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DIE MARABOUT-SEITE
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AFRIKA-CHRONIK
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Quelle:
Allgemeine Zeitung Namibia (AZ, Namibia)

Anmerkungen:
* inkl. arabischer Raum
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CHRONIK
 
Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas*
von innen und außen
 
 
3. u. 7. Okt. 2004
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·  Die MARABOUT-SEITE zitiert aus Namibia ·  
"Die Allgemeine Zeitung aus Namibia belegt mit zwei Berichten das Für und Wider der Grundeinkommensbeihilfezahlungen im Rahmen des BIG-Projekts"
Die namibische Allgemeine Zeitung bringt innerhalb weniger Tage zwei Berichte zum gleichen Thema, dem sog. BIG-Projekt, das zu Beginn des Jahres mit der Zahlung von 100 Namibia-Dollar als Grundeinkommensbeihilfe an 1000 Bewohner des Ortes Otjivero/Omitara nach langer Anlaufzeit in Angriff genommen wurde.
Im ersten Bericht, vom 3. Oktober, resümiert die von Stefan Fischer zitierte BIG-Koalition, die Zahlung eines Grundeinkommens (Basic Income Grant, BIG) reduziere die Armut deutlich und trage zur Steigerung des Lebensstandards der Empfänger bei. Dieses Resümee ziehe die Koalition auf der Basis einer Studie. Nun sollte das Grundeinkommen landesweit ausbezahlt werden. Stefan Fischer überschreibt diesen Bericht: "Weniger Armut mit 100 Dollar"
Der Titel des anderen Berichts - vom 7. Oktober 2008 - lautet:
"Einbruchsserie um Omitara".
Dieser zweite Artikel - verfasst von Dirk Heinrich - fasst die negativen Aspekte des BIG-Projektes im Untertitel folgendermaßen zusammen. "Die Kriminalität und der Alkoholkonsum haben seit Beginn des Grundeinkommen-Pilotprojekts (BIG) zugenommen. Alle Spuren der zahlreichen Einbrüche in Farmhäuser in den vergangenen zwei Wochen führen in das Barackenlager bei Omitara."
Der Bericht beginnt mit der Beschreibung von Schülern, die ihre Grundschule im Barackenlager von Omitara verlassen sowie der Feststellung, dass auch die Kinder seit Monaten die besagten 100 N$ pro Monat erhielten und "nur 100 der 281 Schüler haben ihr Schulgeld von 50 N$ im Jahr bisher bezahlt". Darauf folgt ohne Übergang der Bericht vom ersten Einbruch sowie von der Suche nach den Tätern, die unter Beteiligung von Farmern, darunter Sigi von Lüttwitz, und "Sicherheitsmännern" ins Barackenlager führte. Zwei Jugendliche von 15 und 16 Jahren, die man der Tat verdächtigte, waren mit einer Eselskarre dahin geflüchtet. Der Bericht verweist auf weitere Einbrüche in der Gegend: "Die Spuren der Diebe führten immer in das Squatter-Camp bei Omitara, wo alle Einwohner seit einigen Monaten im Rahmen des Grundeinkommen-Pilotprojekts (BIG-Projekt) jeden Monat 100 Namibia-Dollar erhalten. Seitdem das Geld dort ausgeteilt wird, habe sich die Kriminalität in der Gegend erhöht, sagt von Lüttwitz." Darauf erfolgt erneut der Hinweis, nur 100 Kinder hätten bislang ihr Schulgeld bezahlt. Viele lebten bei Pflegeeltern, "die das Geld jedoch für sich und ihre Mühen nehmen würden", so der Farmer von Lüttwitz, dem der Verfasser auch das letzte Wort des Berichts überlässt, indem er ihn sinngemäß zitiert: "Seit Beginn des BIG-Projekts habe sich allein beim Laden in Omitara der Alkoholverkauf verdreifacht. 14.000 N$ würden dort monatlich für Alkohol ausgegeben. In dem Barackenlager gibt es 16 Shebeens (Barackenbars), von denen nur zwei lizensiert seien. Zudem gebe es dort abgepacktes Fleisch billig zu kaufen. Die Wilderei und der Viehdiebstahl, welche seit Jahren für große Verluste sorgen, hätten in den vergangenen Monaten stark zugenommen."
Ganz anders liest sich, wie eingangs bereits erwähnt, der Zwischenstandsbericht der Initiatoren der Grundeinkommensbeihilfe von der BIG-Koalition. Die positive Einschätzung stützt sich auf eine Studie, die die Situation der Menschen in dem Ort Otjivero/Omitara anhand von Bestandsaufnahmen vom November 2007 und vom Juli 2008 vergleicht. Eine grundsätzliche Änderung wird konstatiert: Die Menschen "bezahlen von dem Geld nur grundlegende Dinge: Essen, Schulgebühren und -uniformen. Niemand hat neue Schuhe oder ein Auto erwähnt", zitiert der Redakteur Stefan Fischer Hilma Shindondola-Moton, Direktorin des Arbeitsforschungsinstituts und BIG-Partners LaRRI, das die besagte Studie anfertigte.
Laut Claudia Haarmann von der evangelischen Kirche ELCRN "habe sich die Nahrungsmittelsicherheit der Bewohner von 20 auf 60 Prozent erhöht" und der tägliche Lebensmittelmangel "sei zudem von 30 auf zwölf Prozent zurückgegangen".
Im direkten Widerspruch zum nur vier Tage später veröffentlichten Bericht steht die Aussage, es hätten "im ersten Halbjahr 2008 doppelt so viele Kinder wie sonst die Schule besucht, weil die Gebühren dafür bezahlt worden seien." Im Übrigen sei die Zahl der Fehlstunden durch Schulbummelei um fünfzig Prozent zurückgegangen.
Auch der Hinweis von der "armutsbedingten Kriminalität" von Herbert Jauch vom LaRRI widerspricht dem zweiten Bericht. Diese sei von 28 auf elf Fälle (jeweils in einem 5-Monats-Zeitraum) zurückgegangen. "Verbrechen werden durch Armut forciert", wird Jauch zitiert. Er erklärte weiter, die meisten Vergehen der Menschen dieses Ortes hätten darin bestanden, "dass sie (Feuer-)Holz von kommerziellen Farmen gestohlen hätten". "Mit dem Wissen über die Ergebnisse der Studie", sagte er weiter, "ist es jetzt sogar kriminell, BIG für ganz Namibia nicht zu unterstützen."
Abschließend konstatiert Dirk Haarmann von der ELCRN, die Auszahlung des Grundeinkommens habe "auch zu wirtschaftlicher Stimulierung und Vorsorgementalität beigetragen". · (AZ, Namibia)
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