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Quelle:
The
Guardian , englischspr. nigerian. Tageszeitung (NgrGuardian)
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Anmerkungen:
*
inkl. arabischer Raum
** Bis dato hat die Literaturwissenschaft
dieses Datum allgemein auf 1955 festgesetzt. Insofern erhebt sich
die Frage, ob diese Äußerung Achebes der Wahrheit entspricht
oder sie mit Unbedacht geschehen ist oder ob der bis dato geltende
Beginn der Niederschrift, 1955, berichtigt werden muss.
*** Die Daten sind nahezu identisch
mit den wichtigsten Punkten, wie sie auch dem Portrait auf der
Marabout-Seite entnommen werden können. Ausnahme: 1956 habe
Achebe bei der BBC "Broadcasting (Rundfunkwesen) studiert".
Diese Angabe, die teilweise im Internet kursiert, wurde - da sie
nicht verifiziert werden kann - von der Marabout-Seite nicht aufgenommen.
ÜE: J.K. --> Übersetzung aus dem
Englischen: Janko Kozmus © |
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CHRONIK
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Zur Sozial-
und Literaturgeschichte Afrikas*
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von
innen und außen
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| · Die
MARABOUT-SEITE zitiert aus Nigeria · |
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"Achebe gewinnt globalen Literaturpreis",
überschreibt
Uduma Kalu seinen Bericht für die nigerianische
Tageszeitung The Guardian. Die Rede ist
vom Internationalen Man Booker Preis, der an → Nigerias
"literarische Ikone Prof. → Chinua Achebe"
gegangen ist, wie am gestrigen Morgen bekannt
wurde. |
| Achebe,
der von einer der JurorInnen, der "gefeierten
Schriftstellerin → Nadine Gordimer",
als "Vater der modernen afrikanischen Literatur"
bezeichnet wurde, sei der zweite Gewinner dieses
Preises. |
| Der
mit ungefähr → NGN
15.000.000 (60.000 brit. Pfund) dotierte Man Booker
International Prize wird alle zwei Jahre - seit
2005, als ihn der albanische Schriftsteller Ismail
Kadaré gewann - für eine literarische Leistung
auf Weltniveau vergeben. |
| Achebe
habe eine Reihe von Top-Konkurrenten aus dem Feld
geschlagen, eine Liste, die der Autor vollständig
aufführt: → Doris
Lessing, Ian McEwan und Salman Rushdie
aus Großbritannien; John Banville aus Irland;
Philip Roth und Don DeLillo aus den USA; → Margaret
Atwood, Alice Munro und Michael Ondaatje aus
Kanada sowie der israelische Dissident Amoz Oz.
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| Die
größte Popularität habe Achebe wahrscheinlich
mit seinem 1958 erschienenen Roman Things Fall
Apart (dt: Okonkwo oder Das Alte stürzt.
Stuttgart 1959) erzielt sowie mit dem Roman Anthills
of the Savannah (1987; Termitenhügel
in der Savanne. Ffm 1991), der 1987 für die
Shortlist des Man Booker Prize nominiert
war. Things Fall Apart feiere im nächsten
Jahr sein 50-jähriges Jubiläum. |
| Die
dreiköpfige Jury, der die Südafrikanerin
Gordimer angehört, ehrte Achebe für "die
Begründung des modernen afrikanischen Romans",
der viele Schriftsteller mit seiner "Beschreibung
des Einflusses des Kolonialismus auf die Kultur
und die Zivilisation des Kontinents inspiriert"
habe. |
| Der
Preis markiere die zweite einem bzw. einer → nigerianischen
SchriftstellerIn zuteil gewordene Ehre innerhalb
einer Woche. |
| → Chimamanda
Ngozi Adichie habe am 6. Juni den mit 30.000
brit. Pfund dotierten Orange Broadband Prize
for Fiction für Half of a Yellow Sun
erhalten. |
| Die
Reaktion Achebes, der eine Professur am Bard College,
Annandale, New York State, inne habe, auf die
Nachricht vom Gewinn sei wie folgt ausgefallen:
"Es war vor 50 Jahren, dass ich mit der Arbeit
an meinem ersten Roman Things Fall Apart
begonnen habe**.
Es hat mich erstaunt zu erfahren, dass meine Altersgenossen
auf mein Werk der letzten 50 Jahre blickten und
es dieser bedeutenden Anerkennung für würdig
befanden. Ich bedanke mich dafür."
|
| Relativ
dürftig fällt das Zitat hinsichtlich Adichies
Reaktion aus: "Er ist ein bemerkenswerter
Mensch. Der Schriftsteller und der Mensch. Er
ist wie ein Schriftsteller meiner Ansicht nach
sein sollte." |
| Achebes
eigentliche Überzeugung demonstriert Uduma Kalu,
der Verfasser dieses Artikels, indem er auf dessen
jahrelange Weigerung verweist, seine Romane in
Ibo zu übersetzen, welches er immer noch
als eine "bastardisierte Missonarsversion von
authentischen Dorfdialekten" betrachte. Jedoch
sei Things Fall Apart in 50 andere Sprachen
übersetzt worden, mit 10 Mio. verkauften
Exemplaren. Das zweite sehr einflussreiche Werk
- "weltweit in Klassenräumen diskutiert"
- sei das Essay An Image of Africa: Racism
in Conrad's Heart of Darkness' (1975; dt:
Ein Bild von Afrika. 2002), welches Conrad
beschuldige, Afrikaner zu dehumanisieren und ihren
Kontinent als "ein metaphysisches Schlachtfeld"
darzustellen "bar jeglicher erkennbarer Humanität,
in welches der wandernde Europäer auf eigene Gefahr
eintrete". |
| Eines
Tages, schreibt Kalu weiter, sei Achebe gefragt
worden, welche Autoren die afrikanische Geschichte
gut erzählt hätten. Hunderte, habe er
geantwortet, "viele eingeschlossen, von denen
wir normalerweise nicht reden und die wir nicht
zur Literatur rechnen" - die Geschichtenerzähler
des Dorfes, die der oralen Tradition angehören,
die längst aktiv waren, bevor die Kolonialisten
Feder und Papier einführten. |
| "Humanität",
so Achebe, "wird immer versuchen eine Geschichte
zu erfinden." |
| Der
Internationale Man Booker Preis sei in der literarischen
Welt einzigartig, heißt es weiter, weil
er von Autoren jeglicher Nationalität gewonnen
werden könne, vorausgesetzt ihr Werk sei
in Englisch erhältlich. Ein Autor könne
den Preis nur einmal erhalten. Er unterscheide
sich vom herkömmlichen Man Booker Preis auch
dahingehend, dass er für ein Gesamtwerk vergeben
werde. |
Die
Jurorin Elaine Showalter habe sich folgendermaßen
geäußert:
"Mit Things Fall Apart und seinem
anderen belletristischen Werk, das in Nigeria
angesiedelt ist, hat Chinua Achebe den modernen
afrikanischen Roman begründet. Er bereitete
auch den Weg für die Schriftsteller in aller Welt,
indem er nach neuen Worten, neuen Formen für neue
Realitäten und Gesellschaften suchte. Wir
ehren sein literarisches Beispiel und seine Leistungen." |
| Gordimer
ihrerseits habe sich folgendermaßen geäußert:
"Chinua Achebes frühes Werk machte ihn
zum Vater der modernen afrikanischen Literatur
als ein integraler Bestandteil der Weltliteratur.
Er ist ausgezogen zu vollbringen, was einer seiner
Charaktere brillant als die Aufgabe des Schriftstellers
formulierte: ein neu gefundener Ausdruck für die
Eroberung der Komplexität des Lebens. Diese Belletristik
ist eine originäre Synthese des psychologischen
Romans, der Joyce'sche Bewusstseinsstrom, der
postmoderne Bruch mit dem linearen Handlungsverlauf
und somit das Herausfallen jeglicher Normen. Eine
Freude und eine Erleuchtung, sie zu lesen." |
| Das
dritte Jury-Mitglied, Colm Tóibin, sei
nicht weniger überschwänglich in seinem
Lob gewesen: "Chinua Achebe war einer meiner
Helden seit ich sein Buch Things Fall Apart
gelesen habe. Dieses Buch bringt es fertig, einen
essentiellen Moment im kolonialen Drama einzufangen;
es dramatisiert folgenschwere Wechsel mit Klarheit,
Sympathie sowie verblüffender Sprachbeherrschung
und Leichtigkeit. Seine anderen Bücher, besonders
No Longer At Ease (1960; dt.: Obi. Ein
afrikanischer Roman. Wiesbaden 1963), arbeiten
mit einer Mischung von Stimmen, von der satirischen
bis zur prophetischen". Anthills of The Savannah,
wird Tóibin weiter zitiert, offeriere eine
Vielfalt von Stimmen und Tonfällen, aufbereitet
mit dem Geschick und der Einsicht des Meisters
der Romanform. |
| Darauf
folgen einige der prägnantesten Lebensstationen***,
die den Leser von der frühen Bildung, über den
Biafra-Krieg, als Achebe für die Biafra-Regierung
arbeitete, bis hin zu seinen akademischen Ämtern
und Würden führen. |
| Achebes
Werk, nimmt Kalu seine Huldigung wieder auf, zentriere
sich um afrikanische Politik, "die Beschreibung
von Afrika und Afrikanern im Westen und die Komplexität
der präkolonialen afrikanischen Kultur und
Zivilisation genauso wie die Auswirkungen der
Kolonisation auf afrikanische Gesellschaften".
Sein klassischer Roman Things Fall Apart
werde zu den großartigsten Romanen gezählt,
die je geschrieben wurden. 10 Mio. Exemplare seien
weltweit verkauft worden und die Übersetzungen
in 50 Sprachen, machten Achebe zum meist übersetzten
afrikanischen Schriftsteller aller Zeiten. Er
habe sowohl über 30 Ehrentitel erhalten als
auch zahlreiche Preise für sein Werk. |
| 2004
habe Achebe aus Protest gegen die Verhältnisse
im Lande den nationalen Titel eines Commander
of the Federal Republic (CFR) abgelehnt. (siehe
unten) |
| "Gelähmt
von der Hüfte abwärts infolge eines Autounfalls
im Jahre 1990, ist er verheiratet mit Prof. Christine
Chinwe Achebe, mit welcher er vier Kinder hat." |
| Uduma
Kalu beschließt seinen zwischen Höhenflug
und Pragmatismus changierenden Bericht vergleichsweise
lapidar, mit dem Hinweis auf 20 von Chinua Achebe
verfasste Bücher, dazu gehörten Romane, Kurzgeschichten,
Essays und Gedichtsammlungen. ·
(NgrGuardian,
ÜE:
J.K.) . |
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| Siehe
auch zu Chinua Achebe: |
Nigerian Compass, Achebe lehnt Nationalpreis erneut
ab, 2011 |
The Vanguard, Chinua Achebe lehnt aus Protest Nationalpreis
seines Landes ab, 2004 |
| Weitere
Artikel zu Nigeria in der Afrika-Chronik: |
This Day, Vorstellung der Kurzgeschichtensammlung
The Ghost of Sani Abacha, 2012 |
Peoples Daily, Preise von Lebensmitteln in Abuja
steigen, 2011 |
The Vanguard, Plastikflaschenhaus erstmalig in
Nigeria, 2011 |
Daily Sun, Über den literarischen Norden des
Landes, 2006 |
The Daily Independent, 44ster Jahrestag der Unabhängigkeit
des Landes, 2004 |
Die taz berichtet über einen Menschenrechtsanwalt
der den Protest in Nigeria organisiert, 2004 |
Vanguard, Über die Freilassung v. Amina Lawal,
die von einem Sharia-Gericht zum Tode durch Steinigung
verurteilt worden war, 2003 |
The New Vision, Über den nigerianischen Autor
Okey Ndibe, 2002 |
The New Vision, Über die Verleihung des Friedenspreises
des Deutschen Buchhandels an Chinua Achebe, 2002 |
Mail&Guardian, Über den zum Tode verurteilten
Autor u. Menschenrechtler Ken Saro-Wiwa, 1995 |
Erklärung des Internationalen Schriftstellerparlaments
zu Saro-Wiwa, 1995 |
| Weitere
Artikel zu → Schwarzafrika
in der Afrika-Chronik |
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