DIE MARABOUT-SEITE
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Chronik (1901-2016)

Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas * von innen und außen 

Tageschronik: 18. Oktober 2004

 

· Die MARABOUT-SEITE zitiert aus Marokko ·  


"Ein Aktionsplan für den Kampf gegen die Bettelei in Rabat: Die Hauptstadt zu einer Stadt ohne Bettler machen"

Jihane Gattioui berichtet für die französischsprachige marokkanische Tageszeitung Le Matin "von dem wichtigsten Vorhaben des Ministeriums für Soziale Entwicklung, Familie und Solidarität seit seiner Schaffung".

Der zuständige Minister, Abderrahim Harouchi, spricht in einem Zitat von der "Geißel der Bettelei", die im Land herrsche und von einer "Priorität unseres Ministeriums". Er betont: "Wir haben bereits mit dem Einsatz eines Aktionsplans in Casablanca begonnen, und die Resultate sind befriedigend. Rabat wird die zweite Stadt mit dieser Strategie sein".

Der Plan betrifft Kinder unter 7 Jahren, heißt es weiter, die von Erwachsenen benutzt würden sowie bettelnde Kinder in Altersklassen zwischen 8 und 12 Jahren. Einige Kinder der ersten Kategorie hätten weder ein nahes noch ein entfernteres Verwandtschaftsverhältnis zu den sie begleitenden Personen.

Der Hauptgrund für diesen sozialen Missstand sei Armut. Drakonische Maßnahmen müssten unverzüglich unternommen werden. In der Tat sei ein großer Teil dieser Kinder durch Dritte "entliehen", um sie für die Bettelei zu benutzen. Viele von ihnen würden sogar von Drogen abhängig gemacht, um sie zur Bettelei verleiten zu können und um ihnen die Scham zu nehmen. Den Kindern fehlte die Wärme der Familie, sie könnten ihre Kindheit gar nicht ausleben; Spiel und Zerstreuung existierten nicht in ihrem rauen Leben.

Die Verantwortlichen sind sich dieser katastrophalen Situation, deren Opfer Hunderte von Kindern sind, bewusst, heißt es in dem Bericht weiter. Um diese Geißel zu beseitigen, sei der Aktionsplan ausgearbeitet worden. In zwei Phasen werde man sich zunächst der Jungen, dann der Mädchen annehmen.

(...) Der Bahnhof, die Märkte und die Autobusse seien die bevorzugten Orte der Bettler der Hauptstadt. Jeder erfinde bewegende Geschichten. Man glaubt ihnen sogar, dass die sie begleitenden Kinder ihre wahren Sprösslinge seien. Sie wählten sich ein Zielobjekt aus und wendeten für jede einzelne Person eine besondere Strategie an, mit der sie einen durchschlagenden psychologischen Druck ausübten. Touristen und Bürger fühlten sich durch ihre Bitten beschämt.

Noch einmal kommt der Autor auf die Notwendigkeit zu sprechen "diese Geißel zu bekämpfen", die "mehr und mehr wütet und die die Zukunft des Tourismus unseres Landes bedroht"

Das Gelingen des Aktionsplans des Ministeriums für Soziale Entwicklung, Familie und Solidarität sei nicht nur von finanziellen Mitteln abhängig, sondern auch von flankierenden Maßnahmen in den unterschiedlichen Fällen. Dutzende von Sozialarbeitern seien mobilisiert worden, um die ausgenutzten Kinder aus dem Griff der Bettler zu retten, die dann in die Gesellschaft reintegriert werden müssten. Man habe die Eltern kontaktiert, die ihre Kinder an Bettler "entleihen". Falls möglich, würden die Kinder zu ihren Familien zurückkehren, um mit ihnen zu leben, falls nicht würden sie in einer dafür geschaffenen Einrichtung aufgenommen werden. "So gibt man ihnen die Gelegenheit zu einem normalen und würdevollen Leben, um ein Beispiel für gleichaltrige Kinder abzugeben".

Die Bürger könnten dazu beitragen, diese Geißel einzudämmen, indem sie sich versagten, den Bettlern Geld zu geben. So würde niemand mehr daran denken, dieses "Gewerbe" zu praktizieren.

"In einer Stadt ohne Bettler zu leben, das ist der Traum von Millionen von Bürgern", schließt der Bericht: "Er könnte Realität werden, wenn die Vorschriften für den Aktionsplan des Ministeriums für Soziale Entwicklung, Familie und Solidarität gut befolgt würden." · (Le Matin, Marokko, ÜFK: J.K.)

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Quelle:
Le Matin, frz.-spr. marokkan. Tageszeitung (Le Matin, Marokko)

Anmerkungen:
* inkl. arabischer Raum
ÜFK: J.K. --> Aus dem Französischen übersetzt und kommentiert: Janko Kozmus ©


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