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Chronik (1901-2016)

Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas * von innen und außen 

Chroniken: 2006_4.Quartal

Stand: 03.02.11

 

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2006
chrAbs Oktober - Dezember
3. Oktober
2006

In Chicago wird das Stück The Pirate Queen uraufgeführt. Den Text verfasste der gebürtige Tunesier Alain Boublil, die Musik stammt von Claude-Michel Schönberg. Das berühmteste Werk dieses Gespanns ist das 1980 in Paris uraufgeführte Musical Les Misérables nach Victor Hugo.

23. Oktober
2006
"Eine Frau wegen tätlichen Angriffs auf ihr Hausmädchen zu Geldstrafe verurteilt"
Dies meldet die Zeitung
  Malawi Nation in ihrer Rubrik National.
Ein malawisches Gericht in Monkey Bay, an der südlichen Seite des Malawi-Sees gelegen, habe die 50jährige Jane Somanje wegen des tätlichen Angriffs auf ihr Hausmädchen und das böswillige Zerstören deren Kleidung zu einer Geldstrafe von 45.000 
 MWK verurteilt, die bei Nichterfüllung in eine 12-monatige Gefängnisstrafe umgewandelt würde. Am 19 August 2006 habe die Verdächtige aus unbekannten Gründen mit ihrem Hausmädchen einen Streit gehabt, heißt es in dem Artikel weiter, in dessen Verlauf sie diesem den linken Arm gebrochen sowie böswillig deren Kleidung zerstört hätte. Mit dem Verweis auf ihre Tätigkeit als Krankenschwester, die sich um schützbedürftige Menschen kümmere, habe die Angeklagte das Gericht um Nachsicht gebeten. Sie habe sich außerdem um ihren alternden Ehemann und um Waisen zu kümmern. Der Erstinstanzrichter verwies darauf, dass solche Fälle sehr häufig vorkämen. Er habe der Bitte um Nachsicht aus den angegebenen Gründen entsprochen. 35.000 MWK würden dem 29jährigen Opfer, Rose James, aus Kera Village als Entschädigungszahlung zugesprochen. · (Malawi Nation, ÜE: J.K.)
26. Oktober
2006
chrAbs 60. Geburtstag des senegalesischen Romanciers, Essayisten, Dramatikers und Drehbuchautors frz. Sprache Boubacar Boris Diop.
Seinem 1991 erschienenen Roman Les Tambours de la mémoire (Die Trommeln der Erinnerung) wurde der Große Literaturpreis der Republik Senegal (Grand prix de la République du Sénégal pour les lettres) ohne Gegenstimme zugesprochen.
Sein neuester Roman Murambi. Le livre des ossements (Paris 2006) hat den Konflikt zwischen den beiden Volksgruppen Hutu und Tutsi und den Völkermord in Ruanda zum Hintergrund.
27. Oktober
2006
"Menschenrechtsgruppen belästigen mich - Davids Vater"
Unter diesem Titel berichtet die Zeitung "Malawi Nation" vom biologischen Vater des 13 Monate alten Jungen, den Superstar Madonna zu adoptieren beabsichtigt.
 mehr dazu · ( Malawi Nation, ÜE: J.K.)
29. Oktober
2006
"Gordimer überfallen und ausgeraubt",
überschreibt Simpiwe Piliso seinen Artikel für die südafrikanische Sunday Times. Die Nobelpreisträgerin sei am Donnerstag von Dieben in ihrem Johannesburger Haus überfallen und ausgeraubt worden, präzisiert er.
   mehr dazu · (Sunday Times, SA, ÜE: J.K.)
Der unter dem Namen Artur Carlos Maurício Pestana dos Santos in der angolanischen Ortschaft Benguela geborene Autor Pepetela wird 65 Jahre alt.
Bekannt wurde Pepetela hierzulande v.a. durch seine Politthriller mit der Figur des Geheimagenten Jaime Bunda.
4. November
2006

Presseerklärung der Noma Award for Publishing in Africa zum Gewinn des mit $ 10.000 dotierten Preises:
"Südafrikanische Performance-Poetin gewinnt den Noma Award mit ihrer ersten Buchveröffentlichung
The Noma Award for Publishing in Africa gibt bekannt, dass Lebogang Mashile den Noma Award for Publishing in Africa 2006 für ihre Lyrikanthologie In a Ribbon of Rhythm gewonnen hat." (...) Die Jurybegründung lautet folgendermaßen:
"Dies ist eine kräftige Stimme, die große Schönheit, Entzücken und Bedeutung besitzt. Die Poetin webt ihre Gefühle, Erfahrungen und Erwartungen rund um die Geschichte ihres Lebens, das sich vermischt mit der Geschichte des Kampfes um Freiheit der Südafrikaner. Im meisterlichen und klangvollen Stil hat die Lyrik ein ausgeprägtes orales Aroma, entwickelt orale Lyrik und Performance jenseits der Grenzen der Lyrik auf dem Gebiet des Widerstands. Vom Persönlichen zur weiten Welt, dies ist frisches philosophisches Schreiben, das den Stolz des Erbes bewegend vorträgt. Diese Gedichte sind das gesprochene Wort in all seiner Schönheit, Kraft und Eleganz."

9. November
2006
chrAbs 50. Geburtstag des äquatorialguineischen Schriftstellers Joaquín Mbomío Bacheng. Der im festländischen Bisobinam geborene Autor und Journalist gehört der Ethnie der Fang an.
Als Kritiker der Diktatur von Francisco Macias Nguema wird er - noch Student - festgenommen und wegen Hochverrat zu Zwangsarbeit verurteilt. Nach dem Staatsstreich von 1979 erfolgt die Begnadigung. Mithilfe eines französisches Stipendiums kann er in Lyon Journalismus und Philologie studieren und schließt mit einem Bachelor ab. Zwischen 1983 und 1986 engagiert er sich in der Kulturorganisation der Studenten von Äquatorialguinea in Frankreich (OCEGE).
1988 kehrt er in seine Heimat zurück. Tätigkeiten für Agence France-Presse sowie als Lehrer und Kulturkoordinator im französischen Kulturzentrum in Malabo.
1990 zieht er wieder nach Frankreich. 1994 diplomiert er im schweizerischen Genf.
Neben journalistischen Arbeiten hat Joaquín Mbomío Bacheng zwei Romane veröffentlicht.
El párroco de Niefang (Der Pfarrer von Niefang). Malabo 1996
Huellas bajo tierra. Malabo 1998
9. November
2006
chrAbs Mindestens 300 Menschen wurden aus dem Gebiet Gumbo vertrieben,
überschreibt Hillary J. Andrea ihren Bericht für die südsudanesische englischsprachige Wochenzeitung Juba Post.
Die 300 Menschen seien in der Folge von anhaltenden Angriffen bewaffneter Gruppen in den letzten drei Wochen vertrieben worden, präzisiert die Autorin. "Sie sind nach Juba geflohen, aber unglücklicherweise finden viele untern ihnen keinen Platz, wo sie siedeln könnten", zitiert die Autorin einen Anwohner.
Die meisten von ihnen würden nun seiner Aussage nach, nachdem sie die Erlaubnis von der lokalen katholischen Kirchenverwaltung erhalten haben, provisorische Bauten in Kassaba entlang des Nilostufers erstellen. "Wir wollen uns bei der Verwaltung von Kator Parish, die zu uns hielt, bedanken", wird eine der Betroffenen, Mary Kaku, zitiert.
Laut Mary Kaku haben die Menschen von Gumbo weder Unterstützung von der Regierung des Südsudan noch von Nichtstaatlichen-Oorganisationen (
NGO's) erhalten. Die meisten der Betroffenen seien keine Regierungsangestellten und würden auf eigene Faust überleben, "besonders wir, die Frauen, neben anderen, sammeln Feuerholz in den Wäldern, um das zu verdienen, was wir zum Überleben brauchen".
Laut Ansicht verschiedener Bürger von Gumbo seien die anhaltenden Attacken von Angehörigen der
Lord's Resistance Army und anderen unbekannten Bewaffneten innerhalb des betroffenen Gebiets nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens [zwischen Regierung und der hauptsächlich im Süden operierenden Befreiungsbewegung SPLM/A, 2005. J.K.] verübt worden. Wir, die Bürger von Gumbo genießen keinen Frieden", wird einer von ihnen zitiert.
Seiner Aussage nach wollen sich die Menschen nicht in der Nachbarschaft von Juba niederlassen, sondern sind gewillt, in ihr Gebiet zurückzukehren, wenn die Sicherheit hergestellt sei. "Das Leben in der Stadt ist teurer als das Leben im Dorf, wir können es uns nicht leisten, und deshalb versuchen wir hier draußen unser eigenes Leben zu gestalten." Wegen der unsicheren Situation sei niemand in der Lage gewesen, Felder zu bebauen, was die Familien vollkommen von den Verwandten in Juba und angrenzenden Gebieten abhängig mache.
  · (Juba Post, ÜE: J.K.)
zeit
los
chrAbs Afrikanische und arabische Sprüche und Weisheiten:

10. November
2006
Kap Verde verliert einen Platz im Wohlstandsindex,
überschreibt die portugiesischsprachige kapverdische Zeitung A semana ihren Bericht, in dem sie überwiegend aus dem Report des Index of Human Development, dem sog. Wohlstandsindex der UNDP, zitiert.  mehr dazu · (A Semana, Cabo Verde, ÜP: J.K.)
14. November
2006
Amman - (Abteilung Kommunikation & Information - Königlich Hashemitischer Hof) - Die englischsprachige Jordan Times berichtet vom Besuch des palästinensischen Dichters Samih Al Qassem in Jordanien, wo er von Seiner Majestät König Abdullah am Dienstag empfangen worden sei. Samih Al Qassem war in der vergangenen Woche in Jordanien angekommen, um an den Aktivitäten anlässlich des ersten Jahrestages der Terrorattacken in Amman teilzunehmen. "Der König lobte Al Qassems Beitrag zur arabischen Literatur und Kultur. Er dankte ihm im Besonderen für ein Gedicht, dass er im Gedenken an die Bombenopfer verfasst hatte". Der Poet habe dem König, heißt es abschließend, drei Exemplare seines letzten Gedichtbandes Sadder than Water übergeben. · (Jordan Times, ÜE: J.K.)
28. November
2006
chrAbs "Kubuitsile: die Wissenschaftlerin, die es liebt, Prosa zu schreiben",
überschreibt Mosah Mokganedi, Korrespondentin der englischsprachigen Tageszeitung Mmegi aus
Botsuana, ihren Artikel über die zweimalige Gewinnerin des Commonwealth Kurzgeschichten-Wettbewerbs, Lauri Kubuitsile. mehr dazu · (MmegiBots, ÜE: J.K.)
30. November
2006
"Selbstmord in Minrex"
titelt Souley Onohiolo für die französischsprachige Tageszeitung Le Messager aus  Kamerun.
"Der Adjudant Emmanuel Atéba, im Dienst einer Musikkompanie der Armee, jagt sich in Jaunde eine Kugel in den Kopf."
   mehr dazu · (Messager, Kamerun, ÜF: J.K.)
4. Dezember
2006
Im Alter von 84 Jahren stirbt in Ouagadougou der burkinische Historiker und Politiker Joseph Ki-Zerbo. Vor allem als Wissenschaftler machte Ki-Zerbo sich einen Namen. Sein 1972 veröffentlichtes Buch L'Histoire de l'Afrique (Die Geschichte Schwarzafrikas), das er fortwährend aktualisierte, gilt noch heute als Standardwerk.
Sein Abitur absolvierte Joseph Ki-Zerbo in Bamako,
 Mali. Anschließend studierte er Geschichte und Politik in Paris. In Orléans und Paris war er danach als der erste schwarzafrikanische Professor Frankreichs tätig. Im Jahre 1957 kehrte er nach Afrika zurück, zunächst nach Dakar, Senegal **. Hier wandte er sich der Politik zu und war Mitbegründer der antikolonialen Bewegung Mouvement de libération nationale.
Von 1972 bis 1978 war er Professor für afrikanische Geschichte an der Université d'Ouagadougou in seiner Heimat
 Burkina Faso. 1983 musste er unter dem Druck der Militärregierung ins Exil gehen und wurde 1985 in Abwesenheit von einem revolutionären Volkstribunal - gemeinsam mit seiner Frau Jacqueline Ki-Zerbo - wegen "Steuerhinterziehung" zu einer zweijährigen Haft und einer hohen Geldstrafe verurteilt. Erst 1992 konnte er wieder in seine Heimat zurückkehren. 1993 begründete er die sozialdemokratische Parti pour la démocratie et le progrès (PDP), für die er bis zum August 2006 Abgeordneter im burkinischen Parlament war und deren Vorsitz er bis 2005 innehatte.
1997 erhielt er für seine lebenslange Arbeit als Historiker und Analytiker afrikanischer Probleme den sog. Alternativen Nobelpreis (Right Livelihood Award, RLA).

Weitere Werke des Historikers sind:
Le Monde africain noir (1964, Die schwarzafrikanische Welt)
Histoire générale de l’Afrique, ouvrage collectif (1991, Allgemeine Geschichte Afrikas)
Afrique Noire, gemeinsam mit Didier Ruef (2005, Schwarzafrika)
"Die Leidenschaft des Schreibens",
betitelt Sunil Oodunt seinen Artikel in der mauritischen Tageszeitung L'Express über den einheimischen Autor hindischer Sprache Chutturdut Heeramun. Kürzlich habe die Präsentation zweier neuer Bücher des Autoren am Sitz des Human Service Trust in Calebasses stattgefunden.
 mehr dazu · (L'Express,  Mauritius, ÜF: J.K.)
5. Dezember
2006
70. Geburtstag des Schriftstellers und ehemaligen Redakteurs des legendären Drum magazine Lewis Nkosi.
Nach Mating Birds (1983, dt: Weiße Schatten, 1987) und Underground (1994) erschien in diesem Jahr mit Mandela's ego sein dritter Roman, ein humoristisch-böses Buch über Heldenverehrung: Protagonist ist der Zulu-Junge und Casanova Dumisani. Seine Verehrung richtet sich auf Nelson Mandela und seine Phantasie wird immerfort mit Geschichten seines schelmischen Onkels über den Freiheitsheld gefüttert, die auch dessen Fraueneroberungen einschließen. Dumisani ist gleichermaßen begeistert von seinem Hero wie von den Freuden, die ihm die heiratsfähigen Mädchen in seinem Dorf zu bieten haben.
10. Dezember
2006

chrAbs Der Guardian meldet die heutige Verleihung des Gebran Tueni Awards. Der Preis wird von der World Association of Newspapers (WAN) verliehen, um einen Verleger oder Redakteur der arabischen Welt zu ehren. Der Preis, heißt es in der Kurzmeldung, gehe an die erste Frau  Jemens, die als Verlegerin tätig wurde. Nadia Al-Saqqaf [Tochter des Gründers und bis zu seinem Tod im Jahre 1999 Chefredakteur der Yemen Times: Abdulaziz Al-Saqqaf, J.K.] ist Chefredakteurin der einzigen englischsprachigen Zeitung Jemens, der Yemen Times. Der Preis wurde heute anlässlich der Eröffnung der Konferenz Media In Danger - Press Under Siege (Medien in Gefahr - die Presse unter Belagerung) im  Libanon verliehen.
Thomas Friedman von der New York Times habe über eine Videoschaltung seiner Hoffnung Ausdruck gegeben, der Tueni award würde der Pulitzer Preis der arabischen Welt werden. Al-Saqqafs Zeitung gelte als freimütig, weil sie es wage, die Regierung zu kritisieren, während sie eigene Lösungen anbiete. Zudem nehme sie sich kontroverser Themen - wie Menschenrechte und Frauenrechte - an.
· (Guardian, UK, ÜE: J.K.)

11. Dezember
2006

chrAbs 100. Geburtstag des Lyrikers und Erzählers Birago Diop aus  Senegal. Der Vertreter der Négritude verstarb im Alter von 82 Jahren in seiner Geburtsstadt Dakar.

13. Dezember
2006
chrAbs "Bundesrichterin Unity Dow im 'Bushmen-Case'"
Nach vierjährigem Rechtsstreit erkämpft sich in  Botsuana eine Gruppe von "San-Bushmen" ihr Recht, in das Land ihrer Vorfahren in der Kalahari zurückkehren zu dürfen. Den Vorsitz in diesem Verfahren hat die als Menschenrechtsaktivistin und Schriftstellerin bekannt gewordene Bundesrichterin Unity Dow.
15. Dezember
2006
Ein Gericht in Nairobi verurteilt die drei Wächter, die vor zwei Jahren  Ngugi wa Thiong'o und seine Frau misshandelt und beraubt haben, zum Tode.
 mehr dazu · (KBC, Kenya, ÜE: J.K.)
23. Dezember
2006
"Anstellung von Bediensteten"
In einem Artikel für die Tageszeitung Arab News über Haushaltshilfen in Saudi-Arabien bezieht sich Aziza Al-Manie auf die einheimische Zeitung Al-Madinah, die von einer hohen Rate - 70 % - von vertragsbrüchigen Haushaltshilfen berichtet.
 mehr dazu · (Arab News, ÜE: J.K.)
24. Dezember
2006
"Somalische Studenten tragen sich ein, um gegen die Äthiopischen Truppen zu kämpfen"
I
n einem Artikel für die somalische Nachrichtenagentur Shabelle berichtet Aweys Osman Yusuf aus Mogadischu von mind. 1500 Studenten, die am Krieg zwischen somalischen Islamisten und äthiopischen Truppen teilnehmen wollen.
 mehr dazu · (Shabelle,  Somalia, ÜE: J.K.)
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Anmerkungen:
* inkl. arabischer Raum
** Auf www.rightlivelihood.org, der Internetseite des sog. Alternativen Nobelpreises, wird als erster afrikanischer Aufenthaltsort
Conakry, Guinea, genannt. Diese Angabe konnte bisher nicht verifiziert werden.
ÜE: J.K. --> Übersetzung aus dem Englischen: Janko Kozmus ©
ÜF: J.K. --> Übersetzung aus dem Französischen: Janko Kozmus ©
ÜP: J.K. --> Übersetzung aus dem Portugiesischen: Janko Kozmus ©

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chrAbs Quellen

. . chrAbs Sach- und Personenregister
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