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Quelle:
Vanguard, englischspr. nigerian. Tageszeitung (Vanguard)

Anmerkungen:
* inkl. arabischer Raum
ÜE: J.K. --> Übersetzung aus dem Englischen: Janko Kozmus ©
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CHRONIK
 
Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas*
von innen und außen
 
 
21. Oktober 2004
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· Die MARABOUT-SEITE zitiert aus Nigeria ·  
VANGUARD, Nigeria


"Achebe ohrfeigt Nigeria"


In einem Artikel von Sufuyan Ojeifo und Doris Okenwa berichtet der englischspr. Vanguard von  Chinua Achebes Ablehnung des nigerianischen National Award of Commander of the Federal Republic (Nationalpreis [der Ernennung zum] Kommandeur der Bundesrepublik, kurz: CFR).

Die Bundesregierung habe gestern, so schreiben die beiden Autoren, ihr Bedauern über die Ablehnung des Nationalpreises ausgedrückt; die Ablehnung sei ein Schlag in das Gesicht des nigerianischen Volkes, nicht in das Gesicht der Regierung von Präsident Olusegun Obasanjo. Die Regierung werde jedoch über dieser Ablehnung ihren Schlaf nicht verlieren, habe aber gleichzeitig beschlossen, "Prof. Achebe zu einem Dialog einzuladen ... weil dieser die Ablehnung mit der schleichenden Krise in seiner Heimat, dem Bundesstaat Anambra sowie dem allgemeinen Stand der Dinge in dem Land begründet habe."
Die von Fani-Kayode unterzeichnete, offizielle Stellungnahme der Regierung habe den Titel: "Unsere Antwort zu Prof. Chinua Achebes Ablehnung des Nationalpreises", heißt es weiter in der Tageszeitung, die zitiert: "Obgleich ich betonen muss, dass wir Prof. Chinua Achebes Brief bis jetzt nicht erhalten haben, habe ich gestern (Dienstag) den Inhalt mit dem Präsidenten diskutiert, unsere Position ist wie folgt:
Da Prof. Achebe den Inhalt des Briefes durch öffentliche Stellungnahmen im BBC und anderen ausländischen Medien bestätigt hat, können wir getrost davon ausgehen, dass der Inhalt des Briefes seine Position genau wiedergibt und können deshalb darauf antworten."
Im Folgenden wird das Zitat der Ohrfeige ins Gesicht des Volkes wiederholt und darauf verwiesen, dass Achebe sich nicht bewusst sein könne, was innerhalb des Landes positiv verändert worden sei, weil er "schlicht nicht hier gewesen ist".
Es bestünde kein Zweifel, heißt es in der Stellungnahme weiter, im Lande herrsche eine schwierige Situation, aber eine "sensible Regierung wird von einem sensiblen Präsidenten geführt", der "alles in seiner Macht stehende" tun werde, um "das Los des nigerianischen Volkes zu verbessern und die Nation auf den Weg der ökonomischen Genesung zu bringen".
Es sei "überflüssig zu sagen, dass wir mit Achebes Sicht der heutigen Lage in  Nigeria nicht übereinstimmen", fährt der Bericht fort:
"Unsere Türen sind für ihn geöffnet und werden auch in Zukunft geöffnet sein, da wir tiefsten Respekt und Bewunderung für ihn hegen." Trotzdem sei es angebracht, festzustellen, "dass gleichgültig, was für eine rühmliche und einfallsreiche Person und was für ein brillantes und begabtes Individuum Sie sein mögen, wenn sie glauben, dass ihr Land es nicht verdiene, Sie zu ehren, dann, so glauben wir, verdienen sie sicherlich nicht ihr Land".
(...)
Während einer Pressekonferenz habe Fani-Kayode gesagt, die Achebe verliehene Ehrung würde von der Regierung nicht zurückgenommen, "wenn er ihn möchte, er ist für ihn da, jederzeit, wenn er seine Meinung ändert, ist der Preis für ihn da".
In der Folge kommt der Bericht auf die Situation im Bundesstaat Anambra zu sprechen, indem er Fani-Kayodes Aussage zitiert, derzufolge Präsident Obasanjo nicht in die Krise der Demokratischen Partei Anambras (PDP) involviert war. Anschließend spricht Fani-Kayode "die Natur des Anambra-Problems" an. Dieser Teil wird von der Tageszeitung ausführlich und wörtlich zitiert, hier die wichtigsten Details:
Viele Mitglieder der Regierung kommen aus dem Bundesstaat Anambra und hätte die Regierung irgend etwas gegen das Volk von Anambra, dann säßen nicht mehrere aus Anambra stammende Mitglieder der Regierung in Schlüsselstellungen. In Wahrheit handele es sich um ein Problem von zwei Faktionen innerhalb der PDP; dem einen Teil gehöre die Regierung, dem anderen einzelne führende Mitglieder an.
Beide Faktionen hätten trotz der Anstrengungen des Präsidenten den Dialog verweigert, gingen stattdessen vor Gericht. Mischte die Regierung sich in die Angelegenheit ein, würde der Vorwurf der Parteinahme laut werden. Im Namen des Präsidenten versichert Fani-Kayode, dass seitens der Regierung kein Interesse an einer Teilung bestünde. (...)
Der folgende [offene v. 15.10.04, J.K.] Brief Achebes an den Präsidenten wird hier ungekürzt zitiert: "Ich schreibe diesen Brief schweren Herzens. Für geraume Zeit habe ich die Ereignisse in Nigeria mit Unruhe und Unbehagen beobachtet. Insbesondere habe ich das Chaos in meinem eigenen Bundesstaat Anambra beobachtet, wo eine kleine Clique von Überläufern, die offen mit ihren Verbindungen nach oben prahlt, entschlossen scheint, mein Heimatland in ein bankrottes und gesetzloses Lehen zu verwandeln. Ich bin entsetzt über die Unverfrorenheit dieser Clique und dem Schweigen, wenn nicht gar der schweigsamen Duldung, der Präsidentschaft.
Vor dreiundvierzig Jahren, am ersten Jahrestag von Nigerias Unabhängigkeit, erhielt ich die erste nigerianische nationale Ehrung für Literatur. 1979 erhielt ich zwei weitere Ehrungen - Nigerian National Order of Merit und Order of the Federal Republic - und 1999 den ersten Nationalpreis für Kreativität.
Ich akzeptierte all diese Ehrungen im vollen Bewusstsein, dass Nigeria nicht perfekt war, aber ich hatte einen festen Glauben daran, dass wir unter Führern, die die Einheit der verschiedenen Völker anstrebten, unseren Unzulänglichkeiten entwachsen würden.
Nigerias heutiger Zustand unter ihrer Aufsicht ist jedoch zu gefährlich, als dass man schweigen könnte. Ich muss meine Enttäuschung konstatieren und protestiere, indem ich die hohe Ehre ablehne, in die Ehrenliste von 2004 aufgenommen zu werden."
Der Artikel schließt mit Hinweisen auf die große Bedeutung Achebes als afrikanischer Schriftsteller und auf ein Interview, das dieser am Montag der BBC gegeben habe, in dem er sagte, nichts habe sich unter Obasanjos Amtsführung geändert, was ihn überzeugt hätte, den Preis anzunehmen oder an der üblichen Feier zur Übergabe teilzunehmen. (Vanguard, ÜE: J.K.  )
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