DIE MARABOUT-SEITE
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Chronik (1901-2018)

Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas * von innen und außen 

Chroniken: 2008_2.Quartal

Stand: 16.06.09

 

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2008
chrAbs April - Juni
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April
2008

chrAbs Der 52-jährige Autor Chenjerai Hove beobachtet die Wahlen in seiner Heimat  Simbabwe

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2. April
2008
chrAbs "Nigerias Unmoral besteht aus Heuchelei nicht aus Miniröcken",
schreibt die zwischen den USA und ihrer Heimat pendelnde Schriftstellerin → Chimamanda Ngozi Adichie. In dem Artikel, der zwei Tage zuvor bereits im britischen Guardian erschienen ist, wendet sich die nigerianische Schriftstellerin gegen ein Gesetz, das "unanständige" Kleidung in der Öffentlichkeit unter Strafe stellen soll. Danach darf der Ausschnitt von den Schultern abwärts höchstens zwei Zoll (ca. 5 cm) betragen und die Taille einer Frau, die älter als 14 Jahre ist, dürfe nicht zu sehen sein. Ein Gesetz, das sich nach Ansicht der Autorin eindeutig gegen Frauen wende. Und wie immer würden geschlechtsspezifische Angelegenheiten durch die Zugehörigkeit zur Unterschicht kompliziert. Dieses Gesetz betreffe in einem weiteren Sinne Gesellschaften, für die Frauen sichere Sündenböcke darstellten und → Nigeria sei nur ein Beispiel dafür. [...] Abschließend stellt Chimamanda Ngozi Adiche fest: "Dieses Gesetz hat viele Unterstützer, die sicher wissen, dass die moralische Dekadenz in unserer Gesellschaft nicht daher kommt, dass Frauen Miniröcke tragen, sondern von Männern und Frauen, die stehlen und öffentlich Gott danken, nachdem sie gestohlen haben, weil die Fähigkeit sich ehrlich auszudrücken kompromittiert wird von einem buchstäblichen und symbolischen Hunger, weil wir die Kultur der Heuchelei begrüßt und festgeschrieben haben. Und es ist diese Kultur der Scheinheiligkeit, die dieses Gesetz bewahren wird". · (This Day, Nigeria, ÜEK: J.K.)
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3. April
2008
80. Geburtstag des senegalesischen Politikers und Romanciers Cheikh Hamidou Kane.
Cheikh Hamidou Kane

Nach der gymnasialen Ausbildung hatte Kane in Paris studiert und war nach dem Abschluss in Recht und Philosophie in seine Heimat zurückgekehrt, wo er 1960 als Gouverneur der Region Thiès seine politische Laufbahn begann.
Große Anerkennung errang Kane mit seinem 1961 erschienenen Roman L'Aventure ambiguë (engl.: Ambiguous Adventure; dt: Der Zwiespalt des Samba Diallo; Übersetzung: János Riesz u. Alfred Prédhumeau), der im darauf folgenden Jahr mit dem Grand prix littéraire d'Afrique noire ausgezeichnet wurde.
cover: CHEIKH HAMIDOU KANE: ZWIESPALT
CH. HAMIDOU KANE
DER ZWIESPALT ...
Anschließend folgte eine Jahrzehnte anhaltende literarische Abstinenz, erst 1995 veröffentlichte Cheikh Hamidou Kane einen zweiten Roman, eine Fortsetzung der "ungewissen Abenteuer" des Samba Diallo. Während der erste Roman von der Entfremdung des Protagonisten erzählt, der seine islamisch-afrikanische Welt verlässt, um durch Ausbildung und das Leben im Westen geprägt zu werden, beruht der zweite Roman inhaltlich auf einem Konflikt der senegalesischen Politiker Mamadou Dia und Léopold Sédar Senghor. Ersterer war der erste Ministerpräsident des Senegal. Ihm wurde vorgeworfen, einen Militärputsch gegen seinen Präsidenten Senghor geplant zu haben.
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zeit

 

los
Afrikanische und arabische Sprüche und Weisheiten:

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11. April
2008
chrAbs Italienischer "Mittelmeerpreis der Poesie" an Fuad Rifka.
Der in
Syrien geborene und im Libanon aufgewachsene Lyriker nimmt den mit 10.000 € dotierten Preis heute in Treviso entgegen. Geehrt wird er für sein Gesamtwerk, mit dem er einen zentralen Bezug zu dieser Region herstellt.
Der emeritierte Professor der Philosophie an der Amerikanischen Universität Beirut hat sich als Neuerer der arabischen Lyrik und als Übersetzer - insbesondere deutscher Dichtung - verdient gemacht.
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3. Mai
2008
chrAbs "Kenianischer Dramatiker Ngugi wa Mirii gestorben",
berichtet die simbabwische Wochenzeitung The Standard.
  mehr dazu, · (Standard Simbabwe, ÜEK: J.K.)
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8. Mai
2008
chrAbs "Herausgeber von The Standard verhaftet",
titelt die private englischsprachige Wochenzeitung in eigener Sache und konkretisiert, die Polizei habe diesen wegen der Veröffentlichung der Meinung eines führenden Oppositionspolitikers festgenommen.
  mehr dazu, · (Standard Simbabwe, ÜEK: J.K.)
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16. Mai
2008
chrAbs "Der ägyptische Autor Alaa al-Aswani wird mit dem ersten Coburger Rückert-Preis ausgezeichnet",
meldet die Coburger Zeitung Neue Presse.
Die Stadt ehre mit  Alaa al-Aswani "einen der meistgelesenen arabischen Autoren unserer Zeit, einen Querdenker, der in humorvoller und tiefgründiger Weise den Blick auf die zahlreichen Facetten der ägyptischen Gesellschaft und der arabischen Welt lenkt", heiße es in der Verleihungsurkunde. Der mit 7.500 € dotierte Rückert-Preis verstehe sich, so der Coburger Bürgermeister Norbert Tessmer, "als Brücke zwischen Orient und Okzident, aber auch als Ehrung des Dichters und Orientalisten Friedrich Rückert". (vgl. Neue Presse v. 17.05.2008)
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2008
chrAbs Im Alter von 95 Jahren stirbt in Paris der frankophone ägyptische Schriftsteller Albert Cossery
Foto - Alfred Farag
Albert Cossery
Portrait von
Frederico Penteado

1945 war er nach Paris übergesiedelt und lebte dort zeit seines Lebens in ein- und demselben Hotelzimmer. Er war bekannt mit einigen der herausragendsten Schrifsteller seiner Zeit, u.a. mit Henry Miller, Albert Camus, Jean-Paul Sartre, Jean Genet und Lawrence Durrell.
Über sein Schreiben heißt es im britischen Guardian: "Seine ätzende Satire, die wie die Sonne der Wüste brannte, unterminierte alle Formen von Autorität. In La Violence et la Dérision (Gewalt und Gelächter) nutzen Freiheitskämpfer nicht Gewalt als politische Waffe gegen staatliche Willkür, sondern Spott und Verachtung."
Als sein Meisterwerk gilt allgemein der Roman Mendiants et orgueilleux (dt: Gohar der Bettler; Übersetzung: Bernd Wilczek . München und Wien 1996), indem ein ehemaliger Universitätsprofessor sein Seelenheil im Dasein eines Bettlers findet.
Auszeichnungen:
1965: Prix de la Société des Gens de Lettres (SGDL) für La Violence et la dérision
1990: Grand Prix de la francophonie de l'Académie française für sein Gesamtwerk
1995: Grand Prix littéraire d'Antibes - Juan-les-Pins/Jacques Audiberti ("Grand Prix Audiberti") für sein Gesamtwerk
2000: Prix Méditerranée für Les Couleurs de l'infamie
2005: Grand Prix Poncetton de la Société des gens de lettres für sein Gesamtwerk anlässlich des Erscheinens seiner Sämtlichen Werke

WERK:
Les Hommes oubliés de Dieu, Novellen (1941)
La Maison de la mort certaine, Roman (1944)
Les Fainéants dans la vallée fertile, Roman (1948)
Mendiants et orgueilleux, Roman (1951, dt: Gohar der Bettler. München und Wien 1996, als Taschenbuch: Frankfurt 1998)
La Violence et la Dérision, Roman (1964, dt: Gewalt und Gelächter, Düsseldorf 1966; Berlin 1984 und 2000)
Un complot de saltimbanques, Roman (1975)
Une ambition dans le désert, Roman (1984)
Les Couleurs de l'infamie, Roman (1999)
Les Fainéants dans la vallée fertile, Roman (2004)
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25. Mai
2008 Interview mit dem südafrikanischen Schriftsteller Ivan Vladislavić
Esther Kogelboom befragt
Ivan Vladislavić, der derzeit als Stipendiat auf Sylt weilt, zur Situation in Johannesburg. Was in ihm vorgehe, wenn er die Bilder aus seiner Heimatstadt sehe, wo "eine tödliche Jagd auf Flüchtlinge aus anderen afrikanischen Ländern" stattfinde. Ivan Vladislavić antwortet:
"Das ist eine furchtbare Angelegenheit. Polizei und Militär sollten hart durchgreifen. Es ist ihre Pflicht, die Verbrecher zu fassen. Dann muss ihnen ein Prozess gemacht werden, sie gehören bestraft. Das Wichtigste ist, dass die Menschen begreifen, dass der Staat weder Morde, Vergewaltigungen noch Hetzjagden auf Ausländer oder sonst wen toleriert. Sobald ein anderer Eindruck entsteht, bringt das nur weiteres Unheil." - Vgl. In den Straßen von Johannesburg, Interview von Esther Kogelboom mit Ivan Vladislavić, in: Der Tagesspiegel v. 25.05.2008.
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28. Juni
2008

"Das Monster Mugabe haben viele erschaffen",
schreibt der südafrikanische Schriftsteller
Zakes Mda und zählt die Liste der Vergehen des simbabwischen Regierungschefs auf, bis hin zu den ethnischen Säuberungen in den 80er Jahren. Der Westen aber hätte weggesehen und erst zu protestieren begonnen, "als Mugabes sogenannte Kriegsveteranen die Farmen weißer Simbabwer besetzten".
Eine Lösung der Situation im Nachbarland
Südafrikas sieht Mda in umfassenden Sanktionen. Der Einwand, dass durch Sanktionen die Armen in Simbabwe am meisten getroffen würden, verfange nicht, "denn die Armen leiden bereits jetzt. Millionen Menschen strömen in die Nachbarländer." Aus diesem Grunde würden schon bald weitere Länder der Südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft (SADC) Botsuanas Beispiel folgen und Mugabe anprangern. Erst wenn die Generäle nicht länger in Luxus schwelgen könnten, würden sie sich an den Verhandlungstisch setzen und nach Erlangung von "Immunität gegen Strafverfolgung" Neuwahlen und der Entsendung einer SADC-Friedenstruppe zustimmen. - Vgl. Welt-Online v. 28.06.2008; Aus dem Englischen v. Daniel Eckert.

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30. Juni
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30. Geburtstag des in Addis Abeba geborenen und in den USA lebenden Schriftstellers Dinaw Mengestu.
Im vergangenen Jahr hat Mengestu mit The Beautiful Things that Heaven Bears (dt: Zum Wiedersehen der Sterne; Übersetzung: Volker Oldenburg. Berlin 2009) seinen viel beachteten und mehrfach ausgezeichneten Debutroman veröffentlicht. U.a. wurde dieser ausgezeichnet als Notable Book 2007 der New York Times, als Bestes Erstes Buch durch den britischen Guardian. Beachtenswerterweise wurde er auch für Preise mit feministischer Tendenz nominiert, als Finalist des Prix Femina étranger sowie für den Grand Prix des Lectrices de Elle, ebenfalls als Finalist im Jahr 2007 und dies obwohl im Mittelpunkt des Romans ein männlicher Protagonist steht:
Der äthiopische Immigrant Sepha Stephanos betreibt einen kleinen Lebensmittelladen in Washington, D.C. und lässt sich von seinen afrikanischen Kunden Geschichten aus der Heimat erzählen. Vor siebzehn Jahren musste er aus Äthiopien fliehen, kann aber immer noch keine Wurzeln in der neuen Heimat schlagen. Da bringt die Freundschaft zu einem klugen, lesehungrigen Mädchen namens Naomi ihm plötzlich Lebenfreude in den Alltag und die Liebe zu dessen Mutter Judith, einer weißen Professorin, verheißt ihm gar Aussicht auf Glück.
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Anmerkungen:
* inkl. arabischer Raum
ÜEK: J.K. --> Aus dem Englischen Übersetzt und kommentiert: Janko Kozmus ©
ÜFK: J.K. --> Aus dem Französischen übersetzt und kommentiert: Janko Kozmus ©

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chrAbs Quellen

    chrAbs Sach- und Personenregister
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