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Quelle:
NEUE ZÜRCHER ZEITUNG (NZZ)

Anmerkungen:
* inkl. arabischer Raum
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CHRONIK
 
Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas*
von innen und außen
 
 
8. Februar 2003
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Susanne Ostwald schreibt in der NZZ über Gerhard Seyfrieds Kolonialroman Herero, mit dem der Comiczeichner und Cartoonist sich als Erzähler und Chronist des ersten deutschen Genozids vorstellt.
Historisch einleitend berichtet Susanne Ostwald von der Landnahme durch die Kolonialmacht Deutschland in Südwestafrika. Als Folge davon habe sich das Volk der Herero dagegen erhoben. Der Aufstand kulminierte im Jahre 1904 in der Schlacht am Waterberg, die in einem Blutbad endete. 90 % des Volkes der Herero fielen ihm zum Oper.
"Es ist eines der schwärzesten Kapitel der deutschen Geschichte, und gleichzeitig eines der am stärksten verdrängten", schreibt Susanne Ostwald und: "Gerhard Seyfried hat es mit seinem großen historischen Roman Herero jetzt erneut aufgeschlagen."
Seyfrieds Buch erscheint kurz vor Beginn des in Washington D.C. beginnenden Prozesses um eine Sammelklage, die der derzeitige Häuptling der Herero Kuaima Isaac Riruako eingereicht hat. Entschädigungszahlungen in einer Höhe von 4 Milliarden Dollar fordern die Nachfahren der Überlebenden des Genozids von der deutschen Bundesregierung, der Deutschen Bank und der Reederei Woermann, die eine Schifffahrtslinie nach Südwestafrika betrieb ...
Dem Roman Herero des Autors Gerhard Seyfried liegt eine akribische historische Recherche zugrunde, die in einer "strengen Chronologie" mündet. Der Zeichner Seyfried illustriert das Buch mit Skizzen des Protagonisten Carl Ettmann, seines Zeichens ebenfalls Zeichner und Kartograph.
Ettmann trifft kurz vor Ausbruch des Kolonialkriegs in Swakopmund ein und wird kurz darauf zum Militär eingezogen. Eine Parallelhandlung zeigt den Herero Petrus, der versucht Teile seines Volkes vom Aufstand abzuhalten, um die Katastrophe zu verhindern.
Seyfried bringt die Handlung in die Form eines Journals, das "die Umstände geradezu physisch erlebbar" erscheinen lässt: "die sengende Hitze, die unablässige Suche nach Wasser, die schüttere Vegetation und das schroffe Land werden plastisch. Die beharrliche Beschreibung der klimatischen Verhältnisse und der monotonen Landschaft, welche zunächst redundant erscheint, lässt tatsächlich vor dem inneren Auge ein lebendiges Bild Südwestafrikas entstehen; die ausholende Langsamkeit der Erzählweise trägt dazu bei ... Virtuos verwebt er historische Ereignisse, Figuren und Dokumente mit Fiktivem."
Gerhard Seyfried enthält sich "des Moralisierens und obsoleter Verurteilungen der Greueltaten ... ohne dass dies angesichts des Stoffes unanständig erschiene, (treten) die abenteuerlichen Aspekte einer Erzählung in den Vordergrund, dessen Autor als Bub Karl-May-Romane verschlungen habe".
Auch comichafte Elemente enthalte Syfrieds Roman, schreibt Susanne Ostwald, er habe "regionaltypische Idiome" eingesetzt und sei sich damit treu geblieben.
Dass der "Schriftsteller-Debütant noch etwas unbeholfen mit dem literarischen Werkzeug" umgehe, falle "angesichts der Qualitäten des Buches" nicht so sehr ins Gewicht: "Herero ist ein fesselndes und erschütterndes Buch, das seine Wirkung, auch im Zusammenhang mit der anstehenden Debatte um den Völkermord in Südwestafrika, nicht verfehlen wird." (NZZ)
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