DIE MARABOUT-SEITE
linie

linie
linie

Chronik (1901-2016)

Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas * von innen und außen 

Tageschronik: 16. Januar 2004

 

· Die MARABOUT-SEITE zitiert aus Südafrika · 
Mail & Guardian, South Africa


Die freitags erscheinende südafrikanische Wochenzeitung Mail & Guardian berichtet über anstehende Gefängnisreformen im angrenzenden Swasiland, deren Auslöser steigende Aids-Raten sind.

Die Zeitung zitiert einen anonym bleibenden hohen Beamten aus der Gefängnisverwaltung: "Es wäre falsch zu behaupten, Gefängnisse in Swasiland seien inhuman, aber es gibt viel Raum für Verbesserungen, um sie sicherer vor HIV-Infektion zu machen; Insassenmissbrauch und andere Missstände treten mehr oder weniger endemisch auf".

Der Direktor der Gefängnisverwaltung Mguni Simelane wird mit folg. Worten zitiert: "Wir sind einen langen Weg gegangen, bevor wir die verheerende Wirkung von Aids innerhalb der Gefängnisse erkannten". Was das heißt, unterstreicht der Bericht mit der Feststellung legaler Beobachter der Situation in Swasiland, die Dementis innerhalb der Diskussion um Aids in Gefängnissen an der Tagesordnung sehen.

Vor zwei Jahren wurde ein 24 Jahre alter Mann aus Mosambik in ein Gefängnis des Landes verwiesen und war von den Zuständen, die er vorfand, so die Wochenzeitung, so entsetzt, dass er sich Monate später nach seiner Freilassung an die Presse wandte, um davon zu berichten. Knaben würden gemeinsam mit älteren Männern in eine Zelle gesteckt und Missbrauch sei gang und gäbe, woraufhin die Gefängnisverwaltung unverzüglich 1 Dutzend Insassen aufmarschieren ließ, um die Behauptung zu widerlegen.

Es gebe keine widernatürlichen Sexualpraktiken in Swasilands Gefängnissen, betonten verschiedene Gefängnisinsassen bei einer Pressekonferenz.

Dieses Leugnen wurde weitgehend verspottet, heißt es weiter in dem Bericht, und der Mosambikaner blieb bei seiner Darstellung, die später in einem Buch über Missbrauch veröffentlicht wurde, welches auch die Aussagen eines Gefängniswärters enthielt, der junge Insassen nach bestem Vermögen vor Missbrauchssituationen zu schützen versuchte.

Dieser Gefängniswärter sagte lt. Mail & Guardian anonym aus, jedoch erkannten zur selben Zeit offizielle Stellen, dass Vergewaltigung und gleichgeschlechtliche sexuelle Beziehungen im Gefängnis zur Ausweitung von HIV führten.

Das Internationale Rote Kreuz war eine der Organisationen, die diesen Wechsel herbeiführten, heißt es, bevor Iris Dlamini, eine Rot Kreuz-Schwester zitiert wird:

"Gefängnisoffizielle erzählten uns privat, was sie öffentlich nicht gesagt hätten, weil sie sich in einem Zwiespalt befänden".

Sie fügt hinzu: "Sie konnten es Aids-Hilfsgruppen nicht erlauben, Kondome in Gefängnissen zu verteilen, obwohl sie von Sex unter Männern und steigenden HIV-Infektionen wussten. ‚Wenn wir Kondome erlauben, würde das unmoralisches Verhalten fördern', erklärten sie uns".

Aber albtraumhafte Aids-Statistiken allarmierten die Bürger von Swasiland, berichtet die südafrikanische Wochenzeitung.

Gegen Ende vergangenen Jahres veröffentliche das UN-AIDS-Hilfsprogramm (UNAids) einen Bericht, das Swasiland zum ersten Mal neben Botsuana auflistet, als bei den Erwachsenen am höchsten mit HIV infiziertes Land der Erde. Ca. 40 % der erwachsenen Bevölkerung seien betroffen.

Die Situation innerhalb der Gefängnisse, wo auch Wärter zu den Opfern zählen, löste, heißt es in dem Bericht weiter, ebenso Aktionen innerhalb der offiziellen Gefängnisverwaltung aus. Der oben zitierte Direktor Simelane kommt erneut zu Wort:

"Wir haben dem Roten Kreuz Zugang zu allen Insassen des Zakhele Remand Centre, des Matsapha Maximum Security Prison und anderer Gefängniseinrichtungen gewährt. Sie klären männliche und weibliche Insassen über Aids auf und empfehlen Safer-Sex-Praktiken".

(...)

Die ebenfalls bereits zitierte Rot-Kreuz-Schwester abschließend:

"Gefängnisinsassen sind in der hohen Risikogruppe, was bedeutet, sie stellen eine größere Gefahr für die ganze Gesellschaft dar, wenn ihr Verhalten im Gefängnis zu Aids führt. Offensichtlich müssen wir Aids am Ort der Entstehung stoppen, um die Gesellschaft zu schützen" ...
(Mail & Guardian, ÜE: J.K.)

Anmerkungen:
* inkl. arabischer Raum
ÜE: J.K. --> Übersetzung aus dem Englischen: Janko Kozmus ©

Quelle:
Mail & Guardian, Südafrika (englischspr. Wochenzeitung, Mail & Guardian)


linie
Weitere Artikel zu  Südafrika in der Afrika-Chronik:
linie
linie