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DIE MARABOUT-SEITE
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AFRIKA-CHRONIK
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Quelle:
Le Messager , französischspr. Tageszeitung aus Kamerun (Messager, Kamerun)

Anmerkungen:
* inkl. arabischer Raum
ÜF: J.K. --> Übersetzung aus dem Französischen: Janko Kozmus ©

 

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CHRONIK
 
Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas*
von innen und außen
 
 
30. November 2006
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· Die MARABOUT-SEITE zitiert aus Kamerun · 
"Selbstmord in Minrex"
titelt Souley Onohiolo für die französischsprachige Tageszeitung Le Messager aus Kamerun.
"Der Adjudant Emmanuel Atéba, im Dienst einer Musikkompanie der Armee, jagt sich in Jaunde eine Kugel in den Kopf."
"Mittwoch, den 29. Nov. 2006. Es ist 14 Uhr im Wachgebäude des Ministeriums für Auswärtige Beziehungen (Minrex). Das Wachhaus des Ministeriums, das auch als Polizeiposten genutzt wird, ist gerade soweit entfernt, dass man die Umgebung des Vorzimmers, das als Schlafstelle dient, in dem sich der Unteroffizier erschoss, einsehen kann."
Die Umstände dieses Selbstmords, fährt der Autor fort, seien genauso merkwürdig wie verdächtig. Der Unteroffizier, mit der Umgebung vertraut, habe seinen Wachdienst in Minrex regulär aufgenommen. Er sei oft zum Postenchef bestimmt worden. Als er gestern seinen Arbeitsplatz erreicht habe, sei er von der Bewachung freigestellt worden. Unüblicherweise sei er zivil bekleidet gewesen. Er habe ziemlich durcheinander gewirkt. Einem seiner Kameraden hat er anvertraut, er habe familiäre Probleme. Etwas später habe er die Straße überquert, um in eine Telefonzelle zu gehen. Nach zwei Anrufen sei er wütend geworden. "Durch die Telefongespräche offensichtlich verbittert, schockiert und sehr traurig, ist er zum Polizeiposten zurückgekehrt und hat vorgegeben, krank zu sein. Weil sie ihn gut kannten, ließen ihn seine Kameraden ins hintere Zimmer ein. Es dauerte einige Minuten, dann hörte man Feuerstösse." Angezogen durch das plötzliche Gewehrfeuer seien die Kameraden zum Ort des Geschehens geeilt: "das Gewehr klebte am Kinn des Adjudanten, er selbst hatte den Abzug betätigt".
Unschwer zu erraten, wie er sich Zugang zur Waffenkammer verschaffen konnte; er habe sich gut ausgekannt, da er es gewohnt war, sich Waffen von dort zu holen, habe ein Kollege des Verstorbenen erklärt.
"Fehler im Personalmanagement"
Indiskretionen zufolge habe der Unteroffizier seinen Lohn am vergangenen Montag erhalten und ihn in Spielautomaten gesteckt. "Anstatt seiner Frau eine Erklärung zu geben, hat er es vorgezogen, Selbstmord zu begehen." Durch verschiedene Telefonanrufe habe er Warnzeichen gegeben, Hinweise von Enttäuschung, von Entmutigung und von Hoffnungslosigkeit. Allem Anschein nach, vermutet Souley Onohiolo, hat er zwei Telefonanrufe getätigt, den einen mit einem Kollegen und den anderen mit einer Frau, vermutlich seiner Ehefrau. "Es ist zu Ende, ich werde meinem Leben ein Ende machen. Ich habe zuviel Pech in meinem Leben. Nie mehr, nie mehr." Das seien die letzten Worte des Unteroffiziers gewesen. Mehrere Zeugen seiner letzten Gespräche hätten bestätigt, dass er Streit mit seiner Ehefrau gehabt habe. Die starke Belastung an diesem Punkt habe ihm keine andere Lösung erlaubt, meint der Autor, als seinem Leben schnell ein Ende zu bereiten. Und folgert: "In dieser Angelegenheit bleiben jedoch mehrere Fragen unbeantwortet. Wurden Fehler in Fragen der Truppe im Personalmanagement gemacht? Wie sonst ist es nachzuvollziehen, dass ein Unteroffizier der Musikkompanie an einem strategischen Ort wie Minrex Wache zu schieben hatte? Warum wählte der Adjudant keinen anderen als seinen Dienstort, um sich umzubringen, als er keinen Wachdienst hatte? Was hat ihn dazu bewogen, sich eine Kugel in den Kopf zu jagen?" Die Resultate der laufenden Untersuchung, heißt es abschließend, würden es vielleicht erlauben, die Angelegenheit zu entwirren. · (Messager, Kamerun, ÜF: J.K.)
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