Literatur
DIE MARABOUT-SEITE
linie

Quelle:
The New Times, Rwanda's Leading Newspaper (New Times, Rwanda)

Anmerkungen:
* inkl. arabischer Raum
ÜE: J.K. --> Übersetzung aus dem Englischen: Janko Kozmus ©
.
CHRONIK
 
Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas*
von innen und außen
 
 
29. Juli 2005
.
· Die MARABOUT-SEITE zitiert aus Ruanda ·  
The New Times, Rwanda
Unter dem Titel "36.000 des Völkermords Verdächtige freigelassen" schreibt James Munyaneza für die englischsprachige ruandische Tageszeitung "The New Times" vom Versuch der juristischen Bewältigung des Völkermords des Jahres 1994.
Gefängnisse im gesamten Land werden an diesem Freitag, "Szenen von Freudentränen und spektakulärer Familienvereinigung erleben", wenn 36.000 Insassen entlassen werden. Dies die einzige erkennbare emotionale Färbung in einem ansonsten bemüht pragmatisch gehaltenen Bericht. Lt. Justizministerin Edda Mukabagwiza lägen bei 7.000 der Entlassenen keine zu verantwortenden Fälle vor.
Sie fügte jedoch hinzu, "sollten neue Beschuldigen gegen sie vorgebracht werden, könnten sie erneut arretiert werden".
Die Verdächtigen - die meisten sehen sich Anschuldigungen im Zusammenhang mit dem ruandischen Völkermord des Jahres 1994 ausgesetzt, bei dem eine Million Menschen, meist Tutsi, umgekommen waren - kamen in den Genuss eines Präsidentschaftsdekrets vom Januar 2003, berichtet Munyaneza für The New Times weiter.
Der Erlass, fährt er in sachlichem Ton fort, sah die provisorische Entlassung jener der ca. 40.000 Verdächtigen vor, "die gestanden und um Vergebung gebeten hatten, die krank und alt sind und die weniger schwer belastet werden bei dem Massaker". Jedoch zeige die jüngste Entwicklung, dass die Zahl der Verdächtigen jenseits der 60.000 liege. (...)
Ca. 30.000 andere Verdächtigte seien vor zwei Jahren unter demselben Erlass entlassen worden. "Mit Ausnahme der ernsthaft Erkrankten und Alten werden sich die Verdächtigen zu sog. Solidaritätslagern begeben, wo sie sich einem intensiven dreimonatigen Bürger- und Versöhnungsprogramm unterziehen werden." Die Regierung geht davon aus, dass die Verdächtigen bedeutendes Zeugnis in ihren jeweiligen Kommunen ablegen werden, die die laufenden Gacaca-Gerichte erleichtern werden. Die Gerichte, die ihre Verfahren offiziell am 10. März 2005 begannen, seien bevollmächtigt zu untersuchen und die Anklage zu vertreten.
Jedoch gebe es besonders unter den Überlebenden Bedenken, stellt James Munyaneza fest, die befürchten, dass die Entlassung von Verdächtigen in diesem großen Rahmen sie erneut einem Risiko aussetzen könnte. Ebenso nehme man allgemein an, dass einige der Verdächtigen, die 2003 entlassen wurden, verantwortlich seien für eine Monate später stattfindende Serie von Morden an Überlebenden des Völkermords, besonders im Kaduha Distrikt, in der Provinz Gikongoro.
Die Gerichtsbarkeit habe auch einige Tausende des Völkermords Verdächtige wegen Einschüchtung und Mord sowie Mordkonspiration von Überlebenden erneut arretiert.
Laut Generalstaatsanwalt Jean de Dieu Mucyo habe eine große Zahl von Verdächtigen eine bedeutende Rolle bei den Gacaca-Sitzungen gespielt, indem sie der Wahrheit zu ihrem Recht verholfen habe. Ein Ziel der Entlassungen sei es, heißt es schließlich, hinsichtlich der Überbelegung in Ruandas Gefängnissen Abhilfe zu schaffen; bis zum Freitag nahmen diese 80.000 Insassen auf.
· (New Times, Rwanda, ÜE: J.K.)
Weitere Artikel zu Ruanda in der Afrika-Chronik:
Weitere Artikel zum  Subsaharischen Afrika in der Afrika-Chronik
linie
[REZENSIONEN] [AUTORENPORTRAITS] [AFRIKA-CHRONIK] [BESTENLISTE]  [BESTENLISTE-FILM]  [GÄSTEBUCH] [LINKS] [EIGENETEXTE] [KONTAKT&KRITIK] [VERLAG] [IMPRESSUM] [HOME]