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Quelle: Vanguard,
englischspr. nigerian. Tageszeitung (Vanguard)
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Anmerkungen:
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inkl. arabischer Raum
ÜE: J.K. --> Übersetzung aus dem
Englischen: Janko Kozmus ©
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CHRONIK
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Zur Sozial-
und Literaturgeschichte Afrikas*
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von
innen und außen
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| · Die
MARABOUT-SEITE zitiert aus Nigeria · |
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| Unter
diesem Titel bringt die englischsprachige Tageszeitung
VANGUARD aus → Nigeria
den Text einer Gegendarstellung zu einem Interview,
dass die Autorin des Orange-Prize-nominierten
Romans Purple Hibiscus Chimamanda Ngozi
Adichie den, wie sie hier bezeichnet werden, "Glitterati-Seiten"
der ebenfalls nigerianischen Tageszeitung THISDAY
gegeben hat. In dem bewussten Interview vom 1.
Aug. 2004 seien ihr vom Interviewer, Chude Jideonwu,
Behauptungen unterstellt worden, die sie klären
wolle, da sie sich falsch dargestellt fühlt. |
| Es
folgt der Text der Autorin ohne Kommentar oder
erkennbare Auslassungen von VANGUARD. |
| "Ich
scheue vor dem Thema Sex nicht zurück", schreibt
Chimamanda Ngozi Adichie, die weiter
unten im Text Wert auf die vollständige Schreibweise
ihres Namens legt. "Ich denke für uns als
Gesellschaft ist es wichtig, Dinge anzusprechen,
wie die Doppelzüngigkeit unserer sexualisierten
Politik, die Art und Weise, wie wir geschlechtsabhängige
doppelte Standards bezüglich Untreue haben,
die Art, wie wir heuchlerisch Punkte wie sexuelle
Bildung moralisieren und dadurch unseren jungen
Menschen das lebensrettende Wissen vorenthalten,
das sie benötigen, die Art wie wir flüchtig
gelegentlichen Sex akzeptieren und behaupten,
dies nicht zu tun und am wichtigsten die AIDS-Geißel." |
| Sie
empfinde es als beleidigend, wenn Sex abwertend
benutzt und ihr zugeschrieben werde. "Ich habe
gesagt, wobei ich einen Unterschied gemacht habe
zwischen erotischer Kunst und Pornographie, dass
unsere Haltung gegenüber Sex in Nigeria oft
so heuchlerisch ist und deshalb jeglichen ernsthaften
Dialog blockiert. Ich habe auch von unserer vom
Christentum herrührenden Prüderie gesprochen,
die es in vorkolonialer Zeit nicht gab." |
| Sie
sei schockiert gewesen auf dem Cover der Glitterati-Zeitung
vom 1. Aug. 2004 stehen zu sehen: "Chimamanda
Ngozi Adichie erklärt - Was den Sex angeht,
sind wir Possenreißer. Ich fand es nicht
nur vulgär und irreführend, sondern
auch unethisch. Es war vulgär und irreführend,
weil es sensationalisiert wurde und in einer Weise
ohne Zusammenhang zitiert, die den Leser offensichtlich
absichtlich irreführen sollte." |
| Chimamanda
Ngozi Adichie habe inzwischen von einigen Freunden
gehört, sie hätten spontan, als sie
die Schlagzeile sahen, angenommen, sie habe gesagt,
die Nigerianer seien komisch beim Sex. Sie fährt
fort: "Und es war unethisch, weil es nicht die
von Chude Jideonwo, mit dem ich das Interview
machte, ursprünglich geschriebene Schlagzeile
war, das Zitat selbst war nicht in dem Abschlussskript
des Interviews. Ich machte das Interview mit Chude
Jideonwo unter der Bedingung, dass ich die Kopie
durchsehen könnte, um zu sehen, ob ich richtig
zitiert worden war. (Ich bin vorsichtig geworden,
seit ich mit einem nigerianischen Schriftsteller
in den USA gesprochen hatte, der mich mit Dingen
zitierte, die ich nicht gesagt hatte, sich aber
später entschuldigte)." |
| Der
Interviewer Chude und sie hätten auf einer
Veranda zusammen geredet, wobei sie auf die lärmige
Straße blickten, "und als er mir einen Tag
später die Kopie gab, sagte er, auf dem Band
sei so viel Lärm mit drauf, dass viele Teile
verfälscht seien. Deswegen, so sagte er,
habe er vielleicht einige Dinge unrichtig übertragen.
Er hatte. Ich korrigierte faktische Fehler genauso
wie Teile, bei denen ich dachte, es fehlten Sätze.
Ich bat darum, Sätze zu löschen, bei
denen die Wörter nicht nach mir klangen oder
wo zu wenige Wörter da waren, um die Bedeutung
deutlich werden zu lassen." |
| Eine
solche Stelle sei das Zitat gewesen: "Ich bin
mir nicht sicher, vielleicht sind wir alle nur
Possenreißer". Chude habe den Korrekturen
zugestimmt und der Autorin versichert, dass sie
übernommen würden. Die Glitterati-Zeitung
sei drauflos gegangen und habe die einfachsten
Regeln des Journalismus gebrochen, "sie publizierte
die ungenau übertragene Version, mit einigen
Zufügungen, bei denen ich mich nicht erinnern
kann, sie im Original gesehen zu haben (solche
wie den Teil über Farafina, meinen nigerianischer
Verlag)." |
| Sie
sei mit Dingen zitiert worden, "die ich nie gesagt
habe (Beispiel - ‚Ich hatte niemals das Gefühl,
dass mein Vater sich so verhielt, als sei es vollkommen
normal, dass Frauen jeden Morgen mit ihren Männern
aufstehen und zur Arbeit gehen' und ‚bittest du
sie, nicht buchstäblich zu übersetzen,
erkennen sie nicht, warum' keines von denen macht
Sinn, nicht mal im schlecht gemachten Teil)". |
| Sie
sei mit Ausdrücken und einer mangelhaften
Grammatik zitiert worden, die sie niemals benutzt
hätte (Beispiele - "sie wurde Eigentum wie
ein Stuhl" und "ich will es nur nicht irgendwie
tun"). "Einige Teile des Interviews", sagt sie
weiter, "wurden weggelassen, was meine Antworten
oft unsinnig erscheinen ließ (besonders
auf die Frage: ‚Kennen Sie einen solchen Mann?'
und ‚Aber die meisten jungen Schriftsteller empfinden
es als Last, so zu sein')". |
| "Ich
wurde zitiert, ich hätte gesagt, mein Vater,
der 72 ist, wäre 75. Ich wurde permanent
als Ngozi Adichie bezeichnet und nicht als Chimamanda Ngozi Adichie,
was ich ganz klar als meine Präferenz bezeichnet
habe." |
| Sie
habe ihren Großvater nicht mit der Aussage
zitiert, "dass Männer ihre Penisse entblößen.
Das Igbo-Wort ‚ichighali' heißt nicht ‚entblößen',
sondern vielmehr ‚verhüllen' [mehrdeutig
im Original: ‚holding'. J.K.]. Ich legte Wert
darauf, die Igbo-Haltung in Bezug auf Sinnlichkeit
in der Vergangenheit und in der Gegenwart zu unterscheiden.
Wegen der mangelhaften Übersetzung, die nicht
von mir abgesegnet wurde, ist der ganze Inhalt
verloren gegangen und wurde fast schmutzig. Kluge
Leute werden wissen, dass Igbo-Männer ihre
Penisse in vorkolonialen Zeiten ganz und gar nicht
entblößt haben und ein solches Zitat,
und andere in diesem Text, könnten sehr gut
meine Glaubwürdigkeit beschädigen. Ich
habe strenge Ansichten, für die ich mich
nicht entschuldige. Jedoch muss ich deutlich sagen,
dass diese Ansichten korrekt artikuliert werden,
so dass ich für sie einstehen und sie als
meine verteidigen kann, wenn ich muss." |
Sie
bereue es nun zutiefst, der Glitterati-Zeitung
ein Interview gegeben zu haben. "Meine Reaktion
wäre vielleicht anders, wenn ich die Kopie
nicht gesehen hätte, bevor sie in Druck ging
- Ich hätte vielleicht versucht die Ungenauigkeiten,
die ordnungsgemäß von mir und dem Journalisten
abgestimmt gewesen wären, zu entschuldigen.
Jedoch veröffentlichte die Glitterati-Zeitung
wissentlich eine ungenaue Fassung. Diese Absicht
deutet auf das eigennützige Bedürfnis,
die Zeitung zu verkaufen, bestenfalls auch auf
Kosten der Wahrheit, schlimmstenfalls mit böser
Absicht. Aber hier geht es nicht nur um mich und
meine ärgerliche Enttäuschung mit der
Glitterati-Zeitung.
Hier geht es um ein weiteres Beispiel, wie wir
fortfahren die Hürden der Akzeptanz und der
Verewigung von Mittelmaß zu senken. Es liegt
an uns, den Bürgern und Lesern, zu sagen
‚genug', an die Zeitungsherausgeber zu schreiben,
wenn eine Schlagzeile irreführend war, es
liegt an uns, mangelhaft redigierte Publikationen
nicht zu kaufen." |
| "Auch
liegt es an uns Interviewten zu reagieren, wenn
wir sinnwidrig aus dem Zusammenhang zitiert werden,
so werden die Herausgeber vielleicht entscheiden,
eine bessere Arbeit zu tun, wissend, dass es Konsequenzen
für unprofessionelle Führung und Schlampigkeit
gibt. Wir starren auf die Vorzüge des Auslands.
Es ist wichtig für uns, uns daran zu erinnern,
dass diese Länder durch bestimmte Prinzipien
Erfolg erlangt haben - eines davon ist, die Medien
auf einem hohen Standard zu halten. ka udo di,
ka ndu di..." [Wer kann bei der Übersetzung
dieses letzten -vermutlich Igbo - Ausdrucks helfen?!
J.K.]. · (Vanguard,
ÜE:
J.K.
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| Weitere
Artikel zu Nigeria in der Afrika-Chronik: |
Peoples Daily, Preise von Lebensmitteln in Abuja
steigen, 2011 |
The Vanguard, Plastikflaschenhaus erstmalig in
Nigeria, 2011 |
The Guardian, Achebe erhält den Man Booker
International Prize, 2007 |
Daily Sun, Über den literarischen Norden des
Landes, 2006 |
The Vanguard, Chinua Achebe lehnt aus Protest Nationalpreis
seines Landes ab, 2004 |
The Daily Independent, 44ster Jahrestag der Unabhängigkeit
des Landes, 2004 |
Die taz berichtet über einen Menschenrechtsanwalt
der den Protest in Nigeria organisiert, 2004 |
Vanguard, Über die Freilassung v. Amina Lawal,
die von einem Sharia-Gericht zum Tode durch Steinigung
verurteilt worden war, 2003 |
The New Vision, Über den nigerianischen Autor
Okey Ndibe, 2002 |
The New Vision, Über die Verleihung des Friedenspreises
des Deutschen Buchhandels an Chinua Achebe, 2002 |
Mail&Guardian, Über den zum Tode verurteilten
Autor u. Menschenrechtler Ken Saro-Wiwa, 1995 |
Erklärung des Internationalen Schriftstellerparlaments
zu Saro-Wiwa, 1995 |
| Weitere
Artikel zu → Schwarzafrika
in der Afrika-Chronik |
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