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Tschador.
Frauen im Islam
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Quelle:
Sunday
Times, South Africa (SundayTimes
SA)
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Anmerkungen:
*
inkl. arabischer Raum
ÜE: J.K. --> Übersetzung aus dem
Englischen: Janko Kozmus © |
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CHRONIK
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Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas*
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von
innen und außen
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| · Die
MARABOUT-SEITE zitiert aus Südafrika · |
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| "Bittere
Schlacht um die Burqa bricht zwischen Autorinnen aus"
überschreibt Bongani Madondo seinen Artikel für
die südafrikanische Sunday Times und spricht
von "verschleierten Beschuldigungen", die zwischen den
Frauen beim Schriftsteller-Workshop in Durban im Streit
um das Verständnis des Islam hin und herflogen. |
| Bei
einer Schriftstellerkonferenz in Durban habe eine Schlacht
um die Burqa, den moslemischen Schleier, zwei preisgekrönte
Autorinnen in dem Maße verärgert, dass eine
von ihnen wutentbrannt hinausgestürmt sei. |
| "Der
hässliche öffentliche Wortwechsel", heißt
es in dem Artikel weiter, "zwischen der ägyptischen
Feminismus-Autorin
→
Nawal
El Saadawi und der südafrikanischen Schriftstellerin
→ Rayda
Jacobs - beide Teilnehmerinnen des Internationalen
Literaturfestivals in Durban - endete damit, dass Jacobs
den Raum verließ." |
| Die
Auseinandersetzung sei angeheizt worden, als aus dem Publikum
die Frage gestellt worden sei, ob moslemische Frauen den
Schleier freiwillig trügen oder nicht. |
| Saadawi,
eine gestandene Kritikerin der islamischen Doktrin und
Siba Shakib, eine Dokumentarfilmerin, heißt es in
dem Bericht, argumentierten lautstark, "dass Frauen im
Islam keinerlei Freiheit haben". |
| Jacobs
habe entgegnet, ihre Ansicht sei beschränkt und uninformiert. |
| "In
diesem Land", wird Jacobs zitiert, " haben die Frauen
die Wahl, den Schleier zu tragen oder nicht, sogar die
das Gesicht bedeckende Burqa, es steht alles in der Wahl
der Frau. Vielleicht gibt es in ihren Ländern keine
Freiheit für moslemische Frauen, hier schon." |
| Shakib
habe gekontert, Frauen, die den Schleier trügen,
hätten überhaupt keine Wahl. "Auf jeden Fall,
welche Art von Frau entscheidet sich dafür, in einem
heißen Zelt wie dem zu leben?" |
| Als
Jacobs erwidert habe, dass die Erfahrungen der beiden
Frauen "nicht notwendigerweise von allen moslemischen
Frauen" geteilt würden, habe Saadawi sie der Ignoranz
beschuldigt, da, wie sie sagte, nirgendwo im Koran stünde,
Frauen sollten einen Schleier tragen. |
| Erbost
habe Jacobs auf Kapitel 24, Vers 31 des Korans verwiesen,
welches, wie sie sagte, die Frau verpflichte, einen Schleier
zu tragen. |
| Saadawi
ihrerseits habe Jacobs scharf angegriffen und ihr entgegengehalten,
sie könne kein Verständnis für den Koran
haben, da sie nicht arabisch spreche. |
| "Ich
war sehr enttäuscht und verletzt", zitiert Bongani
Madondo Rayda Jacobs, "Ich fühlte einen Schmerz im
Herzen, besonders als klar wurde, dass ich heruntergemacht
wurde. Ich ging hinaus. Es war sehr hässlich. Mein
Herz schlug sehr stark und schnell lehnte ich mich draußen
gegen ein Geländer." |
| Saadawi
verließ Durban am vergangenen Sonntag, heißt
es in dem Artikel weiter. Als die Sunday Times
telefonischen Kontakt aufgenommen habe, habe sie sich,
was den Zwischenfall anging, abweisend gezeigt: "Sorry,
Ich möchte nicht meine Energie vergeuden. Wir verschwenden
Zeit mit Haarspaltereien über Religion. Warum können
wir uns nicht wichtigerer Dinge annehmen, wie den Geschehnissen
im →
Irak? Religion ist
eine sehr private Angelegenheit. Jedermann hat seine Götter
und Göttinnen, und das ist in Ordnung. Warum verschwenden
wir Zeit damit. Menschen werden getötet, alle im
Namen der Religion. Religion wird benutzt von Neoliberalen
um die Weltaufmerksamkeit von dringenden Problemen abzulenken,
solchen wie die Ökonomie. Öl im Nahen Osten,
das ist der Punkt, nicht Religion. Was immer jemand über
den Schleier sagt, ich bin nicht interessiert, danke schön."
|
| In
der Folge geht die Sunday Times etwas näher
auf die beiden Autorinnen ein, zunächst auf die Ägypterin.
Mehr als 30 Bücher habe Saadawi verfasst, darunter
der eindringliche Roman Point Zero (dt: Ich
spucke auf euch) und das bahnbrechende Sachbuch The
Hidden Face of Eve (dt: Tschador - Frauen im Islam). |
| Für
ihre Freimütigkeit habe die Medizinerin Saadawi viele
Schikanen erdulden müssen, einschließlich Todesdrohungen
von religiösen Fundamentalisten, Entlassungen aus
verschiedenen medizinischen Stellungen sowie eine Gefängnisstrafe
unter dem früheren ägyptischen Präsidenten
Anwar As Sadat. |
| Jacobs
erster Roman, Eyes of the Sky (dt:
→ Augen
des Himmels),
sei mit dem Herman Charles Bosman Preis für
engl. Belletristik ausgezeichnet worden. Ihr letzter Roman
Confessions of a Gambler habe den Sunday Times
Literary Award for Fiction sowie den Herman Charles
Bosman Preis gewonnen. |
| Während
Saadawis Bücher auf dem Index gelandet seien, fährt
Bongani Madondo kritisch fort, "und sie ihre Zeit im Gefängnis
verbracht hat, ist Jacobs als unbeschwerte moslemische
Autorin in der Literaturszene aufgetaucht, die Stereotypen
hinterfragt." |
| Auf
dem Cover ihres berühmtesten Buches Confessions
of a Gambler werde die Protagonistin in einer subversiv-unanständigen
Pose gezeigt: Einen schwarzen Schleier tragend, ihr Kopf
in ein purpurnes Kopftuch gehüllt, mit einer brennenden
Zigarette zwischen den Fingern. |
| "Ich
gehe an die Grenzen", wird Rayda Jacobs in bezug auf ihre
Arbeit zitiert. |
| Eine
der Autorinnen, die ebenfalls beim Workshop anwesend war,
habe sich zu dem Disput zwischen den beiden Autorinnen
folgendermaßen geäußert: "Fatal vom Thema
abgewichen, in eine engstirnige emotionale Zänkerei
gerutscht. Die Gelegenheit, über so viele bedeutende
Themen zu reden, ist nicht wahrgenommen worden." Es sei
im "relativ freien" → Südafrika
unpassend ein Gesetz aufzustellen "über etwas, was
eine persönliche Wahl sein sollte, ein Kopftuch zu
tragen oder nicht!" |
Abschließend
lässt der Verfasser des Artikels noch Peter Rorvik,
den Direktor des KwaZulu-Natal-Zentrums für Gestaltende
Künste, in dem das Festival stattfand, zu Wort kommen:
Ungeachtet dessen, dass die Disskussion beim Workshop
erhitzt und explosiv gewesen sei, war sie doch Teil der
energischen, vitalen Debatte, zu der das Festival zwischen
den Autoren sowie zwischen den Autoren und dem Publikum
angeregt habe: "Stimmt, Saadawi und Jacobs Diskussion
kippte. Was vor sich ging, bevor Jacobs den Raum verließ,
war einer großen Debatte wert. Es ist bedauerlich,
dass sie hinausging."
(SundayTimes SA, ÜE:
J.K.) |
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| Weitere
Artikel zu Südafrika in der Afrika-Chronik: |
Mail&Guardian, Über Beschneidungen an illegalen Initiationsschulen,
die Tote fordern, 2010 |
Sowetan, Gefängnisstrafe wegen Ticket-Diebstahls während
der Fußball-WM, 2010 |
Times Live, Über die Entstehungsgeschichte von Zakes
Mdas Roman Black Diamond, 2009 |
Sowetan, Johnnie-Walker-Preis für Top-Erfolgstypen, 2009 |
SAPA, "Mandela bleibt im Ruhestand", 2009 |
Sunday Times, Nachruf auf die 'vergessene südafrikanische
Romanschriftstellerin' Daphne Rooke, 2009 |
Mail&Guardian, Institut für freie Meinungsäußerung
im Widerspruch zur südafrikanischen Rundfunkgesellschaft SABC,
2007 |
Sunday Times, Überfall auf die Nobelpreisträgerin Gordimer
in ihrem Johannesburger Haus, 2006 |
Mail&Guardian, MTV-Crazy Monkey-Schauspieler tot aufgefunden,
2006 |
Sunday Times, Mandela als Comic-Held, 2005 |
Cape Times, zum Plagiatsvorwurf gegen die Dichterin Melanie Grobler,
2005 |
Mail&Guardian, Afrikas Verantwortliche für Erziehung und
Bildung über Kondome an Schulen, 2004 |
Sunday Times, Nadine Gordimer widerruft die Autorisierung ihrer
Biographie, 2004 |
Sunday Times, "Erin Brockovich" von Grahamstown kämpft für
die Rechte von Körperbehinderten, 2004 |
Mail & Guardian, Über Grenzspringer, simbabwische Einwanderer
in Südafrika, 2003 |
Sunday Times, über die Apartheid-Spionin Vanessa Brereton,
2003 |
Sunday Times, Über die Verleihung des Nobelpreis an den Südafrikaner
Coetzee, 2003 |
Sunday Times, Mandela begrüßt AIDS-Entschließung,
2003 |
Sunday Times, Über André Brinks Roman The Other
Side of Silence, 2003 |
Mail & Guardian, Über Arthur Nortjes Gedichtband Anatomy
of Dark, 2001 |
Mail & Guardian, Über den Gewinner des Caine-Literaturpreises
des Jahres, 2001 |
Sunday Times, Mike Nicol über Zensurtendenzen in Südafrika,
2001 |
Guardian, UK, James Wood über Coetzees Roman Schande,
1999 |
Mail & Guardian, Scheidender Chefzensor glaubt an das Ende der
Zensur, 1997 |
Mail & Guardian, Südafrikanische Autoren zu den besten Büchern
des Jahres, 1996 |
Mail & Guardian, Rehabilitation jugendlicher Kämpfer, 1994 |
Guardian, UK v. 27.06.86, Offener Brief André Brinks an
Präsident Botha, 1986 |
| Weitere
Artikel zu →Schwarzafrika
in der Afrika-Chronik |
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