DIE MARABOUT-SEITE
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Chronik (1901-2016)

Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas * von innen und außen 

Tageschronik: 26. Juni 2005

 

· Die MARABOUT-SEITE zitiert aus Simbabwe ·  


"Säuberung drängt 300.000 Schüler aus der Schule"

Unter diesem Titel berichtet die englischspr. simbabwische Tageszeitung The Standard von den Auswirkungen der Säuberungskampagne auf die Schulen.
Die Bildung, heißt es in dem Artikel, einer der Bereiche, in denen  Simbabwe nach der Unabhängigkeit weltweite Anerkennung erhielt, sei eines der "Opfer" der Säuberungsoperation der Regierung.

Zwei Lehrervereinigungen, The Progressive Teachers Union of Zimbabwe (PTUZ, Gewerkschaft der progressiven Lehrer) und die Zimbabwe Teachers Association (Zimta, Lehrervereinigung von Simbabwe), schätzen, dass ca. 300.000 Kinder den Schulbesuch einstellten, nachdem ihre Heime zerstört wurden.

Lt. Zeitungsbericht gaben die Lehrerorganisationen letzte Woche an, sie hätten erfahren, regionale Direktoren seien dabei, Listen mit den Kindern aufzustellen, die mit Beginn der Operation den Schulbesuch eingestellt haben.

Wegen Abwesenheit oder weil sie nicht erreichbar waren, so der Standard, waren weder vom Minister für Bildung Sport und Kultur, Aeneas Chigwedere noch vom ständigen Bildungssekretär, Dr. Stephen Mahere Kommentare zu erhalten.

Als Begründung für den Abbruch des Schulbesuchs der Kinder führt die Zeitung an, diese hätten sich plötzlich in einem von der Schule weit entfernten Gebiet wiedergefunden oder die Transportkrise habe den täglichen und pünktlichen Schulbesuch unmöglich gemacht. Andere Kinder, heißt es weiter, seien vollkommen umgesiedelt worden und sehen sich gezwungen, ohne jegliches Einkommen Uniformen und Schulgebühren aufzubringen.

In der Folge zitiert The Standard die o.a. Lehrervereinigung Zimta mit folgenden Worten: "Lernende, deren Eltern gezwungen worden sind, in andere, auch ländliche Gebiete umzusiedeln, sind aus ihrem Lernprogramm herausgerissen worden. Sogar jene, die weniger betroffen waren, weil sie in ihren Gebieten verbleiben konnten, deren Strukturen zerstört wurden, seien traumatisiert und könnten sich nicht auf's Lernen konzentrieren. Die betroffenen Lehrer befänden sich in einem ähnlichen Schockzustand."

Die Regierung daran erinnernd, dass Bildung ein humanitäres Grundrecht sei, hieß es von Seiten von Zimta, die von der Verschiebung der Juni-Prüfungen betroffenen Schulkinder und Lehrer litten ernstlich an Desorientierung.

(...)

Ein Vertreter der PTUZ sagte, als eine Folge der Unterbrechungen hätten Tausende von Schulkindern wertvolle Ausbildungszeit verloren.

(...)

PTUZ zufolge war die Anwesenheit in den ersten drei Wochen "unzusammenhängend und sporadisch", weil die Kinder damit beschäftigt waren, Familieneigentum gegen Diebstahl zu schützen, während ihre Eltern nach einer neuen Unterkunft Ausschau hielten.

Mehrheitlich waren die Lehrer, heißt es in dem Artikel weiter, Untermieter und trugen die Hauptlast der Säuberung. "Aber als ob dies nicht genug sei, schnellten die Mieten infolge der Knappheit der Unterkünfte in die Höhe".

"Die am meisten betroffenen Schulkinder und Lehrer waren in Harares Vororten Hatfield, Highfield, Glen Norah, Glen View, Budiriro, Mufakose, Warren Park, Kuwadzana, Mabelreign, Dzivarasekwa, Epworth, Tafara und Mabvuku."

Im Zentrum Harares waren nach Einschätzung von The Standard mehr die Lehrer als die Schüler betroffen, obwohl Berichte von Schülern existierten, die Unterricht versäumten. "Lehrer meldeten sich nicht zur Arbeit, weil sie befürchteten ihr Eigentum zu verlieren."

Die PTUZ warnte vor der drohenden Zerstörung der Einheit der Familien, "familiäre Zerrüttungen infolge der Säuberung führten zu Trennungen". Die Gewerkschaft befürchtet außerdem, "Familienzerrüttung könnte der Kinderprostitution Vorschub leisten", da Kinder die Schule vorzeitig abbrächen.

"Zu den größten Opfern der Kampagne werden Schulmädchen gehören", heißt es ohne weitere Begründung. Auch ein wesentlicher Anstieg von Kindern, die um Versetzung an andere Schulen bäten, sei zu verzeichnen, aber der tatsächliche Wegzug der Kinder werde erst in den August-Schulferien absehbar sein. "Der Nutzen der Operation bleibt mehr scheinbar als real", zitiert The Standard die Warnung der PTUZ.

Abschließend führt der Artikel die Sorge der beiden Lehrerorganisationen um ihre Mitglieder an. Sie befürchten, den Lehrern würde als Opfern der Säuberung keine Bevorzugung in der Zuweisung der von der Regierung versprochenen Unterkünfte für öffentliche Angestellte gewährt. · (Standard Simbabwe, ÜEK: J.K.).

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Quelle:
The Standard, englischspr. simbabwische Sonntagszeitung
 (Standard Simbabwe)

Anmerkungen:
* inkl. arabischer Raum
ÜEK: J.K. --> Aus dem Englischen übersetzt und kommentiert: Janko Kozmus ©


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