ÜEK: J.K.)
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10. August
2001
100. Geburtstag von Sergio Frusoni
Der Sohn italienischer Einwanderer wurde auf der kapverdischen Insel Sćo Vicente, in Mindelo, geboren. Der 1975 verstorbene Frusoni gilt als einer der bedeutendsten Lyriker von Kap Verde.
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13. August
2001
Literarische Auszeichnung für Vera Duarte
In Asilah, im Norden Marokkos wird der Dichterin und Schriftstellerin Vera Duarte aus Kap Verde der nach dem kongolesischen Schriftsteller benannte Prix Tchicaya U Tam'si de la poésie africaine verliehen. Gelobt wird der usprüngliche Gebrauch ihrer genauen und in die Tiefe reichenden Bilder, die das tägliche Leben beschreiben und die Rechte der Frau hochhalten.
Die 49-jährige Preisträgerin ist in ihrer Heimat
Kap Verde Generalstaatsanwältin und Präsidentenberaterin.
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26. September
2001
Cyprian Ekwensi, nigerianischer Schriftsteller engl. Sprache, wird 80 Jahre alt.
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8. Oktober
2001
In Kameruns Hafenstadt Douala stirbt im Alter von 69 Jahren mit Mongo Beti einer der größten Schriftsteller des Landes.
 Beti war 1951 zum Studium nach Frankreich gegangen, wo er über 40 Jahre blieb, bis er 1991 in seine Heimat zurückkehrte.
Foto - Mongo Beti
Mongo Beti
Mit seinem zweiten Roman Le pauvre Christ de Bomba (dt: Der arme Christ von Bomba, 1980), einer beißenden Satire auf die Welt der Missionare und des Kolonialismus, erregte der Autor Aufsehen. Das 1972 erschienene Werk Main basse sur le Cameroun, autopsie d'une décolonisation (Beschlagnahme des Kamerun, Autopsie einer Dekolonisation) wird in Frankreich zunächst verboten, und erst nach jahrelangem Kampf gelingt Beti zusammen mit seinem Verleger 1977 die Aufhebung des Verbots.
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10. Oktober
2001
Der am 10. Nov. 1995 vom damaligen nigerian. Militärregime ermordete  nigerianische Schriftsteller und Umweltaktivist Ken Saro-Wiwa wäre heute 60 Jahre alt geworden.
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13. Oktober
2001
Terrorpsychose infolge von 9/11 trifft Elias Khoury
Knapp einen Monat nach den Anschlägen vom 11. September erlebte der  
libanesische Schriftsteller   Elias Khoury die Folgen der Terrorpsychose am eigenen Leib. Davon berichtet die frz. Tageszeitung Le Monde. Am 6. und 7. Oktober habe Khoury an einem Kolloquium mit dem Titel "Lire, traduire et éditer en Méditerranée" (Lesen, Schreiben und Übersetzen am Mittelmeer) in Aix-en-Provence teilgenommen. Am 8. Oktober seien 4 Polizisten in sein Hotelzimmer eingedrungen, hätten den Ort durchsucht und ihn vernommen, bevor sie einen Theaterzettel konfiszierten. Stutzig seien sie geworden bei einem ins Arabische übersetzten Buch: Rot und Schwarz. "Nachdem sie das Foto von Stendhal auf dem Buch entdeckt hatten", zitiert Le Monde Khoury, "fragten sie, ob ich Flaubert, ohne Zweifel ein subversiver Autor, liebte."
Elias Khoury hatte am Vorabend auf Arabisch mit seinem in England lebenden Sohn telefoniert, hatte ein Fax in Arabisch nach London geschickt und eines aus Beirut erhalten. An ein terroristisches Komplott glaubend, hatte ein Hotelangestellter die Polizei alarmiert. · (Le Monde, ÜFK: J.K.)
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14. Oktober
2001

Zusammenstöße zwischen Christen und Muslimen in Nigeria
Die Süddeutsche Zeitung berichtet aus  Nigeria von über 200 Toten, die bei Zusammenstößen zwischen Christen und Muslimen in der Stadt Kano ums Leben gekommen waren. Anlass für die Straßenschlachten waren anti-amerikanische Proteste.
In einem mehrheitlich von Moslems bwohnten Außtenbezirk der Stadt seien tausende, der Minderheit angehörende Christen geflohen. Dies bezeugten Bewohner der Stadt. Die Süddeutsche zitiert einen der Geflüchteten: "In (dem Bezirk) Zangong wurden die Menschen geschlachtet. Es müssen mehr als 200 umgebracht worden sein letzte Nacht". (SZ)

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25. Oktober
2001
In Kameruns Hauptstadt Yaoundé stirbt 71-jährig der Schriftsteller René Philombé.
Mit ihm verliert das Land in diesem Jahr den dritten ihrer großen Literaturrepräsentanten, da neben
Mongo Beti auch Francis Bebey vor wenigen Monaten gestorben ist ( siehe oben).
Der unter dem Namen Philippe Louis Ombédé 1930 in Ngaoundéré, im Norden des Landes, geborene Autor und Übersetzer trat nach der Schulbildung zunächst in den Polizeidienst ein, musste diesen jedoch quittieren, nachdem er an Kinderlähmung erkrankte. Fortan wandte er sich der kamerunischen Literatur zu; Forschungen, die Jahre später (1977) in einem in Yaoundé publizierten monumentalem Werk ihren Ausdruck fanden: Le livre camerounais et ses auteurs: une contribution à l'histoire littéraire du Cameroun (Das kamerunische Buch und seine Autoren: ein Beitrag zur literarischen Geschichte Kameruns).
Philombé engagierte sich zudem zeit seines Lebens auch politisch, war Mitglied der nationalistischen und marxistischen Partei UPC (l'Union des Populations du Cameroun) sowie Mitbegründer der l'Association des Poètes et Écrivains Camerounais (APEC; Vereinigung der Dichter und Schriftsteller Kameruns). Für seine erste literarische Veröffentlichung, den Gedichtband Araignée disgraciée (In Ungnade gefallene Spinne), wurde er ausgezeichnet. Hinzu kam eine Auszeichnung, die er (gemeinsam mit Mongo Beti) für sein Gesamtwerk erhielt, den
von der African Literature Association 1992 erstmalig vergebenen FONLON / NICHOLS-Preis für besondere Leistungen hinsichtlich Afrikanischer Literatur und Freier Meinungsäußerung.

cover: PHILOMBE: DER WEISSE ZAUBERER VON ZINGALI
DER WEISSE ZABERER VON ZANGALI
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WERKE (Auswahl):
– Lettres de ma cambuse (Briefe aus meiner Kombüse). Yaoundé 1964
– Le hibou (Die Eule). 1965
– Sola ma chérie (Sola, mein Schatz). Yaoundé 1966
– La Voix des poètes camerounais (als Herausgeber: Die Stimme der kamerunischen Dichter), Anthologie. Yaoundé 1966
– Un sorcier blanc à Zangali (dt: Der weiße Zauberer von Zangali; Übersetzung: Hermine Reichert. (Ost-)Berlin Weimar 1983). Yaoundé 1969
– Histoires queue-de-chat: quelques scènes de la vie camerounaise (Katzenschwanzgeschichten: Einige Szenen aus dem kamerunischen Leben), Yaoundé 1971
– Les blanc partis, les nègres dansent (Die weißen Parteien, die Neger tanzen). Yaoundé 1973
– Petites gouttes de chant pour créer l'homme (Kleine Tropfen des Liedes, um den Mann zu erschaffen), Gedichte. Yaoundé 1977
– Les trouble-fêtes d'Africapolis (Die Spaßverderber von Africapolis), Tragödie. Yaoundé 1978
– Choc anti-choc: roman en poèmes : écrits de prison 1961 (Schock Gegenschock - Roman in Gedichten. Geschrieben im Gefängnis 1961), Yaoundé 1978.
Espaces essentiels (Essentielle Räume). Paris 1982
– Nnan Ndenn Bobo: conte politico-philosophique : suivi de Lamentations d'un joueur de mvet (Nnan Ndenn Bobo – Politisch-philosophische Erzählung : Lamentationen eines Harfespielers), Poem. Yaoundé 1994
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26. Oktober
2001

Literarische Auszeichnung für Zoë Wicomb
In einem kurzen Bericht von Shaun de Waal gibt die südafrikanische Wochenzeitung Mail & Guardian den Gewinn des diesjährigen heimischen M-Net Buchpreises in der englischsprachigen Kategorie durch die gegenwärtig in Schottland lebende südafrikanische Autorin
Zoë Wicomb für ihren Roman  David's Story bekannt. Der Preis ist mit 50.000  Rand dotiert.
"Der Roman ist ein bemerkenswertes Werk, das die Fragen der Identität im 'neuen
  Südafrika' genauso gut thematisiert wie die Art und Weise wie Vergangenheit und Gegenwart einander durchdringen."
Ein junger Anti-Apartheid-Kämpfer, heißt es weiter, erzählt seine Geschichte der Erzählerin und parallel dazu wird die Geschichte der Griquas dargeboten; ihr Kampf um Identität und Selbstbestimmung im 19. Jahrhundert; beide Erzählungen sind "mit vollendetem Geschick und Feingefühl erzählt".
(Mail & Guardian, Südafrika, ÜEK: J.K.)

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29. Oktober
2001
Der unter dem Namen Artur Carlos Maurķcio Pestana dos Santos in der angolanischen Ortschaft Benguela geborene Autor Pepetela wird 60 Jahre alt.
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3. November
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Zum knapp vor einem Monat verstorbenen kamerunischen Schriftstellers Beti schreibt die tageszeitung:
"Als Todesursache werden Hepatitis und Nierenversagen angegeben." Manche Kameruner seien jedoch überzeugt davon, heißt es weiter, dass  Mongo Beti
im staatlichen Krankenhaus von Duala keines natürlichen Todes gestorben sei. (taz)
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23. November
.2001 The Purple Violet of Oshaantu von Neshani Andreas
In einem Artikel von Irmgard Schreiber stellt die Allgemeine Zeitung das erste Buch aus
Namibia vor, das in der renommierten African Writers Series des Heinemann Verlages veröffentlicht wurde. mehr dazu · (AZ, Namibia)
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27. November
2001

"'Goldene Feder der Freiheit' für Geoffrey Nyarota",
Der simbabwische Journalist Nyarote, Chefredakteur der Daily News, wird mit dem Medienpreis Goldene Palme der Freiheit des Weltverbands der Zeitungen (WAN, The World Association of Newspapers) "in Anerkennung für seinen hervorragenden Dienst für die Sache der Pressefreiheit angesichts permanenter Verfolgung" ausgezeichnet. Bei der Preisverleihung sagte Nyarota: Es ist meine aufrichtige Hoffnung, nein, mein glühendes Gebet, dass in nicht weit entfernter Zukunft das Volk Simbabwes als ganzes einen bedeutenden Medienpreis erhalten wird, der unserer einst großen Nation geziemt.
·
(Vgl. www.wan-press.org, ÜEK: J.K.)

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30. November
2001
In der südafrikanischen Wochenzeitung Mail & Guardian stellt Jo Nel unter dem Titel
 Worte der Verzweiflung
in einem einfühlsamen Bericht den Gedichtband Anatomy of dark. Collected Poems von Arthur Nortje vor.
mehr dazu ·
(Mail & Guardian, Südafrika, ÜEK: J.K.)
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8. Dezember
2001
Vumbi Yoka Mudimbe, Schriftsteller und Literaturwissenschaftler der Demokratischen Republik Kongo, wird 60 Jahre alt.
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11. Dezember
2001
Der  ägyptische Schriftsteller und Nobelpreisträger  Nagib Machfus wird 90 Jahre alt.
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20. Dezember
2001
Im Alter von 95 Jahren stirbt in Frankreich der ehemalige senegalesische Dichterpräsident Léopold Sédar Senghor.
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Anmerkungen:
* inkl. arabischer Raum
ÜEK: J.K. --> Aus dem Englischen Übersetzt und kommentiert: Janko Kozmus ©
ÜFK: J.K. --> Aus dem Französischen übersetzt und kommentiert: Janko Kozmus ©

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Quellen:

    Sach- und Personenregister
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