DIE MARABOUT-SEITE
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Chronik (1901-2016)

Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas * von innen und außen 

Tageschronik: 14. November 2003

 

· Die MARABOUT-SEITE zitiert aus Äthiopien ·  


"Rastafaris fördern die alternative Landwirtschaft"

Zu Beginn des Artikels stellt die Addis Tribune fest, dass die hiesige Rastafari-Gemeinschaft Jahrzehnte lang nicht ernst genommen worden sei, und die Äthiopier sie als lächerlich bezeichnet hätten.

All das änderte sich nun durch die Anstrengungen einer Rastafari-Nichtstaatlichen-Organisation (NGO), die alternative Landwirtschaftstechniken und Entwicklungsprogramme für Jugendliche fördere.

"Wir wollen die Ansicht aufbrechen, dass wir Rastas den ganzen Tag lang nur Reggae-Musik singen und Marihuana rauchen. Wir sind ernsthafte Entwicklungsarbeiter", sagt Ras Kabinda, ein Teilnehmer der Ethiopian World Federation.

"Die Zeit für den Aufbau der Nation ist gekommen. Wir müssen all das eitle Geschwätz stoppen und die Dinge in Bewegung setzen", fügt der in der Dominikanischen Republik geborene Kabinda hinzu. Er sei 1992 nach Äthiopien gekommen.

"Es ist eine Sache von Afrika zu reden und zu fantasieren, wenn du aber nach Hause kommst und siehst die Bedingungen der Jugend hier, merkst du, du hast ernsthafte Arbeit vor dir. Wir brauchen solide Trainingsprogramme für sie", betont er.

Der Bericht beschreibt Shashemene, ca. 220 km südlich von Addis Abeba gelegen, als das geistige Heim der Rastafaris oder Rastas. Ca. 100 Familien hätten sich hier niedergelassen. "Der letzte Kaiser Äthiopiens, Haile-Selassie, übergab 1948 den glühenden Anhängern etwas Land in Shashemene, einer Handelsstadt von ungefähr 60 000 Einwohnern, um ihren Wunsch entgegenzukommen, nach Afrika zurückzukehren und einen Platz zu haben, wo sie sich niederlassen können."

Die Addis Tribune erläutert in Grundzügen die Legende, der zufolge die Haile-Selassie-Dynastie bis zu den Biblischen Zeiten des König Salomons und der Königin von Sheba zurückverfolgt werden könne. "Rastafaris glauben, dass Haile-Selassie oder Ras Tafari, wie es im Alten Testament prophezeit war, der lang erwartete Messias vom Hause Davids sei, der sie wegführen würde aus ihren Ländern, wo sie unterdrückt wurden und sie nach Äthiopien bringen würde, was sie als ihr Zuhause betrachteten."

Die Ethiopian World Federation betreibe zwei Schulen in Shashemene, eine für Grundschüler, die andere für die gymnasiale Unterstufe.

Die Wochenzeitung berichtet von Plänen für eine Modellfarm auf einem 500 Hektar-Grundstück. Ebenso sei ein Computerzentrum für etwa 200 Studenten in Vorbereitung unter der Aufsicht des Haile-Selassie-Instituts für Fortgeschrittenes Lernen, einem Zweig der Föderation.

"Wir versuchen von der Regierung ein Grundstück von 500 Hektar Land zu erhalten. Wir wollen den äthiopischen Landwirten demonstrieren, dass es alternative Wege der landwirtschaftlichen Arbeit gibt", zitiert die Zeitung Kabinda, der fortfährt:

"Wir wollen Modellfarmen aufbauen und mit der Jugend arbeiten - das Rohmaterial ist bereits da, und wir wollen die Farmen in Nahrungszentren verwandeln".

Das Projekt habe den Segen des Rathauses von Shashemene, heißt es, und die Organisation warte nun auf die Antwort der Bundesregierung.

Informationstechnologie zähle Kabinda zufolge ebenso zu den Prioritäten der Ethiopian World Federation. Er berichtet von einem Spender, der bereit sei, 200 Computer zu übergeben.

Dann kommt Kabinda auf die wenigen Möglichkeiten der ansässigen Jugend zu sprechen. Es fehle ihr an Mittel, ihren Einfallsreichtum und ihre Kreativität auszudrücken zu können.

Rastafarismus, oft assoziert mit der armen schwarzen Bevölkerung von Jamaica und dem Rest der Karibischen und Westindischen Inseln, sei nicht nur eine Religion sondern auch eine Lebensweise, so der Bericht. Rastafaris glaubten an die starke Verpflichtung, sich gegen Armut, Unterdrückung und Ungleichheit aussprechen zu müssen. "Die Rastalocken eines Rastafaris symbolisieren die Rebellion gegen das System und die ‚passende' Haartracht."

Marihuana werde von den Rastafaris zu spirituellen und medizinischen Zwecken benutzt, "und sie sind Vegetarier; sie essen nur natürliches Essen, ohne Salz gekocht, Konservierungsmittel oder Gewürze. Alkohol ist Tabu, wie auch Kaffee, Milch und Soft Drinks."

Unglücklicherweise sei die Lebensweise der Rastafaris in Äthiopien missverstanden worden und viele der jüngeren Generation der Rastas waren gezwungen ihre Rastalocken abzuschneiden, um nicht angestarrt und belächelt zu werden.

In der Folge erklärt Ras Kabinda von der Ethiopian World Federation, die Zeit für die Äthiopier sei gekommen, von den Rastafaris zu lernen. Zur Vermeidung einer jährlichen Hungersnot müssten die Ursachen identifiziert und beseitigt werden.

Er spricht sich entschieden gegen das Monokultur-System wie gegen chemische Düngemittel aus.

(...)

Äthiopien sollte die traditionelle Landwirtschaft den Hochertragsmethoden vorziehen. (...)

"Als Rastafaris sind wir Pro-Äthiopier. Wir möchten unsere Brüder und Schwestern nicht in Armut sehen. Wir wollen keine hungrigen Babys sehen. Das ist überhaupt nicht die Art unseres Volkes. Wir wollen jedermann auf dem selben Level haben."
· (Addis Tribune, ÜEK: J.K.)

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Quelle:
Addis Tribune, Äthiopien (Addis Tribune)

Anmerkungen:
* inkl. arabischer Raum
ÜEK: J.K. --> Aus dem Englischen übersetzt und kommentiert: Janko Kozmus ©


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