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AFRIKA-CHRONIK
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Quelle:
die tageszeitung (taz)

Anmerkungen:
* inkl. arabischer Raum
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CHRONIK
 
Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas*
von innen und außen
 
 
24. Juli 2004
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· Die MARABOUT-SEITE zitiert aus Deutschland ·  
die tageszeitung
Der bekannte nigerianische Menschenrechtsanwalt Gani Fawehinmi organisiert vor dem Hintergrund gewaltsamer Auseinandersetzungen in verschiedenen Regionen des Vielvölkerstaats den Protest, der eine "souveräne Nationalkonferenz" fordert.
Unter dem Titel "Nigerias Demokraten suchen Demokratie" berichtet Hakeem Jimo für die tageszeitung aus Lagos.
Gani Fawehinmi, Mitte sechzig, sei vor allem wegen seiner Proteste gegen die Militärregierung bekannt geworden, schreibt Hakeem Jimo, Zeitungsausschnitte in seinem Büro zeugten davon; von seinen Mitarbeitern werde er nur respektvoll "Chief" genannt. Er wirft - wie der früheren Militärregierung - auch der 1999 demokratisch gewählten Regierung von Präsident Olusegun Obasanjo "undemokratisches Verhalten" vor.
"Wir haben hier keine Demokratie, auch wenn das die internationale Gemeinschaft nicht wahrhaben will", schimpft Menschenrechtsanwalt im Gespräch mit Hakeem Jimo. "Das hier ist eine Pseudodemokratie. Die Regierung hält sich nicht an demokratische Regeln, wenn es ihre Interessen angeht. Präsident Obasanjo ist ein Diktator."
Ein Unterschied zwischen zivilen und militärischen Herrschern sei nur noch in der Kleidung auszumachen, stellt der Menschenrechtsanwalt fest: traditionelles Gewand anstelle der khakifarbenen Uniform. "Ansonsten herrsche bei den Mächtigen dieselbe Ignoranz gegenüber den Problemen der stetig ärmer werdenden Bevölkerung wie früher. Heute leben mehr Nigerianer als bei der Demokratisierung 1999 unterhalb der Armutsgrenze."
Nach den demokratischen Wahlen von 1999, heißt es in dem Artikel weiter, seien über 10.000 Menschen "durch politisch motivierte Gewalt getötet worden - ein viel höherer Blutzoll als während der Diktatur. Hochburgen der Gewalt liegen im Norden des Landes, wo christliche und muslimische Volksgruppen regelmäßig zusammenprallen; auf den Ölfeldern des Nigerdeltas, wo sich lokale Milizen immer wieder Feuergefechte mit der Regierungsarmee liefern; und neuerdings im Zentrum des Landes, wo der muslimische Norden und der nichtmuslimische Süden aufeinander stoßen."
Das Absetzen des Gouverneurs und die Einsetzung eines Exgenerals im zentralen Bundesstaat Plateau sowie die Ausrufung des Notstands im Mai nach gewaltsamen Auseinandersetzungen, die Hunderte von Menschenleben gefordert hatten, verurteilt Fawehinmi als "absolute Willkür". Solche drastischen Schritte, sagt er weiter, seien nicht zu rechtfertigen. Man habe sich getäuscht in der Hoffnung "dass der zivile Präsident Obasanjo ein anderer sein würde als der Militärdiktator Obasanjo in den Jahren 1976 bis 1979".
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Noch vor den Mai-Ereignissen in der Provinz Plateau habe Fawehinmi, heißt es weiter, zusammen mit anderen "Pro-Demokratie-Legenden" wie Wole Soyinka Demonstrationen in der nigerianischen Hauptstadt organisiert. "Auf der Demonstration wurden wir systematisch mit Tränengas niedergemacht", berichtet der Bürgerrechtler.
Da eine Strategie im Widerstand gegen die von Fawehinmi ebenfalls als Diktatur bezeichnete Zivilregierung von Obasanjo fehle, so Hakeem Jimo, zeige sich der Menschenrechtsanwalt pessimistisch hinsichtlich des Durchsetzens der zentralen Forderung einer "souveräne(n) Nationalkonferenz". (...)
(taz)
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