DIE MARABOUT-SEITE
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Chronik (1901-2016)

Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas * von innen und außen 

Tageschronik: 21. Februar 2008

 

· Die MARABOUT-SEITE zitiert aus Saudi-Arabien ·  


"Ein Ausblick auf die häusliche Gewalt",

überschreibt Dr. Fatima Al-Amoudi ihren Bericht für die englischspr. saudische Tageszeitung Arab News, in dem es um häusliche Gewalt mit traditionellem Hintergrund geht. Sie leitet ihre Betrachtung mit der Schilderung eines kleinen Zwischenfalls ein:

Eine saudische Krankenschwester habe einen 10-jährigen Jungen bei der Hand und zur Seite genommen, um ihm ins Ohr zu flüstern: "Glaubst du nicht, dass du der Mann im Haus bist?! Solltest Du nicht Deine Schwester beschützen?" Der kleine Junge habe mit "Ja" geantwortet, worauf sie gesagt habe: "Warum berätst Du sie dann nicht?! Du bist verantwortlich für sie."

Dieser Zwischenfall ereignete sich, als ein 18-jähriges Mädchen mit unverhülltem Kopf ihrer Mutter und ihrem jüngeren Bruder voran zu einer Klinik gekommen sei. "Ihr rotes Haar sagte viel über ihren rebellischen Charakter aus", meint die Autorin, "während ihre Mutter schwach und hilflos wirkte".

Für die Krankenschwester, die es auf die Förderung der Tugendhaftigkeit abgesehen habe, wäre es angebrachter gewesen, "mit dem jungen Mädchen zu sprechen, anstatt dem Jungen falsche Iideen von Schutztraditionen einzugeben".

Solche verdrehte Haltungen würden in vielen Kulturen als Grundlage dienen, in denen Familien, Jungen in dem Glauben heranzögen, sie seien besser und klüger als ihre Schwestern. Ein Bruder glaubt, dass es sein Recht sei, seine Schwester zu lenken, ihre Schritte zu überwachen und sie sogar zu schlagen - unabhängig davon, wer älter sei. Mädchen würden zu Misstrauen erzogen, stellt Fatima Al-Amoudi fest, während Jungen Selbstvertrauen und Überlegenheit vermittelt werde.

In solcher Umgebung sei Gewalttätigkeit gegen Frauen unvermeidlich. Wer immer seine Schwester schlage, werde mit Sicherheit auch seine Frau schlagen. Und eine Frau, die in einem Klima groß würde, in dem ihr Bruder ihr Schicksal lenkte, gäbe instinktiv dasselbe an ihre Kinder weiter. "Kulturelle Hemmungen rufen in hohem Maße Gewalttätigkeit hervor."

"Gewalt gegen Frauen ist ein internationales Phänomen" und die Statistiken, die solches bewiesen, seien online abrufbar. Es gäbt viele Ursachen für Gewalt gegen Frauen, aber hier ginge es darum, dass Frauen in unserer Gesellschaft nicht respektiert und abgewertet werden.

"Lokale Zeitungen haben kürzlich mehr und mehr Fälle von Gewalt gegen Frauen veröffentlicht. Es gibt Geschichten physischen, psychologischen und sexuellen Mißbrauchs durch Familienmitglieder und Freunde".

Yakin Erturk, Sonderreferentin der Vereinten Nationen des Ressorts Gewalt gegen Frauen, habe in der vergangenen Woche das Königreich besucht und eine Anzahl von Mißbrauchsfällen an saudischen Frauen kritisieren müssen, was internationale Aufmerksamkeit erregt habe. Sie sei auf viele Frauen in den Fürsorgezentren getroffen, die häuslicher Gewalt ausgesetzt waren - einschließlich Fatima, die gewaltsam geschieden wurde.

"Erziehung", schreibt Fatima Al-Amoudi weiter, "ist der bestimmende Faktor für die Behandlung der Frau durch den Mann". Die Gesellschaft müsse sich dessen bewusst sein und dies in die Unterrichtspläne aufnehmen. "In der gleichen Weise wie wir junge Mädchen lehren, ihren Ehemännern zu gehorchen und sie zu respektieren, müssen Jungen erlernen, wie man Frauen liebevoll, nach dem vollkommenen Beispiel des Propheten (Friede sei mit ihm) behandelt".

In Hinsicht auf kurzfristige Lösungen erachtet Fatima Al-Amoudi es als notwendig, eine entsprechende Hotline mit Experten einzurichten, um missbrauchten Frauen beizustehen.

"Diese würde zusätzlich zu den Schutzzentren in sämtlichen Städten des Königreiches und der sofortigen Anwendung der Shariah-Strafen an jenen, die bewiesenermaßen schuldig sind, zur Verfügung stehen. Die Medien sollten zusätzlich die Aufmerksamkeit auf jene lenken, die solch schreckliche Verbrechen begingen, um "eine Botschaft an alle Gewalttätigen zu senden, die im Königreich lauern". · (Arab News, ÜEK: J.K.)

Quelle:
Arab News (englischspr. saudische Tageszeitung (Arab News)

Anmerkungen:
* inkl. arabischer Raum
ÜEK: J.K. --> Aus dem Englischen übersetzt und kommentiert: Janko Kozmus ©


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