DIE MARABOUT-SEITE
linie

linie
linie

Chronik (1901-2016)

Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas * von innen und außen 

Chroniken: 2003_1.Quartal

Stand: 16.11.07

 

.
2003
chrAbs Januar - März
 
2003
Die französischsprachige, 1967 in Côte d'Ivoire geborene, burkinische Autorin Angèle Bassolé-Ouédraogo wird für ihren Gedichtband Avec tes mots mit dem von der Regierung von Ontario gestifteten und mit (kanad.) $ 10.000 dotierten Trillium Book Award ausgezeichnet. Nach Burkina Blues ist dies bereits die zweite Veröffentlichung der seit 1992 in Kanada lebenden Autorin, die in einem fiktiven Dialog selbst die Situation eines Interviews durchspielt, in dem es um die Frage ihrer Herkunft geht. Sie stamme aus Burkina Faso, habe zwar ihre Kindheit und Jugend in Côte d'Ivoire verbracht, aber ihre Eltern seien Burkinabé, Immigranten aus dem Nachbarland, im Übrigen sei sie Afrikanerin, die in ihrem Geburtsland wie in Burkina nur "die Kanadierin" genannt werde. "Und ja, ich fühle mich überall zu Hause in Afrika. Aber auch anderswo! Ich arbeite daran, mich überall da zu Hause zu fühlen, wo ich gerade bin. Deshalb beantworte ich von nun an die bekannte Frage nach der Herkunft mit: 'Ich habe kein Heimatland, die Welt ist mein Land'. Und ich träume davon mit Susan Sontag sagen zu können (deren Zitat mir ein Freund aus Deutschland schickte): 'Verwurzelt zu werden interessiert mich nicht. Ich bin das, was ich bin: offen für die Welt'. (Vgl. Sans pays ! langue, exil et self-identité diasporique, Angèle Bassolé Ouédraogo, motspluriels.arts.uwa.edu.au/)
1. Januar
2003

chrAbs Ousmane Sembène, senegalesischer Schriftsteller frz. Sprache und Filmemacher, wird heute 80 Jahre alt.

6. Januar
2003

chrAbs Anlässlich des Erscheinens des Romans Allah muss nicht gerecht sein gegen Ende des Jahres 2002 veröffentlicht die NZZ einen Bericht über dieses Buch, dem ein Gespräch der Autorin Irene Binal mit Ahmadou Kourouma zugrunde liegt. Auf Zukunftspläne hin befragt, äußert A.K., er habe "inzwischen schon sein nächstes Projekt in Angriff genommen - ein Buch über Sékou Touré, den Diktator aus Guinea: 'Ich möchte dessen Verbrechen während des Kalten Krieges aufzeigen.' Um auch diesbezüglich den Blick Europas und der Welt zu schärfen" (NZZ)

11. Januar
2003

chrAbs "Schreib . . . und halt den Mund!
Von Boubacar Boris Diop
Die afrikanischen Schriftsteller - und insbesondere die frankophonen - ergehen sich oft und ausführlich in Erläuterungen, warum sie in einer fremden Sprache schreiben. Aus dem Pro und Contra ist längst eine ausweglose argumentative Falle geworden ...
Hinter dem Dilemma steht freilich eine gravierende Tatsache: Unsere eigenen Landsleute, meist mehr an die orale als die schriftliche Kultur gewöhnt, haben weder die Mittel noch die Möglichkeit, unsere Bücher zu kaufen und zu verstehen.
Obwohl sich die afrikanischen Schriftsteller dieses Missstandes schmerzhaft bewusst sind, reagieren sie - abgesehen von seltensten Ausnahmen wie etwa dem Kenianer  Ngugi wa Thiong'o oder dem Senegalesen Cheikh Aliou Ndao - nachgerade allergisch auf die Idee, sich einer einheimischen Sprache zu bedienen. Demgegenüber scheint die Sprache des Kolonisators allemal das kleinere Übel; zumindest erspart einem diese Konzession eine Art sprachlicher Ghettoexistenz ..." (NZZ)

15. Januar
2003

chrAbs "Der afrikanische Schriftsteller und das ruandische Syndrom"
Vor dem Hintergrund des Bürgerkriegs in
 Côte d'Ivoire erinnert der kamerunische Theoretiker und Schriftsteller   Patrice Nganang in einem Artikel für Le Monde an den Völkermord in Ruanda: "Während Tausende von Abidjanern auf die militärische Frage: ‚Wollt Ihr an die Front' mit nahezu narkotisierendem Eifer antworteten, ähnlich dem, der den Sportpalast von Berlin beim Appell von Goebbels beseelte, während das ivorische Fernsehen uns Tausende von jungen Menschen zeigte, die sich anstellten, um sich in die Flammen des Todes zu werfen, während die Loyalisten und die Rebellen Schach spielten um das Leben ihrer Landsleute, ist es sehr schwierig, nicht einen Augenblick an Ruanda zu denken." (...) · (Le Monde, ÜF: J.K.)

zeit
los
chrAbs Afrikanische und arabische Sprüche und Weisheiten:

Februar
2003
20. Geburtstag der burkinischen Schriftstellerin Suzy Henrique Nikiéma. Bereits im Alter von dreizehn Jahren fing sie an zu schreiben und im Jahre 2001 veröffentlichte sie bei einem Pariser Verlag ihren ersten Roman: L'homme à la bagnole rouge (Der Mann in dem roten Auto). Sie lebt derzeit mit ihrer Familie in ihrer Geburtstadt Ouagadougou,  Burkina Faso, wo sie Jura studiert.
6. Februar
2003
Im Alter von 80 Jahren stirbt in Maputo mit José Craveirinha der wohl bedeutendste Dichter Mosambiks. Neben zahlreichen anderen Auszeichnungen erhielt er als bislang einziger Autor seines Landes 1991 den wichtigsten Preis für portugiesischsprachige Literatur, den Prémio Camões. Jahrzehnte lang arbeitete er für mosambikische Publikationen und verwendete mehrere Pseudonyme: u.a. Mário Vieira, J.C., J. Cravo, José Cravo, Jesuíno Cravo und Abílio Cossa.
08.
Februar
2003
chrAbs In der Neuen Zürcher Zeitung schreibt Susanne Ostwald über Gerhard Seyfrieds Kolonialroman Herero, mit dem der Comiczeichner und Cartoonist sich als Erzähler und Chronist des ersten deutschen Genozids vorstellt.
 
mehr dazu · (NZZ)
19.
Februar
2003
chrAbs Der am 6. Februar im Alter von 80 Jahren verstorbene Dichter José Craveirinha wird am 10. Februar in Maputo in einem feierlichen Staatsbegräbnis bestattet. "Craveirinha ist die erste Person, die in dem nüchternen, sterngemusterten Monument von purem weißen Marmor beerdigt wird, die nicht dem militärischen Flügel der Befreiungsbewegung angehörte." In seiner Rede würdigt Präsident Chissano die Verdienste des Verstorbenen, "er habe nicht bloß Verse geschrieben, er war auch ein Journalist und eine politische Figur, von der portugiesischen Geheimpolizei PIDE in den 60er Jahren gefangen gehalten wegen seiner Geheimmitgliedschaft in der Nationalen Befreiungsbewegung FRELIMO". · (AIM, Mosambik, ÜE: J.K.)
6. März
2003

chrAbs "Der UN-Beauftragte für kriegsbehinderte Kinder sagte heute, es habe eine 'bemerkenswerte Veränderung' in Sierra Leones Bemühungen gegeben, den Anforderungen entgegenzutreten, denen sich die Jüngsten der Nation durch die Nachwirkungen der Jahre des Konflikts gegenüber sehen.
'Der stärkste Eindruck meines Besuchs in Sierra Leone ist die bemerkenswerte Veränderung, welche in dem Land im Zeitraum von kaum anderthalb Jahren seit Ende des Konflikts stattgefunden hat', sagte der Sonderbeauftragte für Kinder und Bewaffnete Konflikte, Olara Otunnu der Presse im UN-Hauptquartier in New York.
Entgegen früheren Besuchen in Sierre Leone würden viele Kinder jetzt in schmucken Uniformen die Schule besuchen, sagte Otunnu, seien insgesamt besser genährt und gekleidet. Um zu garantieren, dass das Erreichte konsolidiert werde, dürfe die Internationale Gemeinschaft ihre Aumerksamkeit jetzt nicht wieder von Sierre Leone abwenden." (UN News, ÜE: J.K.)

chrAbs Die Frankfurter Allgemeine Zeitung beginnt mit dem Vorabdruck des Romans Die Schwalben von Kabul von Yasmina Khadra, "die eigentlich Mohammed Moulessehoul heißt und als Offizier in der algerischen Armee diente." (FAZ)

12. März
2003

chrAbs Die Nachrichtenagentur AngolaPress berichtet vom Besuch einer hochrangigen Delegation, angeführt vom Gesundheitsminister Alain Moka, in das Department von Kelle, in der Region West-Cuvette der Republik Kongo. Zweck des Besuchs sei es "die dortigen Bewohner der Regierungsbemühungen zu versichern, das Ebola-hämorrhagische Fieber zu besiegen, das dort vor fast einem Monat ausgebrochen war ..." (AngolaPress, ÜE: J.K.)

chrAbs Dieselbe Agentur meldet aus Accra, Ghana,
der Präsident John Agyekum Kufuor habe an die Ghanaer appelliert, den Kampf gegen die Armut im Land ernst zu nehmen. AngolaPress zitiert aus einer Rede des Präsidenten Kufuor zum 46. Unabhängigkeitstag: "... unser größter Feind ist die Armut, und der Kampf gegen die Armut beginnt mit der Aussöhnung unseres Volkes und dem gemeinsamen Vorwärtsgehen"... Sie schreibt weiter, Kritiker der Kufuor-Administration würden deren Methoden zur Eindämmung der Armut beanstanden, "sie entsprächen nicht vollständig der Linie der Ghanaischen Strategie zur Reduzierung der Armut (GPRS), dem akzeptierten Instrument zur Eindämmung der Armut im Lande." (AngolaPress, ÜE: J.K.)

23.
März
2003
chrAbs Caroline Link erhält für ihren Film Nirgendwo in Afrika einen Oscar in der Kategorie bester nicht-englischsprachiger Film. Der Film ist eine Adaption des gleichnamigen autobiografischen Romans von Stefanie Zweig, die das Überleben einer deutsch-jüdischen Familie in Kenia während des Holocausts nachzeichnet.
31.
März
2003
chrAbs Die Allgemeine Zeitung aus Namibia meldet die Verabschiedung des Gesetzentwurfes gegen häusliche Gewalt, die von der Frauenbewegung Women´s Action for Development (WAD) begrüßt wird.
Nach monatelangen Streitereien und Versuchen von männlichen Volksvertretern, den Gesetzesentwurf lächerlich zu machen, sei die Novelle am Donnerstag von der Nationalversammlung angenommen worden. Veronika De Klerk, die Direktorin der WAD, heißt es in dem Artiikel weiter, spreche von einem "Triumph namibischer Frauen" im Kampf gegen "die Versklavung durch kulturell auferzwungene Unterdrückung"...
Die Novelle müsse nun dem Nationalrat zur Beurteilung vorgelegt werden...
(AZ, Namibia)
. .

Anmerkungen:
* inkl. arabischer Raum
ÜE: J.K. --> Übersetzung aus dem Englischen: Janko Kozmus ©
ÜF: J.K. --> Übersetzung aus dem Französischen: Janko Kozmus ©

. .

Quellen

. . Sach- und Personenregister
linie