DIE MARABOUT-SEITE
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Chronik (1901-2016)

Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas * von innen und außen 

Tageschronik: 14. November 2008

 

· Die MARABOUT-SEITE zitiert aus Uganda ·  

The New Vision, Uganda


"Stämme vor der Ausrottung",

Unter diesem Titel berichtet Ben Okiror für die englischsprachige ugandische Zeitung New Vision und bezieht sich dabei auf den Bevölkerungsreport des Population Secretariat.

Dreißig Prozent von Ugandas Stämmen könnten bis 2015 ausgestorben sein, präzisiert der Autor. Sechs Stämme seien innerhalb vom fünf Jahren um 95 % geschrumpft. Dazu gehörten die Stämme: IK (auch Teuso genannt), Dodoth, Ethur, Jie, Nyangia und Napore.

Gemäß Ugandischem Bevölkerungsbericht 2008 verzeichneten 19 von 61 Stämmen einen Bevölkerungsrückgang seit der letzten Volkszählung im Jahre 2002.

Der Report, der am Mittwoch vom Population Secretariat ( POPSEC) in Kampala veröffentlicht wurde, zeige, dass die Gesamtbevölkerung im vergangenen Jahr um mehr als eine Million auf 29.6 Mio. gewachsen sei. Dies sei jedoch lediglich den acht größten Stämmen zuzuschreiben, die ca. 70 % der Gesamtbevölkerung stellten. Dazu gehörten die Baganda mit 17.3% gefolgt von den Banyankole mit 9.8%, den Basoga mit 8.6% und den Bakiga mit 7.0%, zu den anderen gehörten die Iteso mit 6.4%, die Langi mit 6.1%, die Acholi mit 4.7% und die Bagisu mit 4.6%.

Der Bericht projektiere für das Jahr 2015 die Überschreitung der 38 Mio-Marke für die Bevölkerung Ugandas. Kehrte sich der Trend jedoch nicht um, würden die sechs Stämme zu existieren aufhören.

Interessanterweise, heißt es weiter, könnte ausgerechnet der kleinste der Stämme, die Vonoma, noch existieren. Von den 199 Menschen von 2002, den 128 lt. aktuellem Bericht, könnten dann noch 108 leben.

Bevor der Verfasser des Artikels einige Verantwortliche des Berichts mit ihren Einschätzungen zitiert, folgen weitere, unkommentierte Bevölkerungsraten und -zahlen: Die Dodoth fielen von 328.582 im Jahre 2002 um 98.8% auf nur 2.545 heute, die Jie um 99.3% von 146.661 auf 1.092, und die Napore um 98.9% von 30.591 auf 330. Die Ethur seien um 95.7% reduziert, von 54.312 auf 2.342, die Nyangia um 97.8% von 15.282 auf 332 und die Ik um 47.9% von 16.294 auf 8.497.

Die Mehrheit der Napore sei im Distrikt von Kotido zu finden: 98.9% (30.261), wo auch 0.39 % (121) Lira lebten, 0.22 % (68) Moroto, 35 Kitgum, 13 Mukono, 13 Masindi und 11 Wakiso. In anderen Bezirken lebten weniger als 10 Napore.

Die meisten der Nyangia lebten im Distrikt Kotido (97, 83 %), Angehörige anderer Stämme zählten insgesamt weniger als 1 %. Von vielen anderen Stämmen - u. a. Kasese, Masindi und Rakai - lebten jeweils weniger als 20 Personen dort.

Die größte Gruppe der Jie befinde sich mit 99.26 % im Distrikt Kotido. Einige wenige Jie lebten in den Distrikten Pader, Kampala, Bugiri, Wakiso, Masindi, Kitgum, Moroto und Mukono.

Die übrigen drei Stämme seien ausschließlich in der Subregion Karamoja zu finden. Die Ik lebten ausschließlich im Nordteil des Kaabong-Distrikts, die Dodoth in Kotido und die Ethur in Abim.

Crescent Tirinawe vom Ministerium für Gender, Arbeit und Soziale Entwicklung führt den Bevölkerungsrückgang auf steigende Sterberaten zurück.

Tirinawe, der die Forschung zu den Stämmen durchführte, gab an, die Menschen würden im Krankheitsfall selten Behandlung in den Gesundheitszentren suchen. Das Risiko, dem diese Gruppen sich ausgesetzt sähen, seien erhöhte Mütter- und Kindersterblichkeitsraten, sagte er weiter: "Wenn sie krank werden, wenden sie traditionelle Kräuter an und dies muss zur Sprache kommen, wenn sie überleben wollen" .

Er schlug, heißt es in dem Artikel weiter, eine Schulung in Programmen vor, die auf den kulturellen Einstellungen dieser Gruppen basierten. Dies würde ihr Bewusstsein fördern sowie ihre Integration in den zentralen Entwicklungsprozess.

Kabann Kabananukye, dessen Dissertation sich mit den ethnischen Minderheiten in  Uganda befasse, konstatiere, angesichts ihrer von einer Anzahl von Faktoren abhängigen Verletzlichkeit, tendierten diese Stämme zu einer nach innen gerichteten Haltung.

Aufgrund der Geringschätzung, die sie von anderen Stämmen erführen, würden sie auch dann nicht in diese einheiraten, wenn sie in der eigenen Gemeinschaft keine Partner fänden, wodurch sie weniger Kinder zeugten.

Sie lebten generell in ärmlichen Verhältnissen, die von armseligen Essgewohnheiten bis zu mangelhaften Sanitäreinrichtungen und mangelhafter Hygiene reichten.

Da sie isoliert seien, hätten sie im Allgemeinen keinen Zugang zu Informationen von Gesundheits- und anderen Diensten.

Hannington Burunde, Chef der Informations- und Kommunikationsabteilung bei POPSEC, habe Besorgnis über den Bevölkerungsrückgang der Stämme geäußert.

Wie andere Ugander, sollten auch sie mit den Annehmlichkeiten ausgestattet werden, die ihre Lebensqualität verbesserten, sagte Burunde. Das, fügte er hinzu, würde sie befähigen, an der nationalen Entwicklung teilzuhaben.

"Neuregistrierung und Begutachtung dieser Gruppen", wird Hannington Burunde abschließend zitiert, "würde dabei helfen, Entscheidungsträger über deren Zwangslage zu informieren und die darauf folgende Planung für sie in Angriff zu nehmen". · (New Vision, ÜEK: J.K.)

Quelle:
The New Vision, Uganda's Leading Daily (New Vision)

Anmerkungen:
* inkl. arabischer Raum
ÜEK: J.K. --> Aus dem Englischen übersetzt und kommentiert: Janko Kozmus ©


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