DIE MARABOUT-SEITE
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Chronik (1901-2016)

Zur Sozial- und Literaturgeschichte Afrikas * von innen und außen 

Tageschronik: 6. Juli 2009

 

· Die MARABOUT-SEITE zitiert aus Ostafrika ·  


"Somalia: Al Shabaab stellt Mogadischus Vergewaltiger und Räuber unter Beobachtung",

überschreibt Charles Onyango-Obbo, verantwortlicher Redakteur der Nation Media Group für die Africa Media Division, seinen Bericht.

Nairobi – „Vor eingen Tagen haben
Somalias radikale al Shabaab-Rebellen, die weite Teile des Landes kontrollieren und die möglicherweise gut die zerbrechliche Regierung in Mogadischu überrennen könnten, ein Exempel an jugendlichen Dieben statuiert.“

Die Rebellen, Anhänger einer strikten Form des islamischen Rechts, fährt Charles Onyango-Obbo fort, hätten eine Hand und ein Bein eines jeden straffälligen Teenagers als Bestrafung für Raub abgeschnitten. Zuvor sei ein Vergewaltiger zu Tode gesteinigt worden.

Charles Onyango-Obbos Ansicht nach bedeutet dies für die Gemeinschaft der Menschenrechte und für die ostafrikanische Mittelklasse Barbarei.
Gleichzeitig befürchtet er, dass al Shabaab in den durch Kriminalität aufgerüttelten Slums, in den Arbeiterquartieren und in vielen ländlichen Gegenden der Region, ganz zu schweigen ganz Afrikas, mit dieses blutigen Maßnahmen punkten kann.

So verabscheuungswürdig al Shabaabs Aktionen auch sein mögen und ungeachtet der vorgeblichen Verbindungen zu Al-Qaida, al Shabaab würde wahrscheinlich die Wahlen gegen viele untätige Regierungen in diversen afrikanischen Ländern gewinnen, wenn der Wettstreit auf den Punkt Kriminalität reduziert wäre.

In Teilen des Landes wie Zentral-Kenia, "wo die Bewohner von Kriminellen und Erpressergangs bedroht werden, haben sich höchst schlagkräftige Bürgerwehren gebildet, um zurückzuschlagen".

Die Methoden, die sie gegen verdächtige Mitglieder der gesetzlosen Mungiki-Sekte anwenden, lassen, so Charles Onyango-Obbo weiter „al Shabaabs Amputatiionen aussehen wie süß verpackte Nachrichten“.
In Südafrika, einem anderen Land, dessen Städte von bösartigen Kriminellen und Vergewaltigern übernommen würden, sei eine populäre Burgerwehr namens People Against Gangsterism and Drugs (PAGAD) ins Leben gerufen worden, um die Straßen zu säubern.

Der Grund, warum Selbstjustiz Anklang fände, sei darin zusehen, mutmaßt Charles Onyango-Obbo, dass schurkische Elemente in den Sicherheitsdiensten tagsüber dem Gesetz dienten, nachts aber kriminelle Gangs anführten.

Die Bürgerwehren gegen das Verbrechen würden so nur noch mehr Anklang finden.

Obwohl er, Charles Onyango-Obbo, als Pazifist gegen die Todesstrafe sei, gerate er in einen extremen Konflikt, wenn es um Vergewaltiger und Massenmörder geht, weil er davon ausgehe, dass der Grad von solchen und anderen Verbrechen in Afrika eine Ebene erreicht hat, der „unsere Gesellschaften zerstören kann“.

Hätte al Shabaab ihn, den Verfasser dieses Artikels, gefragt, ob der Vergewaltiger, der gesteinigt worden war, verschont und stattdessen lebenslänglich hätte bekommen sollen, hätte er wahrscheinlich eine mehrdeutige Antwort gegeben, so dass man den Eindruck bekommen hätte, dass er die Steinigung favorisiere.

„Die größte Instabilität“, so Charles Onyango-Obbo wörtlich, „die ein al Shabaab-Regime folglich verursachen würde, bestünde nicht darin, die al-Qaida-Gefahr in Ostafrika zu verbreiten, sondern die anderen Regierungen dumm aussehen zu lassen“.

So ergreife al Shabaab die Macht, schreibt Charles Onyango-Obbos, indem er das Szenario durchspielt: „Es enthauptet Tausende von Dieben, hakt eine Hand und ein Bein eines jeden Taschendiebs von Mogadischu ab, hängt Vergewaltiger auf den Marktplätzen auf, blendet alle bestechlichen Polizisten, und ertränkt die Piraten, die im Golf von Aden und im Indischen Ozean eine Bedrohung geworden sind und säubert die Straßen von Khat“.

Mogadischu könnte ein Miniparadies werden, treibt der Verfasser seine Phantasie weiter, wo die Menschen ihre Türen nicht zu verschließen brauchten und „kleine Mädchen können vom zwei Straßen entfernten Haus ihrer Großeltern um halb acht abends nach Hause gehen, ohne fürchten zu müssen, sexuell belästigt zu werden.
In anderen, von der Furcht beherrschten ostafrikanischen Hauptstädten würde der Druck vor dem Stil al Shabaabs, dem Verbrechen zu begegnen, wachsen“, heißt es resümierend. „Das würde für einige Regierungen heikel werden“, glaubt Charles Onyango-Obbo, „denn sie brauchen Verbrechen und Korruption für ihr Überleben.“

·
(East African, ÜE: J.K.)

Quelle:
The East African (überregionale englischspr. Wochenzeitung f. Tansania, Kenia, Uganda, East African

Anmerkungen:
* inkl. arabischer Raum
ÜEK: J.K. --> Aus dem Englischen übersetzt und kommentiert v. Janko Kozmus ©


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