DIE MARABOUT-SEITE
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Chronik (1901-2016)

Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas * von innen und außen 

Tageschronik: 16. Januar 2008

 

· Die MARABOUT-SEITE zitiert aus Namibia ·  


"BIG-Koalition zahlt Beihilfen aus"

Windhoek
Die erste Gruppe der Einwohner von Otjivero, heißt es in der englischspr. Zeitung New Era, habe gestern mit der Umsetzung des Projekts der BIG-Koalition (Basic Income Grant, Grundeinkommensbeihilfe)
N$100 pro Person erhalten.

Die erste Auszahlung habe gestern begonnen und werde heute beendet. Der Vorgang umfasse die Registrierung, die Beglaubigung der Empfänger und die Zahlung selbst. "Eine begeisterte Menge, die sich unter Bäumen versammelt hatte, um dem Vorgang beizuwohnen, klatschte jedesmal in die Hände, wenn einer von ihnen sein Geld bekam".

"Von nun an wird es uns gut gehen", zitiert Wezi Tjaronda, der Verfasser dieses Berichts, eine ältere Frau, die sich um ihre drei verwaisten Enkel zu kümmern habe.

Die meisten Haushalte mit einem Rentner lebten, was das Essen und die Schulausgaben anbelangte, von den Zahlungen der Altersrente.

Eine andere Einwohnerin namens Ouma Bettie Naugas habe gegenüber New Era angegeben, sie würde nun in der Lage sein, nicht nur Schulgebühren zu bezahlen und Essen zu kaufen, sondern auch Kleidung für die drei Enkelkinder, für die sie sorge.

Max Smith, der zwölf Mitglieder im Haushalt habe, wird ein weiter Bewohner der Gemeinde eingeführt, begrüßte BIG als eine willkommene Unterstützung. Als Gelegenheitsarbeiter auf gewerblichen Farmen konnte er nur zwischen N$200 und N$300 monatlich für seine Familie aufbringen.

"Wir bettelten manchmal um Essen. Aber nun werden wir genug Geld haben, um Essen zu kaufen, die Schulgebühren zu bezahlen und sogar, um etwas für die Zukunft zu sparen", wird besagter Max Smith zitiert.

Die größte Not der meisten Haushalte, die ihn bitterer Armut lebten, betreffe die Ernährung, stellt der Redakteur sachlich fest. Die Koalition habe eine Basisbefragung zu den Lebensbedingungen der Einwohner im November letzten Jahres durchgeführt. Die meisten interviewten Haushalte haben sich, nach dem Kenntnisstand von New Era, über Hunger beschwert, da sie sich nur zwei Mahlzeiten täglich leisten könnten, manchmal nur eine am Tag.

Die Basisbefragung werde alle sechs Monate über die nächsten zwei Jahre hinweg durchgeführt, um die Wirkung der Förderung einschätzen zu können.

Reverend Claudia Haarmann vom BIG-Sekretariat, heißt es weiter, habe berichtet, die Kinder der fünfzig interviewten Haushalte seien gewogen worden, um ihren Ernährungszustand bemessen zu können. Es werde angenommen, dass sich die Kinder in einem schlechten Ernährungszustand befänden. Die Ergebnisse der Untersuchung würden voraussichtlich im März, nach Analyse der Daten, veröffentlicht.

Die Koalition verteilt die Unterstützung an ungefähr 1000 Einwohner von Otjivero während 24 Monaten bis zum Dezember kommenden Jahres, um zu demonstrieren, dass Einkommenssicherheit sich auswirkt und die gewünschten Effekte zeitigen werde.

In einer Stellungnahme am gestrigen Tag hieß es vonseiten der Koalition, sie erwarte, dass die Maßnahme, sollte sie sich als wirkungsvoll erweisen, von der Regierung auf nationaler Basis eingeführte werde.
Bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt habe die Koalition genügend Geld aufgebracht, um die Förderung für ein Jahr zu bezahlen; sie werde sich weiter um Mittel, v.a. auf Genossenschaftsebene, bemühen.
Die Gemeinde von Omitara etablierte im vergangenen Jahr ein BIG Projektkomitee, um den Erfolg des Projekts zu gewährleisten.

"Wenn wir das Ganze vermasseln wird ganz Namibia Bankrott machen und ganz Afrika wird als Katastrophe angesehen. Dieses Projekt steht in Omitara auf dem Prüfstand, während die Blicke der Welt darauf fokussiert sind", heißt es in der Komitee-Satzung.

Der Vorsitzende des Komitees Steven Eigowab gab an, er sei glücklich, dass die Koalition ihr Versprechen einhalte, was für die Kommune Hoffnung für die Zukunft bedeute.

"Wir wussten, es würde eines Tages beginnen, nun ist es da", wird der "beigeisterte Eigowab" zitiert, das Projekt würde Armut, Krankheit, Prostitution, Billigarbeit und Ausbeutung abbauen.

Zuletzt geht der Verfasser auf möglichen Missbrauch ein: "Um sich dagegen abzusichern, dass nicht die ganze Unterstützung in Kneipen ausgegeben wird, hat das Komitee gemeinsam mit der Gemeinde ein Verbot erlassen, neue Kneipen in Otjivero zu eröffnen." Das Gebiet habe sechs Kneipen, drei davon seien registriert. Angesichts der extremen Armut in diesem Gebiet sei der Alkoholmissbrauch weitverbreitet. Als Beleg hierfür weist New Era darauf hin, dass ein einziges Flaschenlager während der Weihnachtszeit Leergut im Wert von N$6.000 einziehe.

Inzwischen seien zwei neue Läden eröffnet worden, um die Grundbedürfnisse in der Gemeinde zu befriedigen. · (New Era, ÜEK: J.K.)

Quelle:
NEW ERA , englischspr. regierungseigene Tageszeitung, Windhoek, Namibia (New Era)

Anmerkungen:
* inkl. arabischer Raum
ÜEK: J.K. --> Aus dem Englischen übersetzt und kommentiert: Janko Kozmus ©


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